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Wirtschaft in NRW -14.12.2018-

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14 | GLÜCKAUF ZUKUNFT

14 | GLÜCKAUF ZUKUNFT RHEINISCHE POST | WIRTSCHAFT NR. 11 DEZEMBER 2018 Pumpen bis in die Ewigkeit Um zu verhindern, dass das Ruhrgebiet absäuft, investiert die RAG auf unabsehbare Zeit Hunderte Millionen Euro pro Jahr. Der Konzern sieht sich dafür gerüstet — und will die Maßnahmen zugleich für ökologische Projekte nutzen. Schacht Grundwassermanagement Grubenwasserhaltung Poldermaßnahmen Ehemaliger Kokereistandort Polderanlage Reinigung des Grundwassers in ehemaligen Bergbauflächen Vorfluter (Fluss) Entfernen des Grubenwassers aus dem Schachtbereich Regulierung des Grundwasserstandes in Regionen, in denen der Untergrund absinkt Grundwasserführende Schicht Trinkwasservorkommen Wasserstauende Schicht Der Kampf gegen das Wasser Die drei zentralen Aufgaben der RAG in der Nachbergbauzeit, schematische Darstellung Hüllrohre, durch die Pumpen eingeführt werden. 150 Meter Mindestabstand zwischen Grubenwasserhorizont und Grundwasser, wo Trinkwasser gewonnen wird. Regenwasser reichert sich beim Versickern im Untergrund mit Salzen und Mineralien an, bevor es sich sich unter Tage in den Schächten als Grubenwasser sammelt. Während der Kohleförderung musste es ständig abgepumpt werden. Nach Beendigung des Bergbaus darf der Wasserhorizont ansteigen – jedoch nur bis zu einem Mindestabstand zum Grundwasser. Von hier aus muss weiterhin abgepumpt werden, um die Verschmutzung des Trinkwassers zu verhindern. Quelle: RAG VON REINHARD KOWALEWSKY In nicht einmal zwei Wochen beendet die RAG die Förderung von Steinkohle in Deutschland, doch das Essener Unternehmen macht mit neuen Missionen weiter. Zum einen ist es dafür zuständig, frühere Bergbaugebiete für eine andere Nutzung zu erschließen – das ist die Aufgabe der RAG Montan Immobilien. Zum anderen kümmert sich der Konzern weiter darum, Bergschäden im Ruhrgebiet und im Saarland auszugleichen. Dafür wurden nach Auskunft der RAG 5,5 Milliarden Euro zurückgelegt. Es geht um Häuser, deren Wände Risse haben, um Schulen, deren Fundament bricht, um Eisenbahnschienen, um das Verfüllen alter Schächte und um die Rekultivierung brachliegender Flächen. Die größte Herausforderung jedoch ist eine andere. Die RAG muss dafür sorgen, dass sich das Ruhrgebiet nicht in eine Seenlandschaft verwandelt und dass das Grundwasser nicht von versalztem oder mit Schadstoffen aus alten Bergwerken belastetem Wasser verunreinigt wird. Die Finan zierung dieser sogenannten Ewigkeitslasten wird pro Jahr rund 280 Millionen Euro verschlingen. Die RAG Stiftung hat dafür inklusive der Mehrheit am Chemiekonzern Evonik und der Beteiligung an der Wohnungsgesellschaft Vivawest rund 18 Milliarden Euro an Vermögen zurückgelegt. Mit dem Stichwort „Glückauf Wasser“ fasst die RAG ihre Strategie zum Wassermanagement im Ruhrgebiet und im Saarland zusammen. Noch im Jahr 1956 betrieben 152 Bergwerke je eine eigene Wasserhaltung und leiteten das Wasser aus den Gruben in den nächsten