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Niederrheinische Blätter -ET 13.07.2017 Nord-

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Der Garten von

Der Garten von Bender/Lucenz entwickelt sich weiter. Eigendynamik Manfred Lucenz (links) und Klaus Bender haben das Grundstück in Schneppenbaum geerbt. Foto: Archiv Evers Ein Lieblingsplatz? Nein, da mag sich Manfred Lucenz nun wirklich nicht festlegen. Es gäbe einfach zu viele ... „Unser Elf-Ührchen etwa haben wir heute vorm Gartenhaus unter den reifenden Kirschen gemacht“, erzählt der 69- Jährige. „Und zum Mittagessen gehen wir wahrscheinlich in den Innenhof, weil es jetzt doch ein bisschen windig ist.“ Auch am Teich, im eleganten „weißen Garten“, lässt es sich gut aushalten. Im Biotop im Wiesengarten quaken Dutzende Frösche, die Kräuter duften, Blumen in allen Farben leuchten um die Wette, und der pensionierte Lehrer holt noch rasch einen frischen Brokkoli und einen Blumenkohl aus dem Gemüsegarten. Der Begriff „Paradies“ fällt häufig, wenn es um besonders schöne Gärten geht. Aber in diesem Fall trifft es einfach zu: Der Garten von Manfred Lucenz und seinem Partner Klaus Bender ist tatsächlich so etwas wie das Paradies auf Erden, in dem sich Schönheit, Nutzen und Genuss vereinen. „Unser Garten ist unser Leben, und er zeigt unser Leben“, sagt Manfred Lucenz. Seit 2007 wohnt das Paar auch in seinem Garten. Dabei war der Anfang alles andere als leicht. „Wir waren teilweise schlicht überfordert.“ Denn mit Gärtnern hatten der Lehrer und der Pfarrer nicht eben viel am Hut, als sie 1983 das 4000 Quadratmeter große Grundstück in Schneppenbaum erbten. „Wir waren damals beide noch berufstätig, und ehrlich gesagt hatten wir mehr literarische als gärtnerische Kenntnisse“, erinnert sich Manfred Lucenz und lacht. Allerdings war das Paar schon immer fasziniert von der Gartenkultur, besonders von der englischen, und machte sich deshalb Ende der 1980er Jahre zur ersten von vielen weiteren Gartenreisen auf. „Wir vereinen in unserem Garten viele Eindrücke von unseren Reisen“, betont Hobby-Gärtner Lucenz. Für ihn ist jeder Garten etwas Dynamisches, etwas Individuelles. Worüber sich die beiden Männern von Beginn an jedoch einig waren: An jedem Tag sollte in ihrem Garten etwas blühen - und sie wollten sich ihren Garten auf keinen Fall von einem Gärtner fix und fertig planen lassen. „Ziel war es, unseren eigenen Garten zu entwickeln.“ In mittlerweile mehr als 30 Jahren Gartengeschichte sind die beiden Hobby-Gärtner zu echten Experten gereift. Dabei ist ihnen immer wieder bewusst geworden, dass ein Garten nie fertig, sondern eine stetige Herausforderung ist. „Wir experimentieren mit den Gegebenheiten und lernen aus unseren Fehlern. Das erfordert Fleiß und Demut vor der Natur. Vieles gelingt, aber manchmal scheitern wir auch.“ Narzissen unter Obstbäumen Die Wildwiese beispielsweise wollte einfach nicht wachsen auf dem sauren Sandboden. Also haben die Männer ihren Plan verworfen und mehr als 10.000 Narzissen gepflanzt. Mittlerweile haben die beiden Gartenfreunde auch eigene Techniken entwickelt, die beispielsweise solche Arbeiten wie das Tulpenzwiebeln einpflanzen erleichtern. Obwohl: Von Arbeit mag Manfred Lucenz gar nicht reden. „Gärtnern ist fortlaufendes Gestalten, es macht Freude und ist manchmal auch müh- Hochsommerstauden im Juli Klaus Bender und Manfred Lucenz, Mühlenstr. 6, 47551 Bedburg-Hau Ortsteil Schneppenbaum, Tel.: 02821 60270 mail@lucenz-bender.de, www.lucenz-bender.de. Gartentermine 2017, jeweils 11-17 Uhr: 23. Juli (Hochsommerstauden), 4. September (Herbstblüte: Dahlien & Herbstzeitlose), 10. September (Herbstblüte: Dahlien & Herbstzeitlose), 24. Sep- sam.“ Jäten, Pflanzen, Schneiden, Ernten - oder einfach nur Genießen. Täglich verbringt der Niederrheiner viel Zeit im Garten. Rund sechs Stunden sind es wohl. Längst hat sich herumgesprochen, dass in Schneppenbaum einer der schönsten Privatgärten bundesweit steht. Medien berichten häufig über den Garten und seine Besitzer, Reisegruppen aus ganz Europa kommen vorbei, und die Führungen, die Manfred Lucenz und Klaus Bender regelmäßig anbieten, sind enorm beliebt. Mit viel Leidenschaft und Humor, aber auch mit jeder Menge Fachwissen leiten sie ihre Besucher durch die verschiedenen Gartenräume. Die Gäste wandern im Frühjahr durch das gelbe Meer aus Narzissen, entdecken den Rosengarten mit seinem mehr als 150 historischen Rosen, bewundern zur Blütezeit den Taschentuchbaum aus China, der voller weißer „Tücher“ hängt, lassen sich im Sommer von den Farben der Stauden berauschen und beenden das Gartenjahr im purpurfarbenen Herbstgarten. Verena Bretz tember (Herbstblüte: Dahlien & Herbstzeitlose). Kostenbeitrag für Gartenbesichtigung: ab 12 Jahren 3 Euro. Außerhalb der angebotenen Termine sind Gruppenführungen mit einer Dauer von 90 Minuten nach telefonischer Terminabsprache möglich. Preis je Person 5 Euro, mindestens 60 Euro je Gruppe. 18 Niederrheinische Blätter — 3/2017

