Aufrufe
vor 6 Monaten

Wirtschaft in NRW

  • Text
  • Unternehmen
  • Deutschen
  • Deutschland
  • Deutsche
  • Wirtschaft
  • Thrun
  • Menschen
  • Miele
  • Digitalisierung
  • Ideen

16 | STRATEGIE VON

16 | STRATEGIE VON FLORIAN RINKE Ein gewisser Johann Gottfried Brügelmann hat einem anderen Mann seine Erfindung geklaut. Und statt sich schlecht zu fühlen, kopierte er auch noch dessen Firmennamen. Und als wäre all das nicht genug, ließ er obendrein ein Gemälde anfertigen, auf dem er die Pose des Bestohlenen einnahm. Nun könnte man meinen, der Mann, der all dies getan hat, sei ein kleiner Halunke, ein halbseidener Geschäftsmann oder geächteter Industriespion. Aber weit gefehlt: Brügelmann war ein angesehener Industrieller, zu dessen Ehren man in Ratingen ein Museum errichtet hat. An manchen Tagen geben sich Paare in den Räumlichkeiten des früheren Herrenhauses sogar das Jawort. Während sich heute Vertreter aus Politik und Wirtschaft mal mehr und mal weniger offen über den systematischen Ideenklau durch Länder wie China beklagen, lässt sich in der rheinischen Kleinstadt begutachten, wie ausgerechnet die Geschichte der Industrialisierung in Deutschland mit Innovationen begann, die auf Industriespionage beruhten. Das heutige Deutschland war zu Beginn des 18. Jahrhunderts ein zersplittertes Reich, in dem ein Großteil der Menschen sein Geld in der Landwirtschaft verdiente. Entlang der Wupper hatten sich damals allerdings die ersten Webereien angesiedelt, es wurde Garn gesponnen und Tuch gefärbt. 1750 kam Johann Gottfried Brügelmann hier in Elberfeld als Sohn einer wohlhabenden Kaufmannsfamilie zur Welt. Sein Vater handelte mit den Waren, die in mühsamer und wenig produktiver Handarbeit hergestellt wurden – später stieg auch Brügelmann junior in diese Geschäfte ein. Heute würde man Brügelmann als „Copy Cat“ bezeichnen. Statt ein schlechtes Gewissen zu haben, beantragte er Staatshilfe Ganz anders war die Situation damals in Großbritannien, wo die industrielle Revolution in der Textilindustrie ihren Anfang nahm. Noch bevor die Dampfmaschine die Wirtschaft erobern sollte, wurde auf der Insel das von Hand betriebene Spinnrad durch Maschinen ersetzt, die, zunächst von Wasserkraft angetrieben, ein Vielfaches der bisherigen Arbeit erledigen konnten. Die Produktion stieg rasant, und innerhalb weniger Jahre hängten die Engländer den Rest der Welt ab. Das blieb natürlich auch der Konkurrenz auf dem Kontinent nicht verborgen. Doch was tun? „Billiger als mit Spionage kommt man nicht an Hochtechnologie der Zeit“, sagt Dieter Ziegler, Professor für Wirtschaftsgeschichte an der Ruhr-Universität Bochum. „Die Länder, die sich heute über die bösen Chinesen aufregen, haben früher selbst spioniert und abgekupfert.“ Historische Quellen belegen, dass viele Unternehmer auf die Insel reisten, Arbeiter abwarben und versuchten, Konstruktionszeichnungen der Maschinen zu beschaffen. Auch die Herrscher mischten in diesem Spiel mit, Preußen schickte im Staatsdienst stehende Ingenieure auf Dienstreise nach Großbritannien, um dortige Industrieanlagen zu besichtigen. Das Land hatte zwar ein Ausfuhrverbot für Maschinen erlassen, doch auf verschlungenen Pfaden fanden die Pläne doch ihren Weg auf das Festland – und auch die Fachkräfte, die das Geheimwissen in ihren Köpfen hatten, konnte man schwerlich am Reisen hindern. Sachsen ging sogar noch einen Schritt weiter und förderte den Nachbau eingeschmuggelter Spinning Jennies. Diese handbetriebenen Textilmaschinen aus Holz waren Ende des 18. Jahrhunderts ins Land gelangt und ließen sich von sächsischen Tischlern vergleichsweise leicht nachbauen. „Die Technik war damals so primitiv, dass sie ein Techniker schon durch bloßes Abschauen kopieren konnte“, sagt Ziegler. „Im heutigen Zeitalter der Hochtechnologie ist so was natürlich undenkbar.