Fluss oder Bach. Aktuell gibt es in Nordrhein- Westfalen 13 Standorte an der Ruhr für die Wasserhaltung sowie zwei in Ibbenbüren. Ihre Aufgabe ist, tief unter der Erde Wasser abzupumpen, damit es sich nicht mit dem Grundwasser vermischt. Rund 80 Millionen Kubikmeter Wasser heraus, wie giftig die Chlorverbindung ist. Am Ende langer Ermittlungen nach einer Strafanzeige stellte die Staatsanwaltschaft Bochum allerdings eindeutig fest, dass die RAG die wasserrechtlichen Vorschriften einhält. „Das Umweltthema wird für das Unternehmen noch viele Jahre sehr wichtig sein“, sagt Werner Alberts, Ruhrgebietskenner und früher Gründer des WDR-Studios in Essen. „Immerhin wurden auch viele Tausend Tonnen an Reststoffen unter Tage gelassen.“ Das Entwässern des Grubenwassers soll gleichzeitig teilweise zur Energiegewinnung genutzt werden. So lässt die RAG, auf dem weltberühmten Gelände der Essener Zeche Zollverein ein Gebäude heizen, indem Wärme aus dem darunterliegenden stillgelegtem Bergwerk nach oben geleitet wird. Rund 28 Grad warm ist es tief unter Tage. Mit entsprechenden Wärmetauschern lässt sich diese Energie an der Erdoberfläche nutzen. Nördlich von Duisburg könnten so bis zu 3000 Haushalte versorgt werden. Wie gut das funktioniert, zeigt sich in Bochum: An der ehemaligen Zeche Robert Müser beheizt Grubenwasser seit 2012 die umliegenden Gebäude sowie zwei Schulen und eine große Feuerwache. „Energie aus dem Untergrund“, beschreibt die RAG das Projekt. Aber das Abpumpen des Grubenwassers ist nur die Hälfte der Ewigkeitsaufgaben. Mehr als 60 Millionen Euro sind für das Wegpumpen von Oberflächenwasser vorgesehen. Dabei geht es um gewaltige Mengen: Im gesamten Ruhrgebiet werden laut RAG pro Jahr rund 800 Millionen Kubikmeter Grund,- Bach- und Abwasser abgeleitet – mehr als das 100-fache des Volumens des Baldeneysees im Süden von Essen. Nur mit diesen Arbeiten lässt sich verhindern, dass größere Flächen durch aufsteigendes Grundwasser oder aus Flüssen und Bächen überflutet werden. „Poldermaßnahmen“ heißen die Arbeiten bei der RAG. Hunderte kleiwerden im Jahr von diesen Gruben hin zu Lippe, Emscher, Ruhr, Rhein und Ems geleitet, wobei die RAG zu einem hohen ökologischen Niveau verpflichtet ist. Das kostet jährlich rund 150 Millionen Euro. Um die Kosten zu senken und die Umwelt weiter zu entlasten, wird bis spätestens 2035 das Abpumpen des Wassers aus den früheren Bergwerken deutlich zentralisiert. Nur noch von sieben Standorten aus sollen die Wassermassen hochgepumpt werden, darunter das Bergwerk Lohberg bei Dinslaken, zwei Schächte in Bochum sowie Haus Aden in Bergkamen. Unterwasserkanäle leiten die Fluten ab. Das Ruhrgebiet soll künftig noch grüner werden Gleichzeitig soll ab 2022 kein Grubenwasser mehr durch die Emscher geleitet werden, die mit Unterstützung der Europäischen Union für 4,5 Milliarden Euro renaturiert wird. Die Lippe wird um rund 50 Prozent entlastet, insgesamt werden 240 Flusskilometer renaturiert. Indem die belasteten Wassermengen auf weiten Strecken durch Unterwasserkanäle geleitet werden, soll sich das einst so