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Saisonauftakt Krefelder EV -07.09.2017-

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„Ich will dem Team an

„Ich will dem Team an jedem Abend die Chance geben, das Spiel zu gewinnen.“ Andrew Engelage ist der neue Torwart der Krefeld Pinguine. Der 28 Jahre alte Kanadier ist mit 1,95 Meter Körpergröße eine beeindruckende Erscheinung und soll im Team der Schwarz-Gelben eine wichtige Rolle einnehmen. Im vergangenen Jahr wurde er zum besten Torwart der Allsvenskan, der zweiten Schwedischen Liga, gewählt und wies überragende Statistiken auf. Ob er daran in Deutschland anknüpfen kann? Für die Pinguine könnte diese Frage über Wohl und Wehe in der nun beginnenden Spielzeit entscheiden. Herr Engelage, Sie sind im Sommer nach Krefeld gewechselt. Was waren die Gründe, die für die Pinguine sprachen? Engelage: Für mich war es einfach eine Chance, mich auf einem noch höheren Niveau zu beweisen und mein Spiel weiter zu verbessern. Ich hoffe, ich mache hier in Krefeld einen weiteren Schritt dahin, mein Spiel zu perfektionieren und der beste Spieler zu werden, der ich sein kann. Nach allem, was ich gehört habe, ist Krefeld eine tolle Organisation mit super Fans, und ich freue mich auf meine Zeit hier. Was wissen Sie denn bereits über Krefeld im Besonderen und die DEL im Allgemeinen? Haben Sie sich vor dem Wechsel informiert? Engelage: Das ist eine gute Frage. Vor der Unterschrift war es gar nicht so viel. Ich habe lange mit Matthias Roos (Sportlicher Leiter der Pinguine, die Red.) und Rick Adduono (Cheftrainer, die Red.) gesprochen. Sie haben mir einiges erzählt. Aber darüber hinaus wusste ich gar nicht so viel. Jetzt habe ich natürlich einige Eindrücke in der Vorbereitungszeit sammeln können. Wie das Niveau in den wirklichen Ligaspielen dann ist, werde ich erst sehen, wenn es wirklich so weit ist. Aber ich bin gespannt darauf und freue mich. Waren es lange Verhandlungen mit den Verantwortlichen in Krefeld, oder wurden Sie sich schnell einig? Engelage: Nein, es war nicht so lang. Ich weiß gar nicht mehr genau, wann der erste Kontakt zustande kam. Die Pinguine haben sich damals an meinen Agenten gewendet, und über ihn kam das Angebot dann natürlich auch an mich. Ich glaube, das war etwa im April. Danach haben die Gespräche nicht lange gedauert. Ich habe mehrfach mit Rick Adduono und Matthias Roos gesprochen und dann unterschrieben. Alles in allem waren es vielleicht ein paar Wochen. Die Menschen in Deutschland bemühen sich immer sehr, Namen korrekt auszusprechen. Wie wird Ihr Name korrekt ausgesprochen? Engelage: Ich spreche ihn englisch aus. Aber es gibt viele Leute, die ihn französisch aussprechen oder eine Mischung aus beidem. Selbst in meiner eigenen Familie gibt es viele unterschiedliche Varianten. Also so eng sehe ich das nicht. Wenn die Leute mich so aussprechen, wie sie wollen, werde ich schon wissen, wer gemeint ist. [lacht] Außerdem erzählte mir mein Großvater, dass es in Deutschland sogar eine Stadt mit diesem Namen gebe. Ich weiß nicht, ob das stimmt. Aber die würde dann wohl Deutsch ausgesprochen. Wie gesagt, ich sehe das nicht so eng. Sie bringen Erfahrungen aus vielen unterschiedlichen Ligen mit: Schweden, Norwegen, Italien und Nordamerika. Vergangene Saison waren Sie bester Torwart in Schwedens zweiter Liga, sowohl statistisch mit 1,71 Gegentoren im Schnitt und einer Fangquote von 93,8% als auch durch Wahl, wo Sie zum besten Torwart der Liga erkoren wurden. Ist es ein Ziel, an diese Werte und Erfolge auch hier anzuknüpfen? Andrew Engelage wechselte aus Schwedens zweiter Liga nach Krefeld in die DEL. Foto: Thomas Lammertz Engelage: Das ist schwer zu beantworten. Natürlich ist mein Ziel, meine bestmögliche Leistung zu bringen. Und natürlich wäre es schön, ähnlich großen Einfluss auf den Erfolg des Teams zu haben, wie in Schweden. Aber am Ende muss ich erst