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Rheinische Post -Leseprobe-

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D-HI02 10

D-HI02 10 Leseprobe RHEINISCHE POST SAMSTAG, 18. MÄRZ 2017 Für Hobbyköche, Leckermäuler, Frisöre & Co Viele Unternehmen in der Region locken ihre Kunden mit besonderen Angeboten in den Werksverkäufen. Eine Auswahl. KREIS METTMANN/SOLINGEN Die Region hat in Sachen Werksverkauf einiges zu bieten. Messer und andere Schneidwaren stehen in Solingen im Fokus. Aber das ist nicht alles. Auch Küchengeräte-Liebhaber und Süßigkeiten-Fans kommen auf ihre Kosten. Mode, Schuhe, Besteck und auch Brot locken im Kreisgebiet. Wo gibt es die besten Angebote? Eine Auswahl. HARIBO Es war einmal ein kleiner Verkaufsraum, der an nur wenigen Stunden in der Woche geöffnet hatte. Vorrätig waren die gefragtesten Haribo-Klassiker wie Goldbären und Colorado – der Rest des Sortiments war jedes Mal aufs Neue eine Überraschung, da im Werksverkauf generell die Überproduktionen landeten. Nach einem umfassenden Umbau ist der Shop in Solingen zu einem wahren Süßigkeiten-Supermarkt geworden, der alles zu bieten hat, was das Haribo-Herz begehrt. Ein Besuch in Gräfrath lohnt allein wegen der zahlreichen Produkt- Neuheiten und der riesigen Selbstbedienungstheke, an dem die Kunden ihren ganz persönlichen Mix aus ihren stets frischen Favoriten zusammenstellen können. Eins ist geblieben: das Bruch-Paket mit vier Kilogramm Inhalt, von dem maximal drei Kartons erworben werden können. Adresse Wuppertaler Straße 76, Solingen, Telefon 0212 2502142. Öffnungszeiten Montag bis Freitag 8.30 bis 16.30 Uhr, Donnerstag 8.30 bis 18 hr. GROUPE SEB Was früher der Krups-Werksverkauf war, ist seit einiger Zeit der Factory Outlet Store der Groupe SEB. Durch den Zusammenschluss mit der französischen Marke hat sich das Sortiment des Walder Werksverkaufs erweitert, und Kun- Bastian Jordan mit Olivenöl-Flaschen, -Kanistern und Kartons. FOTO: TINTER den finden nicht mehr nur Haushaltskleingeräte der Firma Krups, sondern auch Geräte von Lagostina, Moulinex, Rowenta und Tefal vor – von Küchenmaschinen und Stabmixern über den Kontaktgrill bis zum Staubsauger. Gepart werden kann hier bis zu 30 Prozent, bei B-Ware sogar bis zu 50 Prozent. Auch befinden sich hier die Annahmestelle des zentralen Werkskundendienstes sowie der Verkauf von Ersatzteilen und Zubehör für alle Marken. Zu den Highlights für die Kunden zählen die „Schnäppchenmärkte“, die mehrmals im Jahr veranstaltet werden und mit besonderen Angeboten locken. Ende Januar beginnen Umbaumaßnahmen, um den Shop weiterhin attraktiv und kundenfreundlich zu halten – im März soll alles fertig sein. Der Shop hat trotz der Umbauarbeiten geöffnet. Adresse Nümmener Feld 10. Solingen Telefon 0212 387601. Öffnungszeiten Montag bis Freitag 8.30 bis 16.30 Uhr, Donnerstag 8.30 bis 18 Uhr. ZWILLING In Berlin, München, Frankfurt oder in Düsseldorf an der Königsallee gibt es Werksverkäufe des Schneidwarenanbieters Zwilling – so natürlich auch in der Solinger Firmenzentrale auf der Grünewalder Straße in Höhscheid. Der Verkauf von Zweiter-Wahl-Artikeln mit Preisnachlässen bis zu 40 Prozent beschränkt