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Passion for Fashion 28.07.2017

Passion

Passion for Fashion 14 Passion for Fashion 15 Hans-Jörg Welsch und Annette Görtz, Görtz-Welsch Modedesign Paul Prange, Schuhhaus Prange DIE TREUE UND DIE GELIEBTE MUSS MODE NACHHALTIGER WERDEN? Experten sprechen in Sachen Nachhaltigkeit von einem Makrotrend, der sich langsam in der Gesellschaft durchsetzt, weil er dem Wunsch von immer mehr Konsumenten entspricht. Inwiefern Nachhaltigkeit und Mode zusammenpassen, haben jetzt die Branchenvertreter beim ersten Roundtable „Passion for Fashion“ diskutiert. Jonas Klingenstein, the fable Ulrike Kähler, Igedo Company Wie konnte es eigentlich dazu kommen, dass man in der Modebranche zuletzt oft nach Berlin schielte und den klassischen Standort Düsseldorf – scheinbar – vernachlässigte? Ein paar Gedanken von Branchenexperten zur Einordnung. In den vergangenen Jahren war die Sorge groß, das hippe Berlin könne der Stadt am Rhein als Modestandort den Rang ablaufen. Annette Görtz (Görtz-Welsch Modedesign) hat dafür beim Roundtable „Passion for Fashion“ der Rheinischen Post ein emotionales Bild parat: Düsseldorf ist die verheiratete Frau, Berlin die Geliebte. Doch wer ist untreu? Akteure der Modebranche? Oder vielleicht auch die aus dem Umfeld am Rhein? „Viele Politiker erkennen die wirtschaftliche Relevanz des Modestandortes nicht“, richtet Peter Lohèl (Sem Per Lei) den Blick auf die Kommune. Dabei zählen die Unternehmen der Branche zu den wichtigsten Steuerzahlern. Während für Events wie den Grand Départ der Tour de France viel Geld in die Hand genommen werde, vernachlässige man die Mode, ärgern sich mehrere Teilnehmer des Roundtables. Mehr noch: „Wir müssen privates Geld in die Hand nehmen, um öffentliche Brücken vor unserer Haustür mitzusanieren“, klagt Paul Prange, Inhaber des Schuhgeschäfts Prange, und spricht damit für Anlieger der Königsallee. Jonas Klingenstein (the fable) verwendet sich dafür, dass „jeder Einzelne die ihm mögliche, notwendige Verantwortung übernimmt und sich nicht zurücklehnt und darauf wartet, dass jemand anderes die Initiative ergreift“. Die Stadt könne nicht „dezidiert Showrooms oder Unternehmen unterstützen“, räumt Mirjam Dietz (munichfashion.company) ein. Zudem stehe auch das Land in der Verantwortung. Die Politik könne aber durch Gestaltung der Rahmenbedingungen die Mode fördern, zum Beispiel bei Genehmigungen, Parkplätzen oder Straßensperren für Events. Und sie könne Veranstaltungen in kulturellen Räumen unterstützen. Mit einem Zusammenspiel von Mode, Kunst und Kultur hätte Düsseldorf durchaus eine Spezialität aufzuweisen. Die Branchenexperten beobachten im Übrigen, dass die hippe Strahlkraft des Konkurrenten Berlin zuletzt doch etwas nachgelassen habe. Die Berliner Messen vibrieren nicht mehr so wie zu Zeiten der Bread & Butter, und auch internationale Gäste fehlen auf den Plattformen, meint Angelika Firnrohr y (Fashion Net Düsseldorf). Shahin Moghadam, Geschäftsführer des Modeunternehmens unique, fühlt sich dem Heimatstandort Düsseldorf stark verbunden, hat aber auch einmal in Berlin ausgestellt – und dabei festgestellt: „Dort wird mehr gefeiert, hier bei uns mehr geschrieben“, also Geschäft gemacht. Gute Chancen für den Standort am Rhein also, seine klassische Stärke auch in Zukunft unter Beweis zu stellen. Jürgen Grosche Holger Röver, van Laack In der Modebranche wird derzeit zwischen Fast-y Fashion und Slow-Fashion unterschieden, also zwischen kurzen Hypes, die bald zu Schrankleichen werden, und nachhaltiger, entschleunigter, bewusster Mode wie Kleidung aus Biostoffen oder recycelten Materialien. Nachhaltigkeit ist in allen Bereichen auf dem Vormarsch und will unbedingt Einzug in die Modewelt halten. Doch aller Anfang ist schwer, wissen die Fachleute. Einige Labels wollen Gutes für die Umwelt tun, indem sie Mode aus recyceltem Plastikmüll aus dem Meer herstellen, Vorreiter sind dabei G-Star mit der „Raw for the