Aufrufe
vor 9 Monaten

Rheinische Post -Leseprobe-

  • Text
  • Hilden
  • April
  • Kreis
  • Stadt
  • Mettmann
  • Haan
  • Solingen
  • Glocken
  • Telefon
  • Rheinische

D-HI02 4

D-HI02 4 Leseprobe RHEINISCHE POST SAMSTAG, 18. MÄRZ 2017 Kirchenglocken wurden zu Kanonenfutter Vor 100 und vor 75 Jahren mussten die Gruitener Kirchengemeinden ihre Glocken für die Weltkriege opfern. VON RALF GERAEDTS HAAN-GRUITEN Bronze war in beiden Weltkriegen in großen Mengen für die Kriegsmaschinerie wichtig. Und in den Kirchtürmen hing dieses Material in Form von zentnerschweren Glocken. Deshalb mussten 1917 und erneut nur 25 Jahre später Kirchenglocken aus Bronze als „Kanonenfutter“ herhalten. In den beiden Weltkriegen sollen insgesamt über 100.000 Glocken konfisziert, aus Kirchtürmen abgeseilt und zum Einschmelzen abtransportiert worden sein. Auch die beiden Gruitener Kirchen haben ein paar Tonnen der begehrten Bronze beisteuern müssen. „In einem einstündigen Geläut ... nahm die größere Glocke von der Gemeinde Abschied, um am folgenden Tag in den Heeresdienst einzutreten und sogleich den Heldentod zu erleiden“ Ernst Breidbach früher Baas der Aule Gruitener Ernst Breidbach, der langjährige Baas der Aulen Gruitener, hat in seinen Jugenderinnerungen festgehalten: „Im Juni 1917 musste auch unsere Kirchenglocke dem Vaterland geopfert werden. Im kirchlichen Wochenblatt wurde folgendes über den Abschied geschrieben: ‘Am 27. Juni erklangen zum letzten Mal unsere beiden Kirchenglocken gemeinsam. In einem einstündigen Geläut ... nahm die größere Glocke von der Gemeinde Abschied, um am folgenden Tag in den Heeresdienst einzutreten und sogleich den Heldentod zu erleiden.’“ Das betraf die größere Glocke der evangelisch-reformierten Kirche. Aber auch die katholische Kirche blieb 1917 nicht verschont. Zwei Glocken musste sie hergeben, und nur die alte Nikolausglocke von 1521 blieb unangetastet. 1924 wurde das Geläut der katholischen Kirche wieder um zwei Glocken ergänzt. Und die evangelisch-refor- mierte Kirche ersetzte 1925 die 1917 verlorene Glocke ebenfalls durch eine neue. Aber schon 15 Jahre später zeichnete sich ab, dass die neuen Glocken wieder eingeschmolzen werden sollten. Mit einem Erlass vom 15. März 1940 wurden alle Bronzeglocken im Reich beschlagnahmt, und ein Runderlass des Reichsinnenministers vom 14. November 1941 ließ keinen Zweifel daran, dass davon auch Gebrauch gemacht werden würde. Im evangelischen Pfarrhaus Gruitens ging die „Ankündigung der Glockenabnahme“ am 9. Januar 1942 ein. Abgegeben werden musste wieder die größere der beiden vorhandenen Glocken, 203 kg schwer. Ihre Inschrift enthielt den Zusatz Eine Glocke wird am 20. April 1942 aus dem Kirchturm der Nikolaus-Kirche abgeseilt. Zwei Tage später werden zwei Glocken mit zusammen 2225 Kilogramm Gewicht zunächst nach Hilden gebracht und später zum Einschmelzen abtransportiert. FOTO: GRUITENER ARCHIVE „Dem Vaterland geopfert 1917 – Wiedererstanden 1924“. Von dieser Glocke haben sich zwei Fotos erhalten. Beide aufgenommen, als sie vor der Kirche zum Abtransport bereitgestellt worden war. Die darauf abgebildeten Kinder sind die Söhne des damaligen Pfarrers und des Küsters der Gemeinde. Über die Abgabe der Glocken aus der katholi- schen Kirche hat Prälat Marschall, der damalige Pfarrer der St. Nikolaus-Gemeinde, dem Erzbischöflichen Generalvikariat am 29. April 1942 mitgeteilt, „dass am 20. April unsere Glocken abmontiert und am Morgen des 22. April gegen 10 Uhr auf einem Lastwagen nach Hilden gebracht wurden. Die Arbeiten wurden im Auftrage der Kreishandwerkskammer ausgeführt durch Zimmermeister Stachelhaus in Hilden.