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Oktoberfestzeitung Xanten 2017 -15.09.2017-

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PORTRÄT Die

PORTRÄT Die Chefkellnerin Doro Schweers hat schon beim ersten Oktoberfest in Xanten gekellnert. Die 19. Ausgabe bestreitet die 49-Jährige nun als Chefin für den gesamten Servicebereich. Ein Gespräch über die Ausbildung, Arbeit und Anspannung. Und über ihren Traum, einmal in München dabei zu sein. VON HEIDRUN JASPER Sie hat schon beim allerersten Oktoberfest 1999 gekellnert, als das Zelt hinten an der Après-Ski-Anlage stand und 500 Frauen und Männer ein Wochenende lang feierten, was das Zelt und die eigene Kondition hergab. Und sie ist auch bei der 19. Auflage des Festes dabei, das inzwischen an vier Wochenenden von freitags bis sonntags gefeiert wird, und wo 4500 Gäste mittlerweile Standard sind. Pro Abend, versteht sich. Diesmal allerdings ist Doro Schweers (49) als Chefin für den gesamten Servicebereich zuständig. Natürlich in bayerischem Outfit, genau wie Wiesn-Wirt und FZX-Leiter Wilfried Meyer: Lederhose, kariertes Hemd, Lodenjanker. Sie hat zwar auch ein Dirndl im Schrank, aber, „das ist nicht mein Ding“. Abitur, kaufmännische Ausbildung im elterlichen Heizung- und Sanitärbetrieb, Mathematik und Informatik-Studium in Duisburg („bis zum Vordiplom, dann bin ich ausgestiegen“), Ausbildung zur Schornsteinfegerin mit Meisterprüfung: 19 Jahre ist Doro Schweers auf Dächern ’rumgeklettert – und hat immer nebenbei gekellnert. Bei Vips, der Kneipe, wo man viele Jahrzehnte hinging in Xanten. Die Kneipe gibt es schon länger nicht mehr, Doro Schweers hat dort vor neun Jahren zum letzten Mal hinter der Theke gestanden, wo sie dann auch von Wilfried Meyer angesprochen wurde, ob sie nicht Lust hätte, beim FZX als Kellnerin anzuheuern. 2008 war das, seitdem ist Doro Schweers auch beim Oktoberfest für den VIP-Bereich zuständig gewesen. Sicher wird sie auch dieses Jahr hier und da einspringen und die Maß oder Haxen an den Tisch bringen, wenn die zuständige Kellnerin oder der Kellner gerade alle Hände voll zu tun hat. 99 Servicekräfte sorgen dafür, dass es den Gästen an den 534 langen Tischen an nichts mangelt. An jedem Tisch finden acht bis zehn Leute Platz. Für Doro Schweers beginnt der Arbeitstag in der Oktoberfest-Zeit um 12 Uhr, und er endet erst nach Mitternacht, in der Regel zwischen ein und zwei Uhr. Vor dem ersten Fest- Abend müssen die 99 Kellnerinnen und Kellner gebrieft (die FZX arbeitet mit Personaldienstleistern zusammen, die „Zwischen 20 und 25 Kilometer läuft ein Kellner pro Abend“ Doro Schweers Chefin des Servicebereichs auf dem Xantener Oktoberfest Truppen vor allem aus dem Kölner und Düsseldorfer Raum nach Xanten schicken) und für die Tische eingeteilt werden (jeder Kellner ist im Schnitt für sechs Tische zuständig). Mindestens 18 müssen die Servicekräfte sein, deutsch sprechen, sechs bis sieben Krüge auf einmal tragen können. „Das ist eine Frage der Technik, hat nichts mit der Kraft zu tun“, so die Service- Chefin, die den Trick kennt, wie man volle Krüge auch mit kleinen Händen problemlos und ohne Bier zu verschütten an den Tisch bringt. 