Aufrufe
vor 5 Monaten

Niederrheinische Blätter -ET 13.07.2017 Nord-

  • Text
  • Garten
  • Bauerngarten
  • Niederrheinische
  • Beiden
  • Manfred
  • Natur
  • Pflanzen
  • Stauden
  • Gartens
  • Bauerngartens

Kevelaer Mehr als Kraut

Kevelaer Mehr als Kraut und Rüben: Bauerngärten bedienen die neue Landlust. Ein geordnetes Durcheinander Schön, farbenfroh, tierreich und sogar nützlich: Der Bauerngarten ist für viele das Sinnbild eines perfekten Gartens. Das Arrangement mit ländlichem Flair folgt eigentlich keinen Gestaltungsregeln, aber nach Kraut und Rüben soll es auch nicht aussehen. Wenn an warmen Sommertagen die Amsel im Apfelbaum tiriliert, Hummeln und Bienen wie trunken zwischen den schweren Blüten brummeln und man Salat, Tomaten und Kräuter frisch für das Abendessen im Schatten des wilden Weins pflückt, ist für viele das Idyll auf der eigenen Scholle perfekt. Mit seiner Mischung aus Kräutern, Gemüse, Blumen und Obst gelten die Bauerngärten rund um Kevelaer als idealer Mix aus Nutz- und Ziergarten. «Ein Bauerngarten soll Nützliches und Schönes verbinden und ländliches Gartenglück verkörpern – ein Gegensatz zum Stress der heutigen Zeit», sagt Peter Behrens, Mitglied im Bund deutscher Staudengärtner in Bonn. Tatsächlich hat diese Vorstellung aber nur wenig mit dem Landleben der vergangenen Jahrhunderte zu tun. Damit es in einem Bauerngarten dennoch nicht aussieht wie Kraut und Rüben, geben in der Regel streng geometrisch angelegte Wege aus Kies oder Rindenmulch im vermeintlichen Durcheinander Halt. «Nach dem Vorbild der Klöster wurde das Wegekreuz eingeführt, vielfach mit einem Mittelrondell», erklärt der Diplom-Agraringenieur Robert Sulzberger, der ein Buch über Bauerngärten geschrieben hat. Die Fläche in vier Teile aufzuteilen, hat durchaus einen praktischen Hintergrund: Sie erleichtert die Einhaltung der Fruchtfol- Ein Holzzaun, Wasser, Gemüse und bunte Blumen gehören in jeden Bauerngarten. Foto: blv Verlag ge. «Starkzehrer, Mittelzehrer, Schwachzehrer und standorttreue Kulturen lassen sich auf diese Weise übersichtlich auseinander halten.» Eingerahmt wird der Garten von einer Mauer aus Natursteinen oder einem Zaun, meist aus Holz, Weiden oder Schmiedeeisen. Für viele gehören auch Beeteinfassungen mit Buchs zu einem klassischen Bauerngarten. Experte Schuh hält allerdings nicht viel von einer Begrenzung durch den immergrünen Strauch. Und das nicht nur aus historischer Sicht oder aus Sorge vor einem Kahlfraß durch den Buchsbaumzünsler: «Buchsbaum bildet so viele Wurzeln, dass kaum eine andere Pflanze im Beet existieren kann», erklärt der Museumsgärtner. Und dabei sind es doch gerade die üppig gefüllten Beete, die so charakteristisch für einen Bauerngarten sind. «Im Idealfall ist ein Bauerngarten so angelegt, dass mit relativ geringem Arbeitsaufwand auf begrenzter, kleiner Fläche ein Optimum an Erntegut und Blütenpracht herausgeholt wird», erklärt Sulzberger. Eine Mischkultur von Blumen, Kräuter und Gemüse hat nicht nur ihren optischen Reiz. Vom bunten Miteinander profitieren in der Regel auch die Pflanzen. Fast vergessene Kultursorten Für den Nutzgarten empfiehlt Behrens Salat, Radieschen, Gurken, Bohnen und Kohlrabi sowie Rhabarber, Beerensträucher und Obst-Hochstämme. Aus einer Kräuterspirale oder Töpfen lassen sich Küchenkräuter wie Petersilie, Schnittlauch und Liebstöckel sowie Heilkräuter wie Minze oder Salbei für Gewürze oder Tees ernten. Aber auch alte und fast vergessene Kultursorten wie Ampfer, Stielmus, Portulak, Melde, Pastinake oder Haferwurz kommen in einem Bauerngarten gut zur Geltung. Melanie Öhlenbach INFO Robert Sulzberger: Bauerngärten. Anlegen und pflegen. blv Buchverlag, 2013, 128 Seiten, 9,99 Euro, ISBN-13: 978-3835411548. 26 Niederrheinische Blätter — 3/2017

Lavendel ist bei Wildbienen besonders beliebt. Foto: Treffer Ländliche Idylle vor den ehemaligen Hochöfen. Schulkinder arbeiten fleißig mit. Treffpunkt für Schönes Verwunschener Charme, das ist der erste Eindruck, denn der Besucher erhält, wenn er unter den ausladenden Ästen der mächtigen Platane entlang der Buchsbaumhecken geht und auf das kleine Tor trifft, das den Eingang zum Bauerngarten auf dem Lernbauernhof Ingenhammshof bildet. Kein klassisches Mittelstück ist zu sehen, auf das alle Beete ausgerichtet sind. Vielmehr sind es allesamt rechteckige Varianten, die nebeneinander angeordnet sind. Es ist nahezu kein Stückchen Erde zu sehen, so dicht an dicht stehen die mehrjährigen Stauden und das einjährige Grün. Das Violett des Lavendels wetteifert mit dem Rot von Lilien. Der Holzzaun ist unter der Ligusterhecke, die ein stückweit den Außenbereich begrünt, nur noch zu erahnen. Ein Stückchen weiter wechselt der Liguster in eine dichte Buchenhecke, die die Anlage ebenfalls nach Außen abschirmt. Es ist wie eine 150 Quadratmeter große Oase, in die kein Lärm und keine Hektik von außerhalb dringen. In diesem, von dichten Hecken geschütztem Bereich sind auch die Bänke angesiedelt. Mitten im Grünen sitzend fällt der Blick auf die einzelnen Beete. Küchenkräuter und Heilpflanzen wie Ysop, Johanniskraut und Frauenmantel gehören genauso zum Bild, wie das Beet voll mit verschiedenen Minzen. Wer einzelne Blättchen zwischen den Fingern zerreibt und schnupper, stellt die unterschiedlichen Gerüche fest. Minze riecht nicht gleich Minze. Die Naschkatzen werden mehr von dem Beet voller Himbeeren anzogen. Rot leuchten die Früchte inmitten der grünen Blättchen. Der Bauerngarten auf dem Ingenhammshof ist ein ländliches Idyll vor der Kulisse der ehemaligen Hochöfen. Während im eigentlichen Bauerngarten Blumen, Stauden und Kräuter sowie Beerenpflanzen wachsen, ist direkt daneben der Schulgarten des Ingenhammshofes angesiedelt. Es handelt sich um einen Nutzgarten, in dem Kinder und Jugendliche mitarbeiten dürfen. Die Anlage ist ebenfalls in der Form eines Bauerngartens gehalten ist. Bianca Treffer INFO Ingenhammshof, Am Ingenhammshof 1, Duisburg, Öffnungszeiten: Der Bauergarten ist jeden Tag geöffnet und frei zugänglich, Tel.: Magarete Haseke, Tel.: 0203 424133. Duisburg

Sonderveröffentlichungen