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Wohin zu den Festtagen -11.11.2017-

Wohin zu den Festtagen

Wohin zu den Festtagen DIE BREITACHKLAMM IN OBERSTDORF Von Karneval bis Ostern Die ganze Welt des Reisens jeden Mittwoch und Samstag in Reise&Welt. Rheinische Post Neuß-Grevenbroicher Zeitung Bergische Morgenpost Solinger Morgenpost RP Online Hinter dem Eisvorhang Oberstdorf kennt man wegen des Skispringens und der Pisten auf Fell- und Nebelhorn. Aber auch für weniger Sportliche gibt es hier im Winter einen der spektakulärsten Orte der bayerischen Alpen: die Breitachklamm. VON FLORIAN SANKTJOHANSER Wie ein Flammenschwert strecken die Kinder ihre Fackel dem Eisvorhang entgegen. Dahinter starren ihre Eltern ebenso ehrfürchtig auf die umgedrehten Orgelpfeifen aus Eis. Lichter von Stirnlampen tanzen auf den überhängenden Felswänden, werfen Schlaglichter in den Abgrund, wo man den Fluss rauschen hört. Es ist Freitagabend, Zeit für eines der beeindruckendsten Schauspiele in den bayerischen Alpen: die Fackelwanderung in der Breitachklamm. Eine Kette von Lichtern zieht sich durch die Schlucht. An Spitzentagen kommen 600 Leute. An manchen Stellen wird es ungemütlich eng. Wer sich genauer ansehen will, wo er im Halbdunkel herumgetapst ist, kommt am Tag wieder. Oskar Fischer ist der Guide auf der Runde durch die Klamm und zurück über die Alpe Dornach. Er ist 78, aber um seine Fitness muss man sich nicht sorgen. Der Bergführer wandert das ganze Jahr über mit Gruppen durch die Allgäuer Berge. „Ich halte den Werbebegriff Naturdenkmal für falsch“, hebt Fischer an. „Ich sage lieber Naturereignis.“ Denn Wasser, Sand und Kies fressen sich weiter in den weichen Kalkstein, jedes Jahr ei- „Der Name wurde aus touristischen Gründen eingeführt“ Oskar Fischer Wanderführer Bizarre Formationen: Wenn das Wasser in der Breitachklamm im Winter gefriert, entsteht ein mächtiger Eisvorhang. nen Zentimeter. „An diesen Gletschertöpfen sieht man das besonders schön“, sagt Fischer und zeigt auf eine blank polierte Auswaschung. Erdgeschichtlich ist die Klamm blutjung, rund 15.000 Jahre, ein Relikt aus der letzten Eiszeit. Nach dem Abtauen des 700 Meter dicken Gletschers im Kleinwalsertal suchte sich das Schmelzwasser einen Weg durch den harten Schrattenkalk hinunter ins Illertal. Es fand einen Riss und begann, in ihm zu arbeiten. Bis heute. Über der Tür des Tunnels hängt eine Plakette mit dem Porträt von Johann Schiebel. Er war zu Beginn des 20. Jahrhunderts Pfarrer in Tiefenbach und hatte die Idee, den Zwing zu erschließen. „Damals nannten es alle den Zwing“, klärt Fischer auf. Das bedeutet eingezwängtes Wasser. „Der Name Breitachklamm wurde erst später aus touristischen Gründen eingeführt.“ Schiebel hatte den aufkommenden Tourismus in Oberstdorf gesehen, er wollte, dass seine neue Gemeinde daran verdient. Zuvor war die Schlucht wild und unzugänglich. Arbeiter sprengten in der Klamm, sie hackten Treppen in den Fels, bauten Brücken und Geländer. Am 5. Juni 1905 wurde die Eröffnung gefeiert. Und schon bald zeigte sich, was für einen Hit Schiebel gelandet hatte. Im ersten Jahr kamen bereits 25.000 Besucher. Heute zählt man Jahr für Jahr rund 300.000 Gäste. Die Gewalt des Wassers zeigt sich am dramatischsten in der inneren Klamm. An der engsten Stelle ist die Schlucht nur zwei Meter breit, auf einer Brücke drängeln sich die Wanderer. „Im Sommer laufen die Leute hier schnell durch, weil der Wasserfall sie nass spritzt“, sagt Fischer. „Aber im Winter ist hier immer Stau.“ Denn der Wasserfall ist nun zu einem Wie Diamanten funkelt der Schnee in der Luft: Die Breitachklamm bietet spektakuläre Motive. FOTO: FLORIAN SANKTJOHANSER fantastischen Vorhang aus Eis erstarrt. Wenn es taut, können diese Eiszapfen abbrechen. Die Wanderung wäre dann lebensgefährlich, sagt der Guide. Ebenso wie nach starkem Schneefall, wenn Lawinen in die Schlucht stürzen können. Deshalb bleibt die Klamm an INFO Breitachklamm Anreise Vom Busbahnhof in Oberstdorf fährt mehrmals täglich ein Bus zum Eingang der Klamm bei Tiefenbach. Alternativ kann man den Bus der Linie 1 ins Kleinwalsertal bis zur Walserschanze nehmen und zum oberen Eingang gehen. Reisezeit Die Breitachklamm ist im Sommer von 9 bis 17 Uhr und im Winter von 9 bis 16 Uhr geöffnet. Die Fackelwanderung wird im Winter jeden Dienstag und Freitag ab 19 Uhr angeboten. Informationen Breitachklammverein Tel. 08322 987670 E-Mail: info@breitachklamm.com rund einem Drittel der Wintertage geschlossen. Wie wild die Breitach immer noch ist, kann man an einer grünen Leiste in der Felswand ablesen. Ganz oben der Rekord vom 23. August 2005: Damals donnerte das Wasser 6,60 Meter über der Brücke durch die Klamm und verwüstete den FOTO: ANDREAS GEBERT Weg. Aber auch die autogroßen Felsen, die sich zu einer Naturbrücke verkeilt haben, lassen die Gewalt ahnen. Fischer wandert weiter. Von den Bäumen in der Höhe wehen Schneeschleier herab, die im Gegenlicht wie Diamantenstaub glitzern. Und ein Schneeball, den jemand von dem Brücklein weit oben geworfen hat. „Das ist der Zwingsteg“, sagt Fischer. Jahrhunderte lang überquerten Schmuggler auf ihm die Grenze zwischen den Bistümern Konstanz und Augsburg. Unterhalb erkennt man ohne viel Fantasie eine Nase in der Felswand. „Das Indianergesicht“, sagt Fischer. Oder, wie es sein humanistisch gebildeter Lehrer nannte, das Dante-Gesicht. Die innere Klamm endet hier, bald führt eine Metalltreppe hinauf zum Kassenhäuschen am Nordeingang. Hier muss man sich entscheiden: entweder weiter durch die obere Klamm wandern, oder links die Serpentinen bergauf steigen, die zum Zwingsteg führen. Die meisten Besucher entscheiden sich für die zweite Variante. Dort wartet die ersehnte Wärmestube, die Alpe Dornach. Dort bleibt nur noch eine Gefahr – hier bis zum Abend hängenzubleiben.

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