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Niederrheinische Blätter

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FRÜHBLÜHER Mit den

FRÜHBLÜHER Mit den ersten Krokussen, die aus der Erde sprießen, beginnt für Gartenbesitzer die Saison. Pflanzen brauchen Dünger Krokusse sind Frühlingsboten und erinnern den Hobby- Gärtner an den Arbeitsbeginn im Grünen. Foto: Archiv dpa Im Märzen der Bauer… und nicht nur der. Auch Gartenfreunde werden jetzt aktiv. Sobald die ersten Krokusse blühen, beginnt die Saison für den Gartenbesitzer. Der Winter- und Frostschutz wird entfernt, die Beete werden mit Kompost gedüngt, und die Sommerpflanzen werden in den Boden gesetzt. Ingmar Janssen, Juniorchef von Pflanzen Janssen in Kempen, die auf Heckenpflanzen spezialisiert sind, weist außerdem darauf hin, dass der Kirschlorbeer geschnitten werden sollte, bevor die neuen Triebe kommen. „Wartet man zu lange mit dem ersten Schnitt, schneidet man den frischen Austrieb mit ab“, sagt der Experte. Kirschlorbeer in seinen unterschiedlichsten Sorten erfreue sich immer größerer Beliebtheit. „Gerade bei den Kunden, die keine Nadelgehölze mögen, sondern eine immergrüne Blattpflanze bevorzugen, ist der Kirschlorbeer als Heckenpflanze beliebt“, weiß Janssen. Kirschlorbeer ist starkwachsend und sehr widerstandsfähig, zwei Eigenschaften, die für ihn sprechen. „Das ist aber auch das Problem: Weil er so schnell wächst, muss er auch regelmäßig geschnitten werden“, rät der Fachmann. „Sowohl im Frühjahr, vor dem ersten Austrieb, als auch im Spätsommer vor dem letzten Austrieb raten wir zu mäßigem Schnitt.“ Die Hecke wachse dann kompakter und sehe das ganze Jahr über besser aus. Rasenpflege hat noch Zeit Ein weiteres Thema im Frühjahr ist der Rasen. Hier rät der Fachmann dazu, den Rasen zunächst von allen Blättern und Ästen zu befreien und zu düngen, sobald er anfängt zu wachsen. Vertikutiert werden sollte das gepflegte Grün erst, wenn die Tagestemperaturen über 15 Grad liegen. „Nach dem Vertikutieren muss nachgesät werden“, sagt der Juniorchef, „und damit die Saat aufgeht, braucht sie Wärme.“ Wer einen Gemüsegarten oder ein Kräuterbeet Nikolaus verpasst Erzbischof „Maulkorb“ anlegen möchte, der kann jetzt ebenfalls mit den ersten Arbeiten beginnen. Erdbeeren können bereits im März gepflanzt werden, ebenso wie Bohnen, Erbsen und Feldsalat. Kräuter und Tomaten hingegen sollten auf einem sonnigen Plätzchen im Inneren vorgezogen werden, bevor sie in die Freiluftsaison starten. Stiefmütterchen und Vergissmeinnicht sollten hingegen spätestens im März an ihrem Stammplatz ausgepflanzt werden. Außerdem ist jetzt eine gute Zeit, um großblumige Clematis, die zweimal im Jahr blühen, auszulichten. Ein starker Rückschnitt führt dazu, dass die Hauptblüte im Frühsommer kommt, ein schwacher hingegen reduziert die Intensität der ersten Blüte und fördert die zweite, die im Spätsommer an den neuen Trieben erscheint. Stephanie Wickerath INFO Pflanzen Janssen GmbH, Ziegelheider Straße 57, 47906 Kempen, Tel.: 02152 8974-0, www.pflanzen-janssen.de. Der Berliner Erzbischof Heiner Koch gilt als progressiver Kirchenmann und lässt sich für gewöhnlich den Mund nicht verbieten. Für die niederrheinischen Karnevalisten in Düsseldorf, Mönchengladbach und Neuss machte der Geistliche eine Ausnahme und nahm von den Jecken die Auszeichnung „Närrischer Maulkorb“ entgegen. Dabei bekannte er sich zu seinen rheinischen Wurzeln: „Zu Hause bin ich jetzt in Berlin, meine Heimat aber ist und bleibt der Niederrhein.“ Die Laudatio auf Erzbischof Koch hielt Horst Thoren, stellver- Erzbischof Koch, Horst Thoren (im Nikolaus-Gewand), Düsseldorfs Karnevalschef Michael Laumen und Venetia Alina. Foto: Endermann kolaus trat er auf und mimte den auch, als er seine Rede mit einer unter Karnevalisten sehr beliebten Erkenntnis einleitete: „Das Brauchtum, liebe Freunde des Frohsinns, ist im Rheinland kirchlich verwurzelt und katholisch geprägt.“ Wer sich dem Phänomen Heiner Koch nähern wolle, müsse ihn predigen hören. Ihm ein Ohr zu leihen, lohne sich.“ Amüsant berichtete er von den Stationen „Bruder Heiners“, nachdem dieser das „gelobte Land an den Ufern des Rheins verlassen musste“. In Köln machte er Halt, Dresden, Ber- tretender Chefredakteur der Rhei- nischen Post. Im Gewand des Ni- lin. Ob Köln, Dresden oder Berlin – Heiner Koch ist ein Niederrheiner, der die Region und ihr Brauchtum von Herzen mag. In Düsseldorf geboren und aufgewachsen, Stadtjugendseelsorger in Neuss, Weihbischof in Köln, Fan von Borussia Mönchengladbach und als Bundespräses der Historischen Deutschen Schützenbruderschaften über Jahre predigend und feiernd in vielen Städten des Niederrheins unterwegs - steht er zu seiner niederrheinischen Heimat. Auch dafür gab es jetzt den Maulkorb, durch den sich Koch „sehr geehrt“ fühlt. Brigitte Pavetic 18 Niederrheinische Blätter — 1/2017

