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Porträt Provinzial Rheinland

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Porträt Provinzial

Sicherheit in Deutschland RHEINISCHE POST FREITAG, 23. JUNI 2017 GA-Sv04 E4 Wolfgang Straßer, @-yet Volker Wagner, ASW Bundesverband Uwe Gerstenberg, consulting plus Beratung Stefan Bisanz, consulting plus Beratung Hans-Wilhelm Dünn, Cyber-Sicherheitsrat Deutschl. Frank Ewald, Deutsche Post DHL Wolfgang Bosbach, Deutscher Bundestag UNTERNEHMEN Detlev Weise, exploqii Heinz Sprenger, FH Duisburg/Mülheim Rolf Tophoven, IFTUS Institut f. Krisenprävention Jérôme F. Soiné, ISN Technologies „Diebe kommen durch die Datenleitung“ Was Einbrecher anrichten können, darüber haben die Menschen eine klare Vorstellung. Die erfolgreichsten Ganoven der Moderne nutzen indes das Internet für ihre Raubzüge. Die Schäden in der Wirtschaft sind immens, doch man kann sich schützen. VON JÜRGEN GROSCHE So gut wie es den Unternehmen gerade geht: Die Gefahren sollte man dabei nicht übersehen. „Die deutsche Wirtschaft steht gut da“, erläutert Volker Wagner, Vorstandsvorsitzender des Bundesverbandes der Allianz für Sicherheit in der Wirtschaft, in seinem Impulsvortrag beim RP-Wirtschaftsforum „Sicherheit in Deutschland“. Die Rahmenbedingungen seien gut: funktionierender Warenaustausch, internationale Vereinbarungen, ein intaktes Finanzsystem und eine offene Gesellschaft. „Aber die Verletzlichkeit ist groß“, warnt Wagner, „alles ist vernetzt“. Bei den Risiken hat die Allianz für Sicherheit vier globale Megatrends identifiziert: den Verfall von Staaten, ökonomische Verwerfungen, asymmetrische Kriegsführung und eben die digitale Vernetzung. Bei den Cybercrimes, den Verbrechen übers Internet, wird die Schadenshöhe auf 1,5 bis zwei Prozent des Bruttoinlandsprodukts geschätzt. Das wären allein in Deutschland mindestens 50 Milliarden Euro. Ähnlich kalkulieren auch andere Experten das Schadensvolumen. „Der Faktor Mensch ist dabei ebenso wichtig wie die Technik“, sagt Wagner. Doch auch die Prozessabläufe in den Unternehmen müssten auf den Prüfstand, kritische Abläufe müssten besser geschützt werden. „Es gibt aber bereits einige gute Maßnahmen“, beobachtet Wagner und nennt als Beispiele die Initiative Wirtschaftsschutz der Bundesregierung im Kampf gegen Spionage und Sabotage oder die Allianz für Cyber-Sicherheit, die vom Bundesamt für Sicherheit (BSI) und dem Digitalverband Bitkom als Plattform initiiert wurden. Auch dass sich die globalen Akteure und Konzerne auf dem Weltwirtschaftsforum mit Cyberkriminalität beschäftigt haben, fällt dem Experten positiv auf: „Das gab es früher nicht.“ Wagner begrüßt ausdrücklich die Digitalisierung: „Sie ist mit großen Chancen verbunden. Deutschland muss diese auch nutzen.“ Allerdings müsse man eben auch die Gefahren berücksichtigen: „Durch die Vernetzung und die Cloud- Anwendungen können auch Angreifer die Digitalisierung nutzen.“ Die Angriffe reichen von der Spionage über den Datendiebstahl bis zur Manipula- porträt Provinzial Rheinland Sicherheitsspezialisten warnen vor Leichtsinn und Blauäugigkeit: Vernetzung und Cloud-Anwendungen machen Unternehmen verletzlich. Die hier entstehenden Gefahren sind mittlerweile fast bedrohlicher als die herkömmliche Kriminalität, betonen die Experten beim RP-Forum „Sicherheit in Deutschland“ im Museum Folkwang, Essen. FOTOS: ALOIS MÜLLER tion der Öffentlichkeit. „Es ist unsere Aufgabe, hier Vertrauen aufzubauen“, appelliert Wagner an die Experten. Diese bestätigen das in der anschließenden Diskussion. „Unternehmen müssen sich den globalen Herausforderungen anpassen und dürfen nicht in Insellösungen denken – das bedeutet, in sämtliche Strukturen und Prozesse ganzheitlich das Thema Sicherheit zu integrieren“, konstatiert Uwe Gerstenberg, Geschäftsführender Gesellschafter der consulting plus Unternehmensgruppe und Vorsitzender des Präsidiums der Deutschen Gesellschaft Zukunft und Sicherheit. Kleine und mittelgroße Unternehmen könnten gemeinsam über die Verbände stark werden, ist Frank Ewald, Vice President Corporate Security Deutsche Post, überzeugt. Die bestehenden Initiativen seien gut, aber noch nicht ausreichend. „Wir brauchen Wirt- „Die Prävention beginnt meist erst, wenn das Kind schon in den Brunnen gefallen ist“ schaftsschutz-Beauftragte in Unternehmen und Behörden“, ist sich Ewald mit Wagner einig. Stefan Bisanz, Geschäftsführender Gesellschafter beim Beratungsunternehmen consulting plus, beschreibt aus der Praxis: „Das Thema Sicherheit macht bei mittelständischen Unternehmen irgendjemand nebenher mit.“ Bisanz appelliert an die Unternehmen, die Prävention ernstzunehmen. „Nach dem Schadenseintritt sind die Kosten viel höher.