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Startup-Woche Düsseldorf

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4 STARTUP-WOCHE

4 STARTUP-WOCHE DÜSSELDORF Patentierter Schutz für die gute Idee Die tollste Erfindung nützt dem jungen Unternehmen nichts, wenn Wettbewerber sie nachahmen. Gründer sollten daher schon früh an den Schutz denken. VON JÜRGEN GROSCHE Innovative Unternehmer haben vieles im Kopf: die gute Idee, das neue Produkt, ein bahnbrechendes Verfahren. Alles komplex genug – da kann beim Unternehmensaufbau auch Wichtiges aus dem Blick geraten. Zum Beispiel der rechtliche Schutz der Innovation. „Wir sehen immer wieder, dass Gründer etwas Spannendes entwickelt haben, aber nicht an die Schutzrechte denken“, stellt Hendrik Bücker fest. Der Patentanwalt kennt sich auf dem Gebiet aus: Er ist Partner in der renommierten Düsseldorfer Sozietät Cohausz & Florack, die auf gewerblichen Rechtschutz, Wettbewerbsrecht, Urheberrecht und dazugehörende Rechtsgebiete spezialisiert ist. Es sei wichtig, die eigene Idee oder Erfindung abzusichern, bevor sie Wettbewerber nachahmen. Dass man die eigene Marke schützen muss, das ist nach Beobachtung des Juristen den Gründern meist bekannt. „Patentschutz steht seltener im Fokus.“ Jungunternehmer fürchten die Kosten, aber wenn sie doch daran denken, dann kommt die Anmeldung häufig zu spät. „Wenn die Erfindung bereits veröffentlicht ist, gilt das als allgemeiner Stand der Technik, eine Pa- Hendrik Bücker, Patentanwalt und Partner bei Cohausz & Florack Fotos: privat tentanmeldung ist dann in der Regel nicht mehr möglich“, warnt Bücker. Erfindern rät er zudem, bereits vor Gesprächen mit Investoren oder Kooperationspartnern ein Patent anzumelden. Das erspart Ärger. Gründer vereinbaren zwar häufig Geheimhaltungserklärungen. Später kann es aber doch zum Streit kommen, wenn die Gegenseite zum Beispiel behauptet, einige Dinge zuvor schon gekannt zu haben. „Da ist ein Patent klarer“, sagt Bücker. Es definiert die Erfindung klar, ist mit einem Datum versehen. Unternehmensgründern sei oft nicht bekannt, was alles patentiert werden kann. So kursiere das Vorurteil, es sei kein Patentschutz für Software möglich. „Das gilt so allgemein nicht“, sagt der Experte und verweist auf juristische Feinheiten. Wenn etwa eine Software eine technische Wirkung hat, kann man sie sehr wohl schützen. Beispiel ABS im Auto: Das Antiblockiersystem ist banal gesagt eine Software, die Daten von den Rädern abliest, auswertet und dann steuernd in den Fahrprozess eingreift, um ein Blockieren der Räder zu verhindern. Das ABS ist sehr wohl patentgeschützt. Ebenso viele Apps. Bücker nennt als Beispiel eine App, die beim Kauf von Möbeln über einen QR-Code die Maße erfasst und mit dem Kofferraumvolumen abgleicht. Die App stellt nicht nur fest, ob das Möbelstück ins Auto passt, sondern wie es auch am besten zu verladen ist. Diese App ist ebenfalls durch ein Patent geschützt. Sogar der Designschutz kann für Apps in Frage kommen. „Wichtig ist, sich frühzeitig zu informieren“, rät der Patentanwalt. Das zumindest ist ja kostenlos möglich. Und selbst die Kosten seien den Aufwand wert. Sie fallen natürlich je nach Anlass unterschiedlich aus. „Aber die Investition lohnt sich, um einen Schutz zu bekommen, der ein Vielfaches an Wert hat“, sagt Bücker. Nicht nur, um Schaden abzuwenden. Ein Patent hilft auch, Investoren zu überzeugen. „Sie achten darauf“, betont der Experte, der das Thema von der anderen Seite her ebenfalls kennt. Die Kanzlei berät Investoren und schaut sich für sie die angepeilten Unternehmen an, prüft dabei den Status von Schutzrechten. Wie umfassend sollte ein Schutz sein? Bücker empfiehlt, ein Patent zunächst in Deutschland