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Spieltag: Werder Bremen - Borussia 10.11.2018-

Spieltag: Werder Bremen - Borussia

WERDER BREMEN - BORUSSIA INTERVIEW OSCAR WENDT „99 Prozent reichen nicht“ Borussias Linksverteidiger vergleicht Borussia 2015 und sagt, warum es so schwer ist, in der Bundesliga Erfolg zu haben. Oscar Wendt bleibt Borussias Dauerbrenner. In dieser Saison hat er keine Liga-Sekunde verpasst, nur im Pokalspiel beim BSC Hastedt wurde er ausgewechselt. Sein Vertrag endet im Juni 2019, doch dem Vernehmen nach wird sich der Kontrakt automatisch verlängern, wenn der 33-Jährige eine gewisse Anzahl von Spielen macht. Über seine Zukunft, offene Räume und das Spiel bei Werder Bremen am Samstag (15.30 Uhr) sprach der Schwede im Interview mit unserer Redaktion. Herr Wendt, wie gut kann man in der Kabine des neuen Weserstadions feiern? WENDT Sehr gut. Sie meinen sicher wegen 2015, als wir 2:0 in Bremen gewonnen haben. Das war ein großer Moment für uns, als wir da den dritten Platz geschafft haben und uns erstmals direkt für die Champions League qualifiziert haben. Da war natürlich eine ziemlich gute Stimmung nach dem Spiel. Nicht nur in der Kabine, sondern auch auf der normalerweise sehr langen Rückfahrt im Bus. Die Fahrt war da ziemlich angenehm. Musste der Bus oft anhalten? WENDT Nicht oft genug. (lacht) Es war top. Es ist eine schöne Erinnerung, aber Vergangenheit. War es einer der schönsten Momente, die Sie in Gladbach erlebt haben? WENDT Auf jeden Fall. Es war ein Ziel von uns, die Champions League zu schaffen. Das war nicht nur für mich schön, sondern für die ganze Mannschaft, den Verein, die Fans. Das erste Mal Champions League zu spielen, war etwas Großartiges, vor allem weil wir uns direkt qualifiziert hatten und guten Fußball gespielt haben. Es war eine gute Saison mit einer schönen Krönung am Ende. Damals hatten Sie nach zehn Spieltagen 20 Punkte… WENDT Ach ja? Und jetzt haben wir? (grinst) 20, genau. Ich weiß aber nicht, ob es da Parallelen gibt. Jede Saison hat ihr eigenes Leben. Damals war es eine ganz andere Mannschaft als heute, viele Spieler sind in den drei Jahren seitdem gekommen und gegangen. Aber die positive Stimmung in der Mannschaft und drumherum ist schon vergleichbar. Wir spielen im Moment auch einen ziemlich guten Fußball. Ich hoffe natürlich, dass wir so eine Saison wiederholen können. Das wäre fantastisch. Borussia spielt einen anderen Fußball als 2015. Was hat sich verändert? Oscar Wendt in Aktion, hier gegen Fortuna Düsseldorf. WENDT Das System ist ein bisschen anders. Wir spielen vielleicht mit mehr Risiko, etwas mutiger, mit mehr Zug zum Tor. Das macht das Spiel ein bisschen offener. Mit Ausnahme des Pokalspiels gegen Bayer Leverkusen kriegen wir die Balance zwischen Offensive und Defensive schon ganz gut hin. Ist das für Sie und Ihre Position schwieriger, weil die Räume größer sind? WENDT Manchmal ja, manchmal nein. Das ist schwer zu sagen. Jedes Spiel ist anders, jeder Gegner unterschiedlich. Mal spielen wir gegen eine Mannschaft, die sich zurückzieht und auf Konter spielen will, mal gegen Mannschaften, die gern höher stehen und uns früher attackieren wollen. Dann gibt es auch größere Räume für uns und kürzere Wege zum Tor, manchmal eben weitere Wege und größere Räume zu verteidigen. Aber wir sind mit der Art und Weise, wie wir Fußball spielen, zufrieden und jeder genießt die Zeit. Das Pokalspiel war auch für Sie ein extrem schweres Spiel, oder? WENDT Dass wir am Ende fünf Gegentore gekriegt haben, war zu viel. Aber wenn die 2:0 führen und wir den Anschlusstreffer machen wollen, gibt es viel Raum für die Leverkusener, die vorne viele schnelle Leute haben. Allerdings müssen wir manche Situationen einfach besser