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Wirtschaft in Nordrhein-Westfalen -29.06.2018-

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8 | DAS PORTRÄT

8 | DAS PORTRÄT RHEINISCHE POST | WIRTSCHAFT NR. 10 JUNI 2018 Die Brückenbauerin Margit Wennmachers wuchs als Tochter eines Schweinebauern in einem kleinen Dorf an der niederländischen Grenze auf. Heute gehört sie zu den einflussreichsten Frauen im Silicon Valley. Wie hat sie das gemacht? VON FLORIAN RINKE Irgendwo zwischen Brüxgen und der Bay Area ist etwas mit Margit Wennmachers passiert. Denn natürlich hätte ihre Geschichte auch einen ganz anderen Verlauf nehmen können, das weiß die 53-Jährige selbst. „Meine ganze Biografie ist ein Zufallsprodukt. Es haben sich immer wieder Chancen ergeben, die ich ergriffen habe“, sagte sie mal. Und so wurde aus der Tochter eines Landwirts im äußersten Westen von Nordrhein-Westfalen eine der einflussreichsten Frauen im Tech-Mekka Silicon Valley. Wennmachers arbeitet für Andreessen Horowitz, eine der berühmtesten Investmentfirmen aus dem Silicon Valley. Die Firma liegt an der legendären Sand Hill Road, dort, wo aus vielen Träumen Unternehmen werden. Andreessen Horowitz half beim Aufbau des Kurznachrichtendienstes Twitter, des Gutscheinportals Groupon oder der Wohnungsplattform Airbnb – und investierte auch in das soziale Netzwerk Facebook. Mit dem Geld und den Kontakten von Andreessen Horowitz werden Unternehmen geschaffen, die nicht weniger wollen, als die Welt zu verändern. Und mittendrin: die gebürtige Deutsche aus dem Kreis Heinsberg. Wenn sie von der Digitalisierung spricht, von den Chancen durch neue Technologien, dann spürt man: Das sind nicht nur Phrasen Die Geschichte von Margit Wennmachers beginnt in Gangelt-Brüxgen, einem kleinen Örtchen nahe der niederländischen Grenze. Es gibt hier nicht viel, ein Naturschutzgebiet in der Nähe des Saeffeler Bachs, überhaupt reichlich Natur, Start-ups dagegen weniger. Und während in Margit Wennmachers neuer Heimat, dem kalifornischen San Francisco, mehr als 7000 Einwohner auf einem Quadratkilometer leben, sind es im gesamten Ortsteil Brüxgen gerade einmal knapp 500. Ihr Vater war Landwirt, ein Schweinebauer, weil das mit dem Pilzezüchten nicht geklappt hat. „Die Stadt ist so klein, dass die Telefonnummer meines Vaters aus drei Ziffern bestand“, erzählte sie mal dem „San Francisco Chronicle“ scherzhaft. „Jetzt hat sie vier.“ Wennmachers lebte das normale Leben eines Mädchens vom Dorf, ging zur Schule, traf sich mit Freundinnen – und machte 1984 am Gymnasium St. Ursula im nahe gelegenen Geilenkirchen ihr Abitur. Die Abschlussnote war nicht sonderlich spektakulär, aber sie reichte, um im zweieinhalb Autostunden entfernten Lippstadt einen Studienplatz zu ergattern. In Ostwestfalen studierte sie gemeinsam mit ihrer besten Freundin Fremdsprachen. Sie hatte ein Talent dafür. Wer sie heute reden hört, kann ihre deutschen Wurzeln nur mit Mühe erahnen. Die langen Jahre in den Vereinigten Staaten haben sich nicht nur in ihrem Akzent bemerkbar gemacht, sondern auch einige deutsche Vokabeln aus ihrem Gedächtnis getilgt. Besucher der Digitalkonferenz DLD in