Aufrufe
vor 9 Monaten

Unser Emmerich am Rhein

  • Text
  • April
  • Emmerich
  • Kleve
  • Emmericher
  • Rees
  • Elten
  • Familie
  • Apotheke
  • Kinder
  • Rheinpromenade

4 UNSER PROJEKT

4 UNSER PROJEKT Vorsprung durch Technik in Elten: „Geheimprojekt“ Seifenkistenbau So manche Eltener Familie und Gruppe baut an einer Kiste für das große Spektakel im Juli. Wenn in Elten in Garagen und Scheunen eifrig gehämmert, geschraubt und getüftelt wird, dann weiß man: Bald findet wieder das spektakuläre Seifenkistenrennen am Eltenberg statt. Dabei geht es um Hundertstel-Sekunden! Wer die ausgefeilteste Technik hat, der hat im Ziel die Nase vorne. In diesem Jahr findet das Event der schnellen Kisten am 7. und 8. Juli statt – bereits zum sechsten Mal. Erste Seifenkiste von Opa Heinrich So auch Familie Miklis. Technische Details werden aber nicht verraten. Tobias und Karlheinz Miklis mit ihrem „Cobra 11“-Modell Erfolgreiche Seifenkisten-Familie: Sohn Tobias holte den Junior-Pokal, Mutter Jutta den dritten Platz bei den Damen. Familie Miklis – das sind Vater Karlheinz, Mutter Jutta und Sohn Tobias – machen zum fünften Mal mit. „Nach jedem Rennen haben wir neue Ideen, wie wir unsere Seifenkiste verbessern können“, erzählt Karlheinz Miklis. Der Maschinenbautechniker fertigt professionelle Konstruktionszeichnungen an und sucht nach Möglichkeiten, beim Chassibau oder bei der Auswahl der Reifen, wie man Sekunden einsparen kann. Vor vielen Jahren hatte sein Opa Heinrich Verhey mal eine Seifenkiste für ihn gebaut. „Aus Rädern vom alten Kinderwagen, zwei Brettern und einer Lenkvorrichtung - die Kiste sah natürlich ganz anders aus als die Seifenkisten heute“, so der Eltener. Beim ersten Seifenkistenspektakel im Jahr 2012 stand die Miklis-Familie noch als Zuschauer am Rand der Piste. „Wir waren fasziniert und fragten uns schon damals, warum wir nicht als Teilnehmer dabei sind“, erzählt Jutta Miklis. Dieses Projekt wurde dann im folgenden Jahr umgesetzt. Die Miklis bauten ein altes Kettcar um im „Tigerenten-Stil“ und gingen als „Tiger-Team“ an den Start. Im Jahr danach, als der Nachwuchs der Familie im „Cobra 11“-Fieber war, wurde eine „Mercedes-Kiste“ nach Vorbild der TV-Serie gebaut. Vom Mercedes zum Audi Im Jahr danach erschienen die Miklis dann mit einem noch windschnittigeren Audi-Modell. „Wir fahren schließlich selber einen Wagen dieser Marke“, erklärt der Familienvater. Mit Hilfe von Dieter Verhey schweißte er nach seiner Konstruktionszeichnung Vierkant-Eisen zusammen als Unterbau, die Verkleidung besteht aus Holz. Alle Teile werden zunächst aus Pappe gefertigt, dann aus Holz zugeschnitten und zusammengefügt. Die eckige Form bei den ersten Aufbauten wurde abgerundet. „Echte“ Audi-Ringe holten sich die Kistenbauer vom