600 Gramm wiegt ein Krug, darin ein Liter Bier: Das ist schon einiges an Gewicht, was die Servicekräfte da den ganzen Abend ’rum schleppen. Sie müssen belastbar sein, „ein dickes Fell haben. Man muss auch das ein oder andere grobe und unflätige Wort wegstecken können, das so manchem mit fortschreitendem Alkohol-Konsum über die Lippen kommt“, sagt die 49-Jährige. Die Dienstbekleidung stellt das FZX: ein Dirndl, drei Blusen, drei Schürzen für die Kellnerinnen, eine Lederhose und drei Hemden für die Kellner. „Flip-Flops gehen gar nicht, Chucks auch nicht“, sagt sie. Bequeme Schuhe sind ganz wichtig, „zwischen 20 und 25 Kilometer läuft ein Kellner pro Abend“, so die Chefin, die selber jeden Oktoberfest-Tag im Schnitt 30.000 Schritte auf ihrem Schrittzähler hat. Ab 17 Uhr ist das große Festzelt freitags und samstags offen, dann stehen die ersten Gäste meist schon Schlange. Bis 19.30 Uhr ist Hochbetrieb, sowohl in der Küche als auch im Zelt: Da wird gegessen. Haxen, Nürnberger Würstchen, Kartoffelstampf, halbe Hähnchen, Schnitzel, Schweinebraten, für Veganer gefüllte Paprika mit Couscous: Pro Abend gehen mehr als 4000 Essen ’raus. Acht bis zehn Leute arbeiten in der Küche, außerdem drei bis vier Köche und acht Leute in der Essensausgabe. Pausenlos schleppen die Kellnerinnen und Kellner das Essen ’raus, werden dabei von sogenannten „Foodrunnern“ unterstützt. „Die müssen wissen, wie man den Schlitten trägt“, sagt Doro Schweers. 120 Zentimeter lang ist so ein Schlitten, der auf die Schulter gesetzt wird. Zwölf Teller passen drauf, da darf nichts schief gehen, das Essen muss heil und vor allem auch heiß auf den Tisch kommen. „Das ist die harte Phase für alle“, sagt Doro Schweers. Ja, gibt sie zu, die Anspannung ist schon recht groß, vor allem vor dem ersten Oktoberfest-Abend hat sie immer ein wenig Bammel. Wenn der erste Tag schadlos überstanden Doro Schweers weiß, wie man die Krüge trägt. „Das ist eine Frage der Technik, hat nichts mit der Kraft zu tun“, sagt sie. FOTO: REICHWEIN Das große Wiesn-ABC A lmhütte: Sonntags wird dort ab 9.30 Uhr ein Frühstück angeboten. Außerdem ist die Almhütte Schauplatz der „Damen-Wiesn“. Bier: Beim Xantener Oktoberfest gibt es Bier der Marke Löwenbräu. Charivari: So nennt man die Schmuckkette am Trachtenanzug oder an der Lederhose. Aber auch laute Musik nennt man in Bayern Charivari. Dirndl: Das modische Markenzeichen der Madln. Essen: In Xanten gibt es Schweins-Haxn, Schnitzel, Wiesn- Hendl oder Rostbratwürstchen, ergänzt um vegetarische und vegane Gerichte wie Käsespätzle und Paprikaschote, aber auch Klassiker wie die Wiesn-Brezn (FOTO: PIXE- LIO) mit Obazda. Finale: Zum Ende des Xantener Oktoberfestes am Sonntag, 30. Oktober, ab 16 Uhr spielt die Oberbayern-Band das Finale mit den schönsten Hits des Oktoberfestes sowie einem Konfettiregen zum Abschluss. Garderobe: Jacken und Mäntel können im Festzelt aufgeben werden. Heilige Messe: Am letzten Wiesn-Sonntag findet im FZX- Festzelt eine heilige Messe der katholischen Propsteigemeinde St. Viktor Xanten statt. Internetseite: Alle Infos rund ums Oktoberfest gibt es auf www.oktoberfest-xanten.de. Jugendschutz: Der Zutritt ist Jugendlichen unter 18 Jahren nicht gestattet. Für jüngere Besucher veranstaltet das FZX das Wiesn- Festival und das Kids-Oktoberfest. Kellner: Wie in München werden auch in Xanten Bestellungen am Tisch aufgenommen und Getränke und Speisen am Platz serviert. Lederhose: Die Lederhose gehört, genau wie das Dirndl, zum klassischen „Oktoberfest- Dresscode“. Musik: Für musikalische Unterhaltung sorgt die Oberbayern-Band. Die Band hat bisher alle Xantener Oktoberfeste begleitet – und das vom ersten bis zum letzten Tag. Neigerl: Als Neigerl bezeichnet man den Rest, den man in seinem Krug zurücklässt. O’zapft is: Am 5. Oktober findet um 15 Uhr die Eröffnung des Oktoberfests Xanten statt. Parkplätze: Parken ist am Strandbad Xantener Südsee, Am Meerend, möglich. Qualität: Das Xantener Oktoberfest ist das Original vom