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Niederrheinische Blätter -12.10.2017 Süd-

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Im Nebenberuf ist der

Im Nebenberuf ist der WDR 4 Moderator Stefan Verhasselt von Herzen Niederrheiner. Niederrheinisch. Feinsinnig. Mit pointierten aktuellen Beobachtungen über den Niederrheiner „an und für sich“ hat sich Stefan Verhasselt in den vergangenen elf Jahren als Kabarettist einen Namen gemacht. Seine Devise: nicht hämisch verletzen, sondern mit viel Humor und Feingeist nachhaltig unterhalten. 1965 in der Blumenstadt Straelen geboren, wurde Stefan Verhasselt im Hauptberuf Moderator beim Westdeutschen Rundfunk. Im „Nebenberuf“ ist er von Herzen Niederrheiner und daher immer mit großer Empathie offen für die Eigenarten und Absurditäten im Leben seiner Mitmenschen. Mit Wortwitz, Charme und immer mal wieder schwarzem Humor bewegt sich Stefan Verhasselt grundsätzlich oberhalb der Gürtellinie, aber auch schon mal „en Stücksken“ unterhalb der Grabkante. Dabei greift er immer auch tagesaktuelle Geschehnisse gesellschaftskritisch-kabarettistisch auf und verbindet sie clever mit persönlichen zwischenmenschlichen Erfahrungen: „Fake News“ zum Beispiel habe es bei ihm zuhause immer schon gegeben. Sie fangen meistens an mit den Worten: „Hasse schon gehört?“ Die Zuschauer schätzen diese Art, zu unterhalten und sind begeistert, weil sie sich selbst wiederentdecken. Oder „die anderen“. Auch außerhalb des Niederrheins kommen die Programme sehr gut an, zum Beispiel bei regelmäßigen Gastspielen auf den deutschen Inseln. Stefan Verhasselt trifft dabei auch auf Ostwestfalen oder Norddeutsche, wie nach einem Juist-Auftritt. „Da kam ein Hannoveraner zu Stefan Verhasselt wurde in Straelen geboren, lebt aber heute in Kempen. Foto: Archiv Hirop mir und meinte: ,Genau wie bei uns zuhause‘“, schmunzelt der Kabarettist. Doch wie wurde aus Stefan Verhasselt ein Kabarettist? „Die Wurzeln müssen in meiner frühen Kindheit gelegen haben“, erinnert er sich und erzählt: „Meine allererste kabarettistische Geschichte habe ich eher zufällig auf dem Straelener Markt erzählt. Es war folgende kurze und sehr bildhafte Wegbeschreibung des kleinen Stefan von Straelen nach Venlo: ,Immer geradeaus, an Tante Lisa vorbei bis ans große Wasser. Da is Venlo!‘ Der orientierungslose Autofahrer bedankte sich trotzdem und hat wahrscheinlich bis heute den Weg nicht gefunden...“ Später arbeitete Stefan Verhasselt solche Stories immer mal wieder in seine Radiosendungen beim WDR ein. Aus anfänglichen Kolumnen auf seiner Website entstand das erste Soloprogramm. Christian Stratmann, der Bruder des Kabarettisten Ludger Stratmann und Prinzipal vom Mondpalast in Wanne-Eickel, ermöglichte Stefan Verhasselt 2006 vor seinem ersten Auftritt die Regie-Arbeit und später den ersten Auftritt im Stratmanns Theater Essen. Frei nach der Devise „Wer kommt, der kommt“ hat Stefan Verhasselt sein mittlerweile 4. Kabarett- Programm benannt und ihm den Untertitel gegeben „Kabarett 4.0“. Es geht um „Zu-Früh-Kommer“, um Zeitgenossen, die sich bis zur letzten Sekunde alle Hintertürchen offenlassen, um ja nicht am falschen Hot-Spot zu sein und vegane Ampelmännchen „mit ohne“ Männchen. Er sinniert über „ganze Tische“ in Restaurants, hinterfragt übertriebene Political Correctness und schüttelt den Kopf über Stammgäste-Allüren und Eltern im WhatsApp- Wahn. Ein Blick zum Himmel Stefan Verhasselt kann aber auch leise, wenn er bildhaft über seine künftige Wohnsituation im Himmel nachdenkt und über die Menschen, die er dort möglicherweise trifft. Kempen-Besucher können Stefan Verhasselt mit etwas Glück quasi live beim Schreiben seines nächsten Programms über die Schulter schauen. Mit seinem Laptop sitzt er nämlich gerne in heimischen Cafés, wo er seine Texte verfeinert, aber immer auch sein Ohr am Nachbartisch hat. Ganz nach dem niederrheinischen Motto: „Wer weiß, wofür et jut is“. Petra Verhasselt INFO 19. November, Xanten, Historisches Schützenhaus, 17 Uhr; 24. November, Moers, Hotel Schwarzer Adler, 19.30 Uhr; 2. Dezember, Dinslaken, Dachstudio Stadtbibliothek, 20 Uhr; 10. Dezember, Kleve, Canisiushaus, 17 Uhr; 13. Dezember, Borken, Stadthalle Vennehof, 20 Uhr; 19. Januar, Rees, Bürgerhaus, 20 Uhr; 24. Februar, Düsseldorf, Theater an der Kö, 20 Uhr. www.stefan-verhasselt.de. 8 Niederrheinische Blätter —4/2017