anzumelden. Dann läuft eine so genannte Prioritätsfrist von zwölf Monaten. Danach kann man das Patent auch in anderen Ländern anmelden. „Die Zeit kann man nutzen, um in Ruhe Investoren zu suchen“, sagt der Experte. So müssen die Kosten nicht gleich zu Beginn schon abschreckend wirken. Impressum Verlag: Rheinische Post Verlagsgesellschaft mbH, Zülpicher Straße 10, 40196 Düsseldorf. Geschäftsführer: Dr. Karl Hans Arnold, Patrick Ludwig, Hans Peter Bork, Johannes Werle, Tom Bender (verantwortl. Anzeigen), Stephan Marzen Druck: Rheinisch-Bergische Druckerei GmbH, Zülpicher Straße 10, 40196 Düsseldorf Anzeigen: Kontakt: Sebastian Hofer, Telefon 0211 505-2402, E-Mail: sebastian.hofer@rheinische-post.de Redaktion: Rheinland Presse Service GmbH, Zülpicher Straße 10, 40196 Düsseldorf, José Macias (verantwortlich), Jörg Mehl, Jürgen Grosche, Mario Emonds, Sebastian Meurer Kontakt: Telefon 0211 528018-0, redaktion@rheinland-presse.de Grafik: PrePressServices, Zülpicher Straße 10, 40196 Düsseldorf Titelfoto: Thinkstockfoto.de/Peshkova Gute Finanzierung ist die Basis für den Erfolg Startups brauchen Geld. Als Kredite kommen auch Fördermittel zum Einsatz. Thimo Frielinghaus, Gründungsexperte der Stadtsparkasse Düsseldorf „Im Laufe der Jahre sind die Unterlagen besser und ausführlicher geworden“, stellt Thimo Frielinghaus fest. Der Direktor in der Abteilung Existenzgründungen und Unternehmensnachfolge der Stadtsparkasse Düsseldorf kennt sich mit der Beurteilung von Businessplänen aus: Das Finanzinstitut prüft die Unterlagen nicht nur vor der Ausgabe eigener Kredite, sondern auch für die Beantragung von öffentlichen Finanzierungshilfen. Mittel der Förderbanken KfW, NRW.Bank und der Bürgschaftsbank NRW werden über die Hausbanken der Unternehmen ausgegeben. Die Stadtsparkasse begleitet darüber hinaus Gründer aus ihrem Geschäftsauftrag heraus: „Wir sind der Förderung des Wirtschaftsstandortes verpflichtet“, erklärt Frielinghaus, „daher ist es uns ein Anliegen, jungen Unternehmen auf die Beine zu helfen, die wiederum den Standort stärken“. Gerade beim Thema Startups hat sich im Raum Düsseldorf nach Beobachtung des Finanzierungsexperten viel getan. Die Stadt fördert Gründungen; Foto: Thinktsockfoto.de/madedee und dass sie als eines von sechs „Innovations Hubs“ in NRW vom Land gefördert wird, gibt der Region zusätzlichen Schub. Düsseldorf wird als regionales Zentrum für digitale Wirtschaft also künftig weitere Gründungen sehen. Jungunternehmer brauchen Netzwerke – hier bietet die Stadtsparkasse ebenfalls ihre Unterstützung an. Dazu gehören die jährlichen Gründungsveranstaltungen, bei denen sich Partner finden und Gründer ihre Ideen kompetenten Netzwerkpartnern präsentieren können. „Wir können zudem helfen, wenn Unternehmer Beteiligungen, Investoren oder Business Angels suchen“, sagt Frielinghaus. Eine Herausforderung für Geldgeber ist es natürlich, insbesondere bei innovativen Gründungen herauszufinden, wie tragfähig das Modell ist. Wie wahrscheinlich ist es, dass das Unternehmen den Kredit auch tilgen kann? In manchen Fällen mag eine Kreditfinanzierung bis zu einem gewissen Punkt machbar sein, über diesen hinaus wäre eine Erstfinanzierung durch einen Investor oder einen Business Angel über Beteiligungskapital sinnvoll. Insgesamt unterstützt die Stadtsparkasse Düsseldorf rund 120 Existenzgründer pro Jahr. Interessierte, die eine Förderung oder einen Kredit beantragen wollen, sollten neben einem schlüssigen und gut begründeten Businessplan eine Vorstellung davon haben, wie sie ihr Unternehmen finanziell gut aufstellen können. „Wir schauen uns zuerst den Businessplan an und klären weitere Fragen im Gespräch“, beschreibt Frielinghaus die Arbeit der Finanzierungsexperten. Im Gespräch geht es zum Beispiel um die Liquiditätsplanung – ein wichtiges Thema gerade für Gründer: „Wenn ein junges Unternehmen Zahlungsschwierigkeiten bekommt, dann ist der Name schnell beschädigt“, warnt der Experte. Hilfreich sei es, wenn ein Gründer Eigenkapital oder Investoren mitbringt und wenn er darlegen kann, wie schnell er Kunden erreicht und sein Angebot vermarkten kann. jgr

