Aufrufe
vor 4 Monaten

Neusser Bürger-Schützenfest -ET 25.08.2017-

  • Text
  • Neusser
  • Neuss
  • August
  • Korps
  • Nickel
  • Christoph
  • Petra
  • Botschafter
  • Burkhard
  • Bunse

10 NEUSSER

10 NEUSSER BÜRGER-SCHÜTZENFEST ngz FREITAG, 25. AUGUST 2017 Herein, wenn’s ein Schneider ist Mustafa Tezgör weiß, was ein Schütze braucht: Er ist selber einer, schneidert seinen Mitmarschierern die Uniform auf en Leib und hilft bei einem Malheur aus. VON ELISABETH KELDENICH NEUSS Wenn es einen Himmel für die Neusser Schützen gibt, dann liegt er an der Krefelder Straße. Denn dort betreibt Regimentsschneider Mustafa Tezgör seinen Uniformladen. Dort reihen sich die Dienstanzüge für die Schützen aneinander so weit das Auge reicht – schwarze Fräcke, Offiziersuniformen für die Grenadiere in altem und neuem Blau, grüne Jägerröcke und weiße Hosen. Darüber stapeln sich gefühlt eine Million Hüte in allen Größen. Und allerlei Accessoires wie künstliche Blumen, Handschuhe und Korpsabzeichen. „Sie lasse ich in der Türkei sticken, das ist hier zu teuer“, erklärt der 54-jährige Schneider. Gerade frisch eingetroffen: glänzende Zylinder aus Seide. „Ich kleide die Schützen vollständig ein“, sagt Tezgör. Die Uniformen hat er vorproduziert – notwendige Änderungen nimmt er in seinem wenige Meter entfernten Schneidergeschäft an der Königstraße vor. Dort lassen die Mitglieder kleinerer Korps oft Maßanfertigungen herstellen. In den letzten vierzehn Tagen vor Schützenfest herrscht Hochbetrieb. Wilhelm Fuchs, Vorsitzender des Stadtsportverbandes Neuss, schneit mit einer weißen Weste über dem Arm herein. „Ich habe zwei, aber die hier ist mir zu groß“, erklärt er. Er zieht sie an, und Mustafa Tezgör steckt mit Hilfe von zahlreichen Nadeln die Nähte schnell und geschickt enger. „So ist es gut“, sagt Fuchs. Wenn Tezgör den kurzen Weg zwischen seinen beiden Wirkungsstätten zurücklegt, ist immer wieder zu hören: „Hallo Mustafa!“ Er ist sprichwörtlich bekannt wie ein bunter Hund lebt seit seinem vierten Lebensjahr in Neuss. Sein Vater gründete vor 42 Jahren die Schneiderei an der Königstraße. 986 wurde sie vom Sohn übernommen. Zwei Jahre später begann Tezgör, sich mit dem Neusser Schützenwesen und seinen Uniformen zu beschäftigen. „Ich hatte keine Ahnung und habe mir alles über Korpsverordnungen und Vorschriftenkataloge angelesen“, erinnert er sich. Zaghaft wagte er sich an die ersten Uniformen, bis das Schützenvirus 1997 endgültig auf ihn übersprang. Sein Nachbar Karl Heinz Greiß animierte ihn, dem neugegründeten Zug „Drususjünger“ beizutreten. „Inzwischen bin ich Oberstleutnant“, sagt Tezgör stolz. Und seitdem verbindet er Be- „Ich hatte keine Ahnung und habe mir alles angelesen“ Mustafa Tezgör Schneider ruf mit dem Hobby und avancierte zum Regimentsschneider. „Die Schützen vertrauen mir “, sagt er. Vor allem die, die auf den letzten Drücker kommen, um noch eine Uniform zu kaufen. „Auf den allerletzten“, betont der Fachmann. Wenn dann keine passende mehr da sei, werde eben tagelang der Bauch eingezogen, erklärt Tezgör augenzwinkernd. Seine eigene Uniform trägt er seit zehn Jahren. „Die Figur verändert sich ja mit zunehmenden Alter, aber ich habe da so meine Tricks“, sagt er und lacht. Mit einer mobilen Notschneiderei ist auch während der Schützenfesttage an der „Rollmopsallee“ vertreten. „Dort sind immer zwei Helfer anwesend, ab und zu springe ich auch ein“, erläutert der Schneider und nimmt dafür ein Getränk als „Ausgleich“. In diesem Jahr feiert das Angebot sein Zehnjähriges: „Inzwischen ist das Kult.“ Meistens sind Knöpfe anzunähen, Hosenreißverschlüsse zu ersetzen oder ganz aktuelle Beförderungen in Form von Abzeichen und ähnlichem anzubringen. Auch die Musiker werden versorgt – er repariert sogar ihre Schuhe mit schwarzem Tesaband. Echte Not hatten auch schon Besucher und Zivilisten durch geplatzte Hosen. „Sie haben dann halbnackt im Auto auf die Reparatur gewartet“, erinnert sich Tezgör und schmunzelt. Und was ist für ihn das Schönste am Schützenfest? „Alles“, kommt die spontane Antwort. Denn er genießt das unbeschwerte Feiern an diesen für ihn freien Tagen. „Sonst habe ich durch meine Arbeit keine Zeit für etwas anderes“, erklärt er. Seit 30 Jahren übernimmt Tezgör Aufträge für ein alt eingesessenes Bekleidungsgeschäft und hat immer gut zu tun. An den Festtagen entspannt er – und Bier trinkt er als Moslem auch. „Ich war sowieso immer voll integriert“, sagt der Vater zweier erwachsener Kinder. Im Geschäft an der Königstraße unterstützt ihn seine Frau. Die Kunden genießen auch die Gastfreundschaft des Ehepaars bei Tee und kalten Getränken. Tezgör verliert bei allem Trubel – im laden wie auch außerhalb – weder Geduld, Ruhe noch Freundlichkeit. Er weiß auch genau, dass er wieder als Letzter zur Parade erscheint. Einfach, weil er bis zum Schluss der Regimentsschneider ist. Aber wenn er dann bei seinen Zug- Kameraden ist – dann ist er „nur“ der Schütze Tezgör. Mustafa Tezgör wurde in der Türkei geboren und hat zwei Geschäfte in der Neusser Innenstadt. Er ist Anlaufstelle für viele, die entweder eine Uniform maßgeschneidert haben oder in letzter Sekunde eine Änderung machen lassen wollen – oder auch müssen. FOTO (4): WOI Unverwechselbar: Das Emblem mit dem Zugnamen wird schnell aufgenäht. Aufgereiht: Uniformen aller Art bietet der Schneider an. Korpsabzeichen aus der Türkei: Dort lässt Mustafa Tezgör sie sticken.