“ Sicherheit müsse „ein natürlicher Bestandteil des Lebens werden, so wie man auch die Tür selbstverständlich abschließt“. „Die Prävention beginnt meist erst, wenn das Kind schon in den Brunnen gefallen ist“, beobachtet Detlev Weise, Geschäftsführer des Kommunikationsdienstleisters exploqii, immer wieder. Im Mittelstand fehle das Wissen und die Erkenntnis über die Bedrohungslage. „Diebe kommen heute aber weniger durch die Tür, vielmehr durch die Datenleitung.“ Christian Scherg, Geschäftsführender Gesellschafter der Krisen- und Sicherheitsbera- Wirksamer Schutz für die eigene Sicherheit muss nicht kompliziert sein tung Revolvermänner GmbH, ist überzeugt, dass es gerade deshalb von entscheidender Bedeutung ist, ganzheitlich sowohl virtuelle als auch reale Risiken bei der Sicherheitsarchitektur zu berücksichtigen. „Unternehmen müssen den wackeligen Spagat zwischen IT, Kommunikation und physischer Sicherheit auflösen. Nur die Kombination schafft einen sicheren Stand.“ Internet: Initiative Deutschland sicher im Netz: www.sicher-imnetz.de, Allianz für Cyber-Sicherheit: www.allianz-fuer-cybersicherheit.de, Initiative Wirtschaftsschutz (die sich insbesondere an kleinere und mittlere Unternehmen richtet): www.wirtschaftsschutz.info, Allianz für Sicherheit in der Wirtschaft: www.asw-bundesverband.de ANZEIGE Die Zahlen sind erschreckend. Jedes Jahr brennt es in rund 200.000 deutschen Haushalten – mit der traurigen Bilanz von Schäden in Höhe von 2,5 Milliarden Euro und etwa 500 Toten. „Das bedeutet: Jeden Tag sterben durchschnittlich ein bis zwei Menschen an den Folgen eines Brandes, die Hälfte davon aber nicht durch das Feuer an sich, sondern durch eine Rauchvergiftung. Und wer jetzt sagt, er passe doch auf und das könne ihm nicht passieren, irrt: Viele Brände überraschen die Bewohner nachts, sodass regelmäßig Menschen im Schlaf sterben und gar nicht die Möglichkeit haben, Feuer und Rauch zu entkommen“, sagt Stefan Weber, Abteilungsleiter Schadenverhütung der Provinzial Rheinland Versicherung. Dabei sei es gar nicht so kompliziert, sich gegen die tödlichen Gefahren eines Haus- oder Wohnungsbrandes zu schützen, betont der Sicherheitsexperte. „Rauchwarnmelder retten Leben. Ob angebranntes Essen, ein durchgeschmortes Kabel, eine vergessene Kerze: Rauchwarnmelder reagieren auf die kleinste Rauchentwicklung bei einem Feuer und machen die Bewohner dann mit einem lauten Warnton auf die Gefahr aufmerksam. Wir empfehlen die Installation von Rauchwarnmeldern in allen Fluren, Treppenräumen, Schlaf-, Kinderund Gästezimmern, um einen optimalen Schutz zu gewährleisten.“ Zudem besteht in Nordrhein-Westfalen mittlerweile eine Rauchwarnmelderpflicht für private Wohnräume. Stefan Weber rät dazu, beim Kauf von Rauchwarnmeldern dringend auf die Qualität zu achten. Zeichen dafür seien unter anderem unabhängige Gütesiegel wie „VdS“, „GS“ und „Q“. Ein Feuer ist laut dem Provinzial Rheinland-Experten aber bei weitem nicht die einzige Gefahrenquelle für Mieter und Eigentümer. Alle drei Mi- Stefan Weber, Abteilungsleiter Schadenverhütung der Provinzial Rheinland Versicherung nuten wird in Deutschland in eine Privatwohnung eingebrochen, die Tendenz ist steigend, die Aufklärungsquote zugleich nicht. „Wirksamer mechanischer Schutz ist das effektivste Mittel, einen Einbruch zu verhindern. Einbrecher suchen die Ziele, die für sie leicht zugänglich sind – je mehr Zeit sie brauchen, desto eher lassen sie von einem Einbruch ab. Eine Grundabdeckung bilden damit solide, mechanische Sicherungen, die den Zugang zu Haus und Wohnung versperren. Mechanische Sicherungen zu knacken, ist für Einbrecher zu zeitaufwendig. Untersuchungen der Polizei bestätigen, dass viele Einbruchversuche an fachgerecht eingebauter mechanischer Sicherungstechnik scheitern“, führt Stefan Weber aus. Ebenso rät er, unisono mit anderen Sicherheitsexperten, dazu, Beleuchtungsanlagen zu installieren, die automatisch eingeschaltet werden. Auch gut beleuchtete Objekte schreckten Einbrecher ab. Nicht zuletzt ist auch eine aufmerksame Nachbarschaft nicht zu unterschätzen. Ergänzend existieren moderne Gefahrenmeldeanlagen, die das Sicherheitsniveau weiter anheben. Im Mittelpunkt stehen laut Stefan Weber Einbruchmeldeanlagen. Sie erkennen, wenn Einbrecher ins Haus eindringen und warnen akustisch. Alarmanlagen können Gefahrensituationen zudem erfassen und entsprechende Alarmmeldungen zum Beispiel an einen Wachdienst oder den Bewohner weiterleiten, zum Beispiel per Sprachansage oder SMS. Der Abteilungsleiter Schadenverhütung ruft Mieter und Eigentümer aber dazu auf, nur auf geprüfte und zertifizierte Produkte, zum Beispiel durch den VdS, zu setzen und sich für die Installation an anerkannte Fachbetriebe zu wenden. „Schlechte Produkte werden von Einbrechern leicht überwunden, und was schlecht montiert ist, hält keinem Einbruch stand.“

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