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Zoo-Zeitung Duisburg

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24 / KOALA Ihren Durst

24 / KOALA Ihren Durst können arktische Wölfe in ihrem Gehege stillen. das weibliche Fress-Privileg stellten die Pfleger erst allmählich fest. „Plötzlich wurde die Hündin von uns Pfl egern auf den ersten Blick nicht mehr auf der Anlage gesehen“, weiß Helmut Törkel. Die Wolfsdame hatte eine zwei Meter tiefe Höhle gegraben, in die sie sich wegen der Erwartung von Nachwuchs zurückgezogen hatte. Sie legte zunächst einen Gang an, grub dann ein großes Loch, um den kommenden Jungtieren genügend Platz zu bieten. Die Tragezeit bei Wölfen beträgt etwa 63 Tage, wobei sie zwischen zwei und sechs Junge werfen. Das vierköpfige Pflegerteam konnte beobachten, dass das trächtige Tier nicht alleine blieb. Eine ältere Tochter besuchte ihre Mutter in der Höhle, um sie bei der bevorstehenden Geburt zu unterstützen. Dass die Wolfsmutter nach dem Wurf die Pfleger sogar in die Wochenstube ließ, deutet Helmut Törkel als großes Vertrauensverhältnis zwischen Betreuern und dem Muttertier. Die Tierpfleger dokumentierten auf Filmen, wie viele Jungtiere sich in der Höhle aufhielten. Zwischen sieben und neun Wochen lang versorgt die Mutter ihre Jungen. Als die Welpen nach drei Wochen zum ersten Mal die Höhle verließen und zum Rudel auf die Anlage stießen, war die geänderte Fresshierarchie schnell geregelt. „Die Welpen“, erinnert sich Helmut Törkel, „durften sich als erste die Bäuche vollschlagen.“ Das wurde vom Rudel nur so lange akzeptiert, wie die Jungspunde ihren Welpenschutz noch genießen konnten. Als die Jungtiere größer wurden, änderte sich die Rangordnung wieder. Erst durfte die Mutter ans Fleisch, dann der Partner und danach erst der Nachwuchs. Mit einem Jahr ist ein junger Wolf bereits geschlechtsreif. Wenn der Appetit dann im Flegelalter zunimmt, verputzen die jungen Wölfe täglich bis eineinhalb Kilo Fleisch. Törkel: „Es kommt auch vor, dass nicht alles gefressen wird. Dann gibt es zwei Tage mal nichts.“ Beim bevorstehendem Winter sind Wölfe beim Fressen jedoch weniger zurückhaltend, dann wird alles gefressen, um die nötigen Fettreserven für den Winter aufzubauen. Viele am Kaiserberg geborene Jungwölfe haben ihre Zoo-Heimat in Duisburg mittlerweile verlassen und leben in anderen Zoologischen Gärten. Ein Wolfserlebnis hat sich fest eingebrannt ins Gedächtnis des Revierleiters. „Ich wollte unbedingt einmal die Silvesternacht im Zoo erleben“, erinnert sich Helmut Törkel. Als dann gegen Mitternacht die Glocken läuteten und das Feuerwerk die Nacht in Tageslicht tauchte, stimmten 16 Wölfe gemeinsam zum Geheul an. Ein stimmungsvolles Konzert, das bei dem erfahrenen Tierpfleger eine Gänsehaut erzeugte. Bis heute, wie er versichert. Klaus Johann Helmut Törkel: Steuermann für Schlittenhunde Helmut Törkel arbeitet seit 35 Jahren im Zoo Duisburg. Eigentlich wollte er Reitlehrer werden. Durch Ausmisten in den Ställen hatte er sich seinerzeit seine Reitstunden verdient. Nach einem Praktikum im Zoo Duisburg entschloss er sich jedoch mit 15 Jahren eine Tierpfleger-Ausbildung zu beginnen. Im Afrikanum begann seine Zoo-Laufbahn, die über das Delfinarium ins Robbenrevier führte, wo Helmut Törkel seit vielen Jahren tätig und Revierleiter ist. Neben Seelöwen und Seehunden beherbergt das vielfältig strukturierte Revier auch Wölfe und Eisfüchse, Pinguine, Mandrills, Rentiere und verschiedene Haustierrassen im Streichelzoo. Insgesamt 20 Jahre lang betreute der mittlerweile 60-jährige auch die früher im Zoo gehaltenen Alaska-Malamuten und führte sie bei Schlittenhunde- Rennen als Steuermann erfolgreich über die Schneepisten im Sauerland und im Schwarzwald. Zweimal wurde er mit seinen Tieren Deutscher, einmal Vize-Europameister. Bei der erfolgreichen Zucht waren bis zu 16 Hunde am Kaiserberg zu Hause. Zum letzten Mal spannte er seine Dauerläufer 1990 ein. Es ist eine Episode, an die sich Helmut Törkel besonders gerne erinnert. Er hat nie bereut, sein berufliches Leben nicht nur mit Pferden sondern auch mit so vielen anderen Tieren zu gestalten.