“ Das Geld des sächsischen Staates sorgte für einen Wachstumsschub: Um 1800 waren hier 2000 der neuen Maschinen in Betrieb. „Sachsen wurde so zum Zentrum der Textilindustrie im späteren Deutschen Bund“, sagt Ziegler. Eine ernsthafte Konkurrenz für die Briten war das Land jedoch nicht. Denn während man im Public Domain (7) Wie ein Wuppertaler den Fo Den Chinesen wirft man gern vor, Ideen und Erfindungen zu klauen. Das mag sein, doch ein Blick in die Gesc Osten noch die Jennies nachbaute, entstand auf der Insel längst die nächste Generation der Spinnmaschinen: die Waterframe. Sie war deutlich größer und leistungsstärker und wurde, anders als die Jennies, die im Grunde nur eine Weiterentwicklung des Handspinnrads waren, mit Wasserkraft angetrieben. Während Spinnerinnen früher die Baumwolle zwischen Daumen und Zeigefinger zwirbeln mussten, erledigten nun Walzenpaare automatisch die Arbeit. Wo früher eine Arbeiterin einen Faden spinnen konnte, ließen sich mit der Waterframe 96 Fäden gleichzeitig herstellen. Erfunden hatte sie der Brite Richard Arkwright, der die Maschine 1769 zum Patent anmeldete. Das hielt Johann Gottfried Brügelmann jedoch nicht davon ab, alles zu unternehmen, um an die Idee zu kommen. Ein schlechtes Gewissen hatte er nicht, im Gegenteil: In einem Brief an den Herzog von Jülich- Berg rühmte er sich, eine der vorbildlichen englischen Maschinen in seinen Besitz gebracht zu haben, mit denen der Faden „eine solch vollkommene Gleichheit und Kraft erhielte“. Ein Freund habe ihm erst eine Kratzmaschine besorgt, mit der sich die Baumwolle reinigen lässt, sowie anschließend auch noch die Spinnmühle sowie einen Meister, der über das nötige Wissen verfügte, um die Maschine aufzubauen und in Betrieb zu nehmen. 1783 gründete Brügelmann in Ratingen die erste Fabrik auf dem europäischen Kontinent. Heute würde man einen wie ihn wohl als „Copy Cat“ bezeichnen. Die Samwer-Brüder Billiger als mit Spionage kommt man nicht an die Hochtechnologie der Zeit Dieter Ziegler, Professor für Wirtschaftsgeschichte in Bochum haben dem Begriff hierzulande zu einiger Berühmtheit verholfen, nachdem sie ihre Karriere mit dem Klonen erfolgreicher Geschäftsmodelle wie dem des Online-Auktionshauses Ebay begonnen hatten. Er sei der „aggressivste Mann“ im Internet hat Oliver Samwer, der Kopf der Brüder und Gründer der Start-up-Fabrik Rocket Internet, über sich selbst gesagt – und das nicht im Geringsten als Makel gemeint. Während die Samwers ihren Ebay-Klon Alando am Ende für viel Geld an das Original verkauften, setzte Brügelmann lieber auf staatliche Unterstützung – und forderte seinen Landesherrn im November 1783 auf, ihm für 40 Jahre ein Monopol auf die Produktion zu erteilen. Immerhin habe er seine Fabrik ja hier in der Nähe von Ratingen im Herzogtum Jülich- Berg und nicht im Nachbarland gegründet und erhebliche Kosten gehabt. Für Brügelmanns Zeitgenossen Karl Marx war der bestohlene englische Unternehmer selbst der größte Dieb fremder Erfindungen Reine Nächstenliebe war die Wahl des Firmensitzes jedoch nicht. Er bot eine Reihe von Vorzügen – Arbeitskräfte waren leicht zu bekommen, der Fluss Anger sorgte für die benötigte Wasserkraft, und das Land war günstiger als an der dichter besiedelten Wupper. Der entscheidende Grund dafür, dass der Wuppertaler Kaufmann fernab der Heimatstadt gründete, war aber ein anderer: „Hier hatte er genau im