sich nicht nur auf Premium-Edelstahlprodukte aus dem Messer-Bereich. Vielmehr gibt es auch Küchenhelfer, Scheren, Kochgeschirr, Bestecke und Beauty-Instrumente. Zwilling ist eben ein Komplett-Anbieter, im Werksverkauf werden auch zum Unternehmen gehörende Markenartikel von Staub oder J.A. Henckels International angeboten. Adresse Grünewalder Straße 14-22. Solingen, Telefon 0212 882292. Öffnungszeiten Montag bis Freitag 9.30 bis 19 Uhr, Samstag 9.30 bis 14 Uhr. JORDAN OLIVENÖL Zwar steht das Olivenöl, das die Familie Jordan in Griechenland herstellt, im Mittelpunkt. Doch längst kann sich der anspruchsvolle Gourmet bei einem Besuch des Jordan- Lagerverkaufs auf den neuesten Stand bringen, wenn es ums gute Essen geht. Regelmäßige Koch- Events, bei denen namhafte Köche mit Jordan-Produkten Schmackhaftes zubereiten, runden das Programm ab. Der Lagerverkauf in Aufderhöhe ist also ein Treffpunkt für Menschen, die gerne essen. Beratung wird beim Einkauf großgeschrieben. Auf der Website des Unternehmens findet sich darüber hinaus alles Wissenswerte rund ums Olivenöl und die übrigen Produkte. Der Werksverkauf von Hariboin Solingen-Gräfrath bietet das gesamte Spektrum – aber auch das Bruch-Paket mit vier Kilogramm Inhalt. RP-ARCHIVFOTO: KEMPNER Adresse Friedenstraße 38b, Solingen. Telefon 0212 3833442. Öffnungszeiten Donnerstag und Freitag 15 bis 19 Uhr, Samstag 11 bis 15 Uhr. KOCHSHOP SOLINGEN Der Werksverkauf mit den Hausmarken Küchenprofi, Cilio, Zassenhaus und Spring gehört zu den größten in Solingen – sowohl hinsichtlich der Fläche als auch des Sortiments. Auf 300 Quadratmetern Verkaufsfläche bietet der Laden alles, was das Herz von Kochprofis und -fans höher schlagen lässt: Das Angebot reicht vom Schneebesen über Schneidbretter und Auflaufformen bis zu hochwertigen Küchenmaschinen. Rabatte gibt es auf die vier Hausmarken grundsätzlich, darüber hinaus erfreuen sich die Tische mit 2. Wahlartikeln und Restposten immer größerer Beliebtheit. Als sinnvolle Ergänzung zu den Eigenmarken gehören zum Sortiment des Kochshops auch Marken wie GU mit zahlreichen Kochbüchern und Kitchenaid mit diversen Küchengeräten, darunter auch die beliebte Küchenmaschine im Retro- Look. Zweimal im Jahr, meistens im Frühjahr und im Herbst, wird ein Sonderverkauf veranstaltet, bei dem die Verkaufsfläche zusätzlich auf das Lager ausgeweitet und somit auch das Sortiment erweitert wird. Auch Kochvorführungen in der Showküche sind keine Seltenheit. So standen letztes Jahr selbst gemachte Nudeln, asiatischer Wok und Weihnachtsplätzchen auf dem Programm. Über aktuelle Termine wie Kochevents und Sonderverkäufe informiert der Newsletter, zu dem man sich auf der Homepage des Kochshops anmelden kann. Adresse Höhscheider Weg 29, Solingen Telefon 0212 658 28 00. Öffnungszeiten Montag 14 bis 18 Uhr, Dienstag bis Freitag 10 bis 18 Uhr, Samstag 10 bis 14 Uhr. WÜSTHOF Im Werksverkauf der Firma Wüsthof steht dem Kunden eine eingeschränkte Auswahl aus dem Sortiment zur Verfügung, darunter Messer (auch im Set), Scheren und Küchenhelfer. Das Besondere hierbei: Auf jeden Artikel gibt es Rabatt, mindestens 30 und bis zu 65 Prozent – abhängig davon, ob es