Aufrufe
vor 2 Wochen

Spieltag: Borussia - Hannover 96 -24.11.2018-

Spieltag: Borussia - Hannover 96

BORUSSIA — HANNOVER 96 INTERVIEW LARS STINDL „Wir werden jetzt anders wahrgenommen“ Borussias Kapitän (30) spricht über seine Entwicklung und die des Teams, Hannover 96 und die Vertragsverlängerung des Trainers. Der Syndesmosebandriss und die dadurch verpasste WM im vergangenen Sommer dürfte einer der schwersten Momente Ihrer Karriere gewesen sein, oder? STINDL Wer mich kennt, weiß: Das war schon eine schwierige Situation. Aber es ist leider passiert. Es hat wehgetan in der Phase, so eine einmalige Chance zu verpassen, dessen bin ich mir bewusst. Aber das ist jetzt schon lange her, es ist verarbeitet, verkraftet, und mein Fokus geht schon wieder auf die neuen Aufgaben. War das eine einmalige Chance? STINDL Ich glaube ja. Zumindest, was die WM angeht. Das wird wahrscheinlich nicht mehr zustande kommen, allein vom Alter her. In Sachen Nationalmannschaft muss man mal schauen, wie es weitergeht. Es war eine wunderschöne Zeit und hat richtig Spaß gemacht. Ich hatte auch danach noch telefonisch Kontakt mit Oliver Bierhoff und Jogi Löw, die natürlich gefragt haben, wie es aussieht, als wir darüber gesprochen haben, wie stark die Verletzung dann doch ist. Aber ansonsten war es wirklich eine super Zeit. Das hätte man vorher gar nicht so erwartet oder gedacht, dass ich dann so fest dabei bin. Aber wie es für die Zukunft aussieht? Ich bin froh, dass ich hier bei Borussia wieder dabei bin und auch die länderspielfreie Zeit nutzen konnte, weiter an mir zu arbeiten. Ich fühle mich jetzt auch gut und bereit für den Wettbewerb mit Borussia. Ich freue mich darauf. Ihr Comeback war perfekt mit einer Vorlage und einem Tor zum 3:0-Sieg in München, kann man das sagen? STINDL Ja, absolut. Natürlich habe ich die Wochen vorher ein bisschen mit den Hufen gescharrt, weil ich unbedingt wieder ins Team wollte, und da musste ich ein bisschen gebremst werden. Aber wir haben das dann gut getimed und es hat gut gepasst mit München. Mit der persönlichen Leistung, aber vor allem mit dem Mannschaftserfolg. In den Wochen danach – trotz des kleinen Dämpfers im Pokal gegen Leverkusen – kam ich gut rein, habe mich gut gefühlt und mich nahtlos einfügen können. Die Mitspieler haben es mir aber auch einfach gemacht. Ich bin froh, dass ich schon wieder so aktiv bin und wieder so viel beitragen konnte. Als Sie nach Gladbach kamen, waren Sie Sechser, dann doch eher Stürmer oder im offensiven Mittelfeld, jetzt könnten Sie Achter werden. Was hat sich für Sie geändert? STINDL Ich habe in meiner Karriere natürlich schon viele Positionen gespielt. Der klassische Sechser war ich eigentlich nie, sondern schon sehr offensiv ausgerichtet. Die Idee hatte man mit mir ein bisschen ausprobiert – das hat nicht ganz so funktioniert, es wurde direkt geändert, und dann hat es gut geklappt. Ich habe nie einen Hehl daraus gemacht, dass ich mich im Zentrum am wohlsten fühle und da die verschiedensten Positionen, auch die neuen jetzt bei uns, etwas anders interpretiere als andere Stürmer in der Liga. Ich versuche, von da aus etwas mehr am Spiel teilzuhaben. Und wenn man die Spiele betrachtet, hat uns das insgesamt eigentlich ganz gut getan und funktioniert. Abgesehen von dem Spiel gegen Leverkusen, in das wir alle nicht richtig reingekommen sind. Im Testspiel gegen Münster hat Trainer Dieter Hecking Sie auf die Acht gestellt. Ist das eine Option für die Bundesliga? STINDL Absolut. Es ist ja nicht in Stein gemeißelt, dass ich immer ganz vorne spielen muss. Unabhängig davon haben wir ganz viele Spieler im Kader, die darauf drängen, auf den verschiedenen Positionen zu spielen. Das wissen wir schon richtig einzuschätzen, dass du da immer Gas geben musst im Training. Und da ist jeder im Kader bereit, Positionen anzunehmen, auf denen einen der Trainer für das momentane Spiel am besten geeignet sieht. Ihre Stärken wird Ihr Ex-Verein Hannover, der Gegner am Sonntag, ja vermutlich