einmal abwarten, wie es in der Liga wirklich zugeht. In der Vorbereitung war es okay, aber noch waren eben keine Pflichtspiele dabei. Ob ich solche Statistiken auch hier erreichen kann? Das weiß ich nicht. Aber Statistiken sind auch nicht das Wichtigste. Ich will dem Team an jedem Abend die Chance geben, das Spiel zu gewinnen. Wenn mir das gelingt, ist die Zahl der Shut-outs und so weiter ziemlich egal. In Norwegen führten Sie ihr Team ins Finale. In Italien waren Sie Meister. Sehen sie sich als Torwart, der in den Play-offs noch einmal zulegt? Engelage: Oh, ich möchte mich in jedem Fall sehr gern so sehen. [lacht]. Aber im Ernst, ich denke, dass es einfach eine Frage der Form ist. Ich hatte Jahre, in denen es sehr gut lief und andere, wo das nicht der Fall war. Ich hatte meine Erfolge in den Playoffs, aber das ist nur ein Teil der Geschichte. Insgesamt muss in den Play-offs viel stimmen, und eine Aktion kann eine ganze Serie entscheiden. Nur ein Team holt am Ende den Titel, aber viel mehr kämpfen darum. Wie gesagt, da entscheiden Kleinigkeiten. Ich hatte das Glück, in einigen Teams zu stehen, die diese Kleinigkeiten sehr gut gemacht haben. Und auch ich selbst hatte viele gute Spiele in den Play-offs. Am Ende hoffe ich einfach erst einmal, dass wir die Play-offs erreichen und ich mich dort zeigen kann. Und wenn wir dann einmal drin sind, ist ohnehin alles möglich. Jedes Play-off-Team hat auch eine Chance auf den Titel. Die Fans konnten Sie jetzt in zwei Tests auf eigenem Eis bewundern. Dennoch, wie würden Sie Ihre Spielweise beschreiben? Engelage: Ich halte es sehr einfach und versuche, ruhig und über Stellungsspiel zu agieren. Ich bin kein Torwart, der immer wieder die ganz spektakulären Paraden auspackt. Das ist nicht mein Stil, und wenn es nötig wird, dann habe ich vorher etwas falsch gemacht und war aus der Position. Ich bin ein ziemlich großer Torwart, der seine Größe zu seinem Vorteil nutzt, weil ich natürlich einen großen Teil des Tores verdecke. Ihr NHL-Draftjahr liegt nun zehn Jahre zurück, und Sie wurden nicht ausgewählt. Heute haben Torhüter Ihrer Größe eine große Lobby, und Sie würden wohl in jedem Falle gezogen. Bedauern Sie, nicht acht oder zehn Jahre jünger zu sein? Engelage: Das ist nicht so einfach zu sagen. Ich denke, ich hätte schon damals einer dieser späten Picks sein können. Aber ich hatte in meinem Draftjahr eine langwierige Leistenverletzung, habe aber nicht pausiert, sondern wollte meinem Team helfen. Darum waren die Leistungen nicht so gut, und darum wurde ich wohl nicht gedraftet. Aber am Ende ist es einfach, wie es ist. Ich habe bislang eine sehr schöne und interessante Karriere gehabt und die Zeit sehr genossen. Wer weiß, wie es sonst gekommen wäre? Ich freue mich auf die weiteren Jahre und sehe Die Kaderschmiede der Pinguine alles positiv. Heute sind große Torhüter in der NHL gefragt, wenn sie auch beweglich sind. Das war damals noch etwas anders. Aber man muss auch sehen, was für überragende Athleten die Goalies heute sind. Dadurch verändert sich heute das ganze Spiel. Aber nochmal: Es bringt nichts, der Vergangenheit nachzuweinen. Am Ende ist es, wie es ist. Haben Sie den NHL-Traum endgültig aufgegeben, oder lebt er im Hinterkopf noch? Engelage: Da muss man realistisch sein. Langsam ist es ein bisschen zu spät. Die Teams wollen heute vor allem ihre jungen Talente fördern, und da ist es sehr schwer, rein zu kommen. Ich bin jetzt bald 29 Jahre alt, und jedes Team hat ein, zwei starke, junge Goalies mit 20, 21 oder 22 Jahren in der Pipeline. Auf die bauen sie schon bei den Farmteams. In meinem Alter müsste ich da schon eine ganze Klasse besser sein, um noch einmal die Chance zu bekommen. Nein, ich konzentriere mich derzeit auf Krefeld, und das ist es. Was sind für die kommende Saison Ihre Ziele? Engelage: Das ist eine häufig gestellte Frage. Ich weiß gar nicht, ob ich wirklich persönliche