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Niederrheinische Blätter -12.10.2017 Süd-

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Lisa Chudalla ist am

Lisa Chudalla ist am Gymnasium in Hückelhoven in der Zirkus AG Pepperoni mit dem Akrobatik-Virus infiziert worden. Schwerelos an Seil und Kette Es sieht alles so leicht aus, obwohl die von der Decke frei hängende Eisenkette recht schwer sein dürfte. Scheinbar mühelos greift das Mädchen in die Kette, betastet kurz die einzelnen Glieder und zieht sich dann wie federleicht nach oben, lässt die Kette an ihre Hüfte gleiten und rollt sich darin ein, der Decke zustrebend, die Arme und Beine hängen frei in der Luft. Ungläubiges Staunen beim Publikum angesichts einer unfassbaren Akrobatik. Lisa Chudalla an ihrem Arbeitsplatz: Das ist mühelos aussehende Kraft. „Was der Zuschauer nicht sieht, sind die Tage der Vorbereitung für einen einzelnen Auftrittstag, die unzähligen Stunden täglichen Trainings, die unvermeidbaren Verletzungen und deren Genesung“, sagt die Zirkusartistin Lisa Chudalla. Die Lust auf diese Akrobatik hat ihr die Schule vermittelt. Denn am Gymnasium Hückelhoven gibt es den Zirkus Pepperoni als eine Arbeitsgemeinschaft für die Schülerinnen und Schüler. „Sieben Jahre lang habe ich dort trainiert und bin aufgetreten“, erzählt Lisa Chudalla. „Als es dann vor dem Abitur darum ging, sich für einen Studiengang zu entscheiden, hat mich die Zirkusleiterin Bianca Schiff dazu ermutigt, mich an einer Artistenschule zu bewerben.“ So kam Lisa Chudalla 2009 an die Kunstuniversität Codarts in Rotterdam. In einem vierjährigen Bachelor-Studiengang lernte sie nicht nur Zirkustechnik, sondern bekam auch Unterricht in Tanz, Theater, Musik, Kunstphilosophie, Anatomie und Komposition. In den beiden letzten Jahren des Studiums kam Lisa Chudalla scheint mühelos in der Luft zu schweben. Doch das lange Training und die Verletzungen während der Vorbereitung sieht das Publikum nicht. Foto: Reker noch Geschäftsführung hinzu, um später als Selbstständige im Künstlerbetrieb zu bestehen. Während ihrer Studienzeit beschäftigte sich die Artistin intensiv mit zwei Geräten, die sie heute perfekt beherrscht: das von einer Decke an einem Punkt festgemachte Vertikalseil und das Cyr Wheel, das dem Rhönrad ähnlich ist, allerdings nur mit einem Reifen. „Das Seil ist so ein simples Requisit und hat unendlich viele Möglichkeiten“, sagt Lisa Chudalla. Außerdem brauche es viel Kraft, um darin zu arbeiten. „Ich kann mich weich und elegant darin bewegen, aber auch roh und wild.“ Das Cyr Wheel sei der perfekte Kontrast zum Seil. „Während ich im Seil meistens hoch in der Luft hänge und erst nach Ende der Performance wieder einen Fuß auf den Boden setze, ist das Cyr Wheel eine reine Bodendisziplin. Das Gefühl von Schwerelosigkeit und vom Fliegen lebe ich in beiden Disziplinen.“ Das Cyr Wheel steht im Mittelpunkt einer getanzten Geschichte, bei der es um die bizarre Beziehung von einem Wolfskind zu einem Fuchs geht. Überschreitung des Limits Als weiteres Werkzeug ist die schwere Kette hinzugekommen, die – wie das Seil – frei von der Decke hängt. Für Lisa Chudalla war es folgerichtig, sich mit diesem Requisit zu beschäftigen. „Ich liebe die Herausforderung, das Ausloten und Überschreiten meiner eigenen Limits. Ich will mein Publikum fesseln, ihm etwas zeigen, was es noch nicht gesehen hat.“ Lisa Chudallas Akrobatik haben bereits viele Menschen erlebt, denn die Artistin ist europaweit unterwegs mit Auftritten in den Niederlanden, in Spanien und Schottland, aber auch beim Xantener Weihnachtszirkus. Diese Auftritte sind nur ein kleiner Teil der Arbeit. Sechs Tage in der Woche wird trainiert, es ist wie bei einem Hochleistungssportler. Wie lange man das durchhalten kann? „Das hängt von der Disziplin, vom persönlichen Lebensstil und vom eigenen Körper ab, Verletzungsvorbeugung ist sehr wichtig.“ Lisa Chudalla will noch lange mit ihrer Artistik die Menschen faszinieren. Danach könnte sie sich eine Arbeit als Dramaturgin oder Choreografin vorstellen. Friedhelm Ruf INFO Lisa Chudalla, www.lisa.chudalla.com, nächste Auftritte: 12.-14. Oktober ADM Festival Amsterdam; 20.-31. Oktober Fort Fun, Halloweenshow in Bestwig im Sauerland; 23.-29. Dezember Wintervarietee in Rotterdam. 18 Niederrheinische Blätter —4/2017

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