Aufrufe
vor 8 Monaten

Unser Straelen

  • Text
  • Straelen
  • Straelener
  • Beginn
  • Herongen
  • Zeit
  • Stadt
  • Kreisliga
  • Juni
  • Treffpunkt
  • Domsalla

20 IM BLICKPUNKT Auf

20 IM BLICKPUNKT Auf heißen Öfen durch die Lande Straelener Motorradfahrer erzählen, was das Faszinierende an ihrem Hobby ist. In Leder gehüllt genießen sie die Freiheit. Zu ihnen gehört Jürgen Linßen. Es gibt nichts Schöneres, als bei gutem Wetter das Auto in der Garage zu lassen und aufs Motorrad zu steigen. Bei einer solchen Maschine lacht das Herz jedes Motorradfreundes. Wenn dann auch noch das Wetter mitspielt und gute Kumpels am Start sind, dann ist der Tag gerettet. Das Dröhnen der Motoren und Sonnenschein, viel mehr braucht es nicht für das große Glück auf zwei Rädern. Im Halbstundentakt tauchen am Bauernhofcafé Jacobs immer wieder neue Gruppen auf, die zwischen den Niederlanden und Straelen auf ihren motorisierten Zweirädern hinund herpendeln und das gute Wetter für eine Spritztour nutzen. Auch sieben Straelener haben es sich in der Sonne gemütlich gemacht und philosophieren über ihr Hobby. „Wenn es das Wetter erlaubt, ist es besser, als mit dem Auto zu fahren“, sagt Jürgen Linßen, der sich mit Vorliebe auf seine Honda Pan European schwingt. Es geht um mehr, als um das Gas geben können, das Gefühl von Freiheit. „Es gibt Sachen, die kann man nicht erklären. Die muss man mögen oder nicht“, sagt Hans-Willi van de Stay. Olaf Penning versucht es trotzdem mit einer Erklärung. „Man genießt die Landschaft ganz anders“, sagt der 53-Jährige, der mit seiner BMW R 1200 RT unterwegs ist. „Spaß an der Maschine“, nennt Gerald Kleewein einen weiteren Grund, warum er zu gerne auf seine Yamaha 660 XT steigt und die Gegend per motorisiertem Zweirad erkundet. „Es geht auch um die Beherrschung der Technik“, gerät Olaf Penning ins Schwärmen. Dieses Vibrieren, wenn der Motor wie am Schnürchen läuft. Während die Männer erzählen, tauchen immer wieder neue und andere Motorradfahrer auf. Auch wenn man sich nicht kennt, wird gegrüßt. Das ist völlig normal. Jürgen Linßen beschreibt es als „gute Kumpanei“. „Das Verhältnis ist sehr gut, besser als mit Autofahrern“, sagt Linßen. Olaf Penning wundert das nicht. „Man hat ja ein gemeinsames Interesse.“ Gespräche über Technik stehen hoch im Kurs. Natürlich gibt es auch Motorradtreffen, zu denen die Hobbyfahrer bewusst hinfahren, um ihresgleichen zu treffen und miteinander ins Gespräch zu kommen. „Früher war Kaiserberg total in“, wirft einer in die Runde. Linßen erzählt, dass er erst kürzlich da gewesen sei. Aber die Saison beginne ja erst. „In Brüggen ist auch jeden Sonntag Motorradtreffen“, fällt ihm noch ein. „Und am Ederstausee im Sauerland, da sind auch hunderte Motorradfahrer“, ergänzt Michael Lachmann. „Eifel, Mosel, Sauerland“, zählt er mögliche Touren auf, die er auch mit befreundeten Motorradfahrern aus der Nachbarschaft bestreitet. Ja, in Straelen gebe es mehrere Clübchen. „Aber das sind keine Clubs mit Statuten“, sagt Gerald Kleewein. Vielmehr geht es um Interessengruppen. „Wir hätten dieses Jahr 20-jähriges Bestehen“, sagt Olaf Penning und blickt auf die Zeit des Motorradclubs „Auspuff“ zurück. Linßen gibt die Anekdote zum Besten, als das Zehnjährige buchstäblich ins Wasser fiel. Es hatte so in Strömen geregnet, dass mit dem Auto statt mit dem Motorrad die Reise Richtung Schwarzwald angetreten wurde. Die Regenwand war irgendwann weg. „In Schaffhausen haben wir dann nur in T-Shirts auf der Promenade gesessen“, erinnern sich die vier übrig gebliebenen Teilnehmer vom Motorradclub „Auspuff“ an die Tour. Mit der Nachbarschaft vom Lerchenweg habe er ebenfalls einen Motorradclub am Start, sagt Olaf Penning. Wo fährt man denn am besten hin, wenn man das Motorrad aus der Garage in den Sonnenschein geschoben hat? So wie Michael Strud, der mit seiner Triumph Street Triple am Start ist. Seit wann er Motorrad fährt? „Seit ich 18 bin, also schon immer“, sagt der 56-Jährige. An die Mosel, die Xantener Nordsee oder an den Rhein, einen Kaffee trinken, lauteten einige Vorschläge seiner Motorradkollegen für einen Ausflug. Sicherheit ist wichtig. Erst das Licht an, dann langsam, aber stetig beschleunigen

