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Unser Emmerich am Rhein -23.04.2018-

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Freie Sicht auf die

Freie Sicht auf die herrliche Niederrheinlandschaft Im Cockpit Jan Plorin, Benjamin Steffen und Ulrich Bülter vom Vorstand des Aero-Clubs 8 SPORT Über den Wolken muss die Freiheit wohl grenzenlos sein – das sang vor vielen Jahren schon Reinhard Mey. Ulrich Bülter kann das nachvollziehen. Seit über 50 Jahren betreibt er das Segelfliegen und hat in der Zeit rund 20.000 Starts absolviert. „Und in all den Jahren hat die Faszination nicht abgenommen“, sagt der 65-jährige Emmericher. „In der Luft ist man ungestört, verbunden mit der Natur. Man genießt die Freiheit.“ Und es sei ein ganz besonderes Gefühl, mehrere Stunden durch die Luft zu gleiten, ohne Energie zu verbrauchen. Mit 16 Jahren Fluglizenz Ulrich Bülter wurde die Flugsportbegeisterung quasi in die Wiege gelegt, auch Vater Adolf Bülter war begeisterter Flieger und nahm seinen Sprössling öfter mit. Mit 14 Jahren durfte er mit der Ausbildung für die Fluglizenz beginnen. Nach drei bis vier Monaten darf man schon alleine fliegen, der Fluglehrer kontrolliert den Flug dann per Funk. Erst mit 16 Jahren kann man die Fluglizenz erwerben und darf ohne Aufsicht fliegen, auf anderen Flugplätzen fliegen und auch Gäste mitnehmen. Seit über 40 Jahren arbeitete Bülter im Vorstand des „alten“ Flugsportvereins Emmerich- Rees mit. Seit 2017 gibt es jetzt den Aero-Club Emmerich, der im letzten Jahr aus dem Aero Club Kalkar-Wissel e.V. und dem Flugsportverein Emmerich-Rees e.V. entstand und Mitglied im Landesverband NRW des Deutschen Aero Club (DAeC) ist. Ulrich Bülter übernahm hier den Posten des Geschäftsführers. „Mir ist wichtig, dass der Verein weiter lebt“, erklärt Bülter sein Engagement. Seit 1976 ist er auch Fluglehrer. „Ich denke, so 400 bis 500 Schüler habe ich bisher gehabt“, sagt er. Einige sind sogar Piloten Segelfliegen: ein himmlisches Erlebnis Im letzten Jahr schlossen sich der Aero Club Kalkar-Wissel e.V. und der Flugsportverein Emmerich-Rees e.V. zum Aero-Club Emmerich zusammen. Blick aus dem Segelflugzeug auf den Rhein und die Rheinbrücke für Großflugzeuge geworden, andere Tornadoflieger bei der Bundeswehr. Die fliegerische Heimat des Vereins ist das Segelfluggelände Emmerich-Palmersward. Der Flugplatz liegt unmittelbar am Rhein, die Flugzeughalle steht hochwassergeschützt hinter dem Deich. Dem Verein gehört auch die Modellflugsportgruppe an, die am süd-westlichen Ortsrand von Emmerich-Elten beheimatet ist. Insgesamt gibt es rund 130 Mitglieder, davon etwa 50 Modellflieger und knapp 40 aktive Segelflieger. Die Mitglieder sind zwischen 14 und 70 Jahre alt. Vorsitzender des Vereins ist Hein van de Sandt, der über viel Flugerfahrung verfügt. Er ist Vielflieger. In der Saison vom Frühjahr bis etwa Oktober – je nach Wetterlage, denn man braucht gutes Wetter zum Segelfliegen - ist er über 200 Stunden in der Luft. Gemeinsam mit Ulrich Bül- ter nahm van de Sandt vor zwei Jahren an der Qualifikation zur Deutschen Meisterschaft teil. In den Alpen bis zu 5000 m hoch Dabei galt es, eine vorgegebene Strecke in einer möglichst kurzen Zeit zu bewältigen. „Das ist psychisch und physisch eine echte Herausforderung: Man muss die beste Thermik finden, taktisch klug fliegen, den Luftraum beobachten, das Wetter beurteilen können. Das alles erfordert eine hohe Konzentration“, erklärt Bülter, der auch fremde Flugplätze mag. „Bei uns kann man höchstens 2000 Meter hoch fliegen, im Gebirge in den Alpen schon mal über 5000 Meter. Da muss man natürlich Sauerstoff mit sich führen“, erzählt er. Auch der 38-jährige Jan Plorin aus Kleve, der im Vorstand das Amt des Kassierers innehat, liebt diese Herausforderung. Er schnupperte 1994 