Deutschland begrüßte sie vor einiger Zeit aber trotzdem mit einem Lächeln und einem „Grüß Gott“. Dennoch spricht Margit Wennmachers lieber Englisch als Deutsch. Aber ist das ein Wunder? Inzwischen lebt die 53-Jährige länger in ihrer neuen als in ihrer alten Heimat. Dass sie 1991 in die USA ausgewandert ist, bezeichnet sie rückblickend als ihre wichtigste Entscheidung. „In Deutschland hätte ich nicht die Möglichkeit Das Land passt zu meinen Ambitionen Margit Wennmachers über die Gründe, ihr Glück in Amerika zu suchen STILPRÄGEND Barfuß in Flower-Power-Hose vor der Golden Gate Bridge: Margit Wennmachers ist längst von ihrer neuen Heimat Kalifornien geprägt – das zeigt sich in ihrem Kleidungsstil ebenso wie in ihrem Akzent. Doch auch sie hat der Region ihren Stempel aufgedrückt: Die heute 53-Jährige gilt als Erfinderin des Silicon-Valley- Mythos. Als Chefin einer PR-Agentur trug sie maßgeblich zum sympathischen Image zahlreicher Start-ups bei. Laif Ruckzuck ist einfach. sparkasse.de/kwitt Weil man Geld schnell und leicht per Handy senden kann. Mit Kwitt, einer Funktion unserer App.* * Gilt nur zwischen deutschen Girokonten. gehabt, meinen eigenen Weg zu gehen und unabhängig zu werden. Das Land passt zu meinen Ambitionen“, sagte Wennmachers mal in einem Interview. Das Land der unbegrenzten Möglichkeiten hat sich für die Frau aus NRW tatsächlich als solches erwiesen. Und so spricht sie nicht nur wie eine Amerikanerin, sondern tickt auch so. Wer ihr zuhört, wie sie über die Digitalisierung redet, über die Chancen durch neue Technologien, der merkt, dass die PR-Expertin hier nicht nur Phrasen drischt. Wobei – würde man es wirklich merken? Immerhin versteht es kaum jemand so gut wie Wennmachers, Geschichten zu erzählen. Sie gilt als Erfinderin des Silicon-Valley-Mythos, weil sie Gründern mit ihrer Kommunikationsagentur dabei half, sich ein sympathisches Image zuzulegen. Eine gute Geschäftsidee allein reicht nicht, glaubt Wennmachers. Man muss eine Geschichte erzählen. Darin ist sie perfekt 1997 gründete sie ihre Firma, deren Name das Selbstverständnis ihrer Arbeit auf den Punkt brachte: Outcast Communications. Damals existierte das Silicon Valley zwar bereits, aber es hatte längst nicht diesen magischen Ruf, den es heute genießt. Outcasts, Ausgestoßene, das waren die Nerds, die Wennmachers beriet, die lange keiner ernst nahm. Wennmachers tat es – und half ihnen dabei, eine Geschichte um ihre Idee herum zu entwickeln. Denn die gebürtige Deutsche wusste: Eine gute Idee konnte aus ein paar Codezeilen bestehen, doch für ein gutes Unternehmen, das vielleicht gar Investoren an der Börse überzeugen sollte, brauchte es mehr. So wurde Outcast Communications zu einer der einflussreichsten Stimmen der Techbranche, das Unternehmen begleitete unter anderem den Cloudsoftwareanbieter Salesforce bei seinem Aufstieg – und Wennmachers Co-Gründerin wurde später Kommunikationschefin bei Facebook. Im Laufe der Zeit wurde die gebürtige Deutsche so immer mehr zur Start-up-Expertin. Das Wissen eignete sie sich über den Job an – und manchmal half auch der Zufall. Ihr technisches Know-how, verriet sie einmal, habe sie von ihrem ersten