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Spieltag: Borussia Dortmund - Borussia -21.12.2018-

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Spieltag: Borussia Dortmund - Borussia

BORUSSIA DORTMUND — BORUSSIA INTERVIEW RAINER BONHOF „Schön, wenn wir Favre ärgern würden“ Borussias Vizepräsident zieht seine Hinrundenbilanz, spricht über den aktuellen und ehemaligen Trainer und hofft auf einen Erfolg. Herr Bonhof, was ist bei Borussia passiert im Sommer, das so viel verändert hat? BONHOF Da spielen etliche Kriterien eine Rolle. Zunächst gab es ein sehr fruchtbares Gespräch zwischen unserem Sportdirektor Max Eberl und unserem Trainer Dieter Hecking. Darauf baut alles auf. Es gab dann ein neues System, einige neue Spielertypen, Veränderungen im Team hinter dem Team und vor allem viel weniger Verletzte. Alles zusammen hat dazu geführt, dass wir jetzt 33 Punkte und eine bemerkenswerte Heimserie hingelegt haben. Der Spaß am Fußball spielt dabei eine große Rolle? BONHOF In dieser Saison spürt man, finde ich, die Freude auf dem Rasen, aber man darf nicht vergessen, dass die Jungs zugleich auch kontrolliert und geduldig sein können. In Spielen wie gegen Nürnberg war es so, dass die Gegner zunächst bespielt wurden und am Ende der Knoten geplatzt ist. So haben wir das richtige Maß von Erfolg und Spielfreude, das unsere Fans zufrieden stellt. Gab es einen Punkt, an dem Sie gespürt haben, dass die Maßnahmen greifen? BONHOF Wer im Trainingslager am Tegernsee im Sommer genau hingeschaut hat, hat gesehen, dass da etwas im Gange ist. Es wurde extrem hart gearbeitet auf dem Platz und kein Spieler hat gemurrt. Man hat gespürt, dass sie sich alle im Kopf und auf dem Platz damit beschäftigt haben, was zu tun ist. Mir hat es viel Freude bereitet, das zu sehen. Dass es am Ende aber so ausgeht, das war sicher nicht abzusehen. Was ist das Geheimnis des Erfolgs? BONHOF Die tägliche Arbeit. Da geht es immer um die Sache – und um das nächste Spiel. Damit ist der Fokus klar bestimmt und jeder weiß, worum es geht. Das ist das Denken, dass Lucien Favre, der nun Trainer beim nächsten Gegner Borussia Dortmund ist, in den Verein getragen hat. BONHOF Ach wissen Sie, das ist ein Denken, das schon unser Meistertrainer Hennes Weisweiler uns beigebracht hat. Entscheidend ist, dass die Spieler das verinnerlichen. Dieter Hecking ist zum Glück ein erfahrener Trainer, der genau weiß, wie er die Spieler anpacken muss. Die Aufgabe für die Rückrunde wird sein, die große Chance zu nutzen. Die Champions League ist zum Greifen nahe. BONHOF Diese Dinge sind noch 18 Spiele entfernt. Ich habe im Fußball alles erlebt und weiß, wie lang der Borussias Vizepräsident Rainer Bonhof (links) klatscht mit seinem Trainer Dieter Hecking ab. Weg noch ist. Ich wünsche mir aber, dass wir das Niveau halten können. Dafür gibt es aber keine Garantie. Wie schafft man es, das Niveau zu halten? BONHOF Indem man sich richtig konzentriert, immer von neuem. Gegen Nürnberg ging es darum, geduldig zu sein, weil sie mit neun Spielern hinten drin gestanden haben. Dortmund jetzt hat eine unfassbare Offensive, da sind andere Sachen gefragt. Man muss schnell Umschalten. Und im Erfolg die Schulterklopfer ausblenden. Die helfen nicht. Beim Spiel in Dortmund kommt das Wiedersehen mit Lucien Favre als emotionaler Randaspekt hinzu. Beeinflusst das die Mannschaft? BONHOF Lucien ist seit drei Jahren nicht mehr da, viele Spieler haben gar nicht mehr mit ihm gearbeitet. Wir freuen uns natürlich, ihn wiederzusehen – und es wäre doch eine schöne Sache, wenn wir Lucien Favre ärgern würden. Dass es diese Konstellation gibt – das Wiedersehen mit Favre im absoluten Topspiel – dürfte auch für Sie überraschend sein, oder? BONHOF Dass wir um die internationalen Plätze spielen würden, war unser Wunsch und darauf haben wir uns gedanklich vorbereitet. Dass wir aber so eine Hinrunde hinlegen, war nicht abzusehen. Ähnlich ist es mit Dortmund. Dass der BVB mit den großen Investitionen und Lucien etwas bewegen kann, ist keine Überraschung. Dass alle Maßnahmen aber so schnell Wirkung zeigen, konnte man nicht voraussehen. Was gefällt Ihnen an der neuen Gladbacher Borussia besonders? BONHOF Das gesamte Paket. Da ist jede Woche etwas anderes, das