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Vive La France

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8 Die Pariser „Station

8 Die Pariser „Station F“ soll in diesem Jahr eröffnen und Arbeitsflächen für 1000 Start-ups bieten. Europas Silicon Valley liegt in Paris Frankreich hegt und pflegt seine dynamische Start-up- Szene. Allein in der Hauptstadt gibt es mehr als 5000 junge IT-Firmen. Und einige davon haben sich längst auch über die Grenzen des Landes hinausgewagt. F rankreich ist ein wunderbares Land, um ein Unternehmen zu gründen“, schwärmt Xavier Niel. Der Selfmademan muss es wissen, begann er doch bereits als Schüler, seine Geschäftsideen umzusetzen, die ihn später mit dem Telekom-Konzern „free“ zu einem der reichsten Franzosen machten. Niel gilt heute als der französische Steve Jobs. Von einer solchen Karriere träumen alle, die derzeit in Frankreich ein Start-up gründen. Und das sind viele: Rund 10.000 junge Firmen sind in den vergangenen fünf Jahren entstanden. „In Frankreich gibt es ein Ökosystem, das der Gründerszene hilft“, bemerkt Maïa Thomine Desmasures von Business France, der Agentur für die internationale Entwicklung der französischen Wirtschaft. Die öffentliche Investitionsbank BPI stellt Risikokapital zur Verfügung, und die großen Städte bieten Büroraum und Beratung in juristischen und Verwaltungsfragen. Allein in Paris, das pro Jahr 1500 Neugründungen zählt, gibt es mehr als 50 Bürogebäude, in denen Dutzende Start-ups arbeiten. Die „Station F“, errichtet in einem ehemaligen Bahndepot, ist ein solcher Komplex, in dem 1000 Start-ups unterkommen sollen - das weltweit größte Zentrum dieser Art. Dem Mega-Projekt von Xavier Niel, das noch vor dem Sommer eröffnet werden soll, haben sich bereits die Wirt-

9 IADVIZE In Düsseldorf hat sich das Start-up iAdvize angesiedelt. Im Factory Campus, wo sich viele verschiedene Start-ups ein Gebäude teilen, haben die Franzosen Anfang des Jahres ein paar Räume bezogen. Das Start-up wurde 2010 im französischen Nantes von Julien Hervouët und Jonathan Guérin gegründet. Sein Geschäft macht es mit Software, mit der sich die vielen verschiedenen Online-Kanäle, über die Kunden heute ein Unternehmen erreichen können, bündeln lassen. FOTOS: STATION F/PATRICK TOURNEBOEUF, AFP Gab es früher oft nur eine Telefon-Hotline, gibt es heute eine Vielzahl an Möglichkeiten, wie Kunden sich an das Unternehmen wenden können: Telefon, E-Mail, Twitter oder Facebook sind nur einige davon. 2500 Webseiten weltweit nutzen das System bereits, in Deutschland unter anderem der Reiseveranstalter Tui, die Versicherung Cosmos Direkt und die Umweltorganisation WWF. BLABLACAR Das französische Start-up, das 2006 von dem studierten Physiker Frédéric Mazzella gegründet wurde, ist längst ein großes, international agierendes Unternehmen. Anders als Drivy muss die Firma keine Autobesitzer überreden, ihre Fahrzeuge anzubieten – sondern nur deren Fahrer, andere Leute mitzunehmen, wie es seit Jahren schon von Mitfahrzentralen praktiziert wird. Anders als früher nimmt BlaBlaCar dafür allerdings seit Sommer 2016 auch in Deutschland Gebühren. BlaBlaCar ist inzwischen in 22 Ländern aktiv und hat weltweit 40 Millionen Nutzer. Der “Inkubator” NUMA bringt in Paris Investoren, Unternehmer und Forscher der Digitalszene zusammen. DRIVY Drivy wurde 2010 in Frankreich gegründet. Paulin Dementhon hatte die Idee, ein Carsharing-Angebot mit Privatfahrzeugen aufzubauen. Bei Drivy können Autobesitzer ihr Fahrzeug zur Vermietung anbieten, andere können es sich für einen Ausflug oder die Fahrt zum Möbelhaus leihen. 2015 startete der Dienst auch in Düsseldorf, Köln und Bonn, nachdem er zuvor schon in Berlin, München und Hamburg verfügbar war. Im vergangenen Jahr holte sich Drivy 31 Millionen Euro frisches Kapital. Damit will man nun durchstarten, damit die Zahl der 150.000 Nutzer in Deutschland weiter steigt. Florian Rinke FRANKREICHS START-UPS ZIEHT ES NACH DEUTSCH- LAND schaftshochschule HEC und Facebook als Partner angeschlossen. Niel, der jede Woche in zwei bis drei Startups investiert, gründete auch eine kostenlose Informatik-Schule für Menschen im Alter zwischen 18 und 30 Jahren. Vor allem junge Leute sind es, die sich in das Abenteuer Start-Up stürzen. „60 Prozent der Jugendlichen wollen heutzutage Unternehmer werden“, verkündete der Präsidentschaftskandidat Emmanuel Macron im Februar beim Besuch der Startup-Messe in Paris stolz. Die Gründerszene war immer schon sein persönliches Anliegen. Als Wirtschaftsberater im Elysée war Macron 2013 für die Schaffung des Labels „French Tech“ mitverantwortlich. Die staatliche Initiative mit dem roten Hahn als Symbol soll die französischen Start-ups vermarkten und zur Gründung neuer Unternehmen beitragen. „Frankreich beschränkt sich nicht nur auf Eiffelturm und Gastronomie, sondern hat auch eine dynamische Technologieszene“, lobt Thomine Desmasures. Das zeigen die French-Tech-Unternehmen selbstbewusst bei den angesagten Messen weltweit wie dem Mobile World Congress in Barcelona oder der Consumer Electronic Show CES in Las Vegas. Dort hatten die französischen Start-ups in diesem Jahr die zweitgrößte Delegation nach den USA - ein gutes Zeichen für ein Land, dessen Industrie an Glanz verloren hat. In der Liste der 500 wachstumsstärksten Start-Ups, die die Unternehmensberatung Deloitte zusammengestellt hat, kamen im vergangenen Jahr 94 Gründerfirmen aus Frankeich. Aus Großbritannien waren es 70, aus Deutschland nur 23. In der Liste steht auch BlaBlaCar, die größte Mitfahrzentrale Europas. Das französische Startup, das 2006 gegründet wurde, gehört inzwischen zu den jungen europäischen Technologieunternehmen mit einem Marktwert von mehr als einer Milliarde Dollar. Christine Longin

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