KOALA / 25 Angst vorm Tierarzt- was die Veterinäre im Zoo zu beachten haben Das Zebra fürchtet sich vor dem Löwen, die Dikdiks nehmen sich vor dem Savannenadler in Acht. Im Zoo müssten die Tiere eigentlich keine Angst haben. Sie werden umsorgt und gepflegt, erhalten das beste Futter und Fressfeinde gibt es nicht. Wenn da nicht die Tierärzte wären … Angst vor der Tierärztin hat die Löwin, die die Veterinärin entsprechend begrüßt. Tierarzt im Zoo zu sein, das ist ein mitunter undankbarer Beruf. Eigentlich freuen sich nur die wenigsten Tiere, wenn der Tierarzt mal vorbeischaut. Viele Tiere assoziieren den Arztbesuch mit fl iegenden Narkose- oder Medikamentenpfeilen und seltsam schmeckendem Futter, aber selten mit etwas Gutem. Dass die pieksenden Spritzen und Handgriffe des Tierarztes zur Genesung beitragen, erkenne die Tiere verständlicherweise nicht. Hier stößt der Tierarzt oft an Grenzen. Im Gegensatz zum Wildtier ist die Behandlung bei einem Haustier vergleichsweise einfach. Ist der eigene Hund erkrankt, so zeigt er das oft frühzeitig an und ein Gang zum Tierarzt ist schnell gemacht. Der Hund wird auf den Untersuchungstisch gehoben und fast jede Untersuchung inklusive Ultraschall und Röntgen ist mit gutem Zureden und Streicheleinheiten meist schnell erledigt. Im Zoo ist das anders. Hier liegt es in der Natur des Wildtieres, sich bloß nicht anmerken zu lassen, dass es krank ist. Schwäche zeigen lockt Fressfeinde an. Und selbst die eigene Gruppe nutzt die Schwäche eines Gruppenmitglieds aus, um entweder die Rangposition neu zu ordnen oder das Tier zu verstoßen, damit es keine Feinde anzieht. Für den Tierarzt heißt das aber auch, dass, wenn ein Wildtier Krankheitsanzeichen zeigt, es meist schon „höchste Eisenbahn“ ist. Bei den allermeisten Tieren im Zoo bedeutet diesen eine Narkose, um das Tier sicher untersuchen und behandeln zu können. Die Narkose ist, wie beim Menschen auch, mit einem gewissen Risiko verbunden. Beim Wildtier kommt dazu, dass eine Voruntersuchung nur bedingt möglich ist, die Rahmenbedingungen nicht immer ideal sind und das Tier sich nicht zur Narkose ins Krankenbett legt, sondern insbesondere schreckhafte Huftiere sich hierbei auch verletzen können. Narkose bedeutet für ein Tier immer auch Kontrollverlust. Bei Wildtieren, auch diejenigen, die seit Generationen im Zoo leben, zählt jedoch der Überlebenswille. Hier heißt es „Wachbleiben um jeden Preis“. Vor einer Narkose versuchen Tierpfleger und Tierärzte den Stall des zu behandelnden Tieres so gut wie möglich vorzubereiten, abzupolstern und eventuelle Gefahrenquellen zu entfernen. Nach dem Schuss des Narkosepfeils lässt man das Tier ganz in Ruhe einschlafen. Da sich die Tiere allerdings schon allein durch die Präsenz des Tierarztes mit seinem Narkosepfeil oder durch das Getrenntsein von den Artgenossen aufregen, muss die Zeitspanne der Narkosevorbereitung und der eigentlichen Narkose so kurz wie möglich gehalten werden. Schläft das Tier einmal, beginnt die eigentliche Arbeit des Tierarztes. Neben den geplanten Untersuchungen (z.B. Blutentnahme, Röntgen, Ultraschall, etc.), muss auch die Narkose fortwährend überwacht werden. Das Tier sollte natürlich nicht plötzlich erwachen, um die Mitarbeiter nicht zu gefährden. Noch sollte es zu tief schlafen oder sogar die Atmung oder die Herztätigkeit einstellen. Hier werden also alle notwendigen Mittel eingesetzt (Überwachung, Sauerstoffzufuhr, eventuell Beatmung), um sicherzustellen, dass es dem Patienten gut geht. All dieses muss zudem entsprechend mobil sein, da die meisten Narkosen im Zoo in den jeweiligen Stallungen vor Ort durchgeführt werden. Es ist einfach ein zu großes Risiko, um beispielsweise einen narkotisierten Löwen durch den halben Zoo zur Tierarztpraxis zu transportieren. Kommt es in der Narkose zu einem Zwischenfall, kann man ihn in den meisten Fällen mit einem Gegenmittel schnell wachmachen. Im Stall kein Problem, außerhalb…..wohl doch. Allerdings muss es in den meisten Fällen gar nicht erst zur Narkose, kommen. Die

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