Freund vermittelt bekommen, einem amerikanischen Ingenieur. Dieser habe ihr die Computerarchitektur erklärt. Jungen Frauen rät sie trotzdem, sich frühzeitig mit technischen Berufen auseinanderzusetzen, sich ein Netzwerk aufzubauen. Nur so lässt sich aus ihrer Sicht der Frauenanteil in der männerdominierten Techbranche steigern. Sie selbst kann für viele junge Frauen dabei zum Vorbild taugen. Denn einerseits gilt Wennmachers als exzellente Netzwerkerin. Regelmäßig, schrieb der „San Francisco Chronicle“ vor einigen Jahren, lade die al- leinerziehende Mutter zu edlen Sechs-Gänge-Menüs zu sich nach Hause ein, wo sich dann eine handverlesene Gästerunde diskret austauschen kann, unter ihnen Geschäftsführer und millionenschwere Investoren. Smartphones oder Tablets müssen vorher mit der Jacke abgegeben werden. Dieses Talent, verriet sie mal dem „Manager Magazin“, habe sie sich antrainieren müssen: „Ich bin eigentlich introvertiert, aber als Mauerblümchen kommst du in diesem Land nicht weiter.“ Und andererseits ist sie gleichzeitig eine erfolgreiche Gründerin. Denn die von ihr mitgegründete PR-Agentur wurde 2005 für zehn Millionen US-Dollar von einem britischen Kommunikationskonzern gekauft. Drei Jahre später begann nach dem Leben in Deutschland und dem Leben als PR-Beraterin das dritte Leben von Margit Wennmachers: 2008 traf sie Marc Andreessen und Ben Horowitz in einem Café in Palo Alto. Die beiden waren damals auf der Suche nach einer PR-Agentur, um für ihren neuen Fonds die Werbetrommel zu rühren. Denn mitten in der Finanzkrise wollten sie von Investoren 300 Millionen Dollar einsammeln – und sich endgültig neben den großen Wagniskapitalgebern im Silicon Valley einen Namen machen. Wennmachers half. Der Rest ist Geschichte. 2010 stieg sie bei dem Risikokapitalgeber Andreessen Horowitz als Partnerin ein. Ein Investment in den Videotelefoniedienst Skype wurde zum Erfolg, später kamen Beteiligungen unter anderem an Facebook und Twitter hinzu. Und parallel arbeitete Wennmachers an der Marke des Venture-Capital-Gebers. Die Gründer traten in den Medien als Techexperten auf, kommunizierten und wirkten damit so ganz anders als die verschwiegene Konkurrenz. Man sei anders als die Konkurrenz, sagte sie mal. „Wir halten die Augen auf nach allem, was ein bisschen neben der Spur ist“, beschrieb sie den Fokus der Firma mal im „Handelsblatt“. Man suche nach dem Unerwarteten. Dabei investiert man gern in Firmen in der Frühphase, also in Seed-Runden oder Series A. Da ist das Risiko zu scheitern, noch besonders hoch – allerdings gleichzeitig auch die Aussicht auf Gewinn. Margit Wennmachers hat daher eine Strategie entwickelt, um die guten Gründer von den Möchtegern-Machern zu unterscheiden. Bevor sie in ein Start-up investiere, erzählte Wennmachers mal, stelle sie eine entscheidende Frage: „Wie hoch ist der Preis, zu dem Sie verkaufen würden?“ Es ist eine Fangfrage, denn nennen die Gründer eine Summe, zeigen sie damit aus Sicht der gebürtigen Deutschen, dass es ihnen nicht in erster Linie um das Produkt geht, sondern darum, Geld zu verdienen. Wer falsch antwortet, verspielt seine Chance. Margit Wennmachers hat ihre ergriffen.

