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Stadtteilserie - Fünf Dinge, die Sie über Bismarckviertel/Cracau wissen sollten -ET 25.08.2017-

Stadtteilserie - Fünf Dinge, die Sie über Bismarckviertel/Cracau wissen sollten -ET

✧ KR-L4 C4 Aus den Stadtteilen RHEINISCHE POST FREITAG, 25. AUGUST 2017 BOCKUM BISMARCKVIERTEL ELFRATH FISCHELN FORSTWALD GARTENSTADT GELLEP-STRATUM HOLTERHÖFE HÜLS INRATH KLIEDBRUCH KÖNIGSHOF LINDENTAL LINN OPPUM STADTMITTE STAHLDORF TACKHEIDE TRAAR UERDINGEN VERBERG BÜRGERGEMEINSCHAFT Sommerfest am 10. September auf dem Bismarckplatz (lez) Im Bismarckviertel nennt sich der zurzeit 521 Mitglieder starke Bürgerverein „Bürgergemeinschaft“. Vor 16 Jahren wurde sie von Carla Kaiser, die Anfang dieses Jahres den Vorsitz abgegeben hat, reaktiviert, Aus den Neuwahlen sind Stefan Lebens als ihr Nachfolger und Klaus Egert als dessen Vertreter hervorgegangen. Die Bürgergemeinschaft (BG) setzt sich insbesondere für die Erhaltung des Bebauungscharakters und des Grüns – nicht zuletzt durch ihr Engagement für Ersatzpflanzungen anstelle gefällter Bäume – ein. An jedem ersten Montag im Monat treffen sich Mitglieder und Interessenten ab 15 Uhr in der Bäckerei Gruyters zum Plaudern, aber auch zur Vermittlung von Anregungen an die BG. Ein- bis zweimal im Jahr wird ein Rundbrief mit den Neuigkeiten an alle Mitglieder verschickt. Die Briefe sind auch auf der Homepage zu finden – ebenso wie ausführliche Informationen zu den historischen Gebäuden im Viertel. Vor rund zehn Jahren hat die BG Tafeln an diesen Bauten anbringen lassen. Zu den regelmäßigen Aktionen gehören das Aufstellen des Weihnachtsbaums und das Adventssingen auf dem Bismarckplatz. Aktuell steht dort das jährliche Sommerfest für alle Bewohner an, das am Sonntag, 10. September, von 12 bis 20 Uhr mit Musik des Duos „Pan“ gefeiert wird. Kontakt über die Homepage www.bg-bismarckviertel.de oder über Stefan Lebens, Telefon 501205. SERIE KREFELD UND SEINE STADTTEILE „Kunst“ auf dem Bismarck-Sockel „Kunst ist Banane“, meinte der Aufsteller der gelben Puppe. RP-ARCHIV (2): L.S. VON JOCHEN LENZEN Die Hinterhöfler stellten den abgegessenen Hering auf. FOTO: STADT KREFELD Wer an das Bismarckviertel denkt, kommt sofort auf den Sockel der früheren Bismarck-Statue auf dem gleichnamigen Platz. Das von Gustav Eberlein, Berlin, geschaffene Standbild des „Eisernen Kanzlers wurde am 1. April 1895 (Bismarcks 80. Geburtstag) feierlich enthüllt. Während des Zweiten Weltkriegs wurde das Denkmal eingeschmolzen. Der Sockel wurde 1963 unter die Erde verscharrt und erst 24 Jahre später im Zuge von Erdarbeiten wieder entdeckt und aufgestellt – als echtes Mahnmal der deutschen Geschichte und ihrer Folgen im Zweiten Weltkrieg. Seit 1996 ist der Sockel als Denkmal geschützt. 1998 ließ die Krefelder Baudenkmalstiftung eine kleine Hinweistafel anbringen, die die Geschichte des Denkmals beschreibt. In den vergangenen Jahren wurden auf dem Sockel immer wieder verschiedene „Kunst“-Objekte abgestellt – den einen zum Gaudium, den andern zum Ärgernis. Nachdem dort schon einmal eine Toilette platziert worden war, stand im Jahr 2009 plötzlich eine goldgelbe, nackte weibliche Schaufensterpuppe auf dem Sockel, der ein Arm „Ich war’s nicht“ – Auch der Künstler dieses Werks blieb unbekannt. und ein Bein fehlte. Die ganze Stadt diskutierte damals: Ist das Kunst oder einfach nur albern? Und entwaffnen die Künstler ihr Werk selbst, wenn sie es mit „Kunst ist Banane“ untertiteln? Es blieb eine Zeit lang stehen, dann ließ es die Stadt demontieren. Das wohl am besten in Erinnerung gebliebene Objekt war der nicht ohne Aufwand hergestellte Skelett eines „Bismarck-Herings“, den die Jux-Gruppe der Hinterhöfler dort im Jahr 2010 aufgestellt hatte. Im September 2011 hatte dann erneut ein Kreativer den Sockel des Fünf Dinge, die Sie über Bismarckviertel / Cracau wissen sollten Präsentiert von einstigen Bismarck-Denkmals bestückt. Eine Gips-Skulptur mit Stacheldraht an der Spitze und seitlichen Wölbungen – darunter ein Zettel „ich war’s nicht :-)“. Auf der Skulptur stand: „Sein?! Sein?!.“ Ziemlich genau ein Jahr später fand sich erneut ein Objekt auf dem Sockel: ein Holzständer mit Plastikhaube. Auf einem angehefteten Zettel stand: „Dagegen“. Was der Künstler mit der Installation sagen wollte, blieb auch diesmal ein Geheimnis. Wie alle seine Vorgänger wurde auch dieses Werk wieder von dem Sockel entfernt. HISTORIE Die Burg Cracau wurde vor 340 Jahren geschleift (lez) Die Burg Cracau, die dem amtlich so genannten Stadtteil seinen Namen gab, stand vom Anfang des 15. bis 1677 im Block, der heute von der Cracauer-, der Von-Beckerath-, der Bogenstraße und der Straße Am Hohen Haus begrenzt wird. Die um 1400 von den Moerser Grafen errichtete Burg wurde 1406 – andere Quellen nennen 1417 – erstmals erwähnt. Zunächst als Schutz für das 1373 zur Stadt erhobene Krefeld errichtet, wurde sie nach mehrfachen Besitzerwechseln von den Krefeldern gefürchtet, weil sie immer wieder von Soldatenbanden terrorisiert wurden, denen die Burg als Unterschlupf diente. 