verteidigen, das ist klar. Es war nicht unser Tag. Aber es ist wie mit dem Spiel in Bremen, das uns damals den dritten Platz gesichert hat: Auch Leverkusen ist Vergangenheit, wir haben das gut analysiert und besprochen. Das Wichtigste ist, dass wir daraus lernen. Sie haben in Mönchengladbach ein 4-4-2-, ein 3-4-3- und jetzt ein 4-3-3-System erlebt. Haben Sie ein Lieblingssystem? WENDT Nein, eigentlich nicht. Ich will nur Fußball spielen. Am Ende des Tages geht es darum, ein Tor mehr zu schießen als der Gegner. Das ändert sich nicht. Die Voraussetzungen im Fußball sind ja sehr gleich. Es gibt zwar ein paar Details, die anders sind, wenn man mit Dreier- oder Viererkette spielt, mit einem oder mit zwei Stürmern. Da gibt es verschiedene Abläufe. Aber wenn man als Mannschaft gut zusammen arbeitet und gut spielt, ist es ziemlich egal, in welchem System. Alle sind mit dem System zufrieden. Es macht Spaß. FOTO: REUTERS Da haben Sie natürlich Glück. Sie stehen in jedem Spiel auf dem Platz und können Ihren Spaß ausleben. Andreas Poulsen sollte Ihr Konkurrent werden, aber er ist noch nicht so weit, oder? WENDT Andreas hat alle Möglichkeiten und das Potenzial, ein guter Spieler für Borussia zu werden. Er ist jung und kommt aus Dänemark – ich habe ja fast denselben Schritt gemacht, war aber ein bisschen älter und hatte schon mehr Spiele, auch internationale, weil wir mit Kopenhagen auch jedes Jahr Europapokal gespielt haben, hinter mir. Der Schritt in die Bundesliga ist aber schon groß. Fußball in Deutschland ist noch etwas anderes als in Dänemark. Aber Andreas wird das auf jeden Fall schaffen. Ihr Vertrag läuft im Sommer aus. Es war zu lesen, dass er sich automatisch verlängert? WENDT Das müssen Sie diejenigen fragen, die das entscheiden. Ich habe in meiner Karriere nie etwas über meine Verträge gesagt oder das kommentiert. Und das werde ich jetzt nicht anders machen. Es ist allerdings kein Geheimnis, dass ich gerne bei Borussia bleiben will. Dafür werde ich auch alles tun. Aber ich habe in meinen Jahren als Fußballspieler gelernt, dass nur das wichtig ist, was jetzt passiert. Zukunft ist Zukunft, und im Fußball habe ich mehrmals erlebt, dass man nie weiß, was sie bringt. Daher ist für mich nur wichtig, was ich jetzt beeinflussen kann und was jetzt ist. Und da ist am Samstag Bremen. Alles andere klären wir in der Zukunft. Was muss man tun in Bremen, um dort erfolgreich zu sein? WENDT Ich glaube, es wird ein sehr gutes, sehr spannendes Spiel. Bremen hatte auch einen guten Start in die Bundesliga. Klar waren die letzten beiden Spiele nicht so gut, aber Bremen hat eine gute Mannschaft und spielt einen tollen Fußball. Am Samstag gibt es zwei Mannschaften, die gerne Fußball spielen. Es wird aber schwer. Man sieht ja, wie eng die Saison ist, jedes Spiel ist spannend. Du musst wirklich alles abrufen, 99 Prozent reichen nicht. Du musst immer an die Grenze gehen. Es wird ein schwieriges Spiel, aber wenn wir alles abrufen, bin ich davon überzeugt, dass wir Punkte mitnehmen können. Haben Sie demnach beim letzten Auswärtsspiel in Freiburg beim 1:3 nicht alles abgerufen? WENDT Nein, das würde ich nicht sagen. Wir kriegen nach zwölf Sekunden einen Elfmeter gegen uns in einer absoluten Pech-Situation. In 99 von 100 Fällen schießt Matze Ginter den Ball da aus dem Stadion, jetzt trifft er einen Spieler und danach gibt es den Elfmeter. Aber die Reaktion, die wir danach gezeigt haben, war super. Wir haben tollen Fußball gespielt, viele Chancen kreiert und das 1:1 gemacht. In der zweiten Halbzeit haben wir dann alles versucht mit unserer Art und Weise, Fußball zu spielen. Wir haben bis zum Strafraum gut gespielt, aber der letzte Pass, die letzte Flanke haben uns an diesem Tag gefehlt. Dann haben die Freiburger