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Niederrheinische Blätter -ET 13.07.2017 Nord-

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Der Hamburger

Der Hamburger Kunstkenner Alfred Lichtwark ist der Vater des „Bauerngarten“. Duftexplosion für die Nase „Der Bauerngarten ist eine charmante Mischung aus Schönheit und Nützlichkeit.“ „Der Bauerngarten besticht durch seine Üppigkeit und seine idyllische Lage.“ „Der Bauerngarten begeister durch sein Feuerwerk von Farben und einer Duftexplosion für die Nase“. Das sind drei Aussagen, die hundertprozentig auf den Typ Garten zutreffen, der am Niederrhein sowohl verbreitet als auch beliebt ist. Doch leider ist diese schöne, bunte Gartenform weder von Bauern zwischen Emmerich und Heinsberg erfunden worden, noch hat er seine Heimat bei uns am Niederrhein. Aber der Reihe nach: In den Gärten Hamburgs herrschte zum Ende des 19. Jahrhunderts der ausladende englische Landschaftsstil vor. Doch die Gärten der Hansestadt wurden immer kleiner, und somit war dieser Stil nicht länger praktikabel. Alfred Lichtwark war der erste Direktor der Hamburger Kunsthalle, und seine Ideen zur Gartengestaltung fanden beim Hamburger Bürgertum reges Interesse. Er, der unter anderen Künstler wie Max Liebermann förderte, wollte klare Formen, die trotz begrenzter Flächen großzügige räumliche Wirkung entfalten. „Neue Raumkunst im Freien“ lautete sein Vorhaben, das Schöne mit dem Nützlichen verbinden sollte. Gemeinsam mit dem Maler Liebermann holte er sich im Hamburger Umland Anregungen in den Nutzgärten der Bevölkerung. Schnell war im klar, ein gerader Hauptweg mit einer weißen Bank am Ende und Max Liebermann hatte einen detaillierten Blick auf die Gärten. Foto: Archiv Wallraf-Richartz-Museum & Fondation Corboud, Köln Hecken und Zäune dienen als klare Grenzen. Rechteckige Blumen- und Gemüsebeete ordnen sich der klaren Struktur unter, und Lichtwark (1852- 1914) gab seinem Entwurf auch einen Namen: „Bauerngarten“, in dem Rittersporn, Herbstastern und Phlox gedeihen sollten. Parallel zu Lichtwarks Plänen entwickelte in England Gertrude Jekyll den Cottage Garden. Sommerresidenz am Wannsee Lichtwarks-Bauerngarten-Idee wurde von den Hamburgern rasch und gerne aufgenommen, da sie auch im kleinsten Stadtgarten zu verwirklichen war. Der Berliner Max Liebermann setzte die Idee von Lichtwark im Garten seiner Sommerresidenz am Wannsee um. Den Vordergarten gestaltete er genauso, wie er ihn gemeinsam mit Lichtwark im Hamburger Marschland einst kennengelernt hatte. Auch an der Planung des Gartens zwischen Garten und Straße war der Experte für Reformgärten Alfred Lichtwark beteiligt. Die Renaissance des Bauerngartens begann nach dem Zweiten Weltkrieg, in den späten 70er und 80er Jahren. Zu den restaurierten Bauernhäusern passte die Form des Bauerngartens ideal. Die Idee, Nützliches mit Schönem zu verbinden, das heißt, bunte Blumen und gesundes, eigenes Gemüse aus formalen Gärten zu haben, begeisterte die Haus- und Gartenbesitzer. Die Bauern hatten früher gar keinen Platz, sich einen üppigen Garten anzulegen, und so wurden zumeist die Tiere direkt am Haus angrenzend gehalten. Ein Nutzgarten für den Gemüseanbau oder eine Streuobstwiese waren das Höchste der Gefühle. Doch mit der Instandsetzung der alten Bauernhäuser und dem Rückzug in die ländliche Idylle in der jüngsten Vergangenheit wurde die Idee des „Bauerngartens“ sogleich adaptiert. Und wenn wir das Angebot der Offenen Gartenpforte am Niederrhein in Anspruch nehmen, werden wir feststellen wie passend diese Form der Gartenanlage in die niederrheinische Landschaft passt. Auch wenn sie aus Hamburg kommt. Margit Leuchtenberg Der Klassiker: Ein mit niedrigen Hecken eingefasster Garten mit Wegekreuz. Foto: Archiv Marion Nickig, dpa 6 Niederrheinische Blätter — 3/2017

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