1677 ließ der letzte Oranier, Wilhelm III. von England, die Burg wegen der Unterhaltungskosten und der verlorenen militärischen Bedeutung schleifen. Im 18. Jahrhundert, so berichtet die Bürgergemeinschaft Bismarckplatz auf ihrer Homepage, wurde Krakau als preußische Domäne vergeben. 1775 erwarb sie die Krefelder Familie von Beckerath. Sie errichtete aus Cracaus Steinen um 1780 das heute noch in Teilen erhaltene Hohe Haus und ein Rokoko-Schlösschen „Cracauen“, das 1943 durch Bomben zerstört wurde. Zuvor war das Gelände unter anderem als Färberei und Essigfabrik, für Fischteiche und Obstgärten genutzt worden. Der Name Cracau könnte nach dem Wörterbuch „Krieewelsch van A bes Z“ von Willy Hermes auf die Krefelder (Krähenfelder) Mundart zurückgehen, in der ein Krähenkäfig als „Krahkau“ bezeichnet wurde. STRUKTUREN Fünf Bürgervereine in einem konstruierten Stadtteil (lez) Wenn gebürtige Krefelder vom Stadtteil Cracau lesen, reiben sie sich verwundert die Augen. Aus den Mündern von Bewohnern des weiten Bereichs zwischen Ostwall, Moerser Straße, Jentgesallee/Grenzstraße und Eisenbahntrasse wird jedenfalls niemand je gehört haben, dass sie in Cracau wohnen. Dennoch gibt es diesen Stadtteil – wenn auch nur amtlicherseits, nachdem irgendjemand vor Jahrzehnten dieses statistische Gebiet „erfunden“ und nach der vor 340 Jahren geschleiften Burg Cracau benannt hat. In diesem willkürlich festgelegten Cracau befinden sich drei gewachsenen Quartiere – Kronprinzenviertel, das nördliche Dießem und das Bismarckvierteldie auch von gleichnamigen Bürgervereinen vertreten werden. Darüber hinaus gibt es in Cracau die Bürgervereine Krefeld-Ost und Schinkenplatz. Rund 22.000 Bewohner in gut 12.500 Hauhalten sowie sieben Kitas, drei Grundschulen und ein Gymnasium schreibt die Stadtverwaltung dem amtlich 252 Hektar großen Stadtteil zu. Dem Konstrukt Cracau geschuldet, unterscheiden sich die Quartiere erheblich: Kronprinzenvierel und Dießem weisen neben fantasielosen Nachkriegsbauten vielerorts sehr gepflegte, teils aber auch vernachlässigte typische Krefelder Drei- und Vierfensterhäuser vom Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts auf. Im Kontrast dazu stehen im Bismarckviertel villenartige Häuser aus gleicher Zeit (beispielsweise an Hohenzollern-, Bismarckstraße und Bismarckplatz) sowie moderne Einund Zweifamilienhäuser. ARCHITEKTUR Weißer Kubus schwebt über alter Mauer (lez) Eines der interessantesten Beispiele moderner Architektur im Bismarckviertel liegt an der Roonstraße. Besonders augenfällig an dem strahlend weißen Haus, das sich Architekt Georg von Houwald gebaut hat, sind die extrem flachen und breit angelegten Fenster der Front sowie das eine, fünf Meter hohe Fenster, das in Richtung Brahmsstraße zwei Etagen verbindet. Das Rückgrat der architektonischen Konzeption aber ist die alte Mauer, die den vormals großen Garten des benachbarten Eckhauses umschloss. Auf einem Teil dieses Gartens steht heute das Houwald’sche Haus. Die Backsteinmauer ist als Teil der Wohnzimmerwand in das Haus integriert. Das immerhin dreigeschossige Haus mit Dachgarten ruht auf nur zwei tragenden Wänden und vier Stützen, die unsichtbar Die alte Gartenmauer der benachbarten Villa wurde wieder aufgebaut und in den Houwald- Neubau integriert. RP-ARCHIV: T.L. ins Fenstersystem eingearbeitet sind. Dadurch wirkt das Gebäude trotz seiner Größe sehr filigran. Die eingangs erwähnten schmalen Fensterschlitze sind bewusst in unterschiedlichen Höhen eingesetzt. Dadurch wird von außen die Geschossigkeit des Hauses nicht so auffällig. Innen, im Bürotrakt, sind sie so angebracht, dass sie die Blicke nach draußen auf unterschiedliche benachbarte Gebäude konzentrieren. Im Privatbereich liegen sie entweder unmittelbar über dem Boden oder direkt unter der Decke, so dass Intimität gewahrt bleibt. Einen besonders ungewöhnlichen Effekt bietet ein kleines Fenster, das den Blick von der Küche des Houwald’schen Hauses in die Garage ermöglicht. Wenn darin das Licht eingeschaltet ist, kann man dort von Houwalds schnittigen Oldtimer sehen..

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