Schrottplatz, der SEIFENKISTENRENNEN Das Seifenkisten-Spektakel startet am Freitag, 7. Juli, gegen 16 Uhr mit dem „Freien Training“. Um 18 Uhr beginnt dann das Moonlight Race um den begehrten Elten Pokal. Nach der Siegerehrung wird zum gemütlichen Beisammensein, bei Live-Musik und Bier vom Fass, eingeladen. Am Samstag, 8. Juli, wird durchgestartet zum „großen Preis von Elten“ in den Wettbewerben „Junior, Damen und Herren“. www.seifenkistenspektakel.de Pilot sitzt auf einem original Trecker-Sitz. Jutta Miklis half beim Bemalen der Kiste, unterstützt von Sohn Tobias, der seinem Vater auch beim Schrauben hilft. Als „Audi Racing Team“ – in entsprechenden farblich auf das leuchtende Blau abgestimmten T-Shirts, die im Urlaub erworben wurden - nahmen sie in ihrem „Herr der Ringe“-Fahrzeug in den letzten zwei Jahren an den Rennen teil. Sehr erfolgreich, denn Jutta Miklis wurde zwei Mal Dritte im Damen-Wettbewerb und Tobias besiegte im letzten Jahr die gesamte Konkurrenz im Juniorrennen und bekam einen riesigen Siegerpokal. „Es ging um Hunderstel-Sekunden“, erzählt der Zwölfjährige, der gerne beim Tobias auf dem Siegertreppchen mit den Organisatoren Frank te Kempel (li) und Udo Wittenhorst (re) Kartfahren seine fahrerische Geschicklichkeit trainiert. Natürlich möchte er gerne den Titel verteidigen. Deshalb wird in diesem Jahr neu getüftelt. Was genau alles verändert wird, das wird natürlich nicht verraten. Da hat jeder Seifenkistenbauer so seine kleinen Geheimnisse. Nur soviel: Die Reifen können für mehr Schnelligkeit sorgen. „Es war ganz schön schwierig, das passende Zubehör zu finden“, erklärt Karlheinz Miklis. Und diese Teile müssen dann für das eigene Fahrzeug noch entsprechend angepasst werden. Bis zu 50 Stundenkilometer schnell In der Männer-Konkurrenz gehe es sehr eng zu. „Da sind teilweise echte Profis am Werk, da muss man schon eine technisch sehr ausgefeilte Seifenkiste haben und sehr präzise fahren, um das Rennen zu gewinnen. Schon die kleinste ungenaue Lenkbewegung kann Sekunden kosten“, erklärt Miklis. Teilweise fahren die Kisten bis zu 50 Stundenkilometer schnell den Berg hinunter, hat der Maschinenbautechniker ausgerechnet. Fuhr die erste Kiste „Marke Eigenbau“ noch recht unruhig, so liegt die neue wie „ein Brett auf der Straße“. „Vorsprung durch Technik“ – mit diesem Motto starten die Miklis in diesem Jahr. Man darf gespannt sein. „Das Tolle ist, dass das Seifenkistenrennen ein Hobby für die ganze Familie ist“, sagt Jutta Miklis und lobt das Seifenkisten-Team um Udo Wittenhorst und Frank te Kempel für seine engagierte Organisation des Seifenkistenspektakels, das Familie Miklis gerne mit Kuchenspenden und tatkräftiger Hilfe unterstützt. TEXT: MONIKA HARTJES FOTOS: M. VAN OFFERN/PRIVAT Seifenkistenpilotin Jutta Miklis