Blick, wer sich dem Gelände näherte, und konnte sich so besser vor Konkurrenten schützen“, sagt Christiane Sy Standortleiterin des L das heute in der ehema ford untergebracht ist. Denn nicht nur Brü die Industriespionage – Heiligen Römischen R war die nächste Land fernt, sodass Diebe sich örtlichen Obrigkeit ent Fabrikarbeiter ließ Brü schwiegenheitsverpflich ben und verbot ihnen, mit in die Gebäude zu n Der Spion und seine Zeit 1750 Johann Gottfried Brügelmann wird in Elberfeld, heute Stadtteil von Wuppertal, als Sohn eines Kaufmanns geboren. 1761 Um die Produktivität beim Spinnen zu steigern, schreibt die britische „Royal Society of Arts“ einen Preis aus: Gesucht wird eine Maschine, mit der eine Person sechs Fäden gleichzeitig spinnen kann. 1764 Der Baumwollweber James Hargreaves aus Lancashire erfüllt mit seiner Spinning Jenny die Vorgaben des Wettbewerbs. Erst 1770 lässt er seine Erfindung patentieren. 1765 Dem Schotten James Watt gelingt es, den Wirkungsgrad von Dampfmaschinen erheblich zu verbessern. Bis heute ist sein Name untrennbar mit dem Siegeszug der Dampfmaschine (und damit der Industrialisierung) verbunden – obwohl er gar nicht der Erfinder ist. 1769 Richard Arkwright meldet seine Waterframe zum Patent an, die deutlich leistungsstärker als die Spinning Jenny ist. Zwei Jahre später gründet Arkwright im Städtchen Cromford die erste industrielle Baumwollspinnerei der Welt. 1750 1760 1761 1764 1765 1769 1770 1776 1780

RHEINISCHE POST | WIRTSCHAFT NR. 08 JULI 2017 rtschritt stahl Vom Plagiat zum Patentamt hichte zeigt: Deutsche Unternehmen waren nicht besser. Vorsprung durch Kopiertechnik: Zu Beginn der Industrialisierung – hier ein Eisenwalzwerk – war Industriespionage an der Tagesordnung. Vor allem auf Maschinen aus England hatten es die Deutschen abgesehen. Der Spion, der sich schützte: Johann Gottfried Brügelmann, Unternehmer aus Wuppertal, baute Webmaschinen aus Großbritannien nach – und ließ Ideenklau in seiner Heimat für andere unter Strafe stellen. VON FLORIAN RINKE Ideenklau und Industriespionage waren in Zeiten der Frühindustrialisierung an der Tagesordnung – speziell in der Textilindustrie. Patente gab es zwar auch damals schon, etwa in England, es war jedoch relativ leicht, diese auszuhebeln, indem man in einem Nachbarland die Erfindungen kopierte und von dort aus produzierte und (sofern möglich) exportierte. „Die meisten deutschen Staaten haben nach den napoleonischen Kriegen, also nach 1815, erstmals Patentgesetze erlassen“, sagt Carsten Burhop, Professor für Wirtschaftsgeschichte an der Uni Bonn: „Die Staaten wollten damals technologisch aufholen und kopierten deswegen die erfolgreichen englischen Institutionen.“ Die brutale Konkurrenz im Inland spornte die deutschen Firmen an – bis sie besser waren als das Original Dass Ausländer dadurch automatisch zu ihrem Recht kommen, bedeutete dies jedoch nicht. „Es wurde ausländischen Unternehmern relativ schwer gemacht, ihre Patente anzumelden“, sagt Burhop. Dies änderte sich erst mit der Einführung des preußischen Reichs patentgesetzes von 1877 – was sich an der steigenden Zahl der von Ausländern angemeldeten Patente ablesen ließ. „Damals war die deutsche chemische Industrie einer der wesentlichen Lobbyisten für das Gesetz.