“ Die beiden abgeholten Glocken hatten ein Gesamtgewicht von 2225 Kilogramm. Glockenabnahmefeiern waren durch den Reichskirchenminister untersagt worden. Nur das Verlesen einer Kanzelerklärung und das Hinzufügen einer kurzen Ansprache des Pfarrers waren zugelassen. Für die Kanzelerklärung in evangelischen Kirchen wurde folgender Text vorgegeben: „Nachdem in Ausführung der Anordnung des Herrn Beauftragten für den Vierjahresplan über die Erfassung von Nichteisenmetallen die erforderlichen Vorarbeiten abgeschlossen sind, ist mit dem Ausbau der Bronzeglocken begonnen worden. Die künstlerisch oder geschichtlich wertvollen Glocken werden nicht abgenommen werden. Darüber hinaus ist dafür Sorge getragen, dass in jeder Kirchengemeinde eine Glocke verbleibt. Um des Vaterlandes Willen werden unsere Gemeinden ihre Glocken freudig hergeben. Wir helfen damit dem Führer und seiner Wehrmacht, den Söhnen unserer Gemeinde, die in hartem Kampfe ihr Leben für uns einsetzen, zum völligen und endgültigen Siege. Wir sind dankbar, dass unseren Kirchengemeinden wenigstens eine Glocke verbleiben soll. Lasst uns ihrem Rufe zum ge- Die Söhne des damaligen Pfarrers und des Küsters der Evangelisch-reformierten Kirchengemeinde posieren neben einer der demontierten Kirchenglocken. FOTO: GRUITENER ARCHIVE meinsamen Gottesdienst mit vertiefter Treue folgen! Ihre einsame Stimme soll uns ständig mahnen an den Ernst der Entscheidung in die unser Volk hineingestellt ist, und die wir nur mit Gott bestehen können. Sie soll uns daran erinnern, dass über uns und unserem Volke seine Allmacht und Treue steht, und dass Für eine eventuelle Ansprache des Pfarrers wurden Richtlinien mitgeliefert: Sie solle kurz und in politischer Hinsicht nicht zu beanstanden sein. Abschließend hieß es: „Im allgemeinen dürfte sich nach Kanzelabkündigung des Evangelischen Oberkirchenrats eine weitere Ähnliche Vorgaben gab es offenbar auch für die katholischen Pfarrer. Prälat Marschall hat dazu an den Generalvikar berichtet, dass er die Kanzelverkündigung gemäß der Verordnung im Kirchlichen Anzeiger vom 15. Dezember 1941 gemacht Seither schwingen neben der erhalten aus dem Jahre 1521 drei weitere Glocken: (380 Kilo schwer, auf den Ton h gestimmt), (502 Kilo, Ton a) und die große Concordia (1250 Kilo schwer, Ton e); der Beiname St. Bernhards-Glocke deutet auf Prälat Bernhard Marschall hin, der jahrzehntelang in Gruiten wirkte. Sie klingen zur Kirchweih oder Fronleichnam in besonderer Weise. Dann schlägt sie Josef Ahrweiler rhythmisch von Hand an. Er hat von seinem Vater Heinrich die Tradition des Beierns übernommen. wir uns ihm in allen Dingen getrost anvertrauen dürfen.“ Bekanntgabe der vorstehenden Ansprache erübrigen.“ habe. 1953 erhielt die Ni- kolaus-Kirche die neuen Glocken. gebliebenen Nikolaus-Glocke die kleine Marienglocke die Friedensglocke BÜRGERMONITOR Die Turnstraße hat immer mehr Löcher Vor Jahren wurde eifrig über den „Straßentausch“ zwischen Stadt und Kreis diskutiert. Jetzt wünschen sich die Bürger endlich Resultate. VON RALF GERAEDTS HAAN Wenn es stark geregnet hat, sind Fußgänger auf der Turnstraße gut beraten, die Straßenseite mit BÜRGERMONITOR Wir bleiben dran! dem breiteren Bürgersteig für ihren Gang zu wählen. Denn dann haben sie eine gute Chance, der Gischt vorbeifahrender Autos zu entgehen. Das gelingt Häusern naturgemäß nicht. Vielen