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Niederrheinische Blätter -12.10.2017 Süd-

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Mirja Boes begeistert im

Mirja Boes begeistert im TV und live auf der Bühne. Mama ist laut Mirja Boes ist ein Superstar auf der Bühne. Die Band „Honkey Donkeys“ weiß das. Foto: Archiv Ta In etwas weniger als acht Stunden wird Mirja Boes in Nettetal-Lobberich über die Bühne wirbeln und dort gemeinsam mit der Band „Honkey Donkeys“ ihr aktuelles Programm „Für Geld tun wir alles!“ präsentieren. Aber noch steht die Comedian, Schauspielerin und Sängerin ganz entspannt am Bügelbrett zuhause in Köln und flickt eine zerfetzte Jeans. „Die will ich heute Abend anziehen“, erzählt die 46-Jährige. „Denn in Lobberich habe ich vor ziemlich genau zehn Jahren mein allererstes Bühnenprogramm aufgeführt – und zwar in dieser Hose!“ Zu Nettetal hat die sympathische Blondine ein ganz besonderes Verhältnis. „Ganz in der Nähe bin ich aufgewachsen und in Dülken zur Schule gegangen.“ Ihre Eltern leben immer noch in der Gegend, und Martina, die Freundin aus Kindertagen, ist immer noch Mirja Boes’ beste Freundin. Der Kontakt in die Heimat ist nie abgebrochen. Und früher, als die Komikerin auf der Bühne aus ihren Tagebüchern vorgelesen hat, kam es schon mal vor, dass die erwähnten Personen tatsächlich im Publikum saßen. So wie Markus aus Süchteln, ihr erster Freund. „Natürlich gehe ich in der Viersener Ecke mit besonderem Herzblut auf die Bühne“, sagt die Künstlerin. „Ich bin da immer noch regelmäßig und gerne. Aber inzwischen ist Köln meine zweite Heimat.“ Dort lebt die Comedian mit ihrem Lebensgefährten und ihren beiden Söhnen. „Für mich ist Dülken so etwas wie Klein- Köln, und wenn ich mit meinen Jungs die Großeltern besuche, spielen wir jedes Mal das Spiel: Wer entdeckt zuerst den Dülkener Wasserturm?“, erzählt Mirja Boes. „Die Dülkener sind ein lustiges Völkchen, das gerne feiert, freundlich, fröhlich und offen ist.“ Eigenschaften, die auch die preisgekrönte Comedian geprägt haben. „Meiner Meinung nach sind das gute Voraussetzungen, um als Komiker erfolgreich zu sein.“ Ebenso die Fähigkeit, Menschen und Situationen erst einmal zu beobachten und dann „richtig einen rauszuhauen“. „Das ist für mich typisch Niederrhein! – Und natürlich die Kunst, über sich selbst lachen zu können und sich nicht so ernst zu nehmen.“ Bekannt wurde Mirja Boes als Mitglied der „Fabulösen Thekenschlampen“ und später mit diversen Ballermann-Auftritten. Als „Möhre“ begeisterte sie auf Mallorca die Urlauber mit derbem Humor, ihrer markanten Stimme und mit Partykrachern wie „20 Zentimeter“. Manche Fans sind überrascht, wenn sie erfahren, dass die Lehrertochter früher im Schulorchester Fagott gespielt, den Literaturkursus und die Theater-AG besucht und ein Sprachstudium begonnen hat. Aber für Mirja Boes, die längst als erfolgreiche Bühnen- und TV-Künstlerin anerkannt ist, ist das kein Widerspruch. „Natürlich bin ich relativ behütet und ohne Remmidemmi aufgewachsen. Aber meine Eltern haben mich immer unterstützt. Und sie waren es auch, die während meiner Ballermann-Auftritte in der ersten Reihe standen - eben auch echte, rheinische Frohnaturen!