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Bäderarchitektur im Ostseebad Binz -16.03.2019-

Bäderarchitektur im Ostseebad Binz

SAMSTAG, 16. MÄRZ 2019 RHEINISCHE POST xG−RW3 REISE & WELT E9 ERNÄHRUNG Sicher auf Reisen trinken und speisen Tropische Früchte, exotische Gewürze, traditionelle Backwaren: Auf Reisen wird auch gerne und gut gegessen. Gleichzeitig ist Durchfall eine der häufigsten Krankheiten bei Reisenden. So vermeidet man den kulinarischen Genuss mit unangenehmen Folgen. VON CHRISTINA WEISE Ein Land lernt man am besten durch seine Speisen kennen. Doch manche Spezialität kann auch auf den Magen schlagen. 80 Prozent aller Reise erkrankungen sind laut Weltgesundheitsorganisation auf verunreinigtes Trinkwasser zurückzuführen. Es ist somit das größte Gesundheitsrisiko für Urlauber. Da damit Lebensmittel gewaschen und Speisen zubereitet, aber auch Teller und Gläser gereinigt werden, kommen Urlauber damit häufig in Berührung. Die Folge können Magen-Darm-Beschwerden, Fieberschübe oder sogar Typhus sein. Das lässt sich vermeiden. Worauf muss ich bei Lebensmitteln besonders achten? Achten sollte man an erster Stelle auf Geruch und Aussehen – also das, was zu Hause auch gilt. Das kann anzeigen, ob ein Lebensmittel noch frisch ist. Darüber hinaus ist die Zubereitungsart ein Schutz. Lebensmittel sollten gekocht oder geschält sein, auf rohe Lebensmittel und Eiswürfel verzichtet man besser. Hierfür gibt es eine leicht merkbare Faustregel im Englischen: „Boil it, cook it, peel it or forget it“ (Koch es, schäl es oder vergiss es). Aber man sollte auch auf Speisen, die bei milden Temperaturen gelagert werden, im Zweifelsfall verzichten. Das gilt also für warme Buffets, wo man die Speisen meist nicht heiß serviert bekommt. „Nach guter Hygienepraxis müssen Buffets 60 Grad warm sein, damit die Bakterien sich nicht vermehren“, erläutert Andreas Daxenberger, Lebensmittelexperte des Tüv Süd. „Gefährlich wird es, wenn die Speisen nur lauwarm sind. Bei 40 Grad vermehren sich Bakterien umso schneller, da fühlen sie sich besonders wohl.“ Daneben ist man gut bedient, wenn man sich an die üblichen Hinweise hält: Wirkt das Personal sauber? Desinfiziert es sich die Hände, trägt es saubere Kleidung und das Küchenpersonal eine Kopfbedeckung? Sind Teller und Gläser gut gespült? Woher weiß ich, ob Wasser trinkbar ist oder nicht? Das lässt sich nicht einfach so erkennen. Lebensmittelexperte Daxenberger rät, sich bei Unsicherheit vor der Reise über das örtliche Trinkwasser zu informieren, etwa beim Reiseveranstalter und Hotelbetreiber, oder sich behördliche Informationen im Internet zu suchen. Im Zweifelsfall ist es besser, vorsorglich auf Leitungswasser zu verzichten. Und am besten ist es, sich sowieso an den Einheimischen zu orientieren: Wenn selbst sie verzichten und Wasser in Flaschen kaufen, sollte der Urlauber es erst recht tun. Welche Desinfektionsmethode hilft bei Wasser am besten: abkochen, chemisch behandeln, filtern oder UV-Bestrahlung? Das Aufbereiten des Wassers ist besonders in Regionen wichtig, in denen man sich selbst versorgen muss. Eine sichere Methode ist das Abkochen. Hierbei werden die allermeisten Keime abgetötet. „Das Wasser muss sieben bis zehn Minuten sprudelnd kochen – auf Meereshöhe“, erklärt Professor Tomas Jelinek, wissenschaftlicher Leiter des Centrums für Reisemedizin in Düsseldorf. In anderen Höhen hat das Wasser einen anderen Siedepunkt, was im Gebirge dann schwierig werden könnte. Dort