einmal gut gekontert zum 2:1. Es waren nur Kleinigkeiten, die uns gefehlt haben. Und es gibt ja auch immer noch einen Gegner auf dem Platz. Freiburg hat alles dafür getan, dass wir keine Chancen kreieren konnten. Die haben mit allem verteidigt und die Räume für uns eng gemacht. Am Ende des Tages haben wir da verloren, aber man kann nicht sagen, dass wir da nicht alles abgerufen haben. Was muss man in Bremen anders machen? WENDT Es wird ein völlig anderes Spiel. Die Bremer werden uns früher attackieren, höher pressen, die Räume werden auf dem ganzen Platz größer sein. Sie spielen zu Hause und haben die letzten beiden Spiele verloren – da werden sie sicher etwas tun wollen. Das wird ein ganz anderes Spiel als in Freiburg. Aber das Gute ist: Wir alle, alle 26 Spieler und der Trainerstab, sind hundertprozentig überzeugt von unserer Art, Fußball zu spielen. Wir wissen alle, was wir auf dem Platz machen müssen. Wir müssen das nur Spiel für Spiel abrufen. Das hört sich langweilig an, aber es ist wirklich so. Und wenn wir das jedes Spiel machen, haben wir am Ende eine erfolgreiche Saison gespielt. Personal Nico Elvedi, der Probleme mit dem Sprunggelenk hatte, hat gestern das Abschlusstraining vor dem Spiel am Samstag bei Werder Bremen mitgemacht. Das spricht dafür, dass er zumindest im Kader ist. KOMMENTAR Eine gute Entscheidung Im vergangenen Winter haben sich die Borussen entschieden, nicht ins Trainingslager zu reisen, weil der Zeitplan sehr gedrängt war. Sie blieben daheim und bereiteten sich im Borussia-Park auf die Rückrunde vor, die mit dem Derby beim 1. FC Köln begann. Das war schon am 14. Januar, weswegen die Zeit knapp war, zu knapp für ein Trainingslager, wie die Borussen fanden. Das Spiel in Köln ging unnötig in der Nachspielzeit verloren, das war in der Rückschau sinnbildlich für den gesamten zweiten Saisonteil. Die Frage ist: Hätte ein auch nur minimales Trainingslager etwas geändert an dem, was passierte und irgendwie alle unzufrieden machte? Es ist hypothetisch, denn zu belegen ist es nicht mehr. Doch Fakt ist: Die Tage im Trainingslager sind nicht nur arbeitsreich, sie können auch Teambuilding-Effekte haben. Denn es gibt kaum äußere Einflüsse. Die Welt der Profis besteht während eines „Lagers“ nur aus dem Trainingsplatz, dem Hotel und Testspielen, kurz: ganz und gar aus Fußball. Jeder ist ganz auf das Wesentliche fokussiert. Zwar machten die Borussen im Januar beim abschließenden Testspiel in Mainz (3:0) einen extrem fokussierten Eindruck, doch war das später im Saisonverlauf nicht immer so. Weswegen alles auf den Prüfstand kam im Sommer, vermutlich auch die Trainingslager-Frage: fahren oder nicht fahren? Ob es nun das Ergebnis tiefgehender Analyse oder dem größeren Zeitfenster (2019 beginnt die Rückserie erst am 19. Januar) geschuldet ist oder beides: Vom 5. bis 12. Januar reisen die Borussen nach Andalusien und beziehen im Barceló Montecastillo Golf Resort in Jerez de la Frontera ein Trainingslager. Zur Hotelanlage gehört ein Trainingsplatz, die Wege sind also kurz. Trainer Dieter Hecking (FOTO: DPA) wird sein Team in der spanischen Woche einschwören auf die Rückrunde – in aller Ruhe. Zum Auftakt gibt es erneut ein rheinisches Duell, dieses Mal geht es nach Leverkusen. In Köln ging im Januar 2018 vielleicht nicht nur das Spiel verloren, es war auch ein nachhaltiger emotionaler Nackenschlag. Das soll dieses Mal nicht passieren. Die Reise nach Andalusien ist keine Garantie, dass es so kommt. Aber es ist eine richtige Entscheidung, sie zu machen. Ein „Lager“ kann hilfreich sein. Karsten Kellermann Werder Bremen : Borussia M'Gladbach 10. November 2018 Wirwünschenein erfolgreiches Spiel Unterhaltungselektronik

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