Wann darf über was herzhaft gelacht werden? Comedy, Clown und Cabaret „Unter Comedy versteht man im deutschsprachigen Raum unterhaltsame Kleinkunstprogramme und bestimmte Arten von Unterhaltungssendungen im Fernsehen, Hörfunk und Internet“, so lautet die Definition bei Wikipedia. Doch dürfen wir uns das mit dem Kabarett, der Comedy oder der Kleinkunst hier am Niederrhein so einfach machen? Dürfen wir Comedians, Kabarettisten und Humoristen alle in einen Topf werfen und einfach so, ohne jegliches Vorwissen über sie lachen? Cabaret kommt aus Frankreich Ich meine, nein. Denn wir müssen uns erst einmal mit der Begrifflichkeit auseinandersetzen: „Warum heißt Kabarett heute eigentlich Comedy und warum ist ein Komiker heute ein Comedian? Dabei ist das englische Wort Comedy die Übersetzung von Komödie. Aber spielen Stefan Verhasselt oder Heinz Gröning auf der Bühne eine Komödie? Nein, sie machen Comedy vom Feinsten. So müssen wir also noch tiefer in die geschichtliche Trickkiste greifen, denn das Wort Kabarett kommt aus dem Französischen. Otto Walkes mit seinen Fans. Foto: Archiv Bauer Hier heißt Cabaret Schänke oder Kneipe. Im Deutschen wurde aus Cabaret Kabarett. International versteht man unter Cabaret eine Revue. Und wo bleibt bitte schön unsere Comedy? Nicht vergessen sollten wir auch den Clown aus dem Zirkus. Er spricht zwar nicht, ist dafür aber irre komisch, ohne ein Kabarettist zu sein. Dieser wiederum hat sich bei seinen Witzen und Gags auf das politische Parkett begeben. So ist ein Kabarettist auch ein Komiker, ein Komiker aber noch lange kein Kabarettist. Denn der eine kann super tolle Witze erzählen, wohingegen der andere humorvolle Texte mit inhaltlicher Substanz auf die Lachmuskeln des Publikums loslässt. So jetzt fehlt uns noch die ganz moderne Form der Unterhaltung, die Stand-up-Comedy. Hierbei bleiben blanker Witz und Politik auf der Strecke. Die jungen Stand-up-Comedians bespaßen das Publikum mit Jokes aus ihrem eigenen Umfeld. Um die lustige Liste zu komplettieren, fehlen noch Sitcoms, Comedy- Zauberei, Trick-Comedy, Radio-Comedy, Sketch- Shows. Und natürlich die großen Vertreter der Sparten von Heinz Erhardt, Loriot, Otto Walkes ..... So, nun sollte die Verwirrung perfekt sein. Aber eigentlich ist es doch auch egal, wie sich die Künstler und ihre Programme nennen. Wichtig ist doch, was hinten raus kommt, und das muss lustig sein, bis der Bauch weh tut und die Tränen kullern. Margit Leuchtenberg 4/2017 — Niederrheinische Blätter 9

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