funktionieren das Filtern und die chemische Behandlung besser, am besten Damit Reisende sich nicht etwa durch Früchte den Magen verderben, gilt die Faustregel im Englischen: „Boil it, cook it, peel it or forget it“ (Koch es, schäl es oder vergiss es). FOTO: ANDREA WARNECKE/DPA-TMN ist eine Kombination aus beidem. „Erst das Wasser durch den Kohlefilter laufen lassen und dann chemisch desinfizieren“, rät Jelinek. Das verhindert Amöben im Wasser, die das Chlor nicht beeindruckt, genauso wie kleine Bakterien, die noch durch den Filter passen. UV-Bestrahlung braucht eine lange Einwirkzeit von mehreren Stunden. „Die Stäbe gehen schnell kaputt, daher sollte man auf gute Qualität achten“, betont Professor Jelinek. Kann ich dem Trinkwasser von Abfüllstationen trauen? Geschlossene Wasserflaschen sind immer noch die beste Option, sauberes Wasser zu trinken. Da die Plastikverschmutzung ein großes Problem ist, gibt es in immer mehr Ländern Stationen, an denen Mehrwegflaschen aufgefüllt werden können. Diese werden meist regelmäßig kontrolliert, doch die Menschen vor Ort haben auch nur begrenzte Möglichkeiten, das Wasser zu desinfizieren. Bäderarchitektur im Ostseebad Binz ANZEIGE Unverwechselbarer Charme in Weiß Monat der Bäderarchitektur in Binz auf Rügen: Im Mai stehen die Villen im Mittelpunkt von Aktionen, Führungen und Ausstellungen. Die vielen weißen Villen und Logierhäuser, die Ende des 19. bis Anfang des 20. Jahrhunderts in Binz entstanden, gehören zu den historischen Bauten des Ostseebades und sind die besten Zeugen dieser Bauart überhaupt. Nirgendwo sonst an der deutschen Ostsee findet sich ein ähnlich erhaltener Ortskern dieses Architekturstils, der genau genommen gar keiner ist. Ihren Ursprung findet die Bäderarchitektur in der aufkommenden Badekultur an der Ostseeküste. Bereits im Jahr 1793 gründete Herzog Friedrich Franz I. von Mecklenburg-Schwerin mit Heiligendamm das erste Seebad Deutschlands. Da dem Herzog das Meerwasser jedoch zu kalt war, ließ er kurzerhand ein Badehaus mit einem beheizbaren Meerwasserschwimmbecken sowie ein Kurhaus im Stile eines antiken Tempels errichten. Rundherum entstanden Ensembles repräsentativer Gesellschafts- und Logierhäuser, die aufgrund ihrer weißen Farbgebung Heiligendamm den Beinamen „Weiße Stadt am Meer“ gaben. Die Bäderarchitektur war geboren. Ende des 19. Jahrhunderts kam der Badeurlaub auf Rügen in Mode. Viele der kleinen meernahen Dörfer wurden für den nun immer größer werdenden Gästeansturm ausgebaut. Auch in Binz, dem späteren Zentrum der Rügener Badekultur, entstanden unzählige Bädervillen, eine fast 600 Meter lange Seebrücke und ein Kurhaus. Schnell wich die ursprüngliche Dorfidylle dem Flair eines südländischen Urlaubsortes. Noch heute finden sich im Ostseebad Binz viele Bei einem abendlichen Spaziergang durch Binz bietet sich ein toller Anblick der eindrucksvoll beleuchteten Bäderarchitektur des beliebten Ostseebades. Im Bäderarchitektur-Monat Mai können Besucher ausgewählte Villen auch besichtigen. prachtvolle architektonische Erinnerungen an die Zeit des Übergangs vom 19. zum 20. Jahrhundert. Sie sind inzwischen restauriert und bieten als Hotels oder Pensionen den Urlaubsgästen ein einzigartiges modernes Urlaubsgefühl im historischen Ambiente. Die Grundarchitektur von Bädervillen lässt sich auf wenige Charaktereigenschaften begrenzen. Häufig handelt es sich um zwei- bis viergeschossige Gebäude, an deren Fassaden Balkone oder Veranden angebracht sind. Im