Marie und Johann Derksen bei der mühsamen Spargelernte um 1950 Jungpflanze Weißes Gold, frisch geerntet UnserEMMERICHam Rhein MEIN TAG 5 Was macht der Spargelbauer eigentlich im Winter? Winfried und Antonia Derksen erzählen, was sie im Jahresablauf alles zu tun haben. Und sie haben eine gute Nachricht: Ostern gibt es genügend Spargel! Die Spargelsaison beginnt je nach Wetterlage Anfang April und endet traditionell mit dem Johannistag, dem 24. Juni. In der Zeit sind die Spargelbauern mit ihren Erntehelfern fast Tag und Nacht im Einsatz. „Da kommen so einige 20-Stunden-Tage zusammen“, sagt Winfried Derksen, der in Elten einen großen Spargelhof betreibt. Doch was macht der Spargelbauer in der restlichen Zeit des Jahres? Urlaub, Erholung und ausruhen? Von wegen! Was an Arbeit anfällt, darüber berichten Winfried Derksen und Tochter Antonia, die später den Familienbetrieb übernehmen möchte. Seit über 85 Jahre Spargelanbau Bereits seit 1930 wird am Alten Beeker Weg Spargel angebaut. Johann und Marie Derksen bewirtschafteten den Hof. War das früher nur auf kleinen Flächen, so wird heute auf zehn Hektar weißer und grüner Spargel angebaut. Was damals reine Handarbeit war, ist zwar auch heute noch anstrengende Arbeit, die aber durch verschiedene Werkzeuge wie etwa das „Spargelfrettchen“, ein ergonomischer Spargelschneider, oder eine Pflanzmaschine erleichtert wird. „Auch wenn es Maschinen gibt, so bleibt doch vieles reine Handarbeit. So kann man das Unkraut zwischen den einzelnen Pflanzen nicht mit einer Fräse entfernen“, erklärt der Spargelbauer. „Die Pflege der Anlage findet im ganzen Jahr statt“, sagt Winfried Derksen. Im März beginnt die Arbeit mit der Vorbereitung der Böden. Jungpflanzen von Spezialbetrieben werden 20 Zentimeter tief in die Erde gesetzt, einzeln. Diese Neupflanzen geben den ersten Spargel im folgenden Jahr. Vorher hat die Sortenauswahl stattgefunden: frühe, Jetzt beginnt die Spargelernte. „Um Ostern ist genug Spargel da“, sagen Antonia und Winfried Derksen. mittlere oder späte Ernte, dünner oder dickere Sorte, grüner oder weißer Spargel. „Wir wählen verschiedene Sorten, so dass wir die gesamte Saison über ernten können.“ Seit 2008 arbeitet Derksen mit begehbaren Hochtunneln, ein System, was für ein optimales Klima für das Spargelwachstum sorgt und einen frühzeitigen Erntebeginn ermöglicht. Sofort nach der Ernte wird der Spargel in Schockkühlwannen auf zwei Grad heruntergekühlt, auf einem Band sortiert, geschnitten und gewaschen. Kulturpflege sei ein wichtiges Thema. Seit rund zwei Jahren beschreiten die Derksens in diesem Bereich neue Wege. „Wir wollen traditionell Spargel anbauen, aber uns ist der Fortschritt dabei nicht fremd.“ Boden-Bilanz-Analyse So setzen sie nicht mehr nur auf die einfache Bodenuntersuchung, sondern lassen eine Boden-Bilanz-Analyse erstellen. Wurzelproben der Pflanzen zeigen genau an, was dem Spargel fehlt. „Wir düngen heute viel schonender, weil wir punktgenau düngen können“, erklärt die 25-jährige Antonia. „Außerdem kann über den Zuckergehalt im Wurzelstock genau bestimmt werden, wie viel maximal geerntet werden kann, ohne die Pflanze zu schädigen. Wir sind einer der ersten Betriebe in Deutschland, der diese Methode anwendet.“ Mit der Spargelernte ab April geht die Arbeit dann so richtig los. „In diesem Jahr werden wir zu Ostern ausreichende Mengen an Spargel zur Verfügung haben“, so der Spargelbauer. „Ein bisschen Sonne könnten wir noch gebrauchen“, wünscht sich Antonia. Während Vater Winfried für den Vertrieb zuständig ist und den Spargel persönlich an Händler und an die gehobene Gastronomie – bis zu 200 Kilometer Entfernung – ausfährt, kümmern sich Tochter und Ehefrau Irmgard um den Verkauf im Hofladen, wo es mit Beginn der Spargelzeit auch frische Erdbeeren gibt, die Antonia von einem regionalen Anbieter holt. Der Hofladen bietet alles, was zu einem leckeren Spargelessen gehört: den beliebten Eltener Metzgerschinken, deutsche Qualitätskartoffeln, Hühnereier aus Bodenhaltung, Sauce Hollandaise und ganz speziell auf den Spargel zugeschnittene Weinsorten. Als besonderer Service wird der Spargel gleich mit Hilfe einer Maschine geschält. Die Spargelzeit endet mittlerweile nicht mehr am 24. Juni, sondern aufgrund der verschiedenen Sorten geht sie bis etwa zum 10. Juli. „Neben der Spargelernte geht es im Sommer hauptsächlich darum, das Unkraut fern zu halten. Viel Arbeit, weil das vorwiegend per Hand erfolgt“, erklärt die junge Spargelbäuerin. Tannenbaumverkauf Doch nach der Spargelernte und Bodenpflege können die Derksens die Hände nicht in den Schoss legen. Seit sechs/sieben Jahren verkaufen sie Weihnachtsbäume, die auf ihrem Hof wachsen. Seit bis zu 15 Jahren wachsen die Bäume auf dem Hof. Dabei übernehmen Shropshire- Schafe die „natürliche Düngung“ und die Unkrautvernichtung. „So sind unsere Bäume komplett ungespritzt und kommen ohne künstlichen Dünger aus.“ Ab November können sich Familien ihren Baum vom Feld auszusuchen und ihn schlagfrisch vor den Feiertagen abholen. „Den Kindern wird so ein besonderes Naturerlebnis vermittelt.“ An den Adventssamstagen können sich die Besucher beim Abholen des Baumes mit Kakao, Glühwein und Plätzchen verwöhnen lassen. Ansonsten läuft es im Winter etwas ruhiger. Winfried Derksen erledigt liegengebliebene Büroarbeiten, wenn er nicht an die eine oder andere Verbesserung für die Spargelernte tüftelt. Und Tochter Antonia kümmert sich um ihre kleine Pferdezucht. „Nur im ganz kleinen Stil, zum regelmäßigen Reiten habe ich leider keine Zeit.“ Trotz der vielen Aufgaben macht ihr die Arbeit viel Spaß und so wird sie die vierte Generation sein, die den Familienbetrieb übernimmt. TEXT: MONIKA HARTJES FOTOS: M. VAN OFFERN/PRIVAT

Sonderveröffentlichungen