Aufrufe
vor 1 Monat

Niederrheinische Blätter -12.10.2017 Nord-

  • Text
  • Niederrheinische
  • Heinz
  • Kock
  • Archiv
  • Dieter
  • Knebel
  • Niederrhein
  • Hanns
  • Yvonne
  • Lyko

Der Name Hanns Dieter

Der Name Hanns Dieter Hüsch ist ganz eng mit der Landschaft und mit den Menschen verknüpft. Die Ikone des Niederrheins Der 2005 verstorbene Kabarettist Hanns Dieter Hüsch stellte die niederrheinische Küche vor und schrieb besinnlich-heitere Texte über Alltägliches vom Niederrhein. Foto: Archiv Friedrich „Alles, was ich bin, ist niederrheinisch. All mein Denken und Fühlen, Reden und Singen ist niederrheinisch.“ Für Hanns Dieter Hüsch war der Niederrhein Phantasie, Philosophie und „all mein Sehen und Staunen, all mein Hören und Sterben.“ Hüsch ist die Ikone des Niederrheins, sein Name bleibt mit der Landschaft verknüpft. Doch er war viel mehr als ein Dichter des Niederrheins, er war im ganzen Land bekannt als Kabarettist, Sänger, Musiker, Schriftsteller, Synchron-Sprecher, Schauspieler. Seine Kreativität und sein Ideenreichtum haben dazu beigetragen, dass er rund 53 Jahre lang mit über 70 eigenen Programmen auf den Bühnen präsent war. Geprägt durch sein Studium in Mainz schreibt er 1949 sein erstes Soloprogramm: „Das literarische Klavier“. In Mainz, seinem Wohnort bis 1988, gründet er sein erstes eigenes Kabarett: arche nova, das von 1956 bis 1961 besteht. Er spielt mit Worten, jongliert mit der Sprache und karikiert den deutschen Klein- und Spießbürger. Er wird zunehmend politischer. 1967 nimmt Hüsch gemeinsam mit Franz Josef Degenhardt, Wolfgang Neuss und Dieter Süverkrüp eine Schallplatte auf mit dem Titel „Da habt ihr es!“ 1968 begeistert er das Publikum auf den „Essener Songtagen“. Seit diesem Auftritt ist die Orgel sein musikalisches Kennzeichen. Abrechnung mit den Kritikern Im Juni 1968 folgt die jähe Zäsur beim Festival „Lied 68“ auf der Burg Waldeck. Es ist eine politisch aufgeladene Zeit. Die ein Jahr zuvor durch den Tod von Benno Ohnesorg beim Schahbesuch begonnenen Studentenproteste und der Tod von Martin Luther King sorgen auch auf Burg Waldeck für eine revolutionäre Stimmung. Die Studenten wollen diskutieren statt nur Lieder anzuhören. So wird der Auftritt von Hanns Dieter Hüsch massiv gestört, er soll sich vor einem Tribunal für den Inhalt seiner Texte verteidigen. Hüsch verzichtet; verbittert und enttäuscht schreibt er sein Programm „Enthauptungen“, in dem er mit den Kritikern abrechnet. Er tritt als Kabarettist nun verstärkt in der Schweiz auf, wird aber Ende der 1960-er Jahre auch für das ZDF tätig. So ist Hüsch die prägende Stimme, die das Handeln und Treiben der „Väter der Klamotte“ beschreibt. Mehr als 400 von Hüsch besprochene Filme strahlt das ZDF aus: mit Laurel und Hardy, Pat und Patachon und den kleinen Strolchen. In den 1970-er und 1980-er Jahren kehrt Hanns Dieter Hüsch auf die Kleinkunstbühnen zurück. Er erfindet sein Alter Ego Hagenbuch, der nörgelnd und im Stil eines Angebers alles Mögliche zugibt, zum Beispiel, dass die Erziehung seiner Kinder eine völlig verfahrene war oder dass er alle Kleidung bis zuletzt auftragen wolle. Hagenbuch wird eine Lieblingsfigur des Publikums. Nach dem Tod seiner Frau Marianne zieht Hüsch 1988 von Mainz nach Köln um. Seine Bühnenauftritte wandeln sich zu Lesungen, immer untermalt vom Orgelspiel. Er engagiert sich auf evangelischen Kirchentagen und schreibt besinnlich-heitere Texte über scheinbar Alltägliches. Und immer wieder geht es um den Niederrhein. Hüsch schreibt Gedichte über seine Lebenslandschaft und stellt die niederrheinische Küche vor. 2001 erleidet er einen Schlaganfall, von dem er sich nicht mehr erholt. Im Dezember 2005 stirbt er. Seine Heimatstadt Moers ehrt den großen Sohn der Stadt zum einen mit einem Ehrengrab auf dem Hülsdonker Hauptfriedhof, zum anderen mit einem Platz, der den Namen von Hanns Dieter Hüsch trägt. Auch 12 Jahre nach seinem Tod ist Hüsch vielen Menschen präsent, vor allem den Niederrheinern, die seit Hüsch verinnerlicht haben, dass sie zwar nichts wissen, aber alles erklären können. Friedhelm Ruf INFO Hanns Dieter Hüsch wurde am 6. Mai 1925 in Moers geboren, er starb am 6. Dezember 2005 in Werfen. 1999 rief Hüsch den niederrheinschen Kleinkunstpreis „Das Schwarze Schaf“ ins Leben. 8 Niederrheinische Blätter — 4/2017