Oceans“-Kollektion, Adidas mit dem Sportschuh „Adidas x Parley“, der unter dem Motto „Run for the Oceans“ produziert wird, oder auch Fußballtrikots, mit dem die Kicker von Real Madrid eine erfolgreiche Saison absolviert haben. Ideengeber und treibende Kraft ist dabei Cyrill Gutsch, Designer und Gründer der Meeresschutzorganisation „Parley for the Oceans“ (siehe auch Seite 16). Doch wie gehen Modeunternehmen in und um Düsseldorf damit um? In den meisten Geschäften werden Plastiktüten seit einem Jahr nicht mehr gratis über den Verkaufstresen gereicht, stehen sie doch als Symbol für die Vermüllung der Meere. Paul Prange zum Beispiel, Inhaber der Prange-Schuhhäuser, bietet seinen Kunden weiterhin Plastiktüten als kostenlosen Service an, versucht aber, sie an den Kassen zu einer Spende für die Meeresschutzorganisation Oceancare zu animieren. „Am Ende des Jahres verdoppeln wir dann den Betrag“, sagt er. Das Material der Tragetasche ist das eine, aber viel wichtiger ist doch, dass auch der Inhalt der Tüte stimmt. Das kann Thorsten Rolfes, Head of Corporate Communications C&A Europe, nur bestätigen: „Laut Studien bewertet ein Großteil der Frauen Nachhaltigkeit als wichtig oder sogar sehr wichtig. Inwieweit dieser Aspekt sich aber tatsächlich in der Kaufentscheidung niederschlägt, können wir nicht genau sagen.“ Als sozial und im Umweltschutz aktives Unternehmen will C&A mit gutem Beispiel vorangehen und bietet unter anderem T-Shirts an, bei deren Produktion alle Nachhaltigkeitskomponenten von fairen Löhnen über gute Arbeitsbedingungen bis hin zum Wasser- und Energieverbrauch gesichert sind. „Sie bestehen aus 100 Prozent Biobaumwolle, sind GOTS zertifiziert und kompostierbar, also ,designed tob e recycelt’, und wurden von zwei Top-Lieferanten in Indien gefertigt. Und Nachhaltigkeit muss noch nicht einmal teuer sein: Wir bieten die T-Shirts für sieben beziehungsweise neun Euro an.“ Neben fairen Arbeitsbedingungen für die Produzenten, umweltfreundlichen Materialien und müllvermeidendem Verhalten zählt laut Mirjam Dietz, die sich mit ihrer Beratungsagentur weltweit einen Namen gemacht hat und für zahlreiche Messeveranstalter, unter anderem für die munichfashion.company GmbH, tätig ist, das Bewusstsein – das der Verbraucher, aber auch das der Einkäufer. Letzteres hat der Messeveranstalter Igedo Company in den vergangenen drei Saisons stetig versucht zu wecken, wie Ulrike Kähler, Igedo-Prokuristin und Projekt-Direktorin der Gallery, betont. „Die Resonanz war leider sehr gering. Man sollte den Einkäufern erklären, dass sie nicht nur das schöne Design oder den guten Schnitt kaufen. Die Hersteller bemühen sich darum, nachhaltige Mode zu produzieren, aber sie muss auch wahrgenommen werden.“ Ob es an der Optik liegt? Bei den Schuhen auf jeden Fall, sagt Birte Prange. Sie ist seit 20 Jahren im Unternehmen ihres Mannes unter anderem für den modischen Schuheinkauf verantwortlich und beobachtet auch den Aspekt Nachhaltigkeit genau: „Vegane Schuhe werden oft aus Kunstleder hergestellt, da kann die Qualität schon mal auf der Strecke bleiben. Durch die geringe Lebensdauer und den oft hohen Chemikalieneinsatz handelt es sich hierbei meist keineswegs um nachhaltige oder ökologisch sinnvolle Produkte. Hinzu kommt, dass dem modischen Aspekt von vielen Produzenten zu wenig Rechnung getragen wird.“ Da sei Esprit schon einen Schritt weiter als so mancher Schuh-Hersteller, wie Judith Jahnke, Esprit Mode- und Markenkommunikation, betont: „Esprit arbeitet viel mit Biobaumwolle und recycelten Stoffen. Natürlich werden die Kleidungsstücke dann etwas teurer im Verkauf, aber wir erklären unseren Kunden den Unterschied. Dazu spielen wir Angelika Firnrohr, Fashion Net Düsseldorf mit den Trends, greifen aktuell etwa den Retro-Look oder Allover-Prints auf. Damit erreichen wir vor allem das junge Publikum. Man kann es sich heute einfach nicht mehr leisten, nicht nachhaltig zu sein.