Fassaden, besonders an der Westseite, ist im unteren Teil des Erdgeschosses anzusehen, dass sie häufig eine „Dusche“ von der Fahrbahn aus abbekommen. Und im Winter natürlich salzigen Schneematsch. Der Asphaltbelag wird stellenweise sehr brüchig. Die vielen Flickstellen zeigen, dass immer wieder Löcher ausgebessert werden müssen. „Die Pfützen sind teilweise so groß, dass Autos durchfahren müssen“, hat Anwohner Jörg Adams beobachtet. Vor neun Jahren schon gab es erste Überlegungen und vor fünf Jahren eifrige Diskussionen um das Thema „Straßentausch“. Da sollte die Turnstraße – heute Kreisstraße 5 – zur Gemeindestraße werden. Und die Martin-Luther-Straße – heute in Regie der Stadt – zur Kreisstraße werden. Hintergrund: Durch den Tausch würde die Kreisstraße auch aus Fahrtrichtung Solingen bis zur Kaiserstraße führen. Heute endet sie (in ihrer Bedeutung) auf der Ittertalstraße in Höhe der Einmündung Turnstraße, die indes nur in Fahrtrichtung Solingen ab der Kaiserstraße zu befahren ist. Geschehen ist bisher aber noch nichts. Nur der Straßenzustand wird immer schlechter. Vor Karneval tat sich kurz hinter der Einmündung der Blücherstraße ein tiefes Loch von etwa 50 mal 40 Zentimeter Breite auf. „Wenn da ein Zweiradfahrer hineingeraten wäre, hätte es einen schlimmen Unfall gegeben“, berichtet Dieter Terjung, der seit 43 Jahren am unteren Teil der Turnstraße lebt. Mehrere Anrufe bei der Stadt hätten keinen Erfolg gehabt, allerdings sei 30 Minuten nach der Die Wasserwaage zeigt, wie ausgefahren die Fahrbahndecke der Turnstraße ist. Dieter Terjung, Hans-Gerd Adams und Jörg Adams messen hier die Tiefe eines Schlagloches – acht Zentimeter. RP-FOTO: OLAF STASCHIK Information an die Polizei der Kreisbauhof zur Reparatur angerückt. „Die Stadt soll die Verantwortung übernehmen, aber sie kümmert sich nicht drum“, findet auch Anwohner Hans-Gerd Adams. Und sein Sohn Jörg, der ebenfalls im oberen Teil der Turnstraße wohnt, weist auf die Belastung durch Lastwagen hin. Deren Erschütterungen sind zum Teil in den Häusern zu spüren. Seit Jahren beobachtet Adams junior, dass Risse im Verputz seines Hauses wachsen. Warum es noch nicht zum Straßentausch gekommen ist, erläutert Tiefbauamtsleiter Guido Mering: Stadt und Kreis warten auf den Verkehrsentwicklungsplan II, der auch ein Lkw-Führungskonzept enthält und Aussagen treffen soll, wie der Verkehr in der ganzen Südstraße abgewickelt werden könnte. Die Ergebnisse könnten Auswirkungen haben auf die Art des Ausbaus der Turnstraße, für den der Kreis das Geld seit langem „geparkt“ hat. Im Frühjahr wird das Gutachten von Verkehrsplaner Runge erwartet und geht dann in die parlamentarische Diskussion. „Der Kreis wird warten, welche Entscheidungen in Haan getroffen werden“, bekräftigte Kreis-Sprecherin Daniela Hitzemann. INFO Bürgermonitor – das bedeuten die Ampeln Was? Die Ampel zum Bürgermonitor zeigt, in welcher Phase sich die Bearbeitung des Problems befindet. Wie? Rot bedeutet, dass noch gar nichts passiert ist – wie in diesem Fall. Gelb steht für Bearbeitung. Die Farbe Grün wird angezeigt, wenn ein Problem mit Hilfe der RP gelöst werden konnte. Kontakt über hilden@rheinischepost.de oder nutzen Sie unser Kontaktformular unter www.rponline.de/hilden. Die Anwohner der Turnstraße sind gespannt auf die Ergebnisse. Aber noch mehr sind sie an schnellen Veränderungen zum Besseren interessiert. „Salz greift die Fassaden an, und Feuchtigkeit zieht in Mauern. Das ist auch ein Stück Sachbeschädigung“, findet Jörg Adams.