sich um B- Ware, Auslauf- oder Sondermodelle handelt. Adresse Kronprinzenstraße 49, Solingen, Telefon 0212 20670. Öffnungszeiten Montag bis Freitag 9 bis 16 Uhr, Mittwoch 9 bis 13 Uhr. MONO Das Familienunternehmen mono in Mettmann verkauft ein vielfältiges Sortiment an handgefertigten Bestecken, Teezubehör und Tischaccessoires. In dem „design factoryshop“ werden, neben den fehlerfreien Artikeln, sogenannte B- Waren vergünstigt verkauft. Die minimalen Schönheitsfehler sind mit bloßem Auge nicht zu erkennen. Wie aus einem einfachen Stück Metall in aufwendiger Handarbeit Messer, Gabel und Löffel entstehen, kann man am Freitag, 9. Juni, von 20 bis 24 Uhr bei der Produktionsbesichtigung „Nachtschicht“ erkunden. Der Shop wird ebenfalls geöffnet sein. Adresse: Industriestraße 5, Mettmann, Telefon 02104 91980. Öffnungszeiten: Montag bis Freitag 10 bis 12 Uhr und 14.30 bis 16.30 Uhr. Zudem jeden ersten Samstag im Monat 10 bis 14 Uhr. ARA-SCHUHE Mehrere tausend Schuhe vorrätig hat die Ara Shoes AG in ihrem Langenfelder Outlet-Store. Auf 800 Quadratmeter Ladenfläche gibt es eine große Auswahl an Damen-, Herren- und Kindermodellen. Zu Mehrere tausend Schuhe sind im Ara-Werksverkauf in Langenfeld vorrätig. RP-FOTO: MATZERATH Der Kochshop in Aufderhöhe gehört zu den größten Lagerverkäufen in Solingen. FOTO: KOCHSHOP finden sind Sneaker und Schnürer ebenso wie Slipper, Ballerinas, Pumps, Stiefel und Stiefeletten sowie Hausschuhe. Nach Angaben von Ara spart der Kunde gegenüber der unverbindlichen Preisempfehlung 30 Prozent. Der Werksverkauf ist gut über die A 3 und die Hardt (L 402) erreichbar. Die Ara-Schuhwerke wurden 1951 an dieser Stelle eröffnet. Die Serienproduktion der Schuhe wurde jedoch inzwischen komplett ins Ausland verlagert, etwa nach Portugal, Osteuropa und Indonesien. Dennoch stellt Ara regelmäßig preisgekrönte Schuhfertiger-Azubis. Adresse Zur Schlenkhecke, Langenfeld, Telefon 02173 105332 Öffnungszeiten Montag bis Freitag 10-18 Uhr, Samstag 10-14 Uhr. HARRY-BROT Zu jeder Harry-Großbäckerei gehört ein sogenanntes „Factory Outlet“. Dort nutzen Harry-Mitarbeiter und Verbraucher die Gelegenheit, frisches Harry-Brot direkt aus der Bäckerei zu günstigen Preisen einzukaufen. Ein Brot-, Brötchen- und Kuchen-Outlet gibt es beim Harry- Betrieb in Ratingen-Tiefenbroich. Adresse Ratingen, Harkortstraße 60 , Telefon: 02102 488 13255. Öffnungszeiten Montag bis Freitag, 6 bis 18.30, Samstag von 6 bis 13 Uhr. So rösten kleine Cafés Kaffeebohnen Die Röstmaschine ist das beste Werkzeug von Jörg Plümacher. Seit September ist das Café Röstzeit geöffnet. HILDEN (ubg) Wenn es auf der Mittelstraße in Hilden nach Kaffee duftet, ist die Röstmaschine von Jörg Plümacher im Einsatz: Im September hat dort das Café Röstzeit eröffnet. Espresso und Kaffee, der dort ausgeschenkt wird, stammt aus „Die Bohnen springen nun zum ersten Mal auf“ Jörg Plümacher selbst gerösteten Bohnen. „Das Qualitätsbewusstsein nimmt bei den Leuten zu“, erzählt Plümacher. In großen Jutesäcken stapeln sich in seinem Laden Bohnen aus aller Welt. „Sie kommen von kleinen Kaffeefarmen, sind fair gehandelt und handverlesen“, sagt Plümacher, während er die Temperatur