Buchtipp Erfahrungsberichte in Büchern und Zeitschriften. Weit entfernt von Ratgebern Manfred Lucenz und Klaus Bender führen oft Besuchergruppen durch ihr Gartenparadies. Foto: Archiv Manfred Lucenz und Klaus Bender haben ihre zahlreichen Erfahrungen und Erlebnisse, die sie in all den Jahren in ihrem Garten sammeln durften, in Büchern und Zeitschriften veröffentlicht. Wer allerdings einen klassischen Gartenratgeber erwartet, wird überrascht sein. „Wir möchten mit unseren Büchern Tipps und Denkanstöße geben“, erzählt Manfred Lucenz. „Denn es gibt nicht ein Rezept für alle Gärten. Es gibt auch keine allgemeingültigen Pflanzpläne, da die Bodenverhältnisse in den Gärten zu unterschiedlich sind. Die Natur gibt uns die Rahmenbedingungen vor, innerhalb derer wir experimentieren und kreativ sein können. Das möchten wir vermitteln.“ Das erste Buch der beiden Männer trägt den Titel „Ein Garten fürs Leben“ und beschäftigt sich mit der Entstehungsgeschichte ihres prächtigen Gartens. Das reich bebilderte Buch ist bereits 2003 erschienen, wurde mehr als 50.000 Mal verkauft und ist mittlerweile vergriffen. Elf Jahre später erschien das Buch „Ein Garten ist niemals fertig“, das mittlerweile in der dritten Auflage im Handel ist. Darin beschreiben die beiden Hobby-Gärtner charmant und ganz nah am echten Leben die Erfolge und Misserfolge, die sie in drei Jahrzehnten in ihrem Garten hatten. Dazu gibt es Tipps, die beiden verraten ihre Pflanzenfavoriten und geben einige Schritt-für- Schritt-Anleitungen, um die Leser zu animieren, eigene Garten-Experimente zu wagen. Ebenfalls 2014 ist das Buch „Was eine Harke ist“ erschienen. Darin schildert Manfred Lucenz-Bender seinen (oftmals komischen) Alltag. „Im Frühjahr 2018 soll übrigens unser neues Buch erscheinen“, verrät Manfred Lucenz. „Das ist allerdings noch in der Mache.“ Verena Bretz 3/2017 — Niederrheinische Blätter 19

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