Gegensatz zu Bäderbauten in anderen Regionen muten die Balkone in Binz sehr filigran und weniger massiv an. Herausragende Beispiele der Binzer Bäderarchitektur sind heute bei individuellen oder geführten Spaziergängen zu bewundern. Nach 1990 wurden die meisten Bädervillen und historischen Logierhäuser aufwendig restauriert und damit der Charme vergangener Zeiten erhalten. Besonders entlang der Strandpromenade reihen sich prächtige, reich verzierte Hotels, Pensionen und Villen aus der Zeit der Jahrhundertwende aneinander. Eines der bedeutendsten Gebäude des Seebads ist das direkt am Kurplatz gelegene Kurhaus. Nachdem ein Brand den hölzernen Vorgängerbau zerstört hatte, wurde im Jahr 1907 mit dem Bau eines neuen Kurhauses begonnen, dessen Ausmaße damals wie heute einer Schlossanlage ähneln. Ein traditionsreiches Gebäude der Kaiserzeit, das nicht nur jede Menge Urlaubsgäste beherbergte, sondern auch schon große Namen wie Helmut Kohl, Angela Merkel oder den norwegischen Kronprinzen Haakon mit seiner Gattin Mette-Marit, ist die Villa Salve. Ursprünglich als Logierhaus ersten Ranges für die eigene Familie und Verwandtschaft geplant, war die Villa Salve Tagungsort einer Freimaurer-Loge, später Kindersanatorium und Kindergarten. Seit 1992 ist die Salve familiengeführtes Hotel mit Restaurant und Bar. Die malerische Villa Haiderose an der Binzer Promenade ist ein Jugendstilbau, der heute mit seinen hochwertig ausgestatteten Apartments Gäste Die „Binzer Zaunkönige“: Die Programmreihe zeigt Kleinkunst in den Vorgärten der Villen. empfängt. Wie es zu der Namensgebung kam und warum „Haiderose“ so eigenwillig geschrieben wurde, liegt bis heute im Dunkeln. Sicher ist nur, dass ein Förster aus Ostpreußen im Jahre 1896 das Haus direkt am Strandufer erbauen ließ. Nach umfangreicher Sanierung eröffnete die Haiderose 1999 als Fünf-Sterne-Apartment-Haus. Die Geschichte der Villa Sturmvogel ist jener der vielen anderen Bäderbauten in Binz ähnlich. Ehemals errichtet als Villa Möwe im Jahre 1894 diente sie um die Jahrhundertwende als Pensions- und Logierhaus für sogenannte Sommerfrischler. Mit einem bezaubernden Meerblick ausgestattet, bietet die Villa Sturmvogel mit ihren neun Apartments heute ein gemütliches Zuhause auf Zeit. Wer sich auf eine Entdeckungstour durch den historischen Binzer Ortskern begibt, wird an einigen Häusern QR- Codes des Binzer Villen-Rundgangs finden. Per Smartphone oder Tablet-PC kann der Code an den Gebäuden gescannt werden. Interessierte gelangen so zu einer Website mit wissenswerten und kuriosen Fakten über Entstehung, Besitzer und Nutzung des Hauses. Ergänzt werden diese Daten durch historische Abbildungen. Auf diese Weise können Besucher die Binzer Bäderarchitektur ganzjährig auf eigene Faust entdecken. Wer sich hingegen lieber von ortskundigen Reiseführern die Geschichte von Binz und seiner einzigartigen Architektur erklären lässt, hat dazu immer mittwochs die Gelegenheit bei einer Ortsführung ab dem Haus des Gastes. Höhepunkte im Rahmen des Bäderarchitektur-Monats sind das Anbaden am 1. Mai, die Aktion „Binzer Zaunkönige“ – Kleinkunst in den Vorgärten am 5. Mai, die geführten Villen-Besichtigungen unter dem Titel „Hereinspaziert in die Villen“ immer donnerstags sowie das Finale am 31. Mai mit einer fulminanten Licht-, Ton- und Pyroshow auf der Seebrücke, deren 25-jähriges Jubiläum gefeiert wird. Programm und Informationen auf www.binzer-bucht.de

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