mir Freude bereitet. Ein Jonas Hofmann, der plötzlich explodiert. Oder auch ein Florian Neuhaus, der in seiner ersten Bundesliga-Saison spielt, als hätte er nie etwas anderes gemacht. Alassane Plea ist sofort eingeschlagen, Thorgan Hazard macht den nächsten Schritt. Das sind alles Sachen, die mir zeigen: Ja, wir haben vieles richtig gemacht. FOTO: IMAGO Welchen Anteil daran hat Dieter Hecking? In der vergangenen Saison stand er öfter in der Kritik. BONHOF Was ich nie nachvollziehen konnte. Als er gekommen ist, hat er unsere Mannschaft stabilisiert, in der vergangenen Saison mit gefühlt zehn Verletzten im Schnitt haben wir bis zum letzten Spiel um Europa mitgespielt. Was mir gefällt: Dieter Hecking hat einen sehr guten Zugriff auf das Team, er findet die richtigen Worte, hat einen guten Stab um sich herum aufgebaut und versteht sich gut mit Sportdirektor Max Eberl. Das sind alles Faktoren, die für eine gute Zusammenarbeit sprechen. Als Verein muss man auch darauf schauen, welcher Trainer zum Team passt. Wir haben sehr viele junge Spieler, da ist es hilfreich, einen Trainer mit viel Lebenserfahrung zu haben, der weiß, wie junge Menschen ticken. Was ist es, was Borussia derzeit ausmacht? BONHOF Wir sind eine Mannschaft, die immer in der Lage ist, Lösungen zu finden und dagegen zu halten, auch auswärts. Damit weiß jeder Gegner, dass wir immer in der Lage sind, ihm Schaden zuzufügen. Sind das Merkmale eines Spitzenteams? BONHOF Das ist ein großes Wort. Für mich sind der FC Barcelona, der FC Bayern oder Real Madrid Spitzenteams. Mannschaften, die über viele Jahre oben stehen. Wir sind eine Mannschaft, die einen guten Lauf hat und den so lange wie möglich beibehalten will. Das Ziel ist, oben stabil dabei zu sein. Das wollen wir zunächst in der Rückrunde schaffen. Das ist schon mal eine schwere Aufgabe. Die werden wir weiterhin von Woche zu Woche annehmen und versuchen, unser Niveau immer ein Stück weiter nach oben zu schieben. Dabei gilt: Das nächste Spiel ist immer das schwerste. Wenn wir das annehmen, werden wir auch immer die nötige Konzentration haben. Das heißt, Nürnberg ist ein ebenso schwerer Gegner wie Dortmund? BONHOF Genau genommen ja. Ich hatte jetzt Besuch von meinem früheren Spieler Shaun Maloney, der jetzt Co-Trainer in Belgien ist. Er sagte, dass es Wahnsinn ist, wie eng in der Bundesliga alles ist. Hier kann jeder jeden besiegen. Der 17. ist in der Lage, den Ersten zu bezwingen, indem er Nadelstiche setzt. Also kann auch Gladbach den BVB schlagen? BONHOF Wir gehen in jedes Spiel mit dem Ansatz, es zu gewinnen. Es ist aber auch ein Spiel, in dem Borussia auf drei Punkte an den BVB heranrücken und damit erster BVB-Jäger bleiben kann. BONHOF Es ist ja bald Weihnachten, da darf sich jeder etwas wünschen. Aber um den Wunsch zu erfüllen, ist harte Arbeit nötig. Sonst wird es nichts in Dortmund. Und das mit dem BVB-Jäger kann man vergessen. Darum geht es doch gar nicht. Das ist eine Floskel. Wir sind Zweiter, jagen aber keinen, sondern achten auf uns. Ich hoffe und wünsche allen Beteiligten, dass wir die Freude, die wir in der Hinrunde hatten, lange aufrecht erhalten können. Am 12. Dezember 2008 gab es schon mal ein Freitagspiel beim BVB. Da fuhr Gladbach als Tabellenletzter zum BVB. BONHOF (grinst) Die Zeiten haben sich geändert, könnte ich jetzt sagen. Aber im Ernst: Schauen Sie mal auf den Termin. Da war der letzte Hinrunden-Spieltag am 12. Dezember, jetzt spielen wir fast bis Weihnachten. Der Rahmenspielplan ist voll bis oben hin und jetzt plant die Uefa noch einen seltsamen neuen Europapokal. Das gefällt Ihnen nicht? BONHOF Das bringt doch niemandem etwas. Wenn man so einen Wettbewerb hat, muss er auch finanziell attraktiv sein. Warum führt man nicht wieder den Pokal der Pokalsieger ein, als kurzen und kompakten Wettbewerb, der dienstags und mittwochs um 18 Uhr vor der Champions League läuft? Früher gab es diesen Wettbewerb ja, ich habe ihn damals mit dem FC Valencia gewonnen. Das ist doch viel attraktiver. SEBASTIAN HOCHRAINER UND KARSTEN KELLERMANN FÜHRTEN DAS GESPRÄCH. Borussia Dortmund : Borussia M'Gladbach 21. Dezember 2018 Wirwünschenein erfolgreiches Spiel Unterhaltungselektronik

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