dreckige Ruhrgebiet noch mehr zu einem intakten Grüngebiet entwickeln. Weil der Bergbau beendet ist, wird die RAG das Wasser in den bis zu 1200 Meter tiefen Gruben um einige hundert Meter ansteigen lassen. Im Schacht heruntergelassene, rund zwölf Meter lange und 20 Tonnen schwere Tauchpumpen saugen das Wasser dann in der Regel rund 300 Meter unterhalb der trinkwasserführenden Erdschicht ab – die RAG muss unbedingt vermeiden, dass das Trinkwasser verseucht wird. Es gab in der Vergangenheit bereits heftige Diskussionen, weil befürchtet worden war, dass mit PCB belastetes Grubenwasser die Gewässer verunreinigt. Seit einer Brandkatastrophe unter Tage im Jahr 1956 war vorgeschrieben worden, Hydraulikflüssigkeiten PCB als Brandschutzmittel beizumischen. Später stellte sich jedoch Rhein Quelle: RAG Tauchpumpen Fürst Leopold | Dorsten Lohberg | Dinslaken Walsum Duisburg Concordia | Oberhausen Rhein Amalie Essen Zollverein Essen Grubenwasser Prosper Haniel Bottrop Lippe Auguste Victoria Marl/Haltern a. S. Heinrich Essen Emscher Grubenwasserhorizont Grubengebäude (Gesamtheit aller unterirdischen Hohlräume eines Bergwerks) Grubenwasserhaltung im Ruhrgebiet aktuelle Standorte Standorte für die geplante zentrale Wasserhaltung Carolinenglück | Bochum Robert Müser Bochum Friedlicher Nachbar Bochum Haus Aden Bergkamen Ruhr nfografik: Benedikt Grotjahn ne Pumpstationen verrichten leise rauschend im ganzen Ruhrgebiet ihre Arbeit. Notwendig werden die Pumpmaßnahmen aufgrund der langen Bergbauhistorie im Ruhrgebiet. Seit dem 13. Jahrhundert wurde hier nach Kohle gegraben, ab dem 19. Jahrhundert kamen Tiefbauzechen hinzu, in den 50er-Jahren belief sich der Abbau auf 150 Millionen Tonnen Steinkohle jährlich. Große Teile der Region sackten deshalb um 20, 30 oder gar 40 Meter ab. „Das ganze Gebiet ist unterhöhlt“, sagt Experte Alberts. „Das Absacken des Erdreiches ist zum Teil unvermeidbar.“ Das Land warnt Immobilienkäufer: Ihre Grundstücke könnten unterhöhlt sein Klar, dass dabei nicht nur das Voll laufen abgerutschter Flächen droht. Immer kommt es vor, dass Gebäude, Straßen oder Eisenbahnstrecken durch Bergschäden ramponiert werden. Sehr häufig kümmert sich die RAG um die Schäden, doch tatsächlich ist das Problem noch viel größer, weil Hunderte kleiner Bergwerke in der Region von anderen Betreibern stillgelegt wurden. Im Dezember 2017 warnte das Landeswirtschaftsministerium in einer Antwort auf eine Anfrage der Grünen alle Immobilienkäufer in der Region vor Risiken, nachdem eine wichtige S-Bahn-Strecke wegen eines Bergbauschadens monatelang stillstand. Immobilienkäufern würde oft erst beim Ausheben der Baugrube bekannt, dass das Grundstück mit Schächten, Stollen oder Hohlräumen untergraben sei. Zumindest einen Tipp hatte Wirtschaftsminister Andreas Pinkwart (FDP): Käufer sollten sich bei der Bergbehörde eine aktuelle grundstücksbezogene Auskunft holen. Wirklich brauchbar sind diese Infos aber nicht, räumt Pinkwart ein. Das Land habe nur einen eingeschränkten Überblick über die tatsächliche Gefährdungssituation in den Bergbaurevieren des Landes.

