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Niederrheinische Blätter -ET 13.07.2017 Nord-

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Fernseh-Gärtnerin

Fernseh-Gärtnerin Dorothée Wächter gibt Tipps zur Anlage eines Bauerngartens. Ein großes Projekt steht an Wenn man von einem Bauerngarten spricht, hat man den ländlichen Garten vor Augen, der Obst, Gemüse sowie Kräuter liefert und zugleich die Jahreszeiten mit einem bunten Blütenreigen widerspiegelt. Und ganz automatisch verknüpft man mit dem Eindruck des Bauerngartens einfache Holzzäune, niedrige Hecken, die die formale Struktur der Anlage unterstreichen, sowie Weidenkörbe für das Erntegut und Wege mit Kies oder Klinkerpflaster. Die Anlage eines Bauerngartens entwickelt sich schnell zu einem großen Projekt, das man nicht mal eben nebenher macht. Es bedarf auf der einen Seite eine gründliche Recherche und auf der anderen Seite muss man sich wie bei jedem Garten klar werden, was man selber möchte und zeitlich auch bewirtschaften kann. Die Recherche, für einen Bauerngarten kann man am besten durch viele Spaziergänge und Erkundungen mit dem Fahrrad erledigen, denn das „Abgucken“ gehört zu den besten Lehrern. Was wächst, was hat sich bewährt, und was bringt automatisch den Eindruck des Bauerngartens zum Ausdruck? Die gute Mischung macht’s Doch mindestens so wichtig, wie das Wissen, das man auch aus Büchern und Zeitschriften bekommen kann, ist es, sich selber klar zu werden, wie viel Zeit man in den Garten stecken möchte und was das Ziel ist. Gemüse beispielsweise ist in der Kultur durchaus aufwendig, aber wenn es reif Durch geschickte Anlage blühen im Bauerngarten fast das ganze Jahr über die herrlichsten Blumen. Foto: Archiv Malz ist, gilt es zu bedenken, dass die Schwemme an Zucchini, Kürbis, Erbsen und Bohnen auch verarbeitet werden wollen. Daher ist eine gute Mischung aus intensivem Nutzgarten und dekorativem Blumengarten das Grundrezept für einen Garten, der immer Spaß macht und nicht zur Last wird. Wer sehr viel Fläche hat, kann einen Teil mit einer Streuobstwiese gestalten. In lockeren Abständen werden Sorten, die für den Niederrhein typisch sind, als Hochstamm gepflanzt. In lokalen Baumschulen und Biologischen Stationen sind alte Sorten von Apfel, Birne, Zwetschge, Pflaume oder Kirsche wieder erhältlich. Sie tragen Namen wie `Dycker Schmalzbirne´, `Grevenbroicher Knorpelkirsche` und `Uhlhorns `Champagnerrenette´. Ein formaler Grundriss hat beim Bauerngarten seine Berechtigung, denn so kann man die Prinzipien des Fruchtwechsels in Hinblick auf den Nutzpflanzenanbau tatsächlich auch leicht anwenden. Die Fläche wird in vier Flächen aufgeteilt. Dieses ist leicht durch ein Wegekreuz zu erreichen. Häufig wird im Zentrum ein rundes Beet angelegt, das bei mehr als einem Quadratmeter Grundfläche ausreichend Platz für eine Strauchrose bietet. Ist der Zuschnitt eher knapp, verwendet man eine Hochstammrose mit einer Staudenunterpflanzung. Wer dagegen den Platz auch für Obst nutzen möchte, kann ein Hochstämmchen von Johannis- oder Stachelbeere verwenden. Der Grundriss wird klassisch mit niedrigen Einfassungspflanzen nachgezeichnet. Diese Einfassungen stammen aus den Zeiten der Klostergärten, wo man die Grundfläche wie ein Kirchenfenster einteilte. Dem ländlichen Charme entsprechend kann man aber auch einfach Staketenzäune aus Haselnussruten flechten, um die Beete voneinander abzugrenzen. Sie werden aufgelockert durch Stauden, die sich daran entfalten. Während als Nutzpflanzen Salate, Fenchel, Mangold, Bohnen, Tomaten und Kartoffeln wachsen, sind als Blumen viele Klassiker gefragt. Das Gartenjahr wird von Schneeglöckchen und Winterlingen eingeleitet, und anschließend folgen Narzissen und Tulpen. Einen Höhepunkt stellen die Kaiserkronen dar, die mit ihrem herben Duft auch für Schermäuse vergrämen. Für den Hochsommer sind es vor allem einjährige Sommerblumen wie Kosmeen, Zinnien und Sonnenblumen. Dorothée Wächter 10 Niederrheinische Blätter — 3/2017

Marlies und Volker Paus sind in ihrem Garten immer mit der Schere unterwegs. Licht und Schatten Die meisten Gäste der offenen Gartenpforte zeigen sich schwer beeindruckt vom Bauerngarten der Eheleute Marlies und Volker Paus in Schermbeck. Gartenbesucher entdecken dort eine individuelle, verspielte Pflanzenwelt, nicht nach klassischem Muster eines Lehrbuchs angelegt, sondern sehr individuell gestaltet. Ein optisches Spiel von Licht und Schatten, das dem Betrachter je nach Position verschiedene Lichtbereiche in den Vordergrund rückt. Unter dem alten Baumbestand von Eiche, Rot- und Blutbuchen, Linden und Akazien steht die historische Hofanlage, Baujahr 1801, im Zentrum. Vor 17 Jahren bezogen die Eheleute Marlies und Volker Paus sowie die Familie seines Bruders das historische Gehöft. „In den ersten Jahren waren wir erst einmal mit Renovierungsarbeiten am alten Gehöft vollauf beschäftigt.“, berichtet der Hausherr. „Erst danach konnten wir uns der Gestaltung des Gartens widmen. Zunächst haben wir die Wegführung grob eingeteilt. Und zwar nach den Aspekten: Wo will ich hin, wo muss ich hin? Zu den Blendläden, zum Gartentor, der Hühnerwiese und zum Hintereingang? Durch die Führung der Laufwege und Felder mit altem Kopfsteinpflaster und Rheinkies in der Mitte entstanden automatisch die Beete.“ Im Schatten der mächtigen Bäume gedeihen unzählige Funchien, eine der Lieblingspflanzen des 60- Jährigen, besonders gut. „Ich mag sie, weil sie pflegeleicht sind, schöne Blattfarben entwickeln. Es dürften wohl über 100 Sorten sein.“ Weitere Stauden wie Hortensien, Storchenschnabel, Annabelle, Farne, Gräser, Taglilien, Akelei und Staudenmohn stehen teils dicht an dicht, dass das Unkraut keine Chance hat. „Irgendwie ist man aber immer mit der Schere in der Hand unterwegs“, sagt der Hobbygärtner. Der Lohn der täglichen Müh‘: kleine Ruhezonen, Sitzplätze in der Frühlingssonne oder luftige Schattenplätze bei Sommersonne. Monika Kriegel Volker Paus liebt die Blütenpracht. Foto: van Offern INFO Offene Gartenpforte: die letzten Termine im Bauerngarten von Marlies und Volker Paus, Am Voshövel 4 in Schermbeck sind 2017 an diesen Wochenenden: 15. und 16. Juli, 22. und 23. Juli sowie am 16. und 17. September. 3/2017 — Niederrheinische Blätter 11

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