RHEINISCHE POST SAMSTAG, 18. MÄRZ 2017 D-HI03 Leseprobe 5 CDU schießt gegen die Hygieneampel „Ein nutzloses, bürokratisches Monster“, schimpft Klaus-Dieter Völker, Chef der Kreistagsfraktion. VON OLIVER WIEGAND KREIS METTMANN Wer schon einmal eine Reise in die USA gemacht hat, kennt das vielleicht. An den Eingängen von Restaurants oder Bäckereien geben die Farben Rot, Grün oder Gelb einer kleinen Ampel Auskunft darüber, ob dort die Hygienestandards eingehalten werden. Als erstes Bundesland hat Nordrhein-Westfalen nun vor drei Wochen diese umstrittene sogenannte Hygieneampel eingeführt. Gastronomen, Bäckereien und Metzgereien sind nach einer dreijährigen Übergangszeit dazu verpflichtet, die Ergebnisse der regelmäßig statt findenden Kontrollen plakativ mit den Farben Grün, Gelb, Rot schon am Eingang kenntlich zu machen. Die CDU im Kreistag ist mit dem – von der SPD, Grünen und den Piraten verabschiedeten – Gesetz überhaupt nicht einverstanden. „Das ist ein nutzloses und bürokratisches Monster“, sagte Klaus-Dieter Völker, Chef der Kreistagsfraktion jetzt. Mit „völligem Unverständnis“ habe Völker das Verhalten seiner SPD-Kreistagskollegen Manfred Krick und Volker Münchow bei der Abstimmung über das umstrittene „Hygieneampel-Gesetz“ im Landtag zur Kenntnis genommen. „Ich finde es unbegreiflich, dass meine ansonsten so geschätzten Kollegen diesem typisch grünen Reglementierungswahn zustimmen können. Die CDU-Kreistagsfraktion möchte eine Anfrage auf die Tagesordnung des zuständigen Fachausschusses am kommenden Donnerstag im Kreistag setzen. Konkret möchte die CDU wissen, ob der Bei Betrieben mit Kundenkontakt soll das neue Qualitätssiegel gut sichtbar direkt in den Läden ausgehangen werden. Die CDU im Kreis Mettmann bezweifelt, dass genug Personal für zusätzliche Kontrollen da ist. RP-FOTO/ARCHIV: DPA Kreis überhaupt das Personal für die vielen zusätzlichen Kontrollen habe. Wichtig sei auch, was bei einer „Roten Ampel“ passiere. Habe der Betrieb das Recht auf eine sofortige Nachkontrolle, um sein Ergebnis zu verbessern? Das will die CDU wissen. Interessant klingt auch die Frage, ob der Verwaltungsaufwand in einem angemessenen Verhältnis zum Nutzen für die Verbraucher steht. Wer sich ernsthaft mit der Frage von Lebensmittelkontrollen beschäftige, wisse, dass der Tätigkeitsbericht des Fachamtes im Internet steht und jederzeit eingesehen werden kann. Jetzt komme noch mehr Bürokratie ins Spiel und dabei spiele nicht etwa – wie vom grünen Umweltminister vorgegaukelt – die Hygiene die Hauptrolle, sondern die Dokumentation sei das Maß aller Dinge. Bei der Farbe der Ampel sei weder die Qualität der angebotenen Lebensmittel, noch die Sauberkeit im Betrieb für eine entsprechende Ampelfarbe verantwortlich, sondern es gehe nur um die lückenlose Dokumentation. „Stimmen die Papiere, kann der Bäckermeister oder Koch getrost zur Toilette gehen, ohne sich anschließend die Hände zu waschen und dann fröhlich weiter backen oder kochen“, sagt Völker und spricht von „Bürokratenwahn“. Im Kreis Mettmann ist das Amt für Verbraucherschutz für die Kontrollen zuständig. Aktuelle Zahlen für das vergangene Jahr liegen noch nicht vor. Auch wenn es einige spektakuläre Fälle gibt, aus den Vorjahren weiß man: Die Verbraucher müssen sich keine Sorgen machen. Die Kontrolleure haben 2015 insgesamt 3906 mal in Restaurants, Kneipen, Bäckereien, Metzgereien und Supermärkten vorbeigeschaut. 210 Verwarngelder wurden erhoben, 20 Bußgeldbescheide ausgestellt. 