“ Viele Jahre haben die Europäer versucht herauszufinden, mit welchen Farbstoffen im Orient Baumwollstoffe gefärbt, bedruckt oder bemalt werden. Speziell der Farbton Türkisch-Rot stellte sie vor ein Rätsel. Über türkische und griechische Färber kam das Verfahren letztlich nach Europa, wo es sich von Frankreich aus verbreitete. Die deutschen Hersteller waren der Konkurrenz aus dem Ausland jedoch hoffnungslos unterlegen. Bis Ende der 1850er-Jahre blieb den deutschen Manufakturen, aus denen später mal die Chemieindustrie werden sollte, nichts anderes übrig, als die Ideen anderer zu kopieren. Dass es ihnen letztlich gelang, innerhalb von knapp zehn Jahren die Technologieführerschaft zu übernehmen, hatte ausgerechnet auch mit dem so überlegenen britischen Patentwesen zu tun. „Dank des Patents dominierten in England Monopolisten die Herstellung – und die neigten damals schon dazu, träge zu werden“, sagt Burhop. In den deutschen Gebieten gab es hingegen keinen Schutz, sondern brutale Konkurrenz. Die Unternehmen kopierten die Ideen aus England, standen aber untereinander in so hartem Wettbewerb, dass sie ihre Kosten durch Verbesserungen in der Produktion permanent senken mussten – und irgendwann besser waren als das britische Original. Plötzlich hatten auch sie ein Interesse, dass ihre Innovationen geschützt und Patente eingehalten wurden. Das preußische Reichspatentgesetz ebnete dafür den Weg. 1877 wurde in Berlin das Kaiserliche Patentamt gegründet, das erst 1945, nach dem Zweiten Weltkrieg, inzwischen in Reichspatentamt umbenannt, seine Tätigkeit einstellen musste. 1949 nahm die Nachfolgebehörde, das Deutsche Patentamt, in München seine Arbeit auf. 2016 wurden dort knapp 68 000 Patente eingereicht, insgesamt gibt es in Deutschland derzeit rund 615 000 gültige Patente. Die meisten Anmeldungen kommen inzwischen nicht mehr aus der Chemie-, sondern aus der Automobilindustrie: Die Zulieferer Bosch und Schaeffler sowie der Hersteller Daimler waren 2016 die Unternehmen mit den meisten Patentanmeldungen. ré, die stellvertretende VR-Industriemuseums, igen Textilfabrik Cromgelmann beherrschte und im zersplitterten ich Deutscher Nation sgrenze nie weit entleicht dem Zugriff der ziehen konnten. Seine gelmann deshalb Vertungen unterschreireunde oder Bekannte ehmen. Dem Kurfürsten rang er neben dem Monopol – das statt der geforderten 40 allerdings nur für zwölf Jahre gelten sollte – noch eine sogenannte Patentverordnung ab, welche die Nachahmung der Maschinen sowie das Abwerben von Arbeitern unter Strafe stellte. Von den Kirchenkanzeln im Herzogtum Jülich-Berg wurden den Besuchern damals hohe Geldstrafen oder Zuchthaus angedroht, sollten sie dagegen verstoßen. Brügelmann ging offenbar lieber auf Nummer sicher, nachdem er die Tochter eines Mitarbeiters dabei erwischt hatte, wie sie die Maschinen während der Arbeit abzeichnete. „In dem Moment, wo man an der Spitze der technologischen Entwicklung steht, pocht man natürlich auf seine Eigentumsrechte“, beschreibt Historiker Ziegler die damals vorherrschende Bigotterie: „Wenn man der Unterlegene ist, hat man es damit weniger.“ Wie stolz Brügelmann auf seinen Ideendiebstahl war, erkennt man nicht nur daran, dass er seine Fabrik nach dem Vorbild Arkwrights den englischen Namen „Cromford“ verpasste. Im heutigen Industriemuseum sieht man neben der großen Spinnmaschine zwei Bilder, die sowohl Brügelmann als auch dessen Vorbild in nahezu exakt gleicher Pose sitzend an einem Tisch zeigen. Während die Hand des Briten Arkwright neben Walzenpaaren liegt, ruht Brügelmanns Hand auf der Urkunde über das vom Kurfürsten erteilte Monopol: Der eine ist stolz auf seine Erfindung, der andere darauf, das Ergebnis seiner Industriespionage exklusiv vermarkten zu dürfen. Im Rückblick ist man erstaunt über so viel Dreistigkeit, doch die Zeitgenossen gingen gnädig mit dem Wuppertaler Kaufmann um: „Man gehe nach Ratingen und sehe, was dort Herr Brügelmann unternahm und ausführte, welche