“ Die Dreisten Drei Dass es Richtung Bühne gehen würde, war schon früh klar. Während ihres Musical-Studiums in Leipzig bescheinigte man ihr im Zeugnis: „Das blonde Energiebündel aus NRW sollte sein komisches Talent nicht unterdrücken.“ Und bei einem ihrer Auftritte mit der Impro-Theatergruppe „Frizzles“ wurde sie dann prompt für die Sat.1-Comedy-Serie „Die Dreisten Drei“ gecastet. Die deutsche Comedy- Szene sei mittlerweile weiblicher, aber auch viel schnelllebiger geworden, sagt Mirja Boes. „Es gibt unglaublich viele Newcomer.“ Freundschaften ergäben sich in ihrer Branche auch - wie in jedem anderen Job: „Mit manchen ist man enger, mit anderen nicht.“ Mit ihrem Kollegen Martin Rütter beispielsweise habe sie auch privat gerne Kontakt. Apropos privat: Auch abseits der Bühne beschreibt sich Mirja Boes als „laut, lebhaft und fröhlich – ich bin einfach sehr lebensfroh“. Ihre Söhne sagten sogar manchmal: „Mama, jetzt sei nicht wieder so albern!“ Noch sieben Stunden bis zum Auftritt in Lobberich, die Jeans ist längst gebügelt und geflickt – gleich kommen die Honkey Donkeys, Mirja Boes „Ersatzfamilie“. Dann wird der Sprinter gepackt, „ich nehme wie immer Süßzeug für alle mit“, und es geht los Richtung Niederrhein. Später dann der Soundcheck und am Abend der Auftritt. Einfach so, ohne Ritual oder Ähnliches. „Ich habe kein Lampenfieber, habe noch nie welches gehabt“, sagt die Künstlerin. „Warum auch? Das ist das Schöne an Comedy: Da kann ruhig mal was schief gehen – das ist ja dann auch lustig.“ In der Nacht fährt die Truppe wieder nach Hause und Mirja Boes zu ihrer Familie. „Für meine Kinder ist mein Beruf eigentlich ganz normal“, überlegt sie. „Mein ältester Sohn hat das einmal so erklärt: Meine Mama ist ein Clown ohne rote Nase!“ Verena Bretz INFO Im kommenden Jahr startet bei RTL die Sitcom „Beste Schwestern“ mit Mirja Boes in der Hauptrolle. In der Serie spielt sie Eva, eine Tierpflegerin und alleinerziehende Mutter, bei der plötzlich die kleine Schwester Toni einzieht. In der Serie erwarte die Zuschauer „Irrsinn und jede Menge Spaß“, verspricht die Schauspielerin. Aktuell sind Mirja Boes und die Honkey Donkeys mit dem Comedy-Impro-Programm „Für Geld tun wir alles“ auf Tour in Deutschland. www.mirja-boes.de. 10 Niederrheinische Blätter —4/2017

Seit fast 30 Jahren steht Uwe Lyko als Herbert Knebel auf der Bühne. Aber Lyko kann noch mehr. Geballte Entladung einer lustigen Kindheit im Pott Das Kassengestell macht den Knebel aus. Foto: Archiv Im Liegen geht’s. Foto: Archiv Willemsen Uwe Lyko ist auch in Zivil unterwegs. Foto: Archiv Probst Auf der Bühne brilliert Lyko als Elvis. Foto: Archiv Kulturbüro „Rocken bis qualmt“ heißt das Programm, mit dem Uwe Lyko als Herbert Knebel zurzeit tourt. Gemeinsam mit seiner Band, den Brüdern Popolski, packt Knebel seine kultigsten Songs aus: „Rentner Love“, „Auf’m Heimweg zu schnell“ und „Papa war bei de Rolling Stones“ ist da zu hören. „Das ist ein reines Musikprogramm, aber es gibt witzige Anmoderationen und ein bisschen Geplänkel untereinander, so dass die Zuschauer