RHEINISCHE POST | WIRTSCHAFT NR. 11 DEZEMBER 2018 GLÜCKAUF ZUKUNFT | 15 VON FLORIAN RINKE Alljährlich hebt von der Startbahn in Marl-Lohmühle ein kleines Flugzeug ab, steigt auf Höhen von 350 bis 800 Meter und beginnt, seine Runden zu drehen. Etwa eine Woche lang fliegt es immer wieder über das Ruhrgebiet. Über jene Region, in der früher Bergbau betrieben wurde – und in der sie bis heute mancherorts nicht genau wissen, was sich unter der Erdoberfläche befindet. Denn die tiefen Schächte von Auguste Victoria oder Prosper-Haniel sind ja nicht der Beginn des Kohleabbaus im Ruhrgebiet. Die Menschen graben hier schon seit Jahrhunderten nach Steinkohle. Je stärker sich der Bergbau professionalisierte, desto mehr machte man sich auch Gedanken um die Folgen, die die Unterkellerung des Ruhrgebiets einmal haben würde. Immerhin sackt die Erde immer wieder ab, unter Häusern, Gleisen, Autos, manchmal auch nur im Wald. Viel Arbeit für die RAG, deren Aufgabe es ist, die Löcher zu stopfen, die Generationen zuvor angelegt wurden – idealerweise, bevor Sachschäden entstehen. Deswegen das Flugzeug. Jedes Jahr werden Flüge durchgeführt, bei denen Spezialkameras knapp 16.000 Luftbilder aufnehmen und Laserscanner den Boden abtasten. Durch die Kombination entsteht ein dreidimensionales Abbild der Oberfläche, das sich mit älteren Aufnahmen vergleichen lässt. So können Veränderungen frühzeitig erkannt werden. „Bisher nutzt die RAG immer den sogenannten Epochenvergleich, dieser hat bei der Ersterfassung einer neuen Fläche den Nachteil, dass man keine Aussage zu Veränderungen machen kann“, heißt es bei der RAG. Nun ruhen die Hoffnungen auf dem Dortmunder Start-up Spacedatists. Das Team ist auf die Auswertung von Bodendaten spezialisiert und soll einen Algorithmus entwickeln, der Veränderungen besser erkennt als das menschliche Auge. Vom Kohlenpott zum coolen Pott Aus Zechen werden Start-up-Schmieden — wie das Revier versucht, sich neu zu erfinden. Viele Unis, gute Infrastruktur, fünf Millionen Konsumenten: Die Region betont ihre Stärken Für Christian Lüdtke ist die Kooperation das perfekte Beispiel um ein Projekt zu erklären, in das er große Hoffnungen setzt: den Data Hub der Gründerallianz Ruhr. Seit knapp einem Jahr arbeitet der Unternehmensberater nebenberuflich als Gründerkoordinator. Er soll helfen, das Ruhrgebiet in eine neue Zukunft zu führen – weg von der Steinkohle, hin zu digitalen Innovationen. Denn das Revier will sich neu erfinden und setzt dabei große Hoffnungen auf Start-ups. Gründer sollen ihre Unternehmen nicht mehr in Berlin, München oder Düsseldorf gründen, sondern auch das Ruhrgebiet als Chance wahrnehmen. Das ist das Ziel. Und der Data Hub spielt dabei eine zentrale Rolle. „Viele Unternehmen im Ruhrgebiet haben große Mengen an industriellen Daten, können damit aber bislang kaum etwas anfangen“, sagt Lüdtke: „Viele Start-ups wiederum haben Ideen, können diese aber nicht umsetzen, weil ihnen die Daten fehlen, um ihre Konzepte unter realen Bedingungen zu testen.“ Der Data Hub soll diese beiden Pole zusammenbringen. „Es ist ein Versuch“, sagt Christian Lüdtke. Neben der RAG haben unter anderem der Wohnungsanbieter Vivawest oder die Emschergenossenschaft Probleme benannt und Daten für deren Lösung zur Verfügung gestellt, neun Fälle gibt es insgesamt. Drei Monate haben die Start-ups, die unter 149 Bewerbern aus 25 Ländern ausgewählt wurden, Lösungen zu entwickeln. Es ist ein Anfang, findet Lüdtke, doch langfristig muss aus seiner Sicht viel mehr passieren. Denn das Potenzial der Region ist eigentlich riesig: Rund fünf Millionen Menschen (und damit Konsumenten) leben im Ruhrgebiet, die Hochschuldichte ist mit Universitäten wie der TU