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Unser Emmerich am Rhein -25.02.2019-

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8 SPORT Sanfte

8 SPORT Sanfte Kampfkunst in Vrasselt wird 35 Jahre alt Der 69-jährige Theo van Kampen leitet die Karate-Abteilung des TV Jahn Vrasselt seit rund 30 Jahren. n diesem Jahr wird die Karateabteilung des TV Jahn Emmerich-Vrasselt 35 Jahre alt. 1984 wurde sie gegründet, Abteilungsleiter war Dieter Wibben. „Damals war Karate ein echter Boom. Wir standen mit über 40 Sportlern in der Halle“, erinnert sich Theo van Kampen, der von Anfang an dabei war. Nach fünf Jahren zog sich Wibben aus beruflichen Gründen zurück und der TV Jahn stand ohne Trainer da. „Da habe ich dann die Abteilung weitergeführt“, erzählt Theo van Kampen, der damals den Blaugurt hatte. Auch mit 60 Jahre beginnen Durch entsprechendes Training und durch Lehrgänge, unter anderem in Wesel und Kleve, bildete er sich weiter. An vielen Abenden und Wochenenden war er neben seinem Lehrerberuf unterwegs in Sachen Karate. 1993 bekam er dann Unterstützung von Thomas Tanai, A-Übungsleiter und Träger des 2. Dan. Karate fördert durch ganzheitliches Training die Gesundheit. In kaum einer Sportart ist es möglich, noch im hohen Alter einzusteigen. „Karate ist für jedes Alter geeignet. Da kann man auch mit 50 oder 60 Jahren noch beginnen“, sagt Theo van Kampen, der inzwischen den 4. Dan trägt. Und er muss es wissen, schließlich ist er selber schon 69 Jahre alt – und topfit. Mittlerweile verfügt er über die C-Trainerlizenz, darf als B-Prüfer die Prüfungen bis zum Braungurt abnehmen, ist Selbstverteidigungslehrer im Deutschen Karate Verband und Gesundheitstrainer. Außerdem hat er die Lizenz „Karate im Schulsport“. Studien haben bewiesen, Sequenz aus der Kata „Gankaku” - zu Deutsch „Kranich auf dem Felsen”. In der vorderen Reihe die Trainer Theo van Kampen, Inka Heimanns und Alexander Schnare (v.l.) dass Karate sogar Demenz vorbeugen soll. Beweglichkeit, Koordination, aber auch das Gedächtnis werden trainiert beim Behalten der Bewegungsabläufe in einer Kata – das können bis zu 64 verschiedene sein. Dafür benötigt der Karateka die Fähigkeit, sich innerlich zu ordnen und seine körperlichen und geistigen Kräfte zusammenzufügen und zu sammeln. Dehnungsübungen, tiefe Stände und Drehtechniken schaffen Beweglichkeit. Durch langsame kontinuierliche Belastungssteigerung entstehen Herzkreiskauf- und Muskel-Fitness. Kraft und Ausdauer werden ebenfalls geschult. In Vrasselt wird Shotokan-Karate, eine besondere Stilrichtung der japanischen Kampfkunst, angeboten. „Diese besteht aus drei Säulen: dem Basistraining, in dem Techniken geübt werden, den Kampfformen und der Kata“, erklärt der Trainer. Neben der Turnhalle in Vrasselt, wo Erwachsenentraining und Kindertraining bis 15 Jahre angeboten werden, finden auch Trainingseinheiten für Kinder in der Turnhalle der Michael-Grundschule in Praest und – jetzt neu – eine Trainingsgruppe für Sportler ab zwölf Jahre in der Luitgardis-Schule in Elten statt. Diese übernahm Inka Heimanns, Trägerin des 1. Dan. „Nach einer theoretischen Einweisung folgen ein leichtes Aufwärmtraining und das Üben einiger Grundschultechniken. Neben dem koordinativen Training wird sehr viel Wert auf das Sozialverhalten gelegt, wie etwa Respekt, Hilfsbereitschaft und Rücksichtnahme“, sagt Inka Heimanns zum Trainingsablauf. Gerne dürfen sich weitere Interessierte melden. Es genügt einfache Sportkleidung. Neben Inka Heimanns und Thomas Tanai wird Theo van Kampen auch unterstützt von Alex Schnare, Träger des 2. Dan, und Gabi Wemmer, Trägerin des 2. Kyu, des Braungurts. Auch sonst ist der TV Jahn Vrasselt im Bereich Karate breit aufgestellt. Immer wieder wird über den Tellerrand geschaut und besondere Kurse und Lehrgänge angeboten. So ist Gabi Wemmer Inhaberin der Sonderlizenz des Landessportbundes NRW „Selbstbehauptung und Selbstverteidigung für Mädchen und Frauen“. Sie gibt Kurse und Workshops. „Bei der Selbstbehauptung werden die Schwerpunkte auf die mentale und psychische Stärkung des Selbstbewusstseins gesetzt, während in der