Branchencheck RHEINISCHE POST | WIRTSCHAFT NR. 10 | JUNI 2018 | SEITE 9 Kontaktlos an der Kasse Neue Girocards sollen das Bezahlen beschleunigen: Handel und Banken setzen auf NFC-Chips. SEITE 12 Fünf Stunden Arbeit, acht Stunden Gehalt Vormittags konzentriert am Schreibtisch, nachmittags frei — eine Bielefelder IT-Agentur erprobt ein revolutionäres Arbeitszeitmodell. Und sammelt viele positive Erfahrungen. VON MILENA REIMANN Ein Dienstagnachmittag, kurz nach 16 Uhr, und Lasse Rheingans telefoniert noch immer. Nicht ungewöhnlich für den Chef einer IT-Agentur – wäre Rheingans nicht auch der Vorreiter des Fünf-Stunden-Arbeitstags und hätte eigentlich seit 13 Uhr Feierabend. „Ich muss zugeben: Bei mir persönlich klappt das alles nicht so gut“, sagt er. Acht bis zehn Stunden pro Tag arbeitet er nach wie vor. Doch bei seinen Mitarbeitern sieht das ganz anders aus. Seit Oktober 2017 läuft das Experiment: Die Angestellten der IT-Agentur Rheingans Digital Enablerin Bielefeld arbeiten jeden Tag nur fünf Stunden – bekommen aber acht bezahlt. Ihr Chef Lasse Rheingans hat die 40-Stunden-Woche abgeschafft. Seither arbeitet das Team konzentriert von acht bis 13 Uhr. Wenn andere in die Mittagspause starten, haben sie bei der Agentur schon Feierabend. Rheingans sagt, seine Mitarbeiter schaffen fast die gleiche Arbeitsmenge wie früher. Wie kann das funktionieren? Das will Professor Sascha Armutat von der Uni Bielefeld herausfinden. Er begleitet das Experiment wissenschaftlich, eine Bachelor- und eine Masterarbeit sind geplant. Die Ausgangsfrage sei, was alles in einem normalen Acht-Stun- den-Tag drin ist – und was davon in einen Fünf-Stunden-Tag passt. Neben der eigentlichen Arbeit sind da ja auch noch die Kaffeepause, der Griff zum Privathandy oder der Blick in die Onlinenachrichten. Und genau hier setzt Rheingans an. Konferenzen werden in der Agentur seit Oktober meist auf 15 bis 30 Minuten begrenzt. Die Smartphones lassen die Mitarbeiter nun am Vormittag in der Tasche. E-Mail-Benachrichtigungen werden ausgeschaltet, die Mails checkt jeder nur noch zweimal am Tag. Wer sich beim Kaffeeholen in der Küche trifft, hält die Gespräche kurz – „auch aus Respekt vor der Arbeit des anderen“, sagt der 37-Jährige. Aufgekommen ist die Idee, als sich Rheingans in seiner ehemaligen Agentur zwei Nachmittage pro Woche freinahm, um mehr Zeit mit seiner jungen Familie zu verbringen. „Ich habe gemerkt, dass ich vom Ergebnis her das Gleiche schaffe wie vorher – und ab da ging’s los.“ Als er dann eine neue Agentur mit einem Teil der Mitarbeiter aus der früheren Firma gründete, wollte er den „harten Bruch“ nutzen, um das Konzept des Fünf-Stunden- Tags auszuprobieren. Ohne Probleme läuft die Umstellung jedoch nicht. „Wir haben eine Art Minikrise ausgelöst“, sagt Rheingans und erklärt, dass durch die Reduzierung der Arbeitszeit klar wurde, wer zu viele Aufgaben zu schultern hatte – und wer eher zu wenig. Die Arbeit wurde dann neu verteilt. „Ich bin froh, dass wir das herausgefunden haben. Wahrscheinlich hätte die hohe Belastung bei einigen dazu geführt, dass sie umgefallen wären oder gekündigt hätten.“ Für Professor Armutat spiegelt das Experiment den Zeitgeist wider: „Es gibt einen Wertewandel mit Fokus auf das Private.