Dortmund, der Ruhr-Universität Bochum und der Universität Duisburg-Essen nirgendwo in der Republik so groß wie hier. Mehrere Flughäfen sind nah gelegen, in Duisburg gibt es Europas größten Binnenhafen, das Autobahnnetz ist dicht, und auch die Zahl der Industrieunternehmen kann sich sehen lassen. Von einer „optimalen Keimzelle für Innova tionen und Gründungen“, ist auf der Internetseite des ruhr:HUBs die Rede, einem der landesweit sechs vom Wirtschaftsministerium unterstützten Gründernetzwerke. Und in der Tat gibt es inzwischen erfreuliche Entwicklungen in der Region. Im Hauptgebäude des ehemaligen Bochumer Opel-Werks errichtet die Ruhr-Universität ihr „Centrum für Entrepreneurship, Innovation und Transformation“, demnächst könnte in der Stadt ein Max-Planck-Institut für Cybersicherheit und Schutz der Privatsphäre entstehen. In Essen entwickelt sich das Gelände der Zeche Zollverein immer mehr zum Digitaltreff, nachdem sich dort unter anderem die von Lüdtkes Unternehmensberatung Etventure unterstützte Haniel-Digitaltochter Schacht One angesiedelt hat. Und die alljährliche Gründerveranstaltung RuhrSummit wird zum Publikumsmagneten. In diesem Jahr kamen 2500 Gäste in die Jahrhunderthalle in Bochum, binnen drei Jahren hat sich die Zahl vervierfacht. Diesmal überreichte NRW-Wirtschaftsminister Andreas Pinkwart dabei den DWNRW- Award, mit dem drei Unternehmen ausgezeichnet werden, die digitale Vorbilder sein sollen. „Dass der Preis erstmals hier verliehen wird und es keine eigene Veranstaltung mehr gibt zeigt, dass der RuhrSummit zu der wichtigsten Gründerveranstaltung der Region geworden ist“, freute sich Dirk Opalka, Geschäftsführer des Initiativkreises Ruhr. Das Bündnis aus Unternehmen wie E.ON, Evonik, RWE oder Thyssenkrupp ist einer der größten Förderer von digitalen Projekten in der Region. Um Gründer in der Region gezielter zu unterstützen, hat der Initiativkreis Ruhr zuletzt auch mit der landeseigenen Förderbank NRW-Bank einen speziell auf das Revier ausgerichteten Risikokapitalfonds aufgelegt, mit dem lokale Start-ups finanziert werden. Eines von ihnen ist Talpasolutions, es ist quasi ein Paradebeispiel dafür, wie Vergangenheit und Zukunft im Ruhrgebiet zusammengedacht werden können. Das Startup entstand 2016 als Ausgründung aus der RWTH Aachen, hat seinen Sitz allerdings inzwischen in Essen. Es hat eine Softwareplattform entwickelt, über die Maschinen vernetzt und besser eingesetzt werden können. So bietet Talpasolutions beispielsweise Big-Data-Analysen für die Bergbauindustrie an. Die Software analysiert Sensordaten Im Fokus: Der Mensch von Maschinen und macht Vorschläge zur Optimierung. So lassen sich etwa die Ausfälle von Maschinen reduzieren. Das Start-up stößt damit in eine Marktlücke, denn obwohl Berg baumaschinen oft mit bis zu 120 Sensoren ausgerüstet sind, werden die von ihnen produzierten Daten bislang kaum berücksichtigt. Alltag in vielen Bergwerken ist stattdessen immer noch die handschriftliche Aufzeichnung von Fehlern oder Wartungsplänen. „Die Lösungen werden nicht nur in Deutschland eingesetzt, sondern auch international bei Bergwerksbetreibern in Nordosteuropa oder in Südafrika“, erklärt Thorsten Reuter, Geschäftsführer des Gründerfonds Ruhr. Und natürlich sind die Lösungen nicht auf Steinkohlezechen beschränkt, die Technologie kann auch in anderen Bergwerken eingesetzt werden. Das machte das Start-up, das sich vor dem Einstieg des Gründerfonds über private Geldgeber finanziert hatte, für den Gründerfonds so interessant. 