Selbstverteidigung die körperliche Auseinandersetzung im Vordergrund steht“, erklärt die Vrasselterin. Etwas Besonderes war auch der Lehrgang mit Haki Celikkol, Träger des 7. Dan, der im Januar stattfand. Celikkol, mehrfacher Dan-Träger unter anderem in Shotokan-Karate, gab einen Einblick in eine Kampfsportrichtung, die als Basis sämtlicher existierender Kampfsportarten gesehen wird: „White Crane“. Im Gegensatz zu den manchmal etwas „eckigen“ Karatetechniken wirken die Bewegungen sanft und rund. Jeder Bewegung wird ein Bild zugeordnet, wie beispielsweise „eine schöne Frau schaut in den Spiegel“, „Fischen“ oder „Siegel anbringen“. Zunächst hört sich dies alles etwas befremdlich an, führt einen aber in die Denkweise der Chinesen ein, die eine viel bildhaftere Sprache haben als wir sachlichen Europäer. „Die fließenden Bewegungen des „White Crane“ gehen harmonisch ineinander über und ähneln eher einem Tanz als einer klassischen Kata, wie wir sie aus dem Karatebereich gewohnt sind“, erklärt van Kampen. „Für März ist ein weiterer Lehrgang mit Haki Celikkol geplant.“ Solche Ausflüge in andere Bereiche des Kampfsportes beleben das Training beim TV Jahn. Die Trainer würden sich über weitere Sportler freuen. Einsteigen kann man im Kinderbereich ab sechs Jahre, ansonsten gibt es keine Altersgrenzen. Wer die Sportart gerne mal ausprobieren möchte, ist herzlich willkommen. TEXT: MONIKA HARTJES FOTOS: PRIVAT Christoph Krasinski zeigt einen Fußtritt (Yoko-Geri), links daneben Trainerin Inka Heimanns. Alexander Schnare und Theo van Kampen demonstrieren einen Faustangriff zum Kopf (Oi-Zuki). TRAININGSSTUNDEN Karate – TV Jahn Vrasselt Ansprechpartner: Theo van Kampen, Telefon: 02822-8437 Trainingszeiten in Vrasselt: Montag: 19.30 – 21 Uhr für Erwachsene Mittwoch: 18 – 19 Uhr (Kinder) 19 – 20.30 Uhr für Erwachsene Trainingszeiten in Praest: Turnhalle Michael-Grundschule Freitag: 18 – 19.30 Uhr (Kinder) Trainingszeiten in Elten: Freitag: 17.30 – 18.30 Uhr ab 12 Jahre

nserEMMERICHamRhein SPORT 9 Wie der Vater so die Söhne: Drei Schiedsrichter in der Familie Ernst Hempel machte vor 60 Jahren seinen Schiedsrichterschein, Jens und Chris sind auch bereits seit über drei Jahrzehnten an der Pfeife aktiv. In der Halle beim Ladys-Cup: Vater Ernst (Mitte) schaut zu, während Jens (r.) und Chris im Einsatz sind. s wird immer schwieriger, junge Menschen dafür zu gewinnen, eine Schiedsrichterausbildung zu absolvieren. Mittlerweile finden viele Fußballspiele in den unteren Spielklassen ohne den „Mann an der Pfeife“ statt, weil einfach der Nachwuchs fehlt. Da ist Familie Hempel eine rühmliche Ausnahme: Hier gibt es gleich drei Schiedsrichter, die ihr Amt mit Engagement und Leidenschaft ausüben. „Der Ton auf dem Platz ist rauer geworden, es fehlt oft an Respekt“, sagt Jens Hempel, seit 35 Jahren als Schiedsrichter aktiv. „Diesen Respekt muss man sich als Schiedsrichter aber auch erarbeiten.“ Trotzdem macht er den Job nach wie vor gerne, wie auch sein Bruder Chris, der seit 34 Jahren pfeift: „Es gibt viele schöne Erlebnisse. Und es ist ein gutes Gefühl, wenn man merkt, dass man ein Spiel gut geleitet hat.“ Vorbild für die Brüder ist ihr Vater Ernst, der 60 Jahre lang „mit der Schiedsrichterei“ zu tun hatte und sogar in der Bundesliga als Linienrichter zum Einsatz kam. Der 1939 geborene Emmericher begann als 14-Jähriger, beim VfB Rheingold Fußball zu spielen, später wechselte er zum SV Vrasselt. 1958 ließ er sich dazu überreden, Schiedsrichter zu werden. „Der Mangel an Schiedsrichtern war damals ebenso groß wie heute“, sagt der ehemalige Postbeamte, der von seinem Arbeitgeber unterstützt wurde. Kondition und Ausdauer holte er sich beim Training mit der ersten Mannschaft vom VfB, so dass es ihm nicht schwer fiel, die Leistungsprüfungen für Einsätze in höheren Ligen zu bewältigen. Bis zur höchsten Amateurklasse, der Oberliga, damals die zweithöchste Klasse, wurde er eingesetzt. Zu den Höhepunkten zählte sein Einsatz als Linienrichter in der Bundesliga 1975/76, wo er ein Jahr lang aktiv war – als erster Schiedsrichter aus dem Kreis. Sein erstes Spiel: Werder Bremen gegen Frankfurt, es endete 1:2. „Ohne die Toleranz meiner Ehefrau wäre das nicht möglich gewesen“, betont Ernst Hempel, der 1967 heiratete. 