STARTUP-WOCHE DÜSSELDORF 5 Ein Startup-Brüter mit beachtlicher Bilanz Mit Gründungen in der Biotechnologie- Branche fing es an. Jetzt hat sich das Düsseldorfer Life Science Center zu einem Begleiter für Startups aus vielen Bereichen gemausert. Die Erfolgszahlen sprechen für sich. VON JÜRGEN GROSCHE Am Südende der Düsseldorfer Innenstadt, genauer am Merowingerplatz, befindet sich eine Einrichtung, die man getrost einen Startup-Brüter nennen kann. Seit 2003 hat das Life Science Center bereits viele Gründer auf dem Weg in eine erfolgreiche Unternehmung begleitet und ihnen zu günstigen Konditionen Räume zur Verfügung gestellt. Seit Kurzem hat das Technologieund Gründerzentrum ein zweites Standbein: Nicht nur Unternehmen der Life Science-Branchen sind nun angesprochen, sondern auch Startups aus anderen Bereichen, zum Beispiel IT, App- Entwicklung, Medien, Chemie oder innovative Dienstleistungen. Die beiden Center ar- beiten unter dem Dach der Düsseldorfer Innovationsund Technologiezentrum GmbH. „Wir unterstützen junge Unternehmen bei der Gründung, Kundenakquise oder auch bei der Suche nach Investoren“, erklärt Geschäftsführer Dr. Thomas Heck die Aufgaben der Einrichtung. Insbesondere die Netzwerkbildung hilft Gründern, neue Kontakte zu finden. Das Zentrum ist selbst mit vielen Einrichtungen, Unternehmen oder interessanten Akteuren verknüpft – von der in der Nachbarschaft liegenden Uni natürlich bis hin zu den Kammern, Behörden von Stadt und Land und Banken. Die Universität selbst ist seit jeher ein guter Nährboden für Unternehmensgrün- Dr. Thomas Heck, Geschäftsführer der Innovations- und Technologiezentrum GmbH dungen. Aus Kooperationen des Technologie- und Gründerzentrums mit den Forschungseinrichtungen sind bereits 35 Startups hervorgegangen. Ein Ende des Booms ist nicht abzusehen – im Gegenteil: Zuletzt sind wieder einige erfolgreiche Neugründungen an den Start gegangen, gerade auch in den Bereichen der neuen zweiten Säule. Zum Beispiel das Online-Unternehmen richtiggutbewerben.de, ein Portal, das mit seinen Dienstleistungen rund um das Thema Bewerbung und Karriere bereits für Aufsehen sorgte und Preise einheimste. Oder die XiVero Das Düsseldorfer Innovations- und Technologiezentrum hat schon vielen Startups zum Erfolg verholfen. Fotos: LSC GmbH, ein auf die Entwicklung von Software und Hardware für die digitale Verarbeitung von Hochfrequenz- und Audiosignalen spezialisiertes Unternehmen. Mit der Idee, Werbevideos kostengünstig zu produzieren, hat sich das Unternehmen Toologo vom Start weg vor allem bei kleinen Unternehmen schon einen Namen gemacht. Seit Oktober haben bereits über 1000 Firmen die Dienstleistung in Anspruch genommen. Natürlich hat das Düsseldorfer Zentrum auch Beziehungen zu den Initiatoren des Landesprogramms Hoch- schulStart-up.NRW und vermittelt auch dort Kontakte, wovon einige Unternehmen schon profitiert haben. Auch andere Erfolge haben ihre Anfänge im Gründerzentrum: So hat zum Beispiel das Startup Reaxon ein Gründerstipendium vom Bundeswirtschaftsministerium erhalten. Das Unternehmen stellt Substanzen für die Organische Elektronik und die Pharmaforschung her. Die Beispiele belegen: Das Technologie- und Gründerzentrum leistet einen beachtlichen Beitrag zur Förderung der Startup-Kultur im Rheinland.

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