am Röster auf 200 Grad einstellt. Dann gibt er über den Trichter fünf Kilogramm der Sorte: „Brasilien Yellow Bourbon“ in die Maschine. Bis auf den digitalen Bildschirm, über den die Temperatur und Zeit eingestellt werden kann, funktioniert sie nach einem traditionellen Verfahren: In einer Trommel werden die Bohnen über einem Brenner erhitzt. Ein Rührwerk hält die Kaffeesamen dabei ständig in Bewegung. Bis zu 20 Minuten bleiben sie in dem Behälter: „Wenn sie zu lange darin rösten, schmeckt der Kaffee langweilig und fad“, sagt Plümacher. Um den richtigen Moment abzupassen, achtet der Experte nicht nur auf die Zeit und Temperatur, sondern richtet sich auch nach der Bohnenfarbe: Dafür zieht er sie mit einer Art Löffel aus der Trommel und begutachtet ihre Bräune. „Die Bohnen springen nun zum ersten Mal auf“, erklärt Plümacher. Er reduziert die Temperatur und öffnet wenig später eine Klappe. Die gerösteten Bohnen strömen hinaus auf das Kühlsieb: Drei Minuten bleiben sie darauf liegen, ehe sie in Tüten abgepackt werden. Die gerösteten Bohnen können in dem Café als warmes Getränk probiert oder für den Hausbedarf gekauft werden. Geröstet wird hier die Sorte: „Brasilien Yellow“. Im Rohzustand zeichnet sie sich durch ihre helle Farbe aus. Jörg Plümacher füllt die Sorte in Tüten: Bis zum Aufbrühen sollte allerdings noch zwei Tage gewartet werden. RP-FOTO: STASCHIK/

RHEINISCHE POST SAMSTAG, 18. MÄRZ 2017 D-HI03 Leseprobe 11 Der Kiebitz muss das Feld räumen Beim Tag des Artenschutzes geht es auch um die Planung für den Technologiepark. Nächste Woche werden weitere Weichen gestellt. VON RALF GERAEDTS HAAN Im März wird der Kiebitz wieder aus seinem Winterquartier zurückkehren. Dann lassen örtliche Naturschützer ihren Blick über die Felder im Bereich Kriekhausen schweifen. Die Zahl der dort brütenden Paare ist im letzten Jahrzehnt deutlich zurückgegangen. In Spitzenzeiten bauten acht Paare ihr Nest. Anfang vergangenen Jahres sichtete Sigrid van de Sande nur ein Paar auf einem Stoppelacker in Gruiten. Diese Entwicklung machen die Naturschützer am Bau des Technologieparks fest, dessen Entwicklung vor acht Jahren begann. „Im Grunde hätte vor dem ersten Bauabschnitt der Artenschutzaspekt geklärt sein müssen“, sagt Sven Kübler, Sprecher der Arbeitsgemeinschaft Natur und Umwelt AGNU) Haan. Weil damals aber Zeitdruck herrschte, versprach die Stadt, diese Aufgabe zum zweiten Bauabschnitt zu erledigen. Ein Erfolg ist bisher nicht bekannt. Allerdings könnten in der nächsten Woche Weichen gestellt werden. Denn der Stadtrat und die Mitglieder des Ausschusses für Stadtentwicklung, Umwelt und Verkehr treten am kommenden Dienstag zu einer gemeinsamen Sitzung zusammen. Weil das Treffen nichtöffentlich ist, verrät das Ratsinformationssystem auch nichts über die Tagesordnung. Sven Kübler hat über Mitglieder des Landschaftsbeirates des Kreises gehört, dass „ein Artenschutzausgleich vorliegen soll“. Es seien Felder im Bereich von Wülfrath gefunden worden. Der Kiebitz, weiß Kübler, habe einen größeren Such- raum für seinen Brut- platz. Er kehre nicht gezielt nach Haan zurück. Die AGNU war sogar entschlossen, Klage zu erheben. Sven Kübler stellte klar, dass Naturschutz-Or- Ackerflächen zwischen Kriekhausen und der Windfoche sollen Gewerbebauland werden. Der Pflock stammt von aktuellen Vermessungsarbeiten. RP-FOTO: RALF GERAEDTS ganisatio- nen nicht für Probleme sorg- ten, sondern es Natur- schutzgesetze seien, an die sich Städte halten müssten. „An der A44 laufen auch schon wieder Planungsfehler. Darauf weisen wir nur hin!