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Vive La France

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10 Französischer

10 Französischer Supermarkt-Rebell Alain Caparros gibt nach elf Jahren die Führung des ewe-Konzerns ab. Der französische Manager hat den deutschen Einzelhandel geprägt wie kaum ein anderer. as hat es nicht an feinen Umschreibungen für den Charakter des Alain Caparros gegeben. „Alphatier“ und „Sonnenkönig“ hat an ihn genannt, ihn als achtbewusst beschrieben, zum „Rebell im Supermarkt“ hochstilisiert, als er gegen Edeka, Tengelmann und Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel um die Märkte von Kaiser’s Tengelmann kämpfte und am Ende immerhin 60 Kaiser’s-Märkte für Rewe hinzugewann. Alain Caparros, da kann man sicher sein, ist sich seiner sicher. Am Ende ist sogar der vorzeitige Abgang des Konzernchefs Ende Juni (urprünglich wollte Caparros bis Ende 2018 bleiben) vermutlich auf sein großes Ego zurückzuführen. Nach elf Jahren als Vorstandsvorsitzender sieht er seine Mission beim Kölner Handelskonzern Rewe erfüllt. Eineinhalb Jahre, während derer alle nur darauf warten, dass er endlich geht und Platz macht für seinen längst auserkorenen Nachfolger Lionel ouque – nein, das hätte nicht zum Selbstverständnis des Alain Caparros gepasst. besser könne es für ihn doch nicht mehr werden, sagen Insider. Der Manager, in Algerien geboren und 1962 mit seinen Eltern wegen des Unabhängigkeitskrieges nach Frankreich geflohen, war stets ein Pendler zwischen den Welten, ein Grenzgänger zwischen dem Deutschen und dem Französischen. Er hat in Metz und Saarbrücken studiert, er hat für Yves Rocher genauso gearbeitet wie für Aldi, er kennt die Handelswelten beider Länder und hat so manches, was er im französischen Supermarché kennenlernte, im deutschen Einzelhandel umgesetzt. So hat wohl die Idee, es könnte auch andersherum gehen, Spekulationen befeuert, Caparros könnte Chef beim französischen Handelsriesen Carrefour werden. Aber Caparros ließ keinen Zweifel daran, dass seine Karriere an einer Unternehmensspitze generell vorbei sein wird: „Ich habe genug verdient und will nicht mehr operativ arbeiten und mich mit Aufsichtsräten herumschlagen müssen. Nein, Danke.“ Dass das neue Zuhause des Wahldeutschen (seit 2015 hat er sowohl einen deutschen als auch einen französischen Pass) nicht Köln, sondern Düsseldorf geworden ist, liegt wohl daran, dass die Landeshauptstadt eine französische Schule hat. Er ist Einer, bei dem von der gern zitierten Rivalität zwischen den rheinischen Metropolen nichts zu spüren ist. Ob er eines Tages nach Frankreich zurückkehrt, ist offen, aber derzeit kein Thema: „Wenn ich mir die politischen Verhältnisse anschaue, bin ich froh, dass ich hier bin“, hat Caparros jüngst gesagt. Und dass er sich der Flüchtlingspolitik Frankreichs schäme. Das klingt nicht nach übergroßem Heimweh. FOTO: IMAGO M w v v Caparros hat Rewe nach chwierigen Jahren zurück in die Erfolgsspur geführt, die Führungsquerelen beendet. Aus einem Konzern, dessen Image in den ersten Jahren des neuen Jahrtausends unter Korruptionsaffären litt, achte der 60-jährige Maager ein Unternehmen, das tabil Gewinn einfährt und für alle Herausforderungen der Zukunft gewappnet scheint. Caparros verabschiedet sich auf dem Höhepunkt. Wirklich b