Der „Wahnsinnige Puppenspieler“ Heinz Bömler aus Goch führt sein Publikum gerne an der Nase herum. Der Chef betrügt persönlich Als „Wahnsinniger Puppenspieler“ wurde er bekannt, als Boss der Firma „Lug und Betrug“ mit dem Slogan „Hier betrügt Sie der Chef persönlich“ ist er außerdem tätig, und auch die große Bühne ist ihm nicht fremd. Die Rede ist von Heinz Bömler, einem echten niederrheinischen Original. Aufgewachsen ist Bömler in Goch. Zunächst schlug er eine Karriere als Industriekaufmann ein, doch schnell wurde ihm klar, dass er das Kreative braucht und einen anderen Lebensweg einschlagen musste. Anfang der 80er Jahre gründete er das Puppentheater „Bolderwagen“ und reiste damit quer durch Europa. Vor unzähligen Menschen hat er gespielt, um die 100 Auftritte absolvierte er jedes Jahr in seinem Bauwagen, in Wien, Brüssel oder Arnheim zog er das Publikum in seinen Bann. Dann wurde Bömler sesshaft, erwarb die alte Güterabfertigung in Hassum, einen Vorort von Goch, die er kurzerhand zur „Weltbühne Hassum“ erklärte und als Theaterbühne nutzte. 1994 brachte er die Viller Mühle in seinen Besitz und baute sie zum sehenswerten Museum mit einer Sammlung alter Läden und Kuriositäten inklusive Kabarett- und Konzertbühne aus. Auch wenn er bereits 74 Jahre alt ist, steht Bömler noch immer gerne auf der Bühne. Von dort aus ruft er sein Publikum gerne zum Betrug auf: „Gründet doch auch eine Betrugsfirma. Hoeneß hat eine, der ADAC hat eine – nur Ihr betrügt noch nicht!“ Bömler hat ein Herz fürs Kabarett. 2002 startete die vom Klever Kabarett-Manager Bruno Schmitz erfundene Kabarettreihe „Hart an der Grenze“: Die Viller Mühle war der perfekte Standort, weil sie kurz vor der deutsch-niederländischen Grenze liegt. Und als Gastgeber mit viel Humor und Wortwitz passte Bömler perfekt ins Konzept. Heute ist die Veranstaltung beliebt wie eh und je. „Bei all meinen Aktivitäten lasse ich mir eines nicht nehmen, die Zeit für meine Eulenspiegeleien. Ich führe einfach gerne andere an der Nase herum“, sagt der 74-Jährige über sich selbst. Und das macht er so charmant, dass man sich gerne „betrügen“ lässt. Marc Cattelaens Heinz Bömler agiert auf der Weltbühne. Foto: Archiv Evers 4/2017 — Niederrheinische Blätter 9

Sonderveröffentlichungen