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22 WINTERZAUBER

22 WINTERZAUBER Sternschnuppen für Weihnachtswünsche Ralf Kreuels ist ein Fachmann für das Universum. Der Kempener hat die Astronomie als Hobby. Die Zeit bis zum dritten Adventswochenende sind für ihn ganz besondere Tage. Denn dann sind Stern schnuppenströme angesagt. Foto: Thinkstock, Fotolia Wenn Ralf Kreuels in seinem Garten die Montierung von ihrem Wetterschutz befreit und sein Teleskop aufschraubt, dann strahlt der Kempener über das ganze Gesicht. „Es ist einfach immer wieder aufs Neue faszinierend, den Himmel zu beobachten“, sagt der Kempener und schwärmt davon, nachts in einer Höhe von knapp 3000 Meter auf der Isomatte zu liegen und in ein solches Sternenmeer zu blicken, dass man noch nicht einmal die einzelnen Sternbilder erkennt. Wenn Mengen von Sternen funkeln und dies sogar in bunt oder er den Sternenhimmel auf der Südhalbkugel der Erde erlebt, wo die Milchstraße so hell ist, dass sie sogar Schatten wirft – all das sind Dinge, die man nicht vergisst. Den Weihnachtsstern, der einst die Weisen aus dem Morgenland zum Stall von Bethlehem führte, hat Kreuels zwar noch nicht entdeckt, aber dafür beinahe einen neuen Kleinplaneten. „Beim Fotografieren ist er mir ins Bild gelaufen. Ich habe daraufhin in den Kleinplanetenkatalogen nachgeschlagen und konnte ihn nicht finden“, erzählt der 53-Jährige. Er rief im Max- Planck-Institut für Astrophysik in Heidelberg an und bekam die Antwort, dass dieser Kleinplanet erst vor kurzem entdeckt worden war. Legendäres Raumschiff Orion im Blick Die Leidenschaft vor Astronomie packte den gebürtigen Krefelder vor 40 Jahren. „Ich war 13 Jahre alt, als ich mein erstes Teleskop geschenkt bekam. Zu Weihnachten“, erinnert sich Kreuels. Er beobachtet nicht nur den Himmel, sondern auch die Tauben auf dem Dach, und selbst beim Fernsehverbot griff er als Schüler auf sein Teleskop zurück. Die Nachbarn sahen nämlich Raumschiff Orion und er schaute mit. „Zwar als Stummtheater, aber die Gesten waren so klar, dass ich alles mitbekam“, erzählt er schmunzelnd. Während andere Jugendliche, die ebenfalls im Besitz eines Teleskops waren, die Begeisterung für Sterne und Co wieder verließ, erarbeitete sich Kreuels das nächste Gerät mit Rasen mähen, Auto waschen und anderen Kleinaufgaben. Er wurde Mitglied in der Jugendgruppe der Vereinigung Krefelder Sternfreunde, verschlang Fachliteratur, unternahm Ausflüge in die Eifel, um den Sternhimmel zu studieren und kaufte sich den ersten Fotoapparat, um durchs Teleskop fotografieren zu können. In Essen folgte das Studium Kommunikationsdesign. Die Astronomie rückte etwas in den Hintergrund, war aber immer präsent. Ob Mondoder Sonnenfinsternis oder weitere Himmelsbeobachtungen – Kreuels Blick ging immer nach oben, wenn er in seinem Beruf als Fotograf in der Welt unterwegs war oder daheim verweilte. „Wenn man einmal von diesem Virus befallen ist, dann lässt er einen nicht mehr los“, bemerkt der 53-Jährige. Sternschnuppen-Regen vor Weihnachten Als er nach Kempen zog, wurden die Bedingungen für heimische Beobachtungen besser. Ein klarer Himmel, weniger Lichtverschmutzung und der Einzug der Digital-

WINTERZAUBER 23 technik gaben dem Hobby einen neuen Aufschwung. An sein erstes Astrofoto mittels Digitaltechnik kann sich Kreuels noch genau erinnern. „Das war ein solches Aha- Erlebnis für mich. Die Sterne blieben rund und waren nicht nur als Striche zu sehen, wie es früher beim Fotografieren der Fall gewesen war. Ich konnte die Galaxie mit Spiralarmen sehen. Das war ein toller Moment“, erzählt er voller Begeisterung. Im Laufe der Jahre wurde das Fachwissen immer größer. Seine Frau und seine beiden Töchter konnte er mit seiner Liebe zu den Sternen zwar nicht anstecken, aber den neunjährigen Nachbarsjungen. Wenn Kreuels am Wochenende daheim Himmelsbeobachtungen macht, dann schaut der junge Sternenfreund stundenlang mit ins Universum. Da rückt sogar Weihnachten ein wenig in den Hintergrund, denn das astronomische Ereignis ist nicht der 24. Dezember, sondern die Zeit davor. Vom 2. bis 12. Dezember bewegt sich die Erde durch eine Wolke aus Staub und kleinen Krümeln von Kometen. Und das gibt bekanntermaßen Sternenschnuppen. „Sie sind in dieser Zeit besonders hell und schön. Da es früher dunkel wird, hat man lange etwas davon“, freut sich Kreuels. BIANCA TREFFER Info In Krefeld gibt es die Vereinigung Krefelder Sternenfreunde, die Ansprechpartner für die Astronomie sind. Jeden ersten Miwoch im Monat tri sich zudem der Astrostammsch Moers im Restaurant „An der neuen Mühle“, An der neuen Mühle 22, in Moers. Los geht es um 19 Uhr. Interessierte können einfach vorbeischauen. Wenn Ralf Kreuels das Teleskop im Garten startklar macht, dann reist er für Stunden ins Universum. Foto: Treffer

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