“ Modedesignerin Annette Görtz sieht dem Nachhaltigkeitstrend gelassen entgegen. „Ich weiß, wo meine Kollektionen produziert werden, nämlich vorwiegend in Deutschland. Ich finde es aber grundsätzlich schlimm, dass man ,Bio’ draufschreiben muss, um zu verkaufen. Denn eigentlich sollte es selbstverständlich sein, dass fair und nachhaltig produziert wird.“ Dennoch sei sie „allergisch“ gegen all die Zertifizierungen und Gütesiegel, die die Qualität beschreiben. „Die Etiketten erörtern das in epischer Breite und in vielen Sprachen. Das liest doch ohnehin kaum jemand.“ Allerdings, und das weiß Holger Röver, Marketing Director van Laack GmbH: „Beim Thema Nachhaltigkeit herrscht allgemein ein ungesundes Halbwissen. Damit Nachhaltigkeit zu einem glaubwürdigen und selbstverständlichen Kaufentscheidungskriterium wird, müssen die Verbraucher erst einmal umfangreich informiert werden.“ Angelika Firnrohr, Geschäftsführung Fashion Net Düsseldorf, bestätigt: „Der Verbraucher hat die Macht. Je besser er informiert ist, desto besser kann er sich bewusst mit einem Thema auseinandersetzen.“ Die Branche sucht nach Ideen und Möglichkeiten, die wichtigen Informationen unterhaltsam und ohne erhobenen Zeigefinger an den Kunden zu bringen. Das könne zum Beispiel durch Blogger gelingen, die eine Kooperation mit dem jeweiligen Label eingehen, wie Shahin Moghadam, Geschäftsführer und Creative Director unique europe GmbH, vorschlägt. „Wir wollen dabei aber authentisch bleiben“, sagt er. Bei allem Ideenreichtum sieht Holger Röver aber noch ein gutes Stück Arbeit auf die Branche zukommen: „Die Textilindustrie allein wird es nicht schaffen, das Problem zu lösen. Jeder kann aber seine Hausaufgaben machen und seinen Beitrag dazu leisten.“ Vera Straub-Roeben Peter Lohèl (Sem Per Lei.): „Der Roundtable war ein gelungenes Treffen. Wir als Teilnehmer hatten ein gutes Miteinander. Die Runde hat jedem von uns die Möglichkeit geben, auch einmal über den eigenen Tellerrand zu schauen. Besonders erfreulich war die Vielfältigkeit der Akteure. Die Gespräche gingen tiefer als bei jedem Get-together. Für die Zukunft wünsche ich mir weitere solcher Treffen – wohl dosiert, damit keine Abnutzungseffekte entstehen. Sich auszutauschen, auch mit dem Ziel sich zu vernetzen, ist heute wichtiger denn je. Als Einzelkämpfer kommt man nämlich nicht mehr weit. Überhaupt sollte sich Mode zunehmend als Gesamtpaket vermarkten. Das ist nur möglich, wenn Kräfte gebündelt werden und auch finanzielle Mittel fließen. Vonseiten der Stadt passiert da leider kaum etwas. Düsseldorf kann sich jedoch über die Mode profilieren, schließlich ist die Kaufkraft in der Landeshauptstadt sehr hoch. Unsere Branche muss im Stadtbild präsenter werden, damit die Modemetropole Düsseldorf nicht nur ein reines Lippenbekenntnis bleibt. Deshalb haben wir bewusst unsere neue Kampagne für die Frühjahrs- und Sommerkollektion 2018 auch auf Düsseldorf bezogen. Der Wiedererkennungswert ist hoch, und es ist ein klares Bekenntnis zum Standort.“ Peter Lohèl, Sem Per Lei. FOR Vorfreude auf die 3. Ausgabe des neuen Specials zur CPD Erscheinungstermin: Freitag, 02.02.2018 Anzeigenschluss: Freitag, 19.01.2018 Ausgabe: Wirtschaftsraum Düsseldorf (126.537 Exemplare, IVW 2016/3) Seien Sie Teil von „Passion for Fashion“! Gerne informiert Sie Ihr Mediaberater über die Möglichkeiten. Oder wenden Sie sich an Andrea Höngesberg, 0211 505 20933, andrea.hoengesberg@rheinische-post.de. Die Facetten der Modemetropole Düsseldorf: Highlights der Partys und Modenschauen, Düsseldorfer Mode-Designer im Portrait, Düsseldorfer Streetstyle und vieles mehr! Faszination Mode begeistert die Region: 78 % legen großen Wert darauf, gut auszusehen * 56,6 % können sich für Schuhe begeistern * 77,7 % legen großen Wert, immer gepflegt auszusehen * *Best4planning Analyse, deutsch-sprachige Bevölkerung in Düsseldorf, dem Rhein-Kreis Neuss und Kreis Mettmann, Zustimmung voll und ganz/eher Passion for Fashion Winter-Edition 2. Februar 2017

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