kennen… STINDL Das ist zu befürchten (lacht). Nein, Spaß beiseite. Man muss sagen, dass sich 96 stark verändert hat. Das ist immer so nach einem Abstieg, das habe ich auch schon ein-, zweimal erleben müssen, dass dann viele Spieler wechseln. Es hat sich also einiges verändert, da ist der Kontakt in die Mannschaft gar nicht mehr so groß, eher drumherum. Man kennt den Trainer, Betreuer, Physios oder Verantwortliche wie Martin Kind. Aber ich denke, der Fokus wird gar nicht mehr so groß auf mir liegen, sondern auf der ganzen Mannschaft. Lars Stindl ist nach dem Syndesmosebandriss, der ihn um die „einmalige Chance WM“ brachte, wieder „im Soll“, sagt Borussias Kapitän. FOTO: PÄFFGEN (ARCHIV) Sie denken von Spiel zu Spiel, aber als Kapitän darf man größer denken. Was ist drin in dieser Saison? STINDL Ich sage: Als Kapitän ist es wichtig, die richtigen Signale zu senden. Ich glaube, dass wir uns in den letzten ein, zwei Jahren mit den großen Zielen immer schwer getan haben. Da waren wir nach ein, zwei erfolgreichen Spielen sehr euphorisch, aber nach ein, zwei negativen Spielen auch sehr niedergeschlagen. Und das machen wir dieses Jahr ganz anders und regeln das intern sehr gut. Dass wir nach guten Spielen nicht durchdrehen, sondern ruhig bleiben und das richtig einzuschätzen wissen. Das gleiche gilt aber auch für die beiden Niederlagen in Folge in Freiburg in der Liga und gegen Leverkusen im Pokal – das war nicht ganz einfach, aber wir haben versucht, das richtig einzuschätzen. In Freiburg war mehr drin, aber wir haben es nicht richtig hinbekommen im letzten Drittel. Und Leverkusen war kein gutes Spiel. Das 0:5 war am Ende sehr hoch… STINDL Natürlich kann der eine oder andere sagen, dass es in der Höhe nicht passieren darf, aber meine Meinung ist: Wenn du im Pokal 0:3 hinten liegst – verloren ist am Ende des Tages verloren, aber wenn du noch 20 Minuten zu spielen hast, dann musst du gerade zu Hause noch mal alles reinwerfen. Dass wir das vierte und fünfte Tor gegen eine so konterstarke Mannschaft kriegen, ist passiert. In der Liga darf uns das natürlich nicht passieren. Aber ich denke, das hat uns gut getan und noch einmal einen Denkanstoß gegeben, dass wir noch einmal unsere Sinne schärfen. Und momentan sieht es gut aus, nicht nur tabellarisch, sondern auch, wie wir uns präsentieren. Das ist eigentlich das viel Wichtigere. Das ist ein gutes Gefühl auf dem Trainingsplatz und bei den Spielen, aber das heißt nicht, dass wir irgendetwas geschenkt bekommen. Wir werden in der Liga anders wahrgenommen, und das spornt natürlich auch die Gegner an – so wie Hannover jetzt am Sonntag. Das wird eine ganz schwierige Nummer. Ich bin weit INFO 27 Heimspiele gegen Hannover, 21 Siege Personal Christoph Kramer (Außenbandverletzung im Sprunggelenk) und Mamadou Doucouré (Muskelbündelriss im Oberschenkel) fallen definitiv gegen Hannover (Sonntag, 18 Uhr) aus. Fraglich ist der Einsatz von Fabian Johnson (grippaler Infekt). Serie Von 27 Bundesliga-Heimspielen gegen Hannover hat Borussia 21 gewonnen, darunter die jüngsten sechs Heim-Duelle. davon entfernt, dass irgendjemand bei uns denkt, dass es für uns durch die gezeigten Leistungen einfacher wird. Aber das stimmt mich positiv und deswegen freue ich mich auf die weitere Saison. In diesem Jahr kommen noch die Heimspiele gegen Hannover, Stuttgart und Nürnberg, in die Sie als Favorit gehen. Tut sich Borussia in diesem Jahr einfacher mit dieser Rolle? STINDL Ich denke ja. Wir haben es auch gegen Düsseldorf, was auch nicht einfach war in der ersten Halbzeit, dann gut gemacht, gegen Mainz war es ein gutes Spiel. Das sind schon Spiele, in die du ein Stück weit als Favorit gehst. Diese Rolle haben wir gut angenommen, haben das gut umgesetzt. Das stimmt mich auch positiv für die nächsten Spiele – wobei ganz klar erst einmal das Spiel gegen Hannover im Fokus steht. Bei allem Respekt: Gegen Hannover kann es nur heißen, Heimsieg, oder? STINDL Das ist natürlich unser Ziel, am Sonntag hier zu