“ „Wir sind froh, dass die Stadt endlich verstanden hat, dass ein Ausgleich dauerhaft für 30 Jahre lang gesichert werden muss“, sagt der engagierte Naturschützer. Wäre diese Einsicht früher gekommen, hätte viel Geld gespart werden können. Denn zunächst schaltete die Verwaltung teure Juristen zur Prüfung des Artenschutzaspektes ein. Dann wurde über Jahre die Stiftung Rheinische Kulturlandschaft unterstützt, in der Hoffnung, diese könnte das Problem lösen. Was genau in Wülfrath vorgesehen ist, hat die AGNU nicht erfahren, obwohl sie im vorigen Jahr mit Bürgermeisterin Bettina Warnecke weitere Gespräche vereinbart hatte. Die seien jetzt mit den Fachleuten der Unteren Landschaftsbehörde geführt worden. Auf die Frage, wie weit die Stadt denn mit der Lösung des Kiebitz- Problems gekommen ist, gab es von der Haaner Verwaltungsspitze keine klare Aussage. „Wir arbeiten heftig daran“, bemerkte die Bürgermeisterin und lächelte vielsagend. Wenn die Ausgleichsflächen für den Naturschutz gesichert seien, könnte „das Gelände in die Vermarktung gehen“, beantwortete die Verwaltung eine Anfrage der FDP, wann es mit dem Technologiepark weitergehe. Bei den Haushaltsplanberatungen scheiterte die Wählergemeinschaft Lebenswertes Haan mit ihrer Forderung, die Erschließung des zweiten Technologieparks-Abschnittes – allein der Bau der Niederbergischen Allee zwischen dem Kriekhausen-Weg und dem Kreisverkehr Gruitener Straße dürfte um die 500.000 Euro kosten – um zwei Jahre zurückzustellen, um mit dem ersparten Geld die Wirtschaftsförderung Projekte für kleine und mittlere Unternehmen entwickeln zu lassen. INTERVIEW THOMAS GRÜNENDAHL Warum Handwerker nicht gerne für Städte arbeiten Die Kommunen tragen oftmals selbst Schuld, sagt der Branchen-Experte. Denn der bürokratische Aufwand sei enorm. HILDEN In den Ausschüs- sen der Städte hört man es immer wieder: Die Stadt hat einen öffentli- chen Auftrag zu vergeben und fin- det keine Handwerker, die bereit sind, die Arbeiten zu übernehmen. Und wenn doch, liegen die Angebo- te sehr deutlich über dem Preis, den sich die Städte so vorgestellt haben. Darüber haben wir mit Kreishandwerksmeister Thomas Grünendahl aus Hilden gesprochen. eht es den Handwerkern derzeit so gut, dass Sie es gar nicht mehr nötig haben, für die Stadt oder den Kreis zu arbeiten? THOMAS GRÜNENDAHL Die Konjunktur ist wieder ins Rollen gekommen, keine Frage. Aber daran liegt es be- stimmt nicht, dass immer weniger Handwerker bereit sind, für die Stadt oder den Kreis Mettmann zu arbeiten. Woran denn dann? GRÜNENDAHL Das sind die Kommunen zum Teil selbst schuld, weil zum Teil jeder zu beschaffende Kugelschreiber öffentlich ausgeschrieben wird. Sehen Sie sich doch mal so eine öffentliche Ausschreibung an. Die findet man im Internet auf den Seiten