auf einem Jugendferienlager in Wissel in den Flugsport hinein und blieb dabei, zumal er auch „familiär vorbelastet“ war. „Der Sport ist körperlich sehr anstrengend, nach acht Stunden Flug ist man ebenso geschafft wie nach einem Marathon“, sagt er. Aber gerade das mache auch den Reiz aus, ebenso die frische Höhenluft und die intensive Sonneneinstrahlung. „Jeder Flug ist anders, das macht den Sport so spannend“, sagt der 44-jährige Benjamin Steffen aus Uedem, zweiter Vorsitzender des Aero-Clubs Emmerich. Ihm gefällt, dass man den Sport auch noch im hohen Alter ausüben kann und durch die Erfahrung sind die älteren oft sogar den jüngeren überlegen. Sein Vater Bernd fliegt noch mit 71 Jahren. Regelmäßig wird in einer ärztlichen Untersuchung die Flugtauglichkeit überprüft. Der Flugsport ist in der Luft zwar ein Individualsport, aber am Boden ein Teamsport. Bevor man fliegen kann, braucht man sieben Leute, die einem helfen, in die Luft zu kommen. Mehrere vereinseigene Flugzeuge Den Vereinsmitgliedern stehen mehrere Segelflugzeuge zur Verfügung. Das zweisitzige Segelflugzeug ASK 21 in Kunststoffbauweise wird überwiegend für Ausbildungs- und Gastflüge eingesetzt. Das einsitzige Segelflugzeug der Clubklasse LS 4 mit 15 m Spannweite wird in der Ausbildung, für Übungsflüge von Lizenzinhabern und für Streckenflüge eingesetzt, während das einsitzige Segelflugzeug der Clubklasse DG 300 Elan von Lizenzinhabern für Übungsflüge und Streckenflüge genutzt wird. Das doppelsitzige Segelflugzeug Duo Discus aus der 20-m-Klasse wird für Leistungsflüge eingesetzt. Dann gibt es noch den zweisitzigen Motorsegler, der wird für die Ausbildung zur Motorseglerlizenz, für den Flugzeugschlepp und vor allem aber für Spaßflüge in der näheren und weiteren Umgebung des Flugplatzes genutzt. Wer Interesse am Fliegen hat, soll einfach mal vorbeikommen. Vom Frühjahr bis zum Herbst herrscht an Samstagen, Sonntagen und Feiertagen ab zehn Uhr auf dem Segelfluggelände am Rhein der Flugbetrieb – bei gutem Wetter. Gerne beantworten die Mitglieder alle Fragen. Man kann sich auch auf der Homepage www.aero-club-emmerich.de informieren. Wer das Fliegen dann auch erleben möchte, für den sind die Schnupperkurse ideal: An einem Wochenende kann man dann bis zu vier Starts mitmachen. TEXT: MONIKA HARTJES FOTOS: M. VAN OFFERN/PRIVAT

UnserEMMERICHam Rhein SPORT 9 Leidenschaft für den Bundesligaverein Schalke 04 Bei „Onder de Poort“ treffen sich die Fans der Blau-Weißen, um zu Spielen zu fahren oder die Begegnungen im Fernsehen anzuschauen. Für welchen Bundesligaverein ihr Herz schlägt, das ist nicht zu übersehen. Die Männer – und einige Frauen – die sich in der Gaststätte „Onder de Poort“ treffen, tragen blauweiße Trikots, Fahnen und Käppis. Über 50 von ihnen warten auf den Bus, der sie in die Schalke-Arena bringt, weil an diesem Samstag ihre Mannschaft gegen Freiburg spielt. „Wir fahren zu jedem Heimspiel hin“, erklärt André Rottwinkel, während im Hintergrund der Song „Wir sind Schalker“ läuft. Gegründet in den 80er Jahren So fing alles an: In der Speelberger Klause In der Gaststätte „Onder de Poort“ trafen sich die Schalke-Fans bevor sie zum Derby gegen Dortmund fuhren, dass Schalke mit 2:0 gewann. Seit den 80er Jahren gibt es die „Schalke-Gruppe Emmerich“, die in der ehemaligen „Klause“ in Speelberg, die damals Clemens Langer betrieb, gegründet wurde. André und Michael Rottwinkel, Frank van Nüß und André Miesen sind die „Männer der ersten Stunde“, die auch heute noch dem Fan-Club angehören. Die vier sind Dauerkartenbesitzer. Es war 1977 – André Rottwinkel war damals sieben Jahre alt – als Vater Günther nach einem Frühschoppen nach Hause kam und erzählte, dass sein Freund Theo Buss gleich zum Spiel nach Schalke fährt und ihn und seine Jungs mitnehmen würde. Der heute 83-Jährige fuhr früher oft mit seinem Moped nach Gelsenkirchen. An dem Tag spielten die Knappen gegen den MSV Duisburg. „Da hat uns der Virus gepackt, seitdem sind wir 04-Fans“, sagt Rottwinkel. Ehefrau Bianca hat er angesteckt. „Wenn wir zu den Spielen fahren und unterwegs die Lieder singen, das ist fast wie eine Familie“, sagt die 45-Jährige. Bei einem Sieg wird dann nachher im Bus gefeiert. Bei einer Niederlage sei man in den ersten Minuten betrübt, aber dann werde wieder gesungen, erklärt ihr Schwager Michael. „Wir Schalke-Fans sind leidensfähig.