Unser STRAELEN IM BLICKPUNKT 21 Gruppenbild mit chromglänzenden Maschinen: Die Straelener Jürgen Linßen, Hans-Willi van de Stay, Olaf Penning, Gerald Kleewein, Dirk Deckers und Michael Lachmann. „Über den Deich bis Nimwegen“, lautet ein Kurztrip-Tipp von Hans-Willi van de Stay. Es ist gut zehn Jahre her, da ist er quer durch Europa mit seiner Maschine gefahren. „Triest, Dubrovnik, Süditalien, Spanien, Frankreich und wieder zurück über die Schweiz“, zählt der Straelener die Länder in lockerer Reihenfolge auf. „Die Italiener fahren wie Kamikaze, aber die nehmen Rücksicht“, nennt er einen entscheidenden Unterschied zur deutschen Fahrweise. „Wir werden häufig übersehen“, gibt Olaf Penning zu Bedenken. Aber es gibt einige Verhaltensweisen, wie Autofahrer das Leben von Motorradfahrern eindeutig leichter und sicherer machen können. Welche das sind, sagen die Männer, die auf den Maschinen sitzen, am besten selbst. „Nicht nah auffahren“, regt Michael Lachmann an, was Autofahrer beachten sollten. „Und nicht die Vorfahrt nehmen beim Linksabbiegen“, sind sich alle einig. „Beim Autofahren muss ich 100 Prozent aufpassen, beim Motorradfahren 200 Prozent“, fasst es Gerald Kleewein zusammen. Das Verreisen mit dem Motorrad stellt an den Reisenden auch andere Herausforderungen, als wenn er sich ins Auto setzen würde. „Mehr Geld ins Portemonnaie packen für den Sprit“, sagt einer der Motorradfahrer. Dafür aber weniger T-Shirts und sonstigen Kram. „Das Gepäck ist weniger“, sagt Dirk Deckers, der bevorzugt mit seiner Kawasaki Drif- Ganz allmählich wird die Landschaft grün. So macht es besonderen Spaß, durch die Gegend zu rollen. Gas zu geben, spielt in diesem Fall keine Rolle. ter durch die Lande fährt. Ein anderer gibt noch Waschtipps für Biker mit Trocknung während der Fahrt zum Besten. „Das Schöne ist, dass die Hotels sich auf die Biker eingestellt haben“, sagt Jürgen Linßen. Mittlerweile stehen an manchem Hotel „Biker Willkommen“- Schilder. „Früher wurde man als Biker schräg angeguckt, wenn man nur eine Übernachtung lang bleiben wollte“, sagt Linßen. Viel länger hält es sie aber oft nicht an einem Ort. Warum auch, es geht ja ums Fahren. „Überall da, wo Berge und Kurven sind, der Harz, Schwarzwald, die Alpen“, zählt Hans-Willi van de Stay auf. „Einfach nur im Walzertakt dadurch, entweder man hat das oder nicht“, sagt der 69-Jährige, der seit seinem 16. Lebensjahr das motorisierte Zweirad als Fortbewegungsmittel mag. „Das ist einfach superschön. Man weiß nie, was hinter dem nächsten Berg ist.“ Weil er gebürtiger Kärntener ist, bevorzugt auch Gerald Kleewein die Berge. „Nur Kurven und Berge und dann noch Sonnenschein, das ist für mich Motorradfahren“, sagt der 66-Jährige schwärmerisch. Mal eben 300 Kilometer am Tag sind da keine Seltenheit. Bei den anderen fallen auch höhere Zahlenangaben, 500 oder 600 Kilometer. Ob einem am Ende des Tages nicht die Arme weh tun? „Nee, der Hintern“, gibt einer zum Besten. „Nee, wenn man richtig fährt, ist das nicht anstrengend“, sagt Hans-Willi van de Stay. Ausflüge im Grenzgebiet zwischen Deutschland und den Niederlanden sind sehr beliebt. Wenn die Motorradfreunde gemeinsam auf Tour gehen, gebe es immer einen „Leitwolf“, der die Tour ausarbeitet und das Hotel festmacht. Ansonsten gilt: „Miteinander, füreinander“, beschreibt Linßen den Zusammenhalt. Einmal im Jahr geht es auch mit den Frauen als Sozius auf Tour. Natürlich geht es nicht auf direktem Weg zum Hotel. Schöne Strecken sollen es sein, Autobah- nen gemieden werden. Auch da hilft die Technik. Es gibt Navigationsgeräte für Motorradfahrer, die extra die schönen Nebenstrecken ausweisen. Und was braucht man dann mehr, als ein paar gute Freunde, die Maschine und Sonnenschein? Darauf eine Apfelschorle, „das Bier des Bikers“ und: Allzeit gute Fahrt! TEXT BIANCA MOKWA FOTOS THOMAS BINN

Sonderveröffentlichungen