1968 kam Sohn Jens auf die Welt, 1971 Sohn Chris – beide wie der Papa Februar-Kinder. Schon früh begleiteten die beiden Jungs ihren Vater zu den Spielen. „Wir bekamen öfter mal die Fahne in die Hand gedrückt und waren dann Linienrichter. Das machte uns sehr stolz“, erzählt Jens, der bis heute bis zur Bezirksliga pfeift. Er trat 1980 dem Verein Eintracht Emmerich bei. „Das taten alle, die aus Leegmeer kamen und in Heilig Geist Messdiener waren“, erzählt der 51-Jährige, der beim Zoll tätig ist. Nach der A-Jugend hörte er mit dem Fußball auf – „Ich war absolut talentfrei“. Bereits 1983 absolvierte er die Schiedsrichterausbildung in Wesel, steht heute noch mindestens jeden Sonntag, oft auch durch die Woche, als „Mann in Schwarz“ auf dem Platz. Sein Bruder Chris begann seine sportliche Laufbahn ebenfalls mit Fußball: Zunächst wurde mit den Nachbarskindern auf dem Bolzplatz gespielt – mit selbst gebauten Toren und Linien aus Sägemehl. Zum achten Geburtstag bekam er von Patenonkel Hans-Bernd Kühnen die Mitgliedschaft bei Eintracht geschenkt. Er schaffte es bis in die erste Mannschaft, mit der er zwei Mal aufstieg: in die Kreisliga A und in die Bezirksliga. Seinen Schiedsrichterschein machte er im November 1985. Fortan pfiff er samstags Jugendspiele und spielte sonntags für seine Mannschaft. Als er mit 28 Jahren den aktiven Sport aufgab und das Schiedsrichtern in den Vordergrund rückte, wurde er bis zur Landesliga eingesetzt. Den einzigen gemeinsamen Einsatz hatte das Trio am 18. Mai 2008 beim Meisterschaftsspiel SV Vrasselt gegen Tus Haffen-Mehr, dem Abschiedsspiel von Ernst Hempel, der nach 50 Jahren die aktive „Schiedsrichterei“ aufgab. Doch ruhte er sich danach nicht auf seine Lorbeeren aus. Hempel steht den aktiven Schiris weiterhin beratend zur Seite, beobachtet unter anderem auch den Einsatz des Nachwuchses und gibt wertvolle Tipps aus seinem reichen Erfahrungsschatz. In den 60 Jahren seiner Schiedsrichterzeit habe sich viel geändert, erzählt Ernst Hempel. Damals war Fußball ein Volkssport, Zuschauer und Spieler, die meist aus der Gegend kamen, hielten zusammen. Schiedsrichter wurden respektiert. „Aber erst, wenn man sich durch konsequentes Verhalten einen Namen gemacht hat“, so Ernst Hempel, der auch als Schiedsrichtergruppenleiter, Kreisschiedsrichterobmann und in der Spruchkammer tätig war. „Die Hemmschwelle ist geringer geworden, der Respekt ist zurückgegangen“, sagt auch Chris. Der selbstständige Versicherungskaufmann und Vater von zwei Kindern ist froh, dass seine Lebensgefährtin sein zeitaufwändiges Hobby toleriert. Junge Schiedsrichter, die bereits mit 13 Jahren den Schiedsrichterschein machen dürfen, haben es schwer, sich auf dem Platz durchzusetzen. Oft beschimpft zu werden hinterlässt Frust. „Die Fluktuation in den ersten 24 Monaten liegt bei 80 Prozent“, so Jens Hempel, dessen Lebensgefährtin ihm den Rücken frei hält. Regelmäßiges häufiges Pfeifen, die Regeln genau kennen, durch Fehler lernen, lauffreudig sein, Schulungen besuchen – das alles helfe, um durchzuhalten, Selbstvertrauen aufzubauen und Erfahrung zu sammeln. „Die jungen Schiedsrichter sollen ruhig mal mit den erfahrenen sprechen und Hilfe annehmen“, sagt Chris. Um den Einstieg zu erleichtern, werden Patenschaften angeboten. Ein erfahrener Schiri beobachtet die ersten fünf Spiele und gibt anschließend Tipps zum Umgang mit Zuschauern, Spielern und Betreuern. Um neue Schiedsrichter bei den Vereinen zu werben, müsse man nicht nur die Vereine, die ihr Soll nicht erfüllen, mit Geldstrafen belegen, sondern auch die Vereine, die mehr Schiedsrichter stellen, belohnen, spricht Chris einen weiteren Punkt an. Doch trotz manchem nicht so schönen Erlebnis würden alle Drei sofort wieder den Schiedsrichterschein machen. TEXT: MONIKA HARTJES FOTOS: M. HARTJES/PRIVAT 2008: Abschiedsspiel für Ernst Hempel. Ernst Hempel (2.v.r.) trifft Beckenbauer (r.) in einem Promi-Spiel.

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