Hofgeflüster Der Waldkauz ist der Vogel des Jahres. Sein „Ku-witt“ ist am Niederrhein nicht oft zu hören. Ein seltener Kauz Der Mythos Spargel-„Zeit“ Um 1920 starteten die Bauern links und rechts von der deutsch-holländischen Grenze am Niederrhein und in Limburg ihre Innovation mit dem Liliengewächs. Und die Spargelzeit von Mai bis 24. Juni war geboren. Rund 100 Spargelarten sind bekannt. Nicht nur das holländische Königshaus, auch komplett Skandinavien und deren Königshäuser Dänemark, Norwegen und Schweden suchen ihre Hoflieferanten in unserer Region. Das gilt bis heute. Die Innovation von uns Spargelbauern reicht so weit, dass heute, 100 Jahre später, jeder dieses feine Gemüse genießen darf. Der beste, leckerste und erstklassige Spargel kommt stets von jungen Feldern. Durch Folien, Folientunnel und Treibhäuser verfrühen unsere Bauern schon die Ernte. Bis heute experimentieren wir Bauern rastlos, um die Spargelzeit für die Genießer zu verlängern. Aus vorgewärmten Beeten schmeckt der Spargel im März noch erstklassiger als im Mai. Gegenüber dem klassischen Anbau ohne Wärme toppt diese Methode den Genuss. Die Innovation im 20. Jahrhundert ist die Nutzung der Wärme aus mehr als 100 Biogasanlagen. Statt ungenutzt in der Atmosphäre zu verpuffen, beflügelt sie das Wachstum der köstlichen Stangen. Spargel braucht kein Licht zum Wachsen. Weißer Spargel wird unter der Erde gestochen. Die besten Bauern der Welt mit den dazu passenden Böden schaffen es, den Genießern den Gaumenschmaus schon im März anzudienen. Bernd Hesseling, Bauernmarkt Lindchen, Uedem Es kommt nicht häufig vor, dass naturverbundene Menschen beim Verein Biologische Station Krickenbecker Seen in Nettetal anrufen und erzählen, dass sie einen Waldkauz gesehen oder gehört haben. „In den vergangenen zehn Jahren sind nur elf Waldkauze gemeldet worden“, weiß Harry Abraham, Eulen-Experte beim NABU (Naturschutzbund) Willich. Das liege wohl vor allem daran, dass es in der Region nur wenig Wald mit altem, naturbelassenem Baumbestand gebe. „Der Waldkauz braucht alte Bäume mit Höhlen, in denen er nisten kann“, weiß Harry Abraham. Auch deshalb haben der NABU und der Landesbund für Vögel in Bayern den Waldkauz stellvertretend für alle Eulenarten zum Vogel des Jahres 2017 ernannt. „Mit ihm soll für den Erhalt alter Bäume im Wald oder in Parks geworben werden und eine breite Öffentlichkeit für die Bedürfnisse höhlenbewohnender Tiere sensibilisiert werden“, schreibt der NABU in seiner offiziellen Erklärung. Aber auch dem Waldkauz selber soll mehr Aufmerksamkeit geschenkt werden. Als Vogel der Weisheit und der Aufklärung, als Todesbote, Glücksbringer, Wappenvogel und Patron der überschwänglichen Trinklust ist die Eule mit dem gut getarnten rindenfarbigen Gefieder, dem stark gekrümmten gelblichen Schnabel, dem kompakten Körperbau und den großen dunklen Knopfaugen schon bezeichnet worden. In der Antike galt der Kauz als „Vogel der Weisheit“. Seine stoische Mimik wirkte klug und sorgte für Ehrfurcht unter den Menschen. Im Mittelalter wandelte sich das Bild: Die Eule wurde zum Botschafter von Unglück und Tod, Helfer Satans oder Verkünder von Seuchen. Dass die meisten Eulen die Nacht für ihre Jagd bevorzugen, sahen Abergläubige als Beweis für ihr böses Wesen. Die nächtlichen „Ku-witt“-Rufe des Waldkauzes zum Beispiel wurden als „Komm mit“ interpretiert und kündigten den angeblich baldigen Tod eines nahestehenden Menschen an. Wer diesem drohenden Schicksal entkommen wollte, nagelte eine getötete Eule an das Scheunentor. Stephanie Wickerath INFO Seit 1971 küren der NABU und der Landesbund für Vogelschutz in Bayern den Vogel des Jahres. Damit soll auch für bessere Lebensbedingungen der Tiere geworben werden. 1/2017 — Niederrheinische Blätter 19

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