“ Die Work-Life-Balance spiele eine immer größere Rolle. „Die Kehrseite des Konzepts ist allerdings die Arbeitsverdichtung. Man muss sehen, bis wohin das möglich ist“, sagt er. Und noch etwas sieht er kritisch: Wenn die Kollegen weniger miteinander sprechen, findet auch weniger Wissensaustausch zwischen Mitarbeitern und Abteilungen statt. Seit er im Oktober den Fünf-Stunden- Tag eingeführt hat, stapeln sich bei Agenturchef Lasse Rheingans die Bewerbungen. Ganz reibungslos klappt das Modell aber noch nicht. Margarete Klenner; Montage: Malte Knaack Rheingans gibt zu: „Ein bisschen hat uns das auch auseinander gebracht, man verbringt weniger Zeit miteinander.“ Um das aufzufangen, wird nun freitags nach der Arbeit zusammen gekocht und gequatscht. Und immer wieder wird darüber geredet, was schon gut läuft, was man optimieren könnte und was nicht geht. „Man wird dadurch als Team besser“, sagt Rheingans. Auch wenn es stressiger sei, fünf Stunden am Stück konzentriert zu arbeiten – seine Mitarbeiter wollen nicht zurück zum Acht- Stunden-Tag, betont er. Nun hätten sie mehr Zeit für persönliche Dinge wie Arzttermine oder um das Auto in die Werkstatt zu bringen. Und nicht nur das. Einige würden nun mehr Sport treiben, Instrumente lernen – oder sich freiwillig in der Freizeit weiterbilden. „Wer zehn Stunden arbeitet, hätte auf so was keine Lust mehr“, sagt Rheingans. Daraus zu schließen, dass die Generation des 37-Jährigen und seiner teils jüngeren Mitarbeiter keine Lust mehr aufs Arbeiten hat, sei aber falsch. „Die Generation hat schon richtig Bock“, sagt er. Sie wollten nur nicht in miesen Jobs arbeiten. Wenn das einzige Ziel einer Firma sei, reich zu werden, würden viele junge Leute nicht mitziehen. Sie brauchten Werte und Visionen. Die technischen Möglichkeiten der Digitalisierung werden in wenigen Jahren ohnehin zu einer Arbeitsreduzierung beitragen, glaubt Rheingans – nicht nur in seinem Unternehmen, sondern grundsätzlich. „Der Fünf- Stunden-Tag ist eine Vorschau auf das, was passieren wird.“ Er will das Experiment auf unbestimmte Zeit weiterführen. Obwohl Rheingans betont, dass er das Arbeitszeitmodell nicht eingeführt hat, um neue Mitarbeiter anzuwerben: Bewerbungen bekommt er seit Oktober fast jeden Tag. „Da können andere neidisch sein“, sagt er mit Blick auf den Fachkräftemangel in der IT-Branche. Nur seinen eigenen Arbeitstag muss der Agenturchef noch in den Griff bekommen. Damit er künftig nicht mehr um 16 Uhr noch Diensttelefonate führt. Unternehmerlounge Postcon Anzeige Wir punkten mit dem Preis – und unsere Kunden mit entsprechenden Einsparungen Herr Dr. Gottschalk, was verbirgt sich hinter dem Erfolg von Postcon? Gottschalk: Die erste Frage im Kundengespräch ist immer die nach dem Preis. Und gerade hier können wir punkten. Denn mit Postcon lässt sich täglich Briefporto sparen, angefangen beim Basis-Porto. Je nach Sendungsart und -volumen kommen Extra-Rabatte hinzu. Unsere Kunden berichten über Porto-Einsparungen von zehn Prozent und mehr. Das allein lohnt meist für Geschäftskunden schon, um über einen Wechsel des Briefdienstleisters nachzudenken. Günstiger zu versenden, ist der Grund für die Wechselbereitschaft? Gottschalk: Auch, aber nicht nur. Das wissen wir aus einer eigenen Studie. Neun von zehn Befragten sind offen