11 Provinz glänzt mit Kultur aus Paris Die Außenstelle des Centre Pompidou lockt Hunderttausende nach Metz. an muss auch mal Glück haben dürfen, als Region, die wegen der verblichenen ohleindustrie immer noch in Schmuddelkind-Image at. Lothringens wirtschaftiche und touristische Enticklung löste in Paris über iele Jahre eher Gähnen aus. och dann war da der aus der othringischen Hauptstadt etz stammende Jean-Jacues Aillagon. Der machte n den 80er Jahren nicht nur m Pariser Centre Pompidou arriere, am feinsten und eichsten französischen Haus ür moderne Kunst. Aillaon wurde dann 2002 auch ranzösischer Kulturminiser. Damals entdeckte man n Frankreich das Thema ezentralisierung und damit erbunden auch die touritische Aufwertung der Reginen. s war dann aber wohl doch auptsächlich der Aillaon-Heimvorteil, der daür sorgte, dass Metz vor der ordfranzösischen Metropoe Lille das Rennen machte, ls es um die Gründung von weigstellen des Centre Pomidou ging. 2010 eröffnete räsident Nicolas Sarkozy ie erste und bislang einzige ependance von Frankreichs erühmtestem Ausstelungsort für moderne Kunst, inen 70 Millionen teuren, architektonisch ambitionierten Neubau. Es wurde ein Fest der Superlative: 700 Meisterwerke wurden herangeschafft, im ersten Jahr nach der Eröffnung wollten 850.000 Menschen das Wunder von Metz sehen. Kein anderes Museum außerhalb von Paris hatte eine derartige Resonanz. Zwischenzeitlich hat sich der Effekt etwas abgeschwächt, aber immer noch pilgern rund 300.000 Besucher pro Jahr nach Metz, um das Museum zu sehen. Eine Erfolgsgeschichte, die im Grunde auf einem Problem beruht: Das Pariser Stammhaus erstickt nahezu an seinen Kunstschätzen – 120.000 Objekten. Vieles davon muss in den Depots vergraben werden. Warum also den Reichtum nicht breiter verteilen, damit er besser zur Geltung kommt? Die Ausstellungen in Metz sind meist nicht als klassisch-puristische Kunst-Präsentationen angelegt, man schlägt Brücken zu Geschichte und Wissenschaft. Noch populärer als das Programm selbst ist freilich der Museumsbau. Der riss die bis dahin eher gemütliche Hauptstadt des Départements Moselle aus ihrer touristischen und städteplanerischen Trägheit. Ein internationales DIE ERFOLGS- GESCHICHTE DES CENTRE IN METZ BERUHT IM GRUNDE AUF EINEM PROBLEM: DAS PARISER STAMM- HAUS ERSTICKT AN SEINEN KUNSTSCHÄTZEN, INSGESAMT 120.000 OBJEKTEN Chinesischer Hut oder Zeltdach? Jeder kann im Metzer Centre Pompidou erkennen, was er möchte. FOTO: DPA/JÖRG FISCHER Architekten-Trio – Shigeru Ban (Tokio), Jean de Gastines (Paris), Philip Gumuchdjian (London) – entwickelte den 10.000 Quadratmeter umfassenden Museumskomplex. Von weitem erinnert er an ein gigantisches Zirkuszelt. Das filigrane Holztragwerk ist netzartig mit einer weißen Außenhaut überspannt und wurde angeblich einem chinesischen Hut nachempfunden. Eingehängt sind drei rechteckige Ausstellungsgalerien, die imponierende 5000 Quadratmeter Platz bieten. Meist laufen zwei oder drei Projekte gleichzeitig. Anspruch und Fülle, die wahrlich pariserisch anmuten und in den Museen der Großregion, die bis nach Luxemburg reicht, kein Pendant finden. Zwischenzeitlich ist man in Metz sogar selbstbewusst genug, um sogar in Paris, am Gare de L’Est, für Metzer Ausstellungen zu werben. Wer dort in den TGV einsteigt, ist in rund eineinhalb Stunden in der Provinz, die sich einen Platz unter der französischen Kultursonne erkämpft hat. Cathrin Elss-Seringhaus

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