Niederrhein. So würde es auch in München gefeiert werden. Rauchen: Das Rauchen ist im Festzelt untersagt. Alle Raucher können aber auf die Außenbereiche ausweichen. Selfie-Box: Wer eine Erinnerung vom Oktoberfest erhalten möchte, ist in der Selfie-Box genau richtig. und alles gut gelaufen ist, dann weiß man, dass man auf dem richtigen Weg ist“. Die Wochenenden seien schon extrem anstrengend, räumt die 49- Jährige ein, die durchaus auch schlaflose Nächte hat. Angst, dass etwas passieren könnte, hat sie aber nicht. „Man muss darauf vertrauen, dass der Sicherheitsdienst seine Arbeit vernünftig macht“. Auch wenn sie schon fast 30 Jahre in der Gastronomie arbeitet, macht es ihr immer noch Spaß. „Es hat mir nie ’was ausgemacht, die Wochenenden hinter statt vor der Theke zu verbringen“. Ihr Traum: Einmal beim Oktoberfest in München arbeiten. „16 bis 17 Tage voll durchziehen“, das traut sich Doro Schweers durchaus zu, die seit 2010 im Plaza del Mar arbeitet. Seit dem 1. März 2012 ist sie dort Betriebsleiterin. Was ihr manchmal fehlt, ist mehr Zeit, für die Familie (dazu gehören ihre Eltern und drei Geschwister) und für sich selber. Das Rennrad, mit dem sie früher oft unterwegs war, hat sie immer noch – „das Thema ist nicht durch bei mir“. Anders sieht das mit dem Handball-Sport aus: 30 Jahre hat sie beim TuS Handball gespielt, Rückraum-Mitte, vorgezogen, schnelle Angriffe. „Ab und zu gehe ich auch mal in die Bahnhofshalle, gucke den Mädels beim Spiel zu“. Aber wie gesagt: Die Zeit ist der limitierende Faktor im Leben von Doro Schweers, die sich übrigens auch vorstellen könnte, später im bayerischen Raum zu leben. Oder aber in Berlin. Toiletten: Es stehen ausreichend Toiletten im unmittelbaren Zeltbereich zur Verfügung, die ständig von Personal betreut und gereinigt werden. Unterkunft: Gäste von außerhalb können eine Unterkunft in der Nähe buchen. Infos hierzu auf www.xanten.de. Verbote: Hunde müssen Zuhause bleiben, Waffen oder gefährliche Gegenstände sowie große Taschen oder Rucksäcke sind verboten. Auch das Tanzen auf den Tischen ist nicht gestattet. Wiesn-Special: Beim Wiesn- Special am 26. Oktober, 20 Uhr, unterhalten „Die Schürzenjäger“ mit Alpenrock. Xanten: Das Oktoberfest findet bereits zum 19. Mal in Xanten statt und ist „Das Original am Niederrhein“. YouTube: Auf www.youtube.com, Channel „FZXanten“, finden Interessierte Berichte und Videos zum Oktoberfest. Zelt: Die einzelnen Sitzplatzkategorien im Festzelt umfassen „Classic“ und „Classic plus“ sowie „VIP“ und „VIP plus“. FZX

SPORT Fitness auf der Wiesn Krüge stemmen Bänke besteigen Schunkeln und zuprosten Schunkeln, Tanzen, auf Bänke steigen und schwere rüge stemmen – um bei so manchem Oktoberfestbrauch mithalten zu können, müssen die Gäste ziemlich fit sein. Physiotherapeut Wolfgang Werer aus Xanten zeigt im Plaza del Mar mit zwei Auszubildenden der Volksbank, wie es richtig geht und ei welchen Disziplinen Vorsicht angebracht ist. VON NATALIE URBIG (TEXT) UND ARMIN FISCHER (FOTOS) Ein passendes Outfit für das Xantener Oktoberfest haben die beiden Volksbank Auszubildenden Florian Abel und Johanna Nickel schon gefunden. Nun stellen sie in einem kleinen Fitness-Test einige Disziplinen vor, die man auf den Wiesn beherrschen sollte: Dazu gehören etwa auf Bänke steigen, Schunkeln – beansprucht die seitlichen Bauchmuskeln – und Zuprosten mit der schweren Maß Bier in der Hand (wiegt etwas mehr als zwei Kilo) sowie das Krügestemmen. Das ist ein beliebter Festzeltwettbewerb, bei dem es darum geht Stärke zu beweisen: Möglichst lange soll am ausgestreckten Arm