gewinnen. Unabhängig davon wissen wir um die Schwierigkeit. Ich habe Hannover ein bisschen öfter gesehen, und sie haben auch ein paar unglückliche Ergebnisse gehabt. Sie werden ein bisschen schlechter gemacht, als sie eigentlich sind. Sie arbeiten gut gegen den Ball und hätten eigentlich gegen Leverkusen gewinnen müssen, haben in Bremen ein gutes Spiel gemacht, in Dortmund auch, also gegen die Top-Mannschaften gut gespielt. Sie sind jetzt auch gegen Wolfsburg über viel Kampf und Leidenschaft gekommen, denn wenn du unten stehst, ist es nicht immer einfach, mit spielerischen Mitteln da rauszukommen. Kämpferisch gehen sie immer an die Grenze, darauf müssen wir uns einstellen. Wenn wir da gut dagegenhalten, bin ich überzeugt, dass wir gewinnen. Was hat sich generell geändert bei Borussia? STINDL Es gibt nicht ein großes Thema, sondern viele kleine. Das Trainerteam und Manager Max Eberl haben sich ein bisschen was einfallen lassen und wollten etwas verändern. Sie haben jetzt nicht das System neu erfunden, aber man hat sich das Spielermaterial angeschaut und da etwas verändert. Es war vielleicht ein entscheidender Punkt, da den Kader etwas zu verändern und etwas Neues reinzubringen. Alassane Plea ist der absolute Top-Transfer, aber auch Florian Neuhaus und Michael Lang sind Transfers, die in diesem Sommer getätigt wurden und auch wichtig sind. Und dann der Faktor, dass alle fit sind. Nahezu. Wie gehen Sie als Kapitän mit der erneuten schweren Verletzung von Mamadou Doucouré um? STINDL Das ist natürlich brutal. Es ist schwierig, das in Worte zu fassen, weil wir wirklich gehofft haben, dass der Junge auf einem guten Weg ist. Er hat es gut gemacht und – das ist jetzt vielleicht ein bisschen forsch – wenn man sieht, wie er sich im Training und in den Testspielen angestellt hat, dann haben wir schon gedacht, dass wir da noch einmal eine richtige Waffe haben. Aber wir können nicht mehr machen, als ihm zur Seite zu stehen. Er muss das alles selbst einordnen mit den Leuten, die ihn noch besser kennen aus seinem privaten Umfeld, weil das schon eine Situation ist, die ich so auch noch nicht erlebt habe. Ich denke, es geht ihm schon wieder etwas besser, er war auch schon wieder bei uns. Wir wollen ihm jede mögliche Hilfestellung geben in den nächsten Wochen und Monaten. Nicht nur wir als Mannschaft, sondern der ganze Verein. Und es lohnt sich zu kämpfen, um am Ende vielleicht wieder nach Europa zu kommen. Das ist für Sie am besten mit „Florenz“ umschrieben, wo Sie in der Europa League drei Tore geschossen haben, oder? STINDL Auch. Da gibt es viele Sachen. Das erste Spiel hier gegen Manchester City, oder gegen Florenz oder bei Celtic Glasgow. Da zu gewinnen und auch zu treffen – das war wirklich mega. Es gibt super viele schöne Momente. Dafür lohnt es sich zu kämpfen – und von Spiel zu Spiel zu denken. Wenn es so sein sollte, würden wir uns riesig freuen. Es gilt jetzt, die Leistung in der Bundesliga zu bestätigen, um das vielleicht irgendwann wieder wahrwerden zu lassen. Wie wichtig ist es für Ihre Mannschaft, dass Trainer Dieter Hecking seinen Vertrag verlängert hat? STINDL Wir freuen uns alle, dass sich der Trainer dazu entschieden hat, hier zu bleiben. Natürlich macht es in der aktuellen Situation viel Spaß. Es gilt jetzt, gemeinsam intensiv weiterzuarbeiten. Das ist aber auch wieder so ein Phänomen in Gladbach, dass sein auslaufender Vertrag hier überhaupt keine Unruhe reingebracht hat. Das war gar kein Thema in der Kabine. Wir haben vollstes Vertrauen in den Manager und den Trainer und wussten, dass sie sich zusammensetzen, eine Lösung finden und uns die zur gegebenen Zeit mitteilen würden. KARSTEN KELLERMANN UND GEORG AMEND FÜHRTEN DAS GESPRÄCH. Langfassung: www.rp-online.de/fohlenfutter Borussia M'Gladbach :Hannover 96 Wirwünschen ein erfolgreiches Spiel 25. November 2018 Hauptstraße 97 •MG/RY PLAMECO-Fachbetrieb Lammerding Adolf-Kempken-Weg 90–92, MG www.wilmskkl.de Unterhaltungselektronik

Sonderveröffentlichungen