schöne Fabrik er stiftete, ... welchen Reichtum er sich erwarb“, lobte 1801 der „Westfälische Anzeiger“. Und auch Historiker erkennen durchaus die Pionierleistung Brügelmanns an, immerhin betrat er mit dem Bau der Fabrik auf dem Kontinent Neuland. Auch die Anschaffung der Maschinen bedeutete ein erhebliches finanzielles Risiko. „Als wir die Maschinen nachgebaut haben, musste unser Techniker lange tüfteln, um die Feinabstimmung hinzubekommen“, sagt Christiane Syré. Da könne man sich gut vorstellen, vor welchen Herausforderungen Brügelmann damals gestanden habe, zumal die Qualität der Baumwolle ja auch noch ganz unterschiedlich gewesen sei. „Das Scheitern eines solchen Unternehmens lag näher als der Erfolg“, urteilt der Historiker Dietrich Ebeling. Rund 200 Jahre bestand Brügelmanns Fabrik. Erst 1977 schloss die Baumwollspinnerei und -weberei endgültig. Konsequenzen hatte die Industriespionage für den Gründer nie. „Dafür war er aus englischer Sicht vermutlich ein zu kleiner Fisch“, sagt Christiane Syré. Und Dieter Ziegler pflichtet bei: „Durch Spionage konnten die deutschen Unternehmen lediglich aufholen, aber nicht überholen.“ Weder Brügelmann noch die deutsche Textilindustrie insgesamt konnten mit der technischen Entwicklung in England Schritt halten. Als die von Napoleon verhängte Kontinentalsperre samt Handelsbarrieren nach 1813 aufgehoben wurde, fluteten die Briten mit ihren günstigen Stoffen den Markt – und setzten die durch den Protektionismus lange geschützte deutsche Textilindustrie erheblich unter Druck. Ach so: Auch Arkwright war übrigens nicht der große Erfinder, als der er nun gelten könnte. „Er hat im Grunde einerseits auf traditionelle Technologien zurückgegriffen und diese andererseits mit Innovationen verbunden, an denen andere zu dieser Zeit tüfteln“, sagt Christiane Syré. Einziger Unterschied: „Er konnte auf diese Erfindung in England ein Patent anmelden. Diese Möglichkeit gab es in den deutschen Territorien zu dieser Zeit noch nicht.“ Zeitgenossen drücken sich noch deutlicher aus. Für den Ökonomen Karl Marx war Arkwright der „größte Dieb fremder Erfindungen“ überhaupt. 1776 Adam Smith veröffentlicht sein Werk „Der Wohlstand der Nationen“, in dem er davon spricht, dass jeder Wirtschaftsakteur im Grunde seine eigenen Interessen verfolgt, es aber eine Art „unsichtbare Hand des Marktes“ gibt, die ihn leitet, sodass er letztlich zum gesamtwirtschaftlichen Nutzen beiträgt. 1783 Sechs Jahre, nachdem Brügelmann in Elberfeld ein Handelsgeschäft eröffnet hat, gründet er in Ratingen die Baumwollspinnerei „Cromford“. Herzstück: eine Waterframe, die auf verschlungenen Pfaden den Weg ins heutige NRW fand. Die Spinnerei gilt als erste Fabrik nach englischem Vorbild auf dem europäischen Kontinent. 1802 Brügelmann stirbt. Die beiden Söhne führen die Geschäfte weiter, zu denen inzwischen auch weitere Standorte gehören. 1806 wird das Unternehmen aufgespalten. 1806 Napoleon verhängt die Kontinentalsperre. Mit der Handelsblockade soll Großbritanniens Warenexport eingedämmt und die französische Wirtschaft gestärkt werden. Im Gegenzug blockieren die Briten die kontinentalen Nordseehäfen. 1813 Zwei Jahre vor dem Ende der Napoleonischen Kriege wird die Kontinentalsperre aufgehoben. Die Textilwirtschaft auf dem Kontinent, die ohne die überlegene britische Konkurrenz in den vergangenen Jahren aufgeblüht war, gerät erheblich unter Druck. 1977 Die Baumwollspinnerei und -weberei Brügelmann, in den 1920er-Jahren in eine Genossenschaft umgewandelt, schließt endgültig ihre Tore. 1783 1790 1800 1802 1806 1810 1813 1977

Sonderveröffentlichungen