ein Bierkrug in der Luft gehalten werden. Maximal kann man das Gewicht so für fünf Minuten halten, schätzt Physiotherapeut Wolfgang Werner, der den Auszubildenden die Übungen erklärt und ihnen mit guten Tipps zur Seite steht. Die Regeln können beim Bierkrugstemmen variieren – einige spielen es so, dass vorher etwas Bier abgetrunken werden darf, andere nehmen es direkt mit dem vollen Krug in der Hand auf. Für das tägliche Fitness-Programm eignet sich die Übung aber nicht, sagt Physiotherapeut Wolfgang Werner: „Die Muskulatur übersäuert dabei.“ Beim Zuprosten könne dafür gefahrlos der Bizep trainiert werden – die meisten Kilos würde man jedoch beim Tanzen verlieren. Trotz viel Bewegung ist mit einem Muskelkater nach einer durchzechten Nacht auf den Wiesn am nächsten Tag nicht zu rechnen, wie der Physiotherapeut sagt, „eher mit einem Kater ohne Muskeln. Die Hauptsache ist, man hat viel Spaß“, sagt Wolfgang Werner, „wenn man wirklich trainieren will, kann man dann doch lieber in die Muckibude gehen.“ Los geht es für die Azubis Florian Abel und Johanna Nickel mit dem Krüge stemmen. Es sind etwas mehr als zwei Kilogramm, die sie dann an ihrem ausgestreckten Arm tragen müssen. Vorher erklärt Physiotherapeut Wolfgang Werner, was es dabei zu beachten gilt: „Die Schwierigkeit liegt darin, dass der Hauptmuskel, also der Bizeps durch die Streckung außer Gefecht gesetzt ist“, sagt er, „deswegen werden bei dem Bierhebewettbewerb viele Hilfsmuskeln involviert.“ Besonders am hinteren Deltamuskel in der Schulter und im Rücken macht sich das bemerkbar. Das spüren die beiden Volksbank-Auszubildenden sogleich. Doch Physiotherapeut Wolfgang Werner kennt einen Trick, mit dem das Stemmen leichter wird. Dazu werden die Knie etwas gebeugt, das Becken aufgerichtet und die Po-Backen angespannt: In dieser Position könne der Krug maximal fünf Minuten gehalten werden, schätzt Werner. Nicht auf den Tischen, aber auf den Bänken wird im Wiesn Festzelt gerne getanzt: Möchte man die Bierzeltgarnitur erklimmen, sollte man es in einer vernünftigen Reihenfolge machen, rät Werner. Zuerst wird der rechte Fuß auf die Bierbank gesetzt, den Oberkörper nach vorne verlagern, einmal Schwung holen und dann geht es auch mit dem zweiten Fuß auf die Bank. Dabei wird die Bauchmuskulatur, die vorderen- und hinteren Oberschenkel und die Unterschenkel beansprucht. Geschafft: Oben angekommen prosten sich die Auszubildenden stilecht zu. „Aus therapeutischer Sicht würde ich allerdings von solchen Bankbesteigungen abraten“, sagt Wolfgang Werner und warnt davor, die durchaus wackligen Bierbänke zu besteigen, erst recht nicht mit mehreren Promille. Schunkeln gehört zum Oktoberfest dazu und so meistern Florian Abel und Johanna Nickel die Übung mit Bravur. Die Sitznachbarn werden dabei untergehakt, dann geht es in wiegenden Bewegungen im Takt der Musik von links nach rechts. „Beim Schunkeln arbeiten die Rücken- und die queren Bauchmuskeln“, erklärt Werner. Trainiert würden die Muskeln dadurch aber noch nicht: Da sei schon jahrelanges Schunkeln notwendig, wie der Experte sagt. Beim Zuprosten mit dem schweren Krug wird vor allem der Bizeps beansprucht. Aber auch der Rotationsmuskel in der Schulter arbeitet und der Haltemuskel im Rücken. Beim Glas an- und abführen helfen die kleinen und großen Brustmuskeln. Und auch wenn der Krug gefüllt etwas mehr als zwei Kilogramm auf die Waage bringt, gehöre diese Hebebewegung zum normalen Bewegungsablauf und sei so für die Wiesn Gäste nicht besonders anstrengend, sagt Werner.

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