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Unser Straelen

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10 NEUES AUS DEM

10 NEUES AUS DEM STADTARCHIV INFO Öffnungszeiten Das Stadtarchiv Straelen ist dienstags, mittwochs und freitags von 8.30 bis 12.30 Uhr geöffnet, donnerstags von 14 bis 18 Uhr. Montags ist das Stadtarchiv geschlossen. Adresse Kuhstraße 21 in Straelen, Telefon 02834 6598. Aktiv werden Mittwochs um 10 Uhr trifft sich der Freundeskreis Stadtarchiv. Wer Interesse an der Geschichte Straelens hat und am Lesekursus ist willkommen. Die Forscher alter Schriften Alle paar Wochen treffen sich die Freunde des Stadtarchivs zu einer besonderen Lesestunde. Bernhard Keuck packt alte Texte aus, gemeinsam wird entziffert und gerätselt. Vor sich hat Straelens ehemaliger Stadtarchivar Bernhard Keuck jede Menge Texte ausgebreitet. Das Material ist Bände füllend, das Thema mehr als einen Abend füllend. Das Besondere an den Texten ist, dass sich der Leser mit dem ersten Eindruck: „Oh je, unlesbar“ abwenden würde, wenn es da nicht Bernhard Keuck gäbe. Der trifft sich alle paar Wochen mit den Freunden des Stadtarchivs und bringt ihnen Lesen bei. Lesen meint, das Lesen dieser besonderen Texte. Alle Schriftarten haben ihren eigenen Namen und ihre Besonderheiten. Da gibt es zum Beispiel die Deutsche Schrift, oder Sütterlin. Die kennen viele noch. Die Schriftart ist aber nicht die einzige Herausforderung, eine weitere ist die Sprache. „Niederländisch und Latein“, zählt Keuck auf, welche Sprachkenntnisse von Vorteil sind. Aber auch Französisch, immerhin war Straelen von 1794 bis 1814 unter französischer Verwaltung. Abkürzungen und, nun ja, eine unleserliche Handschrift erschweren den Historikern außerdem das Leben. Aber wer sich erst einmal durch all diese Widrigkeiten durchgebissen hat, der wird viel Neues, Spannendes und manches Kuriose entdecken. Keuck zieht einen der Zettel hervor und verteilt Kopien von der Schrift an die Freunde des Stadtarchivs. Dabei handelt es sich um eine Bekanntmachung aus dem Jahr 1820 durch den Bürgermeister der Gemeinde (!) Straelen. „Um in den bevorstehenden Kirchweihtagen die gute Ordnung und Ruhe aufrecht zu erhalten, auch jeden auf seine Pflichten aufmerksam zu machen“ lautet der Textbeginn, und der gibt die weitere strenge Richtung vor. Kirchweihtage, so hieß damals die Kirmes, erklärt Keuck. Tanzen und laute Musik waren nur bis ein Uhr nachts erlaubt und nur mit vorheriger Genehmigung. Bei Schlägerei wurde die Wirtsstube für die nächsten Tage dicht gemacht. „Die Preußen hatten Sorge, dass die Bruderschaften auf den Tischen tanzen“, erklärt Keuck das rigorose Durchgreifen. Schnell wird beim Lesen der Texte klar, es geht nicht nur um den Inhalt, sondern auch viel um das Begreifen, warum und wie damals gehandelt wurde. Die Texte sind ein Spiegel ihrer Zeit. Genau deswegen kommt Willi Rosengarten regelmäßig zu den Abenden im Stadtarchiv. „Eintauchen in die Geschichte“ nennt er das, was da passiert, wenn die Schriften entziffert werden. „Die Zusammenhänge durchleuchten“ lautet seine Beschreibung. „Hier erfährt man viel darüber, wie die Leute früher gelebt haben, wie das Zusammenleben war“, sagt Barbara Morbach über die Lesestunden im Archiv. Und manchmal schließen die Texte manche Lücke. „Wie war das zum Beispiel nach dem Krieg, da war ja keiner mehr da“, sagt Karin Doherty über die Zeit, als die