34,5 Millionen Euro hat der Fonds zur Verfügung. „Damit werden wir am Ende wahrscheinlich etwa zehn bis zwölf Start-ups finan zieren können“, sagt Reuter. Die Universitätsmedizin Essen mit ihren Standorten Universitätsklinikum, Ruhrlandklinik, St. Josef Krankenhaus Werden sowie Herzchirurgie Huttrop verwirklicht das Krankenhaus der Zukunft. Im digitalisierten Smart Hospital profitieren unsere Patientinnen und Patienten von der direkten Verknüpfung zwischen Forschung und Krankenversorgung, modernsten Therapieverfahren in allen Fachdisziplinen und viel Zeit und Zuwendung durch unsere Pflegerinnen und Pfleger. Schichtwechsel: Die Bergleute gehen. Kommen jetzt die Gründer mit hippen Geschäftsideen? Illustration: Malte Knaack Am Angebot mangele es nicht, meint der Investor. Er beobachtet allerdings starke Schwankungen bei der Qualität der Start-ups im Ruhrgebiet. Gründerkoordinator Lüdtke sieht es sogar noch kritischer: „Es gibt nicht viele Start-ups im Ruhrgebiet.“ Es bewege sich zwar etwas, und viele würden jetzt auch ernsthaft versuchen, damit Geld zu verdienen, „nachdem es vor ein paar Jahren noch einfach hip war zu gründen“. Dennoch sei es noch ein weiter Weg bis zu jenem Ökosystem, das so dringend benötigt wird, damit Gründungen nicht allein durch institutionelle Anbieter wie die NRW-Bank oder Organisationen wie den Initiativkreis gefördert werden müssen. „Zu einem Ökosystem gehören auch erfolgreiche Exits, durch die Gründer dann wiederum in andere Start-ups investieren können“, sagt Lüdtke: „Das gibt es hier noch gar nicht.“ Auch Geschichten wie die von Daniel Schütt und Stefan Peukert sind immer noch die Ausnahme. Die beiden haben vor einigen Jahren in Bochum das Karrierenetzwerk Employour gegründet und anschließend für einen zweistelligen Millionenbetrag an die Bertelsmann-Tochter Gruner + Jahr verkauft. Nun arbeiten sie mit ihrem neuen Start-up Masterplan, das Onlinelernkurse anbietet, in Bochum an der nächsten Erfolgsgeschichte. Was der Region fehlt, ist Lust am Unternehmertum. Ein Company Builder soll das ändern Um solche Entwicklungen zu beschleunigen, träumt Christian Lüdtke von einem sogenannten Company Builder, also einer Organisation, die für Start-up-Ideen Kapital bereitstellt und dann das passende Personal sucht, das diese Ideen umsetzt. Ein Vorbild ist aus Sicht von Lüdtke die Berliner Start-up-Fabrik Rocket Internet, auch wenn der zuletzt spürbar die Ideen ausgingen. „Wir können nicht davon ausgehen, dass sich hier von allein genügend Start-ups gründen“, sagt Lüdtke. Dafür gäbe es auch strukturell noch zu viele Probleme, weil etwa die Ausbildung an den Universitäten noch zu sehr auf die Arbeit in der Industrie ausgerichtet sei. Zudem müsse sich auch die Mentalität der Menschen im Ruhrgebiet noch stärker wandeln, sagt der Duisburger: „Die wenigsten haben hier Kontakt zu Unternehmern.“ Das sei anders als beispielsweise in Ostwestfalen oder Schwaben, wo viele familiengeführte erfolgreiche Mittelständler aktiv sind. „Im Ruhrgebiet wurde man jahrzehntelang nicht Unternehmer, sondern ging zu einem Konzern, bei dem im Zweifel schon der Vater und der Großvater gearbeitet haben“, sagt Lüdtke, „und wenn es Probleme gab, ging man eben zur Gewerkschaft.“ Der Company Builder soll daher nicht nur Unternehmen, sondern auch Vorbilder ausspucken. Ein achtstelliger Millionenbetrag, schätzt Christian Lüdtke, wäre wohl für die Umsetzung notwendig. „Das ist viel Geld“, räumt er ein, „aber Talent muss man auch anziehen.“ Das Krankenhaus der Zukunft: Sicher und menschlich Anzeige Damit sind wir Vorbild für eine optimale Krankenversorgung auf universitärem Niveau. Und gewährleisten durch modernste Technik und 8.300 hochqualifizierte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter die Sicherheit und den Behandlungserfolg unserer Patientinnen und Patienten.

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