für einen Wechsel, wenn es um den Versand von Geschäftspost geht. Das Thema „Einsparungen“ steht natürlich ganz oben auf der Agenda. Dicht gefolgt von „Professionalität“ und „Lösungsorientierung“. Postcon CEO Dr. Rüdiger Gottschalk: Mehrere Gründe sprechen bei B2B-Kunden für einen Wechsel des Briefdienstleisters. Es geht um das Gesamtpaket? Gottschalk: Ja, genau. Der Preis ist eine Hürde, dann aber geht es sehr schnell um Zuverlässigkeit und Zusatzleistungen. Auch hier haben wir gute Argumente. Wir holen die Ausgangspost zum vereinbarten Termin beim Kunden ab. Gerne auch unfrankiert, das übernehmen wir dann. Was genau ist denn Ausgangspost? Gottschalk: Im Grunde alles, was in den Briefkasten passt. Das können Geschäftsbriefe, Rechnungen oder Mailings sein. Genauso wie Kataloge bis 300 Gramm, Einschreiben oder kleine Warensendungen. Unsere Kunden müssen auch nichts vorsortieren. Dafür haben wir hochmoderne Maschinen in unseren Sortierzentren. Das sind Knotenpunkte, um die Briefströme zu organisieren? Gottschalk: Ja, sozusagen unser Rückgrat. Einer der größten von bundesweit zehn Knotenpunkten ist unser Sortierzentrum Essen. Dort haben wir erst jetzt wieder in eine weitere Hochgeschwindigkeitsanlage investiert. Bis zu 500.000 Sendungen täglich schafft allein diese Anlage. Das Besondere: Sie sortiert die Briefe Der Briefmarkt ist bunt. Jeder dritte Geschäftsbrief wird hierzulande von privaten Briefdienstleistern verarbeitet. Oder anders formuliert: Neben den gelben Briefträgern prägen auch Zusteller in andersfarbigen Outfits das Straßenbild. Allein auf die „Orangenen“ entfallen über eine Milliarde Sendungen im Jahr. Dahinter steckt Postcon, Deutschlands zweitgrößter Briefdienstleister. Chef des Ratinger Unternehmens, einer Tochter der niederländischen Post NL, ist Dr. Rüdiger Gottschalk. automatisch in die Reihenfolge der Adressen auf der jeweiligen Zustellroute. Die Zusteller bekommen die Briefe also in einer vorgepackten Tasche? Gottschalk: Ja, so in etwa können Sie sich das vorstellen. Bisher mussten die Kolleginnen und Kollegen im Depot morgens selbst Hand anlegen und sortieren. Mit dem Effekt, das bis zu 25 Prozent der Arbeitszeit darauf entfiel. Jetzt haben die Zustellerinnen und Zusteller mehr Zeit für die Zustellung und können entsprechend mehr Briefe an Empfänger überbringen. Wird das von Kunden honoriert? Gottschalk: Zuverlässige und zeitnahe Zustellung ist eine Grunderwartung. Die erfüllen wir offensichtlich, wie unsere Kundenbefragung zeigt. Neun von zehn Großkunden würden Postcon sogar weiterempfehlen, so zufrieden sind sie mit unserer Beratung und dem Preis-Leistungsverhältnis. Trotzdem erstaunlich, dass es Briefe überhaupt noch gibt. Gottschalk: Sie spielen sicherlich auf die Digitalisierung an? Das sehe ich entspannt. Immerhin empfangen laut dem Deutschen Institut für Vertrauen und Sicherheit im Internet 71 Prozent der Bundesbürger wichtige Dokumente lieber in Papierform. Vor allem von Unternehmen, Behörden, Ärzten, Rechtsanwälten, Banken und Versicherungen. Und genau das ist unser Geschäft. Die Zusteller haben bei Postcon mehr Zeit für ihre eigentliche Arbeit, denn die Geschäftsbriefe werden nach Adressaten automatisch vorsortiert.

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