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Zoo-Zeitung Duisburg

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10 / KOALA Vogelspinne

10 / KOALA Vogelspinne Wandelndes Blatt Krabbeltiere hautnah – das Insektomobil Nein, das ist kein Tier“, entgegnet die junge Mutter ihrem Sohn, der auf einem Ast am Insektenstand des Zoos eine rasche Bewegung gesehen haben will. „Das ist ein Blatt“, erläutert sie dem Nachwuchs. Doch dieser gibt nicht auf und sucht die Bestätigung für seine Vermutung im Lächeln der Zoomitarbeiterin, die zusammen mit einem Kollegen im Tropenhaus den Stand, das sogenannte Insektomobil, betreut. „Das hast Du sehr gut beobachtet“, klärt Elena, Zoobegleiterin im Zoo Duisburg, die Situation auf. „Du hast unser Wandelndes Blatt entdeckt, eine Gespenstschrecke, die sich tagsüber unbeweglich an Ästen und Zweigen aufhält und mit ihrer grünen Färbung und den flachen Körperanhängen en an ein frisches Blatt erinnert. nert. Erst nachts, wenn die meisten Räuber wie Vö- gel, Echsen und Affen schlafen, rührt sich das Insekt aus dem tropischen Asi- en, um im Schutz der Dunkelheit eit auf Nahrungssuche h Stabschrecke nach Blättern und Knospen zu gehen.“ Die junge Mutter kann es noch gar nicht glauben, als Dominik, der zweite Betreuer am Stand, für eine weitere Überraschung sorgt: „Da sitzen übrigens noch acht weitere Tiere am Ast“. Kaum ausgesprochen geht die Suche auch schon los. Sämtliche Umherstehende untersuchen das Stück Holz nach weiteren Tarnungskünstlern, und bald schon ist immerhin Insekt Nummer zwei entdeckt. „Da ist noch ein Tier. Das sieht aber eher aus wie ein vertrocknetes Blatt“, ruft begeistert ein Mädchen. „Genau, das ist eine Australische Gespenstschrecke, die sich zwischen trockenen, dünneren Blättern tarnt“, erzählt Dominik. „Und direkt daneben schmiegt sich eine Stabschrecke an den Ast.“ Auf einen vorsichtigen Anstubser des Zoomitarbeiters folgt eine kurze Bewegung. Dann erst erkennen die Besucher, was Dominik meint. Ein etwa 15 Zentimeter langes Insekt hat es sich mit angelegten Beinen an der Rinde gemütlich gemacht und erscheint wie ein trockener Ast. Mit mittlerweile geübtem Blick werden nun bald auch sechs weitere Stabschrecken entdeckt. „Das sind alles Vertreter aus der Ordnung der Gespenstschrecken, die im Laufe der Evolution ihre Tarnung perfektioniert haben, um nicht von anderen Tieren gefressen zu werden“, erläutert Elena. Doch nicht nur die Meister der Tarnung werden am Insektomobil präsentiert. Es finden sich auch ein paar Krabbeltiere, die von vielen Besuchern unter Ausrufen wie „Igitt!“, „Ekelhaft!“ und „Pfui!“ als „Kakerlaken“ identifiziert werden und scheinbar weniger schöne Assoziationen hervorrufen. „Diese Reaktion erleben wir beim Anblick der Madagaskar-Fauchschaben sehr häufig“, berichtet Elena. „Doch zum einen tritt dieses Insekt als „Ungeziefer“ überhaupt nicht in Erscheinung, zum anderen können wir an seinem Beispiel sehr gut ökologische Zusammenhänge erklären. So hängen viele andere Tierarten des Trockenwaldes Madagaskars vom Vorkommen der Fauchschaben ab, ganz einfach, weil sie sich von ihnen ernähren. Auf der anderen Seite sind diese Insekten als wichtige Destruenten dafür verantwortlich, sowohl pflanzliche, als auch tierische Abfallstoffe zu verwerten und somit zu beseitigen. Man müsste sie also viel eher als Nützlinge bezeichnen. Und das können wir den Besuchern hier sehr gut erklären. Zumal sich die Schaben sogar auf die Hand nehmen und streicheln lassen.“

KOALA / 11 Während Dominik eines der Tiere dem Terrarium entnimmt und erst einmal auf der eigenen Hand präsentiert, gibt er noch eine Warnung mit auf den Weg, indem er vom typischen Abwehrverhalten dieser Schabenart berichtet. Denn wenn sich eine Fauchschabe bedroht fühlt, presst sie unter lautem Zischen Luft durch ihre Atemöffnungen, was einem Fauchen tatsächlich sehr nahe kommt. Wer also eines dieser Tiere auf die Hand nimmt, sollte sich nicht erschrecken, wenn ein solches Geräusch ertönt. Während die Schabe nun von einer zur nächsten Hand wandert, greift entweder der berüchtigte Vorführeffekt, oder aber das Tier hat nichts zu befürchten, denn es bleibt still. Schließlich präsentiert Elena ein Tier, das man an einem Stand zum Thema „Insekten“ nicht erwarten würde, eine Vogelspinne. „Am Beispiel dieses Tieres können wir einfach sehr anschaulich den Unterschied zwischen Insekten und Spinnentieren erklären“, berichtet die Zoobegleiterin. Während sie die große Spinne auf ihre Hand führt und der staunenden Menge präsentiert, erklärt Elena, dass Spinnentiere allesamt acht Beine besitzen, wohingegen Insekten lediglich sechs Extremitäten aufweisen. Die direkte Konfrontation mit der Vogelspinne wirft natürlich viele Fragen auf: „Ist das nicht gefährlich, die auf die Hand zu nehmen?“, lautet eine davon. „Überhaupt nicht“, führt Dominik aus. „Vogelspinnen besitzen zum einen ein sehr schwaches Gift, zum anderen würden sich viele Arten dieser Familie gar nicht erst beißend verteidigen, so wie unsere Rote Chile-Vogelspinne hier. Sie weiß zudem, dass sie von uns nichts zu befürchten hat und bleibt einfach ruhig auf der Hand sitzen.“ Das Insektomobil bietet also nicht nur jede Menge interessante Fakten aus der Welt der Insekten und Spinnentiere, es dient auch dazu, dem ein oder anderen Besucher die Angst vor den vermeintlich gefährlichen Krabbeltieren zu nehmen. Einmal im Monat betreuen die Zoomitarbeiter den Stand im Tropenhaus Rio Negro. Auch zu ausgewählten Veranstaltungen kann das Insektomobil mitgenommen werden und bietet viele neue Möglichkeiten, allen Interessierten eine sonst eher wenig beachtete Tiergruppe näherzubringen. Philipp Schroeder Elena und Dominik präsentieren die Welt der Insekten.

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