der Städte. Da geht das Theater schon los. Alleine für eine Ausschreibung muss ich sieben Dokumente mit jeweils zehn bis 15 Seiten herunterladen. In den Dokumenten enthalten ist, dass ich noch eine Bescheinigung abgeben muss, dass ich meine Steuern zahle und krankenversichert bin. Viel Pa pierkram. Und was passiert dann? GRÜNENDAHL Natürlich das Ganze ausdrucken und unterschreiben und bloß keine Unterschrift vergessen oder zum Beispiel das Kreuzchen an der richtigen Stelle, sonst ist die ganze Bewerbung schon wegen eines Formfehlers nicht mehr im Rennen. Aber bevor Sie unterschreiben, müssen Sie doch erstmal rechnen, zu welchem Preis sie anbieten können? GRÜNENDAHL Genau. Da muss ich kalkulieren. Wie hoch sind die Lohnkosten? Habe ich genug Arbeitskräfte zur Verfügung? Kann ich das in der vorgegebenen Zeit leisten? Denn die Arbeiten der Städte müssen – sagen wir mal die Sanierung der Toilette einer Schule – innerhalb von ein paar Tagen in den Ferien erledigt werden. Ganz am Ende steht dann die Frage: Lohnt sich das für mich? Ich weiß von vielen meiner Kollegen, dass sie für diesen Aufwand keine Zeit und keine Lust mehr haben. Wenn Sie dann noch in der Ausschreibung lesen, dass natürlich nur Material mit einem Umweltzertifikat erlaubt ist, dann haben Sie schon fast die Nase voll. Kreishandwerksmeister Thomas Grünendahl zeigt in der Ausstellung seines Betriebes eine Auswahl von Fliesen. RP-AF: ANJA TINTER Warum lohnt es sich denn nicht, für die Stadt zu arbeiten? GRÜNENDAHL Wenn ich mich um den Auftrag einer Kommune bewerbe, steht eins von vorne herein fest: Ich habe den maximalsten bürokratischen Aufwand, um ein Angebot zu erstellen, aber den geringsten Ertrag. Im Gegensatz zu privaten Auftraggebern muss man bei den Städten nie auf das Begleichen der Rechnung warten. Was aber viel wichtiger ist: Am Ende weiß ich ja gar nicht, ob sich der ganze Aufwand mit der Ausschreibung überhaupt lohnen wird. Denn die Vergabe ist für uns Handwerker wie eine Lotterie. Wir wissen ja nicht, für welchen Preis andere Handwerker die Leistung anbieten. Einen, der es noch billiger macht, gibt es immer, oder? GRÜNENDAHL Wie schon gesagt, weiß ich ja nicht, wer sonst noch aus Deutschland oder Europa mitbietet. So wird eine Ausschreibung zum Lotteriespiel. Daher ist es auch verständlich, dass viele Unternehmer nicht mehr daran teilnehmen, weil der Aufwand zu groß ist. Ich habe an einer Ausschreibung für die Sanierung von Schulen teilgenommen. Schade ist es, wenn ein vor Ort ansässiger Unternehmer den Auftrag nicht bekommt, obwohl die Differenz in den Angeboten der Wettbewerber nur wenige Hundert Euro beträgt. Der Unternehmer hier gibt aber auch sein Geld vor Ort wieder aus. Ich bin davon überzeugt, wenn die ein oder andere Kommune ihre Richtlinien ändern würde, würden auch mehr Unternehmer aus unseren Städten daran teilnehmen. Der Rat einer Stadt kann die Vergabegrenzen festlegen und wählen zwischen einer öffentlichen Ausschreibung, einer freihändigen Vergabe und einer beschränkten Ausschreibung, bei der ein Bieterkreis angeschrieben wird. OLIVER WIEGAND FÜHRTE DAS GE- SPRÄCH.

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