173 mal haben die Verbraucher die Kontrolleure auf Missstände aufmerksam gemacht. In den Betrieben sind es oft kleine Beanstandungen, wie etwa die Kennzeichnung von Lebensmitteln. INFO Gut sichtbar im Schaufenster Bei Betrieben mit Kundenkontakt soll das neue Qualitätssiegel gut sichtbar direkt in den Läden ausgehangen werden. Alle anderen Betriebe, die ihre Produkte nicht direkt an die Endverbraucherinnen und Endverbraucher verkaufen, wie beispielsweise Lebensmittelhersteller oder weiterverarbeitende Betriebe, veröffentlichen ihr Ergebnis auf ihrer jeweiligen Internetseite. Stadt sichert Schulen gegen Amok Lehrer haben sich vom Landeskriminalamt beraten lassen. Sabine Klein-Mach, Leiterin der Marie-Colinet-Sekundarschule, zeigt die Schließzylinder, die ausgetauscht werden sollen. In hrer Schule allein 220 Stück. Kosten dort: rund 100.000 Euro. RP-FOTO: STEPHAN KÖHLEN VON CHRISTOPH SCHMIDT HILDEN Erfurt 2002, Emsdetten 2006, Winnenden 2009: Diese Namen und Jahreszahlen stehen für Amokläufe an Schulen. In Erfurt wurden zwölf Lehrer, zwei Schüler, die Schulsekretärin sowie ein Polizist verletzt. In Emsdetten 37 Menschen. In Winnenden erschoss der 17-jährige Amokläufer in einer Realschule drei Lehrerinnen und neun Schüler. Solche schrecklichen Ereignisse sind zum Glück selten – aber sie geschehen. Schulen sind besondere Gebäude. Sie müssen frei zugänglich, zugleich aber auch sicher sein und Flucht- und Rettungswege bieten. Deshalb hat die Politik einstimmig beschlossen, dass die neuen Schließanlagen für die beiden weiterführenden städtischen Schulen auch eine „Amokfunktion“ enthalten. Sie macht Klassen und Aufenthaltsräume zu sicheren Rückzugsräumen, erläutert Ralf Scheib, Leiter des städtischen Gebäudemanagements. Mit einem einfachen Dreh am Zylinderknauf kann die Klassentür ohne Schlüssel von innen verriegelt werden. Eine erneute Öffnung von außen ist nur mit einem passenden Schlüssel möglich. Durch eine Panik-/ Fluchttürfunktion können die Räume aber auch schnell verlassen werden, etwa im Falle eines Brandes. „Eine Flucht von innen nach außen ist jederzeit möglich.“ Stadt und Schulleitungen haben sich eingehend von Fachleuten des Landeskriminalamts beraten lassen. Im vergangenen Jahr wurden verschiedene Schließsysteme auch praktisch getestet. Das habe dann auch die Leitungen des Helmholtz- Gymnasiums und der Marie-Colinet-Sekundarschule überzeugt, berichtet Scheib. Beide Schulen haben eine gemeinsame (inzwischen abgeschriebene) Schließanlage. Defekte Schlüssel und Schließzylinder verursachten inzwischen vermehrt Kosten von rund 10.000 Euro pro Jahr. „Ersatz ist extrem teuer“, so Scheib. Deshalb sollen die neuen Türschlösser zusätzlich mit elektronischen Schließzylindern kombiniert werden. Sie passen in jede Standard-Innentür und können problemlos nachgerüstet werden. Wenn Schlüssel verloren gehen oder zusätzliche Schlüssel gebraucht werden, können die Bedienchips einfach programmiert werden. Das spart Kosten. Für die neuen Schließanlagen muss die Stadt richtig Geld in die Hand nehmen. Das Helmholtz- Gymnasium hat rund 350 Türen, die umgerüstet werden müssen; die Marie-Colinet-Sekundarschule etwa 220. Scheib rechnet pro Tür mit 450 Euro. Macht rund 160.000 Euro für das Helmholtz- Gymnasium und etwa 100.000 Euro für die Marie-Colinet-Sekundarschule. Im Umwelt-Ausschuss haben alle Fraktionen das Vorhaben einstimmig unterstützt. Deshalb kann man davon ausgehen, dass auch der Haupt- und Finanzausschuss am 8. März zustimmt und das Geld bereitstellt. Bürgermeisterin Birgit Alkenings will die neuen Schließanlagen noch in diesem Jahr ausschreiben. Weil es um so viele Türen geht, werden sie bis ins nächste Jahr hinein umgerüstet. Die alten Schlösser werden übrigens nicht weggeworfen, sondern so weit möglich in den städtischen Grundschulen. Weil es um so viele Türen geht, werden sie bis ins nächste Jahr hinein umgerüstet. Die alten Schlösser werden übrigens nicht weggeworfen, sondern so weit möglich in den städtischen Grundschulen weiter verwendet.

Sonderveröffentlichungen