Straelener evakuiert worden sind. Auch Besucher Jürgen Coenes eint mit den anderen das Interesse an Geschichte, auch an der Weltgeschichte. Keuck zieht einen Artikel von der Niederrheini- schen Landeszeitung vom 30. Juni 1914 hervor, der über die Ermordung des österreichischen Thronfolgers und sei- ner Gemahlin berichtet. Aber natürlich reizt auch die Geschichte vor der eigenen Haustür. Keuck kündigt ein weiteres beeindruckendes Schriftstück an. „Es hat lateinische Buchstaben in einer sehr eigenwilligen Schrift.“ Als „sehr malerisch“ beschreibt Karin Doherty die Aneinanderreihung der Buchstaben. In dem Schreiben aus dem 17. Jahrhundert geht es um einen Sekretarius, der auf dem Weg zwischen Roermond und Kevelaer in einer Straelener Gaststätte Station macht, offensichtlich lecker gegessen hat, aber seine Rechnung offen ließ. Ob der Wirt das Geld je bekommen hat, darüber erfährt der Leser nichts, aber vor dem inneren Auge entstehen Bilder aus vergangenen Zeiten. Als Hausaufgabe bekommen die Anwesenden noch ein Publikandum mit, in dem es um Pfarrer Tillmanns geht. Der Straelener Fundstücke aus dem Straelener Stadtarchiv. Stöbern in einer Fundgrube des Stadtarchivs: Barbara Morbach, Bernhard Keuck, Willi Rosengarten, Jürgen Coenes, Karin Doherty und Kalli Geerkens (von links). Geistliche erlangte dadurch Berühmtheit, weil er es gewagt hatte, an der holländischen Sprache festzuhalten, während die Preußen die deutsche Sprache einführten, um die niederländische zurückzudrängen. Über den Bischof von Münster wurde Tillmanns mitgeteilt, dass er keinen Gottesdienst mehr halten durfte. „Eine bizarre Affäre, die immer wieder in den historischen Schriften über Straelen behandelt wird“, sagt Keuck. Zum Abschluss des Abends hat er noch etwas zum Schmunzeln und zaubert aus einem der vielen Ordner einen „immerwährenden Trächtigkeitskalender“. Auf einen Blick ist zu sehen, wann Nachwuchs bei Pferd, Rind, Schwein oder Schaf zu erwarten ist. Lehrreich sind sie, die alten Schriften, und immer wieder für eine Überraschung gut. Man muss sie nur zu lesen wissen. TEXT BIANCA MOKWA; FOTOS GOTT- FRIED EVERS

nser STRAELEN NEUES VON DER CARITAS 11 ANZEIGE Straelens soziale Seite präsentiert vom Caritasverband Geldern-Kevelaer e.V. Filmabend voller Erinnerungen Einmal im Monat werden im Marien-Haus in Straelen alte Filme gezeigt. Sie berichten von großen Festen in der Blumenstadt. INFOS Rat und Hilfe im Caritas-Centrum Wo Caritas-Centrum Straelen an der Marienstraße 61 in Straelen, ☎ 02834 915190. Allgemeine Sozialberatung – in Straelen am Dienstag, 10 bis 12 Uhr, und am Donnerstag, 14 bis 16 Uhr – in Wachtendonk am Dienstag, 14 bis 16 Uhr. Schuldnerberatung, Integration/Migration, Erziehungsberatung, Familiendienst; Freiwilligen-Zentrum, Fachdienst Gemeindecaritas Die individuelle Beratung erfolgt nach Terminvereinbarung (☎ 02834 915190). Integrationssprachkursus Gemischter Integrationssprachkursus für Frauen und Männer seit Januar, Anmeldung unter ☎ 02834 915190. Caritas-Pflegeteam Straelen Franziskanerstraße 2 in Straelen, Auskünfte unter ☎ 02834 3118860. Die Filme haben manchen Wiedererkennungseffekt für die Bewohner des Marien-Hauses in Straelen. Gäste sind gerne willkommen. MITARBEITER Immer am ersten Donnerstag im Monat reisen die Senioren im Marien-Haus in Straelen ein halbes Jahrhundert in der Zeit zurück. Im Café Marienpark werden dann alte Filme aus