auch was zu lachen haben“, erzählt Uwe Lyko. Seit fast 30 Jahren steht der gebürtige Duisburger als Herbert Knebel auf der Bühne. Knebel ist ein schimpfender, hüftsteifer Rentner aus Altenessen, der mit viel Wortwitz aus dem Alltag plaudert, die große Kunst der Pointe beherrscht, das Herz am richtigen Fleck hat und hin und wieder Musik macht. „Die Figur lässt mir unheimliche viele Freiheiten“, sagt Lyko, der den Knebel deshalb auch nach all den Jahren nicht satt hat. Ihre Wurzeln habe die Figur vor allem im familiären Bereich. „Mein Vater hatte sieben Brüder, die alle etwas skurril waren. Ich hatte als Kind viel Spaß mit diesen schrägen Leuten“, erzählt der 63-Jährige. Auch seine Oma Charlotte sei sehr witzig gewesen. „Ich glaube, Knebel ist die geballte Entladung meiner Kindheitserinnerungen.“ Die Texte für das „Affentheater“ schreibt der Kabarettist seit vielen Jahren gemeinsam mit dem Autor und Regisseur Sigi Domke und dem Bassisten Martin Breuer. „Rocken bis qualmt“ Dass dem Trio nicht immer sofort etwas Originelles einfällt, gibt Lyko unumwunden zu. „Im Laufe der Jahre sind zwar neue Themen wie Internet, Tattoos oder E-Bikes hinzugekommen, aber wir haben doch schon viel erzählt, deshalb wird es immer schwerer, sich was auszudenken.“ Das nächste „Affentheater“ soll es erst im Herbst 2018 geben. Untätig ist Lyko, der in Essen lebt, bis dahin aber nicht. Neben dem Musikprogramm „Rocken bis qualmt“ tourt er zurzeit mit seinem Soloprogramm „Im Liegen geht’s!“ Außerdem gehört der Mann aus dem Ruhrgebiet weiterhin zur Stammbesetzung der WDR-Sendung „Mitternachtsspitzen“. Humor ist für Lyko eine Triebfeder. Er selber mag am liebsten Situationskomik. „Ich liebe Jerry Lewis, und ich kann auch noch lachen, wenn er zum dritten Mal gegen eine Tür läuft.“ Am niederrheinischen Humor mag der 63- Jährige die Schlichtheit und die Derbheit, die sich mit Herzlichkeit paart. „Kurze knappe Sprüche, die es in sich haben, zeichnen den Humor aus.“ Gar nicht komisch findet der Kabarettist hingegen Witze über Minderheiten. „Auch sexistische Witze oder Witze auf Kosten von B-Promis, die sowieso schon am Boden sind, finde ich nicht lustig.“ Auch für Knebel käme es nie in Frage, sich auf Kosten anderer lustig zu machen. „Der Witz bei Knebel entsteht aus der eigenen Unzulänglichkeit und ist zwar schon mal zotig, aber nie sexistisch“, betont Lyko, dem das ebenso wichtig ist, wie die Tatsache, dass sein „Affentheater“ ein gemischtes Publikum anzieht. „Ich bin stolz darauf, dass wir kein Kabarett für bestimmte Leute machen, sondern jüngere und ältere Menschen begeistern können und Zuschauer aus allen Gesellschaftsschichten haben.“ INFO Stephanie Wickerath Mit „Rocken bis qualmt“ sind Herbert Knebel und Band im Oktober in Langenfeld (13.), Castrop-Rauxel (14.) und Erkrath (20.) zu sehen. Im November gibt es Auftritte in Dortmund, Hamm, Olpe und Mönchengladbach. Das Soloprogramm „Im Liegen geht’s!“ geht am 17. Oktober in Gummersbach, am 12. November in Detmold und am 14. November in Düsseldorf über die Bühne. 4/2017 — Niederrheinische Blätter 11

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