ngz FREITAG, 25. AUGUST 2017 NEUSSER BÜRGER-SCHÜTZENFEST 11 Königinnen-Tag Die Ex-Königinnen armen Kuhnert und Petra Halm organisieren einen Besuch auf Schloss Dyck in Jüchen. VON CARINA WERNIG Gruppenbild mit Ex-Königinnen: Der Neusser Kreis genießt den Ausflug nach Jüchen zum Schloss Dyck, wo Ursula Kamper (2.v.l.) sie geleitet. Mit Kaffee und Kuchen hat der Königinnen-Tag für die Gruppe um Petra Halm (stehend) und Carmen Kuhnert (r.) begonnen. Ursula Kamper führt die Ex-Königinnen als Hofdame „Marie- Louise von Salm“ aus dem Jahr 1820 rund um Schloss Dyck. FOTO (3): CARINA WERNIG NEUSS Da staunen die Neusser Ex- Königinnen: „Sie sind aber auch ganz schön liberal“, meint „Marie- Louise von Salm“, Hofdame bei der Herrschaft auf Schloss Dyck. „Genau wie mein Fürst Joseph, der so einiges durchgehen lässt“, plaudert das adelige Fräulein aus, das 15 Schützenköniginnen auf ihrem Ausflug rund um das Wasserschloss geleitet und ins Jahr 1820 „entführt“. „Sie haben ja gar keine Krone, noch nicht mal ein Diadem auf“, moniert die aufgeweckte Hofdame, die herrlich höfisch, mit einem kleinen Hang zum Hochnäsigen, von Ursula Kamper gespielt wird. Die sympathischen Regentinnen, deren Königsjahre zum Glück nicht ganz so weit in der Vergangenheit liegen, lachen über die Scherze der Hofdame und freuen sich über die Anekdoten aus der Fürsten- und Grafen-Familie derer von Salm- Reifferscheidt-Dyck. „Wir wollten unseren Kolleginnen etwas Besonderes bieten“, erklärt Carmen Kuhnert (Königspaar 2010/11 mit ihrem Mann Werner). Gemeinsam mit ihrer Nachfolgerin Petra Halm (Königspaar 2011/12 mit ihrem Mann Rainer) organisiert sie seit zwei Jahren diesen besonderen Treff für ehemalige Schützenköniginnen – passend am Nachmittag des Königsehrenabends. „Da haben die Männer sowieso anderes zu tun“, sagt Elisabeth Verfürth lachend (Königspaar 2008/09 mit ihrem Mann Hermann-Josef). Auch die anderen Königinnen nehmen gern an dem „Königinnen- Tag“ teil, der immer ein anderes Ziel hat. Angefangen hat es 2015 mit einem Besuch der Agentur h 1 am Hafenbecken I, wo das Schützenfestprogramm des Neusser Bürger- Schützen-Vereins entsteht. Im vorigen Jahr trafen sich die Ex-Königinnen in der Geschäftsstelle der Heimatfreunde, danach gab es eine Führung im Quirinusmünster und die Gelegenheit, zum Glockenspiel ins Vogthaus aufzusteigen. Natürlich gehören auch Speisen und Getränke zum Programm, dieses Mal auch eine Planwagenfahrt, die eine Überraschung war wie der Rest: Die Ex-Königinnen wussten nur, dass sie sich am Möbelhaus Höffner treffen, wo sie Hausleiter und Grenadier Jens Olding zu Kaffee und Kuchen empfing. Zur Führung durch Schloss Dyck hatte die Damen der König von 1997/98 eingeladen: Heinz-Willi Maassen, Vorsitzender der Freunde und Förderer von Schloss Dyck: „Es ist mir eine Ehre!“ „Die Möglichkeit zum Erfahrungsaustausch ist toll“, sagt Hildegard Hellendahl (Königspaar 1994/ 95 mit ihrem Mann Christian). „Wir quatschen ja auch gern“, ergänzt Carmen Kuhnert, die mit Petra Halm schon die Vorbereitungen für 2018 aufgenommen hat: „Das hat schon Tradition und ist inzwischen Brauchtum“, sagt Petra Halm.

Sonderveröffentlichungen