Straelen gezeigt, und bei den Bewohnern wird so manche Erinnerung wieder lebendig. Wie zum Beispiel bei Brigitte Grimm. Die Seniorin ist heute 71 Jahre alt und lebt im Marien- Haus. Aber als sie den alten Schwarz-Weiß-Film über die Leinwand flimmern sieht, kann sie ihr Glück kaum fassen. Denn der Film zeigt Aufnahmen vom Straelener Schützenfest 1963, als Brigitte Grimm – damals noch 17 Jahre jung – Hofdame war. „Ich musste damals extra eine Genehmigung von meinen Eltern vorzeigen, damit ich ins Festzelt durfte. Ich war ja noch nicht volljährig“, erinnert sich Brigitte Grimm. „Schade nur, dass die Filmaufnahmen schwarz-weiß sind.“ Auch die anderen Bewohner rätseln während der Filmvorführung immer wieder, wer denn dieser Schütze oder jene Hofdame ist. Übrigens: Die Uniformen und Hüte der Schützen sehen Ein großer Teil der Filme stammt von Kurt Rieger, der seinerzeit auf der Kuhstraße eine Drogerie und ein Fotolabor betrieb. In seiner Freizeit fotografierte und filmte er leidenschaftlich gerne, besonders alle wichtigen Straelener Ereignisse. So fanden Geerkens und Coenes nicht nur Aufnahmen von verschiedenen Schützenfesten, sondern auch von einem Fronleichnamsfest, einem Blumenkorso, von Karnevalsumzügen und vom Straelener Stadtbild vor der Sanierung. Da es aber heute kaum noch Abspielgeräte für solch alte Achtheute noch genauso aus wie vor 50 Jahren. Doch die Damenmode und die Hochsteckfrisuren von damals wirken wie aus einer anderen Zeit. Entdeckt haben diese alten Filme Karl Geerkens und Jürgen Coenes, die beide ehrenamtlich im Straelener Stadtarchiv arbeiten. Dort stießen die Hobby-Historiker auf einen vergessenen Schatz mit alten Filmschnipseln. Viele Straelener Bürger haben über die Jahre alte Filme von Familienfeiern oder aktuellen Ereignissen des Stadtgeschehens dem Archiv an der Kuhstraße zur Verfügung gestellt, wo sie erst jetzt wiederentdeckt wurden. Im Film ist Brigitte Grimm (links) als Hofdame zu sehen beim Straelener Schützenfest im Jahre 1963. Millimeter-Filme gibt, mussten Geerkens und Coenes die Filme zunächst aufwändig digitalisieren, um sie den Menschen in der Stadt wieder zugänglich zu machen. Im Café Marienpark kommen dabei regelmäßig Heimatgefühle und Kinoatmosphäre zusammen. Während die Bewohner bei den Aufführungen in Erinnerungen schwelgen, gibt es Popcorn und Eiskonfekt, Kaffee und Kuchen – die gute alte Kinozeit und die Erinnerungen daran sind zurück. Die Stummfilme werden munter und kurzweilig von Karl Geerkens kommentiert – sehr zur Freude der überwiegend älteren Zuschauer. Die Filmvorführungen sind – ebenso wie das Café Marienpark – auch stets für Gäste offen. Interessierte sind herzlich eingeladen, an jedem ersten Donnerstag im Monat dabei zu sein. Ab 15 Uhr flimmern die Bilder der alten Streifen über die Leinwand. Und jedesmal aufs Neue fällt „Kalli“ Geerkens eine nette Anekdote ein. Unterhaltung, wie sie netter gar nicht dargeboten werden kann. Anna Maria Straeten begleitet alte Menschen im Marien-Haus in Straelen. Ich arbeite bei der Caritas, weil . . . . . . sie mir viele interessante Begegnungen mit Menschen ermöglicht und die Hilfe und Begleitung der Bewohner im Vordergrund steht. An Straelen mag ich besonders, dass ... . . . mir viele Mitbürger persönlich bekannt sind. Straelen ist meine Heimat, hier fühle ich mich wohl. Ich bin in Straelen zu Hause.

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