“ Zu Beginn des Fan-Clubs machten rund 20 Mitglieder mit, mittlerweile gehören über 100 im Alter zwischen 19 und 90 Jahren dazu, die sich in einer Whatsapp- Gruppe verabreden. Oft fahren auch Frauen und Kinder mit. Zunächst war die Klause der Treffpunkt, danach der Kapaunenberg. Und als die Gaststätte zwischenzeitlich schloss, zog die Fan-Gruppe um zu Agelink. Seit drei Jahren treffen sich die Mitglieder bei „Onder de Poort“, das von den Wirtsleuten Manuela Pertz und Marcel Meisters seit Oktober 2013 betrieben wird. Marcel Meisters hatte früher in der Klause gekellnert. Und als eingefleischter Schalke-Fan schloss er sich dem Fan-Club an. Da auch Manuelas Leidenschaft „seit dem 04. Lebensjahr“ den Blau-Weißen gehört, kamen die Fans zu ihnen an die Rheinpromenade, wo sie nicht nur auf den Bus zum Spiel warten, sondern sich auch – gemeinsam mit den Fans anderer Bundesligamannschaften – die Bundesligakonferenz oder Europa- und Champions-League-Spiele im Fernsehen ansehen. Infiziert vom Schalke-Virus Die Emmericher Fan-Gruppe ist offen für alle, da fahren dann auch schon mal BVB-Fans zum Derby im selben Bus mit. Seit zehn Jahren machen sich die Emmericher mit den Klever Fans aus dem „Elefantenstübchen“ gemeinsam auf den Weg. André Rottwinkel organisiert den Bus, André Miesen sorgt für die Karten. Der 46-Jährige wird nur „Ente“ genannt. „Damals in der Klause gab es zwölf Andrés und so bekam jeder einen Spitznamen“, erzählt er. Mit etwa zehn Jahren nahm ihn sein Onkel Alfred Luttkus aus Praest mal mit zum Spiel und schon war er infiziert vom Schalke-Virus. Der 19-jährige Timon Preuth war erst drei Jahre alt, als sein Opa Gregor ihn zu einem Bundesligaspiel – damals noch ins Parkstadion – mitnahm. Seitdem zieht er am Wochenende seine Kutte mit 04-Aufnähern an, bindet den Fan-Schal um und unterstützt seine Mannschaft. Seit einem Jahr ist er sogar Mitglied bei Schalke 04. „Die Atmosphäre im Stadion ist unbeschreiblich. Wenn über 60.000 Menschen in der Arena das Steigerlied singen, dann bekommt man Gänsehaut pur.“ Sascha Thun war vorher „ein bisschen Dortmund-Fan“. Dann besuchte er vor rund 15 Jahren ein Schalke-Spiel. „Ich habe gleich Blut geleckt und wurde leidenschaftlicher Schalke-Fan“, erzählt der 31-Jährige, der auch gleich einige Freunde ansteckte. Robin Koppejan, ehemals Bayern-Anhänger, liebt die Atmosphäre „in der blau-weißen Schalke-Familie“. Und auch Thorsten Walter wurde nach dem Besuch des ersten 04-Spiels Abfahrt Ende März zum Spiel gegen Freiburg im Jahr 1997 zum Fan. So seit fünf Jahren gehört der 22-jährige Felix Sonnenberg dem Fan-Club an. In jungen Jahren haben zwar seine Großeltern versucht, ihn mit Bayern-Bettwäsche für einen anderen Verein zu begeistern, aber nach seinem ersten Stadionbesuch war „Sonne“, wie seine Freunde ihn nennen, infiziert. An diesem Samstag kamen alle gut gelaunt nach Hause, denn Schalke gewann mit 2:0 gegen Freiburg. Wer mal bei einem Spiel mitfahren möchte, der kann in der Gaststätte „Onder de Poort“ gerne nachfragen. Aber Vorsicht: Der Schalke-Virus scheint höchst ansteckend zu sein – meist schon nach dem ersten Arena-Erlebnis!“ TEXT: MONIKA HARTJES FOTOS: M. VAN OFFERN/PRIVAT

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