Ziele in dem Sinne habe. Ich möchte in die Play-offs und dann dort das Optimum erreichen. Und ich möchte dem Team helfen und erfolgreich sein. Statistiken interessieren mich eigentlich nicht. Und lieber bin ich mit 200 Gegentoren in den Playoffs, als mit 100 auf Platz zwölf. Ich möchte einfach gut spielen, dem Team zeigen, dass es richtig war, mich zu holen und mein bestes Hockey spielen. Und eben in die Play-offs kommen. Dann bin ich zufrieden. Und wer weiß, was dann möglich ist. Sven Schalljo führte das Interview Oben von links: Karen Liegmann (Physio), Jens Lehwald (Mannschaftsleiter), Julian Geppert, Tamas Kanya, Jonathan Galke, Joey Luknowsky, Joshua Gärtner, Thomas Hinz (Betreuer), Alex Jansen (Betreuer) Mittlere Reihe von links: Frank Uetzels (Mannschaftsarzt), Daniel Spies, Jan Händeler, David Weidlich, Domenic Snykers, Philipp Hertel, David Adamowicz, Patrick Demetz, Mika Horrix, Mathias Onckels, Christian Paul-Mercier, Max Tillmann, Herbie Brammen (Betreuer) Untere Reihe von links: Lucas Eckardt, Jendrik Allendorf, Jason Hinz, Lars Ehrich, Darren Mieszkowski, Philip Hendle (Co-Trainer), Tim Lehwald, Elmar Schmitz (Cheftrainer), Valentin Pfeifer, Adam Kiedewicz, Felix Kessinger, Ennio Albrecht, Tjard Jansen Das DNL Team des KEV'81. Als sich 1995 die Krefeld Pinguine gegründet hatten und der Profisport aus dem KEV’81 ausgegliedert wurde, befasste sich der Stammverein fortan mit der Ausbildung des Krefelder Nachwuchses mit dem Ziel, dass dieser den Sprung in den Profibereich schafft. 22 Jahre später können die Verantwortlichen beim KEV’81 zurecht sagen, dass Krefeld im Nachwuchsbereich zu den Top-Organisationen im deutschen Eishockey zählt. Zwar stehen nur eine Deutsche Schülermeisterschaft, etliche Knabenerfolge und zahlreiche sehr gute Platzierungen von den Bambini bis hin zu den Kleinschülern auf der Siegerliste, als ganz großer Erfolg darf dem Verein aber angerechnet werden, dass heutzutage viele Akteure von der Oberliga bis hin zu DEL aktiv sind, die beim KEV im Nachwuchs ausgebildet wurden. Mit Daniel Pietta, Martin Schymainski, Adrian Grygiel stehen drei arrivierte Spieler bei den Pinguinen unter Vertrag, die an der Westparkstraße zu dem geformt worden, was sie heute sind, nämlich gestandene Eishockey-Profis. Im vergangenen Jahr verfeinerten die Krefelder noch einmal ihre Philosophie. So wurde ein sogenanntes „Playbook“ zusammen gestellt, in dem alle Trainings- und Spielschwerpunkte festgehalten und den Mannschaften von den Bambini bis hin zur U20 einge- Foto: dogdoc impft werden. Da versteht es sich von selber, dass auch alle Trainer an einem Strang ziehen. Neben dem beiden hauptberuflichen Trainern Elmar Schmitz und Robin Beckers, der in diesem Jahr seine B- Lizenz bekommen hat, sind noch sieben weitere nebenberufliche Übungsleiter für die über 200 Nachwuchsspieler tätig. Im übrigen ist der KEV’81 auch Stolz darauf, dass die Anzahl seit Jahren konstant bleibt, auch wenn es bei dem ein oder anderen Jahrgang von der Masse her auch einmal eng wird. Da zur neuen Saison mit der Firma ACTINEO ein neuer Hauptsponsor gefunden wurde, dürfte in der Rheinlandhalle eigentlich eitel Sonnenschein herrschen. Das tut es aber nicht, denn die geschlossene Werner-Rittberger-Halle und die in die Jahre gekommene Rheinlandhalle sind die großen Sorgenkinder in der Seidenstadt. Auch in dieser Saison hat der Verein wieder mit vielen Trainingsengpässen zu kämpfen, die auch nicht durch den Königpalast aufgefangen werden können. Die Hoffnung beruht auf eine mobile Eisfläche innerhalb der Werner-Rittberger-Halle, ansonsten sind die fünf Sterne im Nachwuchsprogramm des deutschen Eishockey-Bundes in Gefahr. Die Folge wäre, dass der KEV’81 und die Pinguine noch mehr finanzielle